25.05.: Zu viel für meine Moral

„Die Auswanderer“, „Die strengsten Eltern der Welt“ oder ein ganz normales Beachhotel in Kambodscha – wo sind wir hier eigentlich gelandet?
Am Nachmittag taucht ein anderer Deutscher auf. Er scheint der Boss zu sein und obendrein mächtig böse auf seine Kumpels und die Kinder: „Ich war nur ein paar Tage weg und es ist alles kaputt!“
Die Stimmung ist ziemlich schlecht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es am Abend eine Party geben soll und bis dahin noch ganz viel vorbereitet und repariert werden muss. „Der Michi* hat Geburtstag“, das hören wir heraus und stellen uns innerlich schon auf viel Lärm bis spät nachts ein.
Unser Plan A ist, einfach selbst auszugehen, um diesem „Expat-Loch“ zu entfliehen. Irgendwann wird es aber in dem Nachbarbistro zu langweilig, weil wir lange aufgegessen und schon mehrere Runden Billard bespielt haben. Als es dann auch noch anfängt, zu regnen, geben wir uns geschlagen und trotten zurück zu unserer Hütte. „Pass auf, auf der Party wird es zwar lauter weiße Männer geben, aber außer mir keine weitere westliche Frau.“, kündige ich Jonas auf dem Rückweg an, aber er will es nicht glauben.
Da Plan A nicht funktioniert hat, schreiten wir zu Plan B und der heißt: Attacke!
Jonas gratuliert dem Michi ganz elegant und wird sofort in ein Gespräch „von Deutschen zu Deutschem“ verwickelt. Ab da kann auch ich mich nicht mehr auf der Sitzecke verkriechen. Deutschsein scheint zu verbinden, zumindest hier. Wir werden sofort sehr nett aufgenommen und gut vom Chef und seinen Kumpels unterhalten, das muss man schon sagen. Währenddessen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren; es wird eifrig telefoniert, der Tisch gedeckt und die Bowle angesetzt.

Und irgendwann stolpern drei herausgeputzte kambodschanische Ladys in das Etablissement. Sämtliche natürliche Schönheit, mit der alle Khmer-Frauen gesegnet zu sein scheinen, haben sie hinter zentimeterdickem Make-up und hochtoupierten Haaren versteckt.
Ich hatte also Recht.
Sofort wird leise getuschelt: „Welche ist denn jetzt für wen? Ist die da für den Michi? Dann guck mal, dass sie sich gleich zu ihm setzt!“, und schon stürzt der Boss auf die drei Mädchen zu und unterhält sie, bis die Männer, für die sie bestimmt sind, anwesend sind. Auch für Marvijn*, den holländischen Gast, wurde eine Lady bestellt, ohne dass er davon wusste. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass er noch nicht so ganz weiß, wie er mit diesem „Geschenk“ umgehen soll. „I never paid for this. But maybe I have to learn to cross my own borders.” Na dann mal raus aus deiner Komfortzone.
Anfangs sind die Mädchen ziemlich schüchtern, doch mit jedem Glas Bowle – zu der wir übrigens auch eingeladen werden – nähern sie sich ein bisschen mehr den Männern an. Für den Boss geht das trotzdem noch zu langsam und er versucht, seinen Sohn dazu zu bewegen, das Ganze in Schwung zu bringen. Der ist aber schon mit dem einen Mädel, das für ihn bestimmt ist, überfordert, weil sie ihn mit seinen 15 Jahren logischerweise nicht ganz für voll nimmt und ihn wie einen kleinen Bruder behandelt. Auch unserem holländischen Kumpel muss ein bisschen geholfen werden. Fassungslos schaut er die Kleine an, die für ihn vorgesehen ist und soll sich auf Wunsch des Chefs mit ihr unterhalten. „But how should I talk to her if she doesn’t even speak English?“, fragt er fast verzweifelt.  Aber kein Problem, ein anderes Mädchen dolmetscht die oberflächlichen Sätze, die gewechselt werden.

Endlich wird das Essen serviert und die peinlichen Gesprächspausen zwischen Männern und Frauen können dadurch kompensiert werden. Da nebenbei genug Alkohol fließt, wird die Stimmung trotzdem allmählich gelöster und irgendwann nähern sich alle an, egal ob sie füreinander bestimmt waren oder nicht. Es herrscht eine allgemeine Stimmung des Flirtens und Andeutens. Am Ende zieht die ganze Gesellschaft in die Stadt, um dort in einen Club zu gehen. Ob wir nicht mitkommen wollen, werden wir mehrmals gefragt. Verständnislos gucken uns alle an, als wir beteuern, dass wir genug gehabt hätten. Genug Alkohol und vor allem aber genug für die Moral. Das muss ich erstmal verdauen.

Der Abend scheint sich noch gut entwickelt zu haben. Abgesehen davon, dass die Lady des Geburtststagskindes scheinbar zu viel Bowle hatte und sich schon im Club mehrmals übergeben musste. Die Nacht hat sie trotzdem in seinem Zimmer verbracht. Unser holländischer Kumpel musste am Ende selbst für seine Nacht aufkommen. Aber bei einem Spottpreis von 30$ wird er sich wohl kaum darüber beschwert haben. Wirklich nur 30$? Ja, schließlich habe sie ja dafür auch noch ein Abendessen, kostenlose Getränke, die Tuktukfahrt und den Eintritt in den Club bezahlt bekommen.
Zu viele Infos. Nach diesem Einblick in das Leben als Expat am Strand sind wir dankbar dafür, dass wir weiter können. Und für die Bowle, denn die war wirklich lecker. Also rein in den Regen und die schaukelnden Wellen Richtung Insel, Koh Rong Samloen.

*zu Gunsten der Beteiligten wurden die Namen von der Redaktion geändert.

 

24.-25.05.: Sihanoukville und Otres Beach

Regen, Regen, Regen

Jetzt ist sie also da, die Regenzeit, und wir sind mittendrin. Je weiter unser Minivan sich nach Süden, Richtung Meer, vorarbeitet, desto grauer wird es am Himmel. Die flache Landschaft weicht dicht bewaldeten Bergketten, die jedoch kurz darauf schon wieder in den Wolken verschwinden. Kurz vor Sihakoukville, unserem Reiseziel, beginnt es zu regnen. Und dann zu plätschern. Und dann zu schütten. Der nette Mann neben uns will, genau wie wir, in Sihanoukville ein Boot auf die Insel nehmen. Doch angeblich sei es heute so stürmisch, dass gar keine Boote fahren würden. Seine Familie habe ihn gerade angerufen und ihn vor einem Unwetter gewarnt. Jonas und ich bleiben optimistisch und wollen in Sihanoukville trotzdem direkt zum Ticketschalter der Fähren fahren und uns nach Booten erkundigen.

No boat today

Als wir in der Stadt ankommen, strömt der rote Schlamm in kleinen Bächen den Straßenrand hinunter. Auf dem Asphalt bleiben massenweise Plastiktüten und Müll zurück. So stürmisch wie es noch immer ist, wird es bestimmt wirklich kein Boot geben. Und damit sollten wir Recht behalten. „Too much rain. No boat. Rainy season.“ Ja, aber dass es so stark regnet, ist doch nicht normal, oder? Irgendwann muss es doch wieder aufhören. “Maybe one week. Maybe on Saturday is better.“ Also suchen wir uns eines der nahegelegenen Hostels, die alle gleich aussehen, was aber auch egal ist, da wie ja sowieso nur kurz hier bleiben wollen.

Tuktukfahrt zum „Die Auswanderer“-Set

Am nächsten Morgen sieht es leider nicht viel besser aus. Grau in Grau empfängt uns die Stadt und nach weiteren Recherchen geben wir es auf, demnächst auf die Insel zu kommen. Also zuckeln wir in einem Tuktuk die Sandstraße an den Otres Beach hinunter. Hier wollen wir bleiben, bis irgendwann wieder Boote fahren. Nach all dem Regen und Sturm sieht der Strand seltsam einsam und verlassen aus; viele der Hütten stehen zersaust und leer da. Im E. G. Hostel mieten wir uns in ein Blätterhüttchen ein und verbringen den Tag mit Strandspaziergängen, Wellenhüpfen und ausgiebig viel Zeit zum Lesen. Irgendwann lugt sogar mal die Sonne hinter den Wolken hervor und beschert uns am Ende sogar noch einen silbrigen Sonnenuntergang.

Wo wir hier eigentlich gelandet sind, wird uns erst gen Abend klar. Auf einmal tauchen zwei weiße halbstarke Kinder auf und benehmen sich so, als ob sie was zu sagen hätten. Den ganzen Tag über war nämlich außer drei kambodschanischen Angestellten niemand im Hotel gewesen. Und diese drei chillten auch eher als dass sie arbeiteten, obwohl es viel zu tun gegeben hätte. Die Rezeption und Bar waren meistens unbesetzt und wenn man etwas brauchte, fand man den einen meistens auf dem Sofa liegend mit Ohrstöpseln im Ohr. Nun sind da also diese zwei Teenager und befehlen dem einen Angestellten gestenreich, den Sand, den der Regen vorher weggespült hatte, wieder auf das Gelände zu schaufeln. Scheinbar hat er keinen Bock dazu, sie diskutieren, telefonieren und irgendwann legt der Junge selbst Hand an, obwohl er den Sand eher bittet, nach oben zu gehen, als tatsächlich zu schaufeln. Irgendwie seltsam, dieser Laden. Wir stellen wilde Theorien auf, wer hier wohl der Boss sein mag.
Etwas später tauchen dann doch ein paar Erwachsene auf. Deutsche, wie unüberhörbar ist: „You look mal. This is in the dschungel, aber outside.“ Sie scheinen ein entspanntes Stranddasein zu führen, quatschen mit den Gästen, während sie sich einen Drink nach dem nächsten reinknallen und über die Party des letzten Tages sprechen.
Wie die zwei Männer mit den zwei Kindern zusammenhängen, ist uns immer noch nicht ganz klar, und was die junge kambodschanische Angestellte damit zu tun hat, auch nicht. Aber die Szenerie lässt einen sofort an die Serie „Die Auswanderer“ aus dem Fernseher denken. Wir überlegen, mal im Internet nach einer Folge von Kambodscha zu suchen, geben dann aber auf und genehmigen uns auch einen Cocktail in diesem „Lebervernichtungslager“, bevor wir uns in unsere Hütte zurückziehen, ohne dass sie uns als ihre Landsleute enttarnen konnten.

23.05.: Ein trauriges Kapitel der Landesgeschichte

Wir haben uns an diesem Tag Zeit genommen, uns ein wenig mit der kürzlichst vergangenen Landesgeschichte auseinanderzusetzen. Da war diese Kommunistengang „Rote Khmer“ oder „Khmer rouge“, die sich überlegt haben, einen kommunistischen Bauernstaat zu schaffen. Es sollten alle Bauern werden. Und die Intellektuellen wurden umgebracht. So einfach ist das. Gemäß einem Leitspruch „Wenn man Unkraut jäten will, muss man es an der Wurzel entfernen“, hat die Organisation nicht nur die Intellektuellen umgebracht, sondern gleich deren ganze Familie.
Eine weitere Leitparole war:
„Lieber versehentlich einen Unschuldigen töten, als versehentlich einen Feind am leben lassen“.
So starben in deren Regentschaft von 1975-1978 zwischen 1,4 – 3,0 Millionen Menschen; sie wurden getötet, sind verhungert oder an Erschöpfung gestorben. Die ungenauen Angaben rühren daher, dass noch nicht alle Killing fields gefunden und exhumiert sind oder daher, dass einige die Hungertoten mit den tatsächlich Getöteten zusammenzählen wurden oder halt nicht.
Wenn man mal von ca. 3 Jahren Rote Khmer und 3,0 Millionen Toten ausgeht, heißt das, dass pro Jahr 1 Million Menschen gestorben sind. Das heißt, pro Tag sind ca. 2739 Menschen gestorben. Pro Tag! Völlig verrückt. Neben dieser Schweinerei, überhaupt Menschen zu töten, steht da natürlich auch ein riesengroßer logistischer Aufwand. Die mussten ja alle von A nach B gekarrt werden, dann getötet und dann noch verbuddelt. Verrückt.

Die Khmer Rouge unter dem Anführer Pol Pot hat sich doch tatsächlich überlegt, die komplette geistige Elite des Landes zu eliminieren. Was für ein dummer Gedanke. Dabei sind natürlich tausende Menschen unter anderem aufgrund medizinischer Missstände auf dem Weg geblieben, weil Ärzte zu den zuerst ermordeten zählten. Bücher wurden verbrannt, Geld wurde abgeschafft. Händler, Lehrer, Mönche und beinahe die gesamte geistige Elite fielen der Massensäuberung zum Opfer. Die Menschen, die übrig geblieben sind, konnten teilweise nicht mal rechnen oder schreiben. Wer aus Versehen zu gut denken konnte, wurde ermordet. Ja, aber mit welchem Ziel denn? Des weiteren wurden alle Menschen in ganz Kambodscha aus den Großstädten vertreibt und quer durch das Land umgesiedelt; und wenn‘s dann noch nicht passt, werden die Menschen halt gleich noch mal umgesiedelt, nur, damit sein Agrarkommunismus gelingt.

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Zu diesem Thema haben wir uns zwei Locations angesehen. Das eine waren die Killing Fields nahe Phnom Penh. Dort wurden Menschen in Scharen hintransportiert, um getötet zu werden. Gas oder Pistolenkugeln waren zu teuer, deswegen wurden Schlagwerkzeuge aller Art (Schaufel, Beil, Metallrohr, Stock,…) als Waffe benutzt, um den Menschen die Schädel einzuschlagen. Anschließend wurde mit einem sehr scharfkantigen Blatt der Zuckerpalme deren Kehle durchgeschnitten, um sicherzugehen, dass sie tot sind. Kleinkinder wurden der einfachheitshalber mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen. Diese ganzen Informationen konnten wir durch eine sehr gute Audio-Tour bekommen. Gespickt mit Musikeinspielungen und Berichten von Überlebenden wurde dort ein Rundweg bereitet, bei dem man seine Gedanken schweifen lassen und das Gehörte verarbeiten konnte. An den Gräbern und an dem Killing tree haben Menschen (wahrscheinlich viele Traveller) Freundschaftsbändchen an den Baum oder an den Zaun gebunden. Was für eine schöne Geste.

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Längst sind noch nicht alle Gräber vollständig exhumiert.

 

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In der großen Pagode werden Schädel und andere große Knochen aufbewahrt. Sie sind nach Alter der Ermordeten sortiert und katalogisiert.

 

Viel verstörender war das S21, früher eine Schule, dann ein Gefängnis, heute das Genozidmuseum. Dort wurden Menschen aller Art (erst vermeintliche Gegner der Organisation, später auch Genossen, die sich verdächtig benommen haben) gefangen gehalten und so lange gefoltert, bis sie gestanden haben, dass sie etwas Böses getan haben. Das Blöde ist nur, dass die Gefangenen teilweise überhaupt nichts getan hatten. Sie wurden trotzdem so lange gefoltert, bis sie gestanden haben. Ein bisschen so wie bei einer Hexenverbrennung. Wenn sie dann gestanden hatten, wurden sie getötet – diesmal aus gutem Grund, sie hatten ja schließlich ein Verbrechen gestanden, welches in den Akten vermerkt werden konnte.
Wenn jemand zu schwach zum Gestehen war, wurde er wieder aufgepäppelt, damit er gestehen konnte, um getötet zu werden. Dafür wurde ein Arzt gerufen. Einen Arzt? Die haben doch alle Intellektuellen umgebracht?! – Diese „Ärzte“ haben eine 3-monatige Grundausbildung bekommen, in der sie gelernt haben, Spritzen in Kissen zu stecken. Diese Aufpäppelungsspritzen bestanden aus Essig, Mehl und noch irgendwas. Und damit wurden sie auf die Gefangenen losgelassen. Und hier beißt sich die Kuh in den Schwanz.
1. Warum päppelt man Leute auf, um sie danach zu töten?
2. Warum bringt man die Ärzte um, um danach neue auszubilden?
3. Warum überhaupt?

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In diesem alten Schulgebäude wurden die Klassenzimmer etwas umstrukturiert. Es wurden hölzerne oder steinerne Wände zu Einzelzellen gezogen. Es wurden Haken in den Boden eingelassen, um dort Menschen anzuketten und die durchlaufenden Balkone vor den Klassenzimmern wurden mit Stacheldraht versehen, weil sich irgendwann mal jemand aus dem dritten Stock in den Tod gestürzt hatet. So weit käme das noch. Selbstmord wurde nicht geduldet. Erst musste ein Verbrechen gestanden werden, damit man sterben durfte.
Nur die Spielgeräte im Innenhof zeugen noch von dem ehemaligen Pausenspaß. Weswegen auch immer haben die Roten Khmer diese stehen lassen.

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In der einen Ecke sitzt ein alter grauhaariger Mann. Es ist Chum Mey, ein Überlebender. Er verkauft Bücher mit seiner Lebensgeschichte, die in 6 Sprachen übersetzt worden ist. Neben diesen hunderten Fotos mit Gesichtern der Menschen, die in dieses Gefängnis gekommen sind, ist dieser lebende Mensch tatsächlich eine emotioinale Herausforderung. Da sitzt er nun, der Zeitzeuge, und strahlt glücklich, dass er mit den Besuchern aus aller Welt ein Stück Geschichte teilen kann. Und da stehen all diese Besucher mit den Audiotourkopfhörern auf den Ohren und hören sich in ihrer Landessprache seine Zeitzeugengeschichte an. Die Besucher gucken betroffen durch die Gegend, er strahlt. Verkehrte Welt. Danke alter Mann. Danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast.

Irgendwie will mir diese ganze Klassenkampfgeschichte nicht einleuchten. Irgendwie habe ich da noch keine erkennbare Ideologie gefunden. Keinen Sinn.

Das Brisante ist, dass Pol Pot als Bestrafung Hausarrest bekommen hat und bis zu seinem natürlichen Tod irgendwo im Wald mit seinen Kindern und Enkelkindern gelebt hat. Andere Khmer Rouge aus der Führungsebene haben erst weit in den 2000ern einen Prozess bekommen. Das sind mehr als 30 Jahre später. Für mich unverständlich.

22.05.: Royal Palace mit ohne Silberpagode

Es geht zum Königshaus. Wenn wir schon mal in einem Königreich sind, dann kann man sich auch gleich sein Wohnhaus angucken. Tatsächlich habe ich mir auch mal überlegt, etwas Ähnliches für mich zu bauen. Ein nettes kleines Empfangszimmerchen mit goldenen Thron und langem roten Teppich, ein bisschen goldene Dachschindeln mal hier und mal da und den Familienschmuck (Zepter und Krone) in einem eigenen kleinen Häuschen auf dem Platz hinter dem Empfangstor, falls mal jemand vorbei kommt. Drumherum ein paar rasierte Bäume… So ließe sich das Leben leben.

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Nebenan, quasi auf dem Nachbargrundstück, hat sich die Königsfamilie seit Generationen begraben lassen. Für die verstorbenen Könige, deren Ehepartner und teilweise auch für Kinder, die nicht König geworden sind, wurden hier Denkmäler und Stupas geschaffen. Ein weiteres Highlight soll laut Reiseführer die Silberpagode sein. Die wurde zwar mit handgeschriebenen Schilder und Pfeilen ins Irgendwo ausgeschildert, gefunden haben wir sie jedoch nicht. Erst bei anschließenden Recherchen haben wir festgestellt, dass es sich bei der Wat Praeh Keo Morokat um eben diese Silberpagode handeln soll. Angeblich, weil der ganze Boden voller silberner Kacheln sei. Das konnten wir jedoch nicht überprüfen, weil alles mit Teppichen ausgelegt war.

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Nach einer kurzen Pause haben wir am Nachmittag noch das Nationalmuseum besucht. Die haben praktischerweise alle Exponate nach Material sortiert. Schade nur, dass sonst kaum was beschrieben ist und dass es kreuz und quer durch die Jahrhunderte sortiert ist. In den Ecken des Rundgangs ist jeweils eine völlig aus dem Zusammenhang gerissene Sonderausstellung. So stehen beispielsweise hinduistische Steinskulpturen neben einem ErsteweltkriegU-Bootdokumentationsfernseher.

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Zu beachten ist hier das charmante Hinweisschild: „No sitting“ 😛

Abends gab es nach einer entspannenden Massage bei einem fast-Gewitter-Himmel-Sonnenuntergang amüsante Cocktailkreationen inklusive Fotosession.

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21.05.: Stadtrundführung in Phnom Penh

Wat Phnom

Wir sind nach dem Wäschewaschen  ganz entspannt mit Tini durch die Stadt spaziert. Natürlich ohne Sonnencreme, denn heute war es endlich mal nicht so heiß, dass man so etwas bräuchte. Schließlich hat die Regenzeit angefangen und außerdem weht hier ein laues Lüftchen. Wir haben uns den Wat Phnom angeschaut, ein künstlicher Hügel, der vor ziemlich langer Zeit errichtet worden ist und auf dem der namensgebende Wat (Tempel) für diese Stadt steht. Neben einer sehenswerten buddhistischen Bildergalerie, die darauf schließen lässt, dass es hier in Kambodscha einen stärkeren Hinduismuseinfluss gab und gibt, waren dort auch einige Statuen.

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Wie auf den Fotos vielleicht zu erahnen ist, stecken die Menschen hier ziemlich viele Geldscheine an diese Statuen, wobei für mich der Vergleich mit einem Stiptease-Lokal nahe liegt. Aber das dürfen wir keinem verraten, sonst würden wir den Göttern, Heiligen und/oder Königen nicht gerecht.

Am Nachmittag gab es einen Fruchtsaft. Dieses von uns viel geliebte Erfrischungsgetränk, welches in Vietnam mit Zucker und vor allem sehr leckerer gesüßter Kondensmilch zubereitet gehört, wird hier tatsächlich ohne Zucker zubereitet. Schmeckt anders, ein bisschen fad. Halt eben natürlich. Gut.

Wir zahlten mit Dollars und Riel

Eine neue Erkenntnis war, dass man hier in Kambodscha scheinbar nicht nur in der Landeswährung Riel bezahlen kann, sondern auch in Dollar. Dass das hier in Südostasien ein übliches Notzahlungsmittel sei, wussten wir schon. Dass aber alle Preise direkt in US Dollar angegeben werden, war mir neu. Ehrlich gesagt erlebe ich die Leute hier teilweise hilflos bis verzweifelt, wenn man in Riel bezahlen will. Dann wird ein Taschenrechner rausgeholt und manche haben das Wechselgeld nicht mal parat. Aber das ist nicht so schlimm, dann wird einfach in Dollar rausgegeben.

Folktanz auf Khmer

Abends haben wir uns eine Folkloretanzvorstellung angesehen. Beim kurzen Anblick auf die Instrumente im Orchester habe ich mich mental auf eine ähnlich ungewohnte Geräuschkulisse wie im Marionettentheater in Mandalay vorbereitet, wurde aber zum Glück enttäuscht. Durch den rhythmischen Trommelschlag wurde die für mich immer noch sehr wilde Musik in halbwegs systematisierbare Taktsequenzen gegliedert und damit gut hörbar. Wie jedoch dieser kehlig-leiernde Gesang, Tänzer und Musiker aufeinander gehört haben, ist mir leider nicht ersichtlich geworden. Die männlichen und weiblichen Tänzer haben eine sehr abwechslungsreiche und durchkostümierte Show dargeboten, bei der die unterschiedlichen Tanzstile und traditionellen Tänze aus verschiedenen Ecken des Landes, aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Volksgruppen aus Kambodscha gezeigt wurden.

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Da war dieser Göttertanz mit Glitzergold und Krone auf dem Kopf, bei dem sich die Tänzerinnen langsam, ballettartig mit maximaler Körperspannung über die Bühne bewegt haben. Wenn sie die Handflächen aneinander gelegt haben, konnten sie die Finger (an der Fingerspitze gemessen) mehr als eine Geodreiecklänge auseinanderbiegen. Das muss man mal ausprobieren. Ich schaffe 5 cm.
Dann war da dieser Fischertanz, bei dem alte Fischerwerkzeuge als Tanzmedium integriert wurden. DSC04011
Dann war da dieser Tanz mit wunderschönen Pfauenkostümen. Ähnlich wie bei „König der Löwen“ verschmolzen hier Tänzer und Kostüm zum Tier.
Dann war da dieser Kampftanz, bei dem die Männer speerdrohend und gebärdend um einen Büffelkopf herumgetanzt sind, während die Frauen hüftschwenkend im  Hintergrund sehr gut aussahen.
Dann war da diese von Clownerie durchzogene Liebesgeschichte, bei der die männlichen Tänzer die Augenbrauen in der Mitte nach oben geschminkt hatten. Das sah an sich schon relativ lustig aus, aber als die dann auch noch so fein grimassiert haben, musste ich doch hin uns wieder kichern.
Insgesamt eine empfehlenswerte Performance, bei der man eine gute Übersicht über die hiesige Tanztradition bekommt.

Abends gab es auf Wunsch von uns gefüllte Pfannkuchen. Und zwar mit in Kokosmilch geschmorten Nadelpilzen und Blauschimmelkäse.  Ich dreh durch. Das ist vielleicht lecker.

Das mit dem ohne Sonnencreme rausgehen war übrigens eine Schnapsidee. Wir haben uns alle drei gehörig verbrannt.

 

20.05.: Flug nach und Ankunft in Kambodscha

Früh morgens haben wir uns mit einem langen Frühstück von Lola verabschiedet. Anschließend haben wir im Flight Emirates Büro im 14. Stock (keine Fenster, aber bestimmt schöne Aussicht) unseren Flug umgebucht. Eigentlich sollten wir am 30.06. zurückkommen, jetzt wird es wohl der 27. Juli. Nach einem kleinen Tee in einer dieser neumodernen Bars – viel zu viel Plastik und lustige Dekoration – sind wir dann zum Flughafen aufgebrochen. Wir saßen mit vielleicht noch 40 anderen Gästen in einer Maschine, die 10 Sitze nebeneinander und gefühlt 25 Sitzreihen hatte. Es war also ziemlich leer. Eventuell wollten die nur den Flieger überführen. Irgendwie komisch. Wir mussten leider diesen Flug buchen, um überhaupt das Touristenvisum in Vietnam zu bekommen. Ärgerlich, wir wären gerne mit dem Bus ausgereist.

Aufgrund der beginnenden Regenzeit mussten wir uns mit dem Flieger durch prä-Gewitterwolkentürme durchfressen, was zu meinem großen Vergnügen relativ holperig war und uns das ein oder andere Mal ein wenig vom Sitz gehoben hat. Nach den allgemeinen Sicherheitshinweisen kamen dann noch die Werbung und dass wir jetzt in der Luft Wifi hätten und was wir nicht alles einkaufen könnten. Nach ca. 5 Minuten Reisehöhe haben wir auch direkt mit dem Sinkflug begonnen und die Fliegerei war nach insgesamt 45 Minuten vorbei. Durch die ganze Ansagerei vom Piloten und der Werbefrau im Bildschirm hat Anne es in ihrem vom Buch von Seite 154 auf Seite 157 geschafft.

In Phnom Penh angekommen haben wir uns mit einem Tuktuk durch den Großstadtverkehr gearbeitet. Zum Glück ist es hier etwas leerer als in Saigon. Auch die Hupen werden hier nicht ganz so oft eingesetzt, wobei auch die Khmer eine Hupe besitzen und diese natürlich auch einsetzen. Nur halt nicht ganz so häufig.

Zum Abendessen hat uns Tini mit Pasta mit Tomatensoße verwöhnt. Einfach so. Pasta mit Tomatensoße. Ganz gewöhnliches „deutsches“ Essen. Aber gut. Mit Salz statt Fischsoße. Mit Käse drüber. Herrlich.

17.05.-20.05.: Willkommen und Abschied

Die letzten Tage in Vietnam standen ganz im Zeichen des Wiedersehens, wobei die Wiedersehen zusammen mit neuen Abschieden fielen, was emotional nicht so ganz glücklich gewählt war. Aber trotzdem war es schön, für einen Augenblick in das Leben derjenigen einzutauchen, die noch in Saigon sind.

Also besuchten wir Tam Phuong, mit der ich viele Jahre sowohl an der Deutschabteilung als auch an der VGU gearbeitet hatte. Wir lernten ihre kleine Tochter kennen und Tam Phuongs Mann kochte uns ein leckeres Nudelgericht mit Aal.

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Mit Jörg gingen wir einen Kaffee trinken und mit den anderen Kollegen der VGU nach unserer alten Tradition direkt nach dem Unterricht bún cha Hà Noi essen, eines meiner Lieblingsgerichte.

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Zum Abschied führte Henning uns auf eine relativ neue Rooftopbar mit Blick auf die ins Gigantische wachsende Stadt.

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Ansonsten spazierten wir durch die Hitze, um die letzten Dinge zu erledigen und mussten immer wieder Abkühlung im Park oder einem der vielen neuen Cafés und Teehäuser suchen. Bis auf einmal die Regenzeit da war! Fast unwirklich hörten und fühlten sich die ersten plätschernden Tropfen an, nachdem wir wochenlang nur Sonne gesehen und geschwitzt hatten. Plötzlich war der Himmel schwarzgrau und es schüttete und schüttete und wollte gar nicht mehr aufhören. Im Nu kühlte sich die Luft um 10 Grad ab – also hieß es, wieder in eines der schönen Cafés zu gehen, diesmal um vor dem Regen Zuflucht zu suchen. Und da saßen wir dann und warteten. Draußen war es so düster wie um 6 Uhr abends und drinnen so gemütlich wie in einem Wohnzimmer in Deutschland, wenn draußen ein Herbststurm wütet. Auch die Temperaturen waren ähnlich, denn obwohl sich die Luft stark abgekühlt hatte, veranlasste das niemanden, die Klimaanlage auszustellen. Am liebsten würde man sich in dieser Stimmung in eine Wolldecke einkuscheln und an der Heizung ein gutes Buch lesen. Dafür liebe ich die Regenzeit, weil sie eine Struktur in das sonstige Einerlei von Sonne und Hitze bringt und einem wenigstens an den Nachmittagen eine Jahreszeiten-Struktur vorgaukelt, die es sonst nicht gibt. Nur dass sich die Jahreszeiten innerhalb eines Tages abwechseln und nicht im Vierteljahresrhythmus.

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Und dann stand nach so vielen kleinen Abschieden der große Abschied bevor: von Lola, unserem Haus, unserem alten Viertel und der Stadt. Das Flugzeug flog in dicke Regenwolken und bald war von alldem schon nichts mehr zusehen, bis aus den schwarzen Gewitterwolken unser nächstes Ziel auftauchte: Phnom Penh, Kambodscha.

12. – 16.05.: Im Resort auf Phu Quoc

:Einleitung: das Resort Bamboo Cottage

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Wir sind hier in einem kleinen Traum angekommen. Nach unzähligen Übernachtungsabenteuern in Thailand, Myanmar und Vietnam, tut diese Ankunft am Meer doch sehr gut. Das Bamboo Cottage ist ein kleines, familiengeführtes Resort mit ökologischem Ansatz. Es gibt Solaranlagen, die Strom liefern, so lange die Sonne scheint. Die Familienhunde Fish & Chips mit ihren Kuschel-Puppys. Mülltrennung. Umsonsttrinkwasser, was man sich selbst in Glasflaschen abfüllen kann, ergo Plastikmüllvermeidung. Holzmobiliar. Und das ganze unter Palmen, direkt am Meer, ohne Massentourismus, weil dieser Teil der Insel noch nicht erschlossen ist. In einer Werbebroschüre lesen wir über die Projekte „Keep the island clean“ und „Save the bees“. Der gesprächsfreudige Manager Charles erzählt uns, dass eine seiner ersten Amtshandlungen war, sämtliche Weinflaschen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, dafür zu benutzen, um den Boden im Aufenthaltsraum anzuheben, um so eine visuelle Raumtrennung zu schaffen.

Dieser Raum besteht je nach Perspektive aus gemütlichem Wohnzimmer mit Bücherei und Spieleecke, Billiard-Pub-Ecke oder Rezeption inklusive Büro und Bar. Ein Blick durch die doppelflügelige Tür gibt den Blick auf das Restaurant frei, welches sich surrealistisch von großen zu immer kleiner werdenden Tischen über den Sandstrand und schließlich im Meer verläuft. Am liebsten sitze ich abends in der zweiten oder dritten Reihe mit Blick auf die mit öllämpchenbestückten Tische und im Hintergrund das Meer.

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Der einzige Makel hier ist, dass sich 200m neben dem Hotel der Baustoffanleger für die neuen Projekte auf der Nordinsel befindet. Es sollen hier angeblich neben der notwendigen Infrastruktur ein Golfplatz, ein Zoo und mehrere Hotels entstehen. Es wird hier also nicht mehr sehr lange so ruhig bleiben. Momentan hört man davon relativ wenig.

Wir haben hier, um‘s genau zu nehmen, überhaupt nichts getan. Wir haben uns kaum einen Zentimeter vom Strand wegbewegt. Kaum. Ein paar Kleinigkeiten haben wir dann doch erlebt, die haben wir bewusst unchronologisch aufgeschrieben.

 

Willkommen bei den Sch’ties

Unser Kellner Vong ist wirklich sehr nett. Er ist sehr bemüht, ständig mit uns ein Gespräch zu beginnen. Nun konnten wir in den letzten Stunden beobachten, dass immer wieder Leute vom Staff zu mehreren vor einem LapTop saßen und konzentriert auf den Bildschirm gestarrt haben. Was die wohl dort tun haben wir uns erst uns und dann ihn gefragt. „We have a new shoptware!“ Ok, dachte ich mir. Wieder ein neues englisches Wort gelernt. Aber irgendwie komisch, was heißt denn das. Also, schnell das wandelne Lexion gefragt. Die Antwort war logisch und amüsant. Die Südvietnamesen, so Anne, vertauschen alle Sch mit S und alle S mit Sch. – Willkommen bei den Sch’ties. Jetzt verstehe ich auch, warum die Mitarbeiter die Haushunde „Fis“ und „Tsips“ nennen.

„Have you finis you dinner?“ – „Yesh, shank you!“

 

Kochkurs ohne Anfassen

Es ist tatsächlich Zeit geworden für meinen ersten Kochkurs. Es werden Frühlingsrollen, Pho-Suppe und Fried Bananas gekocht. (Un)glücklicherweise hat mich Maksim zu dem Kurs am Vorabend überredet, also finden wir uns rechtzeitig in der „Küche“ ein. Die Küche sind ein paar zusammengestellte Tische mitten im Restaurant. Die Köchin betritt den Raum und ich freue mich schon wie hulle auf die ganze Schnibbelei und das Benutzen der Messer. Komisch, die meisten Sachen sind schon vorbereitet, dabei wollte ich doch alles machen. Die Köchin bereitet die Füllung für die Frühlingsrollen zu. Smashed pork-beef-prawn-mushroom-onion mit Gewürzen. Das Ganze wird dann in Reisblätter gerollt. Endlich dürfen wir tätig werden. Das Frittieren übernimmt dann wieder die Köchin. Unser Kellner Vung übersetzt ganz fleißig. Dann sollen wir die Rollen verköstigen. Klar, können wir machen, aber was ist denn mit den anderen Gerichten? Anschließend wird die Pho zubereitet. (Das wird wie eine Frage ausgesprochen: Pho?) Es wird eine Brühe angesetzt, bei der die Köchin unter den Kommentaren von Vung verschiedene Gewürze in kochendes Wasser schmeißt. Jetzt können wir bestimmt gleich etwas machen. Plötzlich trägt ein weiterer Koch die vorbereiteten Suppenschalen aus der Küche. Währenddessen schneidet die Köchin heimlich Beef in feine Scheiben. Hey… Wann dürfen wir denn etwas machen? Suppe in die Schale, Fleisch angaren, Suppe wieder raus, Fleisch ziehen lassen, Suppe wieder rein. Kräuter drüber. Fertig. Wieder verköstigen. Ok, die Situation ist absurd, wir lachen viel und haben eine Menge Spaß. Anne, die nicht für den Kurs bezahlt hat, saß im gleichen Raum und kriegt alles mit. Umsonst. Anschließend kommt das Dessert an die Reihe. Banane geschält und mit Minzblättern und Honig mariniert. Reispapier drum und frittiert. Das übernimmt dankbarerweise wieder die Köchin, das wäre jetzt doch zu viel Anstrengung auf den letzten Meter. Verköstigung und der Kurs ist vorbei. Es war wohl mehr eine looking class, als eine cooking class.

Maksim vergleicht im Anschluss treffenderweise den Kurs mit einem Stripteaselokal: gucken, aber nicht anfassen.

Das Fazit: ein Blogeintrag und amüsante 3 Stunden für 20 Dollar, allerdings ohne kochen.

 

Massage

Ich bekomme die erste Massage meines Lebens. Und zwar was für eine. Die kleine Vietnamesin gibt wirklich alles, um meinen Körper durchzuwalken, wobei sie manchmal eine vermeintliche Muskelverspannung mit Knochen verwechselt. Also knetet die mir gehörig mein Schulterblatt durch, bis es butterweich geworden ist. Sie massiert sogar so kräftig, dass ihre Hände auf meinem Körper vor Anstrengung zittern. Ob das so seine Richtigkeit hat, wage ich mal zu bezweifeln. Nach einer Stunde sagt sie: „Sir, the massage is over“. Sie gibt mir meine Sachen und bedeutet mir zu gehen. Ich bin völlig perplex und wanke zwischen tiefenentspannt und schmerzgeplagt aus der Tür. Als kleines Souvenir nehme ich Muskelkater und ein paar blaue Flecken mit. Dass das sooo angenehm ist, hatte ich nicht gewusst.

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Punch

Alles begann mit einem Punch. Unser Resort bietet an jedem Freitag 2 Stunden lang kostenloses Punschtrinken für alle Gäste an. Wir waren 5. Der alleinreisende Kräuterbittervertreter, Maksim, aus Estland; der freelancende Essensblogschreiber, Chris, aus England mit seinem Tourguidefreund, Pond, aus Thailand; und wir. Wir hatten alle den Eindruck von dem Personal nur Fruchtsaft vorgesetzt bekommen zu haben, doch wenn man es englisch nimmt, wird aus einem Getränk (Punsch) sehr schnell ein Schlag (punsh) – und der kam gehörig. Wir hatten alle einen im Tee und sind seitdem ziemlich beste Freunde. Tagsüber hing jeder seinen Gedanken nach oder vollbrachte sein Tagewerk und abends nach dem Abendessen trafen wir uns am Billiardtisch und erfanden neue Cocktails. „Spicy kiss“ ist eine von unseren Kreationen. 1 Haselnussgroßes Stück Ingwer in feine Streifen geschnitten, 2 Limetten, Naturhonig, 2-3x Rum, Zucker. Eine Variante ist der „burning kiss“ mit Chilli. 20160516_090413.jpg
Es gibt noch „European Lady“, „Room No 9“ oder „Biting Dog“, aber da sind die Rezepte noch nicht ganz ausgefeilt. Wir haben uns tatsächlich sehr bemüht, die perfekte Rezeptur herauszuarbeiten, aber (ich weiß nicht wie) haben wir die Rezepte über Nacht wieder vergessen und mussten am nächsten Tag ärgerlicherweise von vorne anfangen. Am letzten Tag gab`s dann noch uns zu Ehren eine Cocktail class, bei dem unser erschöpfter Barkeeper, Vì, uns gezeigt hat, wie er die Cocktails zubereitet hat. Inklusive Verkostung. Er musste uns mehrmals die Cocktails zubereiten, weil wir uns das Rezept wieder nicht merken konnten.

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Schnorchelausflug

In unserem kundenorientiertem Resort gibt es Kajaks und Schnorchelausrüstung zu mieten. Wobei mieten nicht ganz richtig ist, es kostet nämlich nichts. Was für ein Luxus. Hier im Norden von Phu Quoc bildet die Insel eine kleine Bucht, an deren Spitze eine kleine Insel vorgelagert ist. Die Fingernagelinsel. 20 Minuten mit dem Kajak entfernt kann man dort bei Flut an Land gehen und von dort aus quasi direkt in ein Korallenriff eintauchen. Wobei tauchen auch wieder übertrieben ist. Das „Riff“ startet quasi auf Knöchelhöhe, sodass man beim Anfahren auf die Insel tatsächlich sehr gut manövrieren muss, um die Korallen nicht zu beschädigen. Selbst in sehr flachem werden die Zehenspitzen schon von kleinen Fischen umschwärmt. Genau so geht es weiter, je tiefer es wird. Die Korallen werden farbenfroher und die Fische werden größer. Wahnsinn – und das ganze ohne Touristen. Nur wir. Naja, und die Bauarbeiter, die überall neue Resorts bauen. Leider hat eines der Motorboote der Männer eine Anemone zerrissen, sodass ihre Tentakel nichtsahnende Schwimmer verbrennend durch das Wasser ziehen.