22.– 24.06.: Couchsurfen in Cebu

Am ersten Abend passiert nicht mehr viel. Wir unterhalten uns und fallen dann müde und erschöpft ins Bett.

Am Donnerstag, dem 23.06., führen uns Kevin und sein Freund Alvin durch die Stadt. Cebu, die Stadt, in der Magellan damals angekommen ist, ein Christenkreuz hingestellt und beschlossen hat, dass alle christlich werden. Er hat einfach angefangen, alle zu taufen und jetzt sind tatsächlich alle Christen.

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Die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist wohl die Kirche „El Niño de San Augustin“. Sie ist tatsächlich sehr schön eingerichtet. Es gibt dort allerhand Figuren von Heiligen, denen man an die Glasscheibe fassen kann, hinter der  sie eingeschlossen sind. Weiterhin gibt es dort einen Innenhof, der mit seinem Plätscherbrunnen und speienden Engelsbüsten zum Ruhen und wahrscheinlich auch zum Beten einladen soll.

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Man kann dort bei Straßenhändlerfrauen Kerzen und ein Gebet kaufen. Während die Frauen auf dem linken Bein stehen und mit dem rechten Bein einen Schritt vor und zurück wippen, reden die irgendein Kauderwelsch. Wahrscheinlich Philippinisch. Die Kerzen, die man dann bekommt, kann man vor das Magellankreuz legen und dort liegen lassen. Was mit den Kerzen genau passiert, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen.

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Auch einen Souvenirshop mit fluoreszierenden Leuchtkreuzen gibt es, wie man sie eigentlich nur aus dem Gruselmerchandise kennt und liegenden Jesusfiguren. Moment, liegende Jesusse? Eigentlich liegt doch der Buddha. Naja, hier haben die Jesus auf das Holz gemalt und das sieht auch sehr gut aus.

Ansonsten halten wir uns den ganzen Tag in verschiedenen Malls auf, die recht amerikanisch wirken. Während wir da so an den Ladenzeilen vorbeischlendern, entdecken wir überall bekannte Logos von internationalen Firmen und Marken. Der ganze Komplex ist angenehm gekühlt und fühlt sich an wie norddeutscher Frühsommer.  Endlich sind wir mal angemessen gekleidet und schwitzen nicht. Wie kommt es denn, dass ein Land mit so geringem Arbeitslohn sich gleich mehrere Malls leisten kann? Wer geht denn hier alles einkaufen und wie viele Menschen müssen hier in Armut leben, damit sich die anderen so etwas leisten können?
Auf der Dachterrasse gibt es einen Spielplatz für Kinder. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber statt Rutschen und Schaukeln gibt es hier Wasserparty pur. Leider war der Wasserpark nur für Kinder zugelassen.

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Am letzten Tag in Cebu dürfen wir die Mutter von Kevin kennen lernen. Sie hatte vor 7 Jahren einen Schlaganfall und wohnt seitdem bei ihm oder seinem Bruder. Leider ist sie an einen Rollstuhl gebunden und muss gefüttert werden. Nachdem ich kurz mit ihr gesprochen hatte und sogar ein paar Schritte mit ihr gelaufen bin, konnte ich den beiden hoffentlich ein paar gute Tipps für die Zukunft mit auf den Weg geben. Sie hat meiner Meinung nach sehr gutes Potential, wieder besser laufen zu können, könnte man sie hier bloß in einer Reha anmelden. Leider ist die Wohnung von Kevin und Alvin nur 3x5m groß, so dass die Mutter auf einer Matratze auf dem Boden schlafen muss und außer dem Fernseher nur wenig Abwechslung bekommt.

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Darf ich vorstellen: Stefanie Grace

Am 24.06. fuhren wir zum Hafen, um nach Bohol überzusetzen. Am Hafen kauften wir uns ein Ticket, bei dem wir allerhand lustige Angaben machen mussten. Name, Abfahrtsdatum, Abfahrtsuhrzeit, Alter, Unterkunft am Zielort.

Also habe ich eingetragen: Jonas Brüwer, 24.06., 11.30 Uhr, 30 Jahre, Stefanie Grace (unser Resort auf der Insel). Bekommen habe ich zwei Karten. Eine für Jonas Bruver und eine für Stefanie Grace. Wo ich die nun herkriegen sollte wusste ich auf die Schnelle nicht, stattdessen hab ich einfach Anne mitgenommen. Das war auch sehr schön.

 

22.06.: der Flug, die Flüge

Für diesen Mittwoch hatten wir uns etwas ganz Besonderes überlegt.  Wir würden um 4.30 aufstehen, um dann in Bangkok einzuchecken. Der Flug ginge nach Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Von dort aus solle es um 18.15 weiter nach Cebu City auf Cebu Island gehen. Wir würden dort relativ entspannt ankommen und dann dort, nachdem wir unser Gepäck bekommen hätten, unseren Couchsurfer treffen.

Das mit Bangkok – Manila hat auch wunderbar geklappt. Wir sind genau eine Filmlänge plus Frühstück-Bekommen geflogen. Inzwischen sind wir herrlich flugerprobt, sodass wir nahezu tiefenentspannt in Manila eingereist sind und unser Gepäck entgegengenommen haben. Dann ging das Chaos aber los. Wie eine Welle ist das über uns hereingebrochen.

Wir sind aus dem Flughafengebäude rausgestapft und haben einen Wachmann (1) gefragt, wo es zum „domestic terminal“ nach Cebu geht. „Terminal 4!“. Dafür sollten wir zum Shuttlebus in den Wartebereich nach links.
Also gingen wir nach links.
Dort angekommen, hat Wachmann 2, der im abgesperrten Bereich stand,  gesagt, dass wir zu ihm in den abgesperrten Bereich sollen. Dafür sollten wir nach rechts.
Also gingen wir nach rechts.
Wachmann 3 meinte, wir sollen wir wieder ins Flughafengebäude rein und müssten dafür das Gepäck durch den Gepäckscanner schieben.
Kein Problem. Gepäckscanner. Personenkontrolle. Rein ins Gebäude.
Wachmann 4: wir müssen nach links.
Also wieder raus und nach links.
Wachmann 5: wir müssen wieder rein.
Also Röntgenscanner, wieder rein.
Schließlich haben wir (zum Glück ohne gelben Passierschein 36a, den man im 2. OG, dritte Tür links nach Vorlage eines blauen Passierscheins 83c bekommt) diese eine unscheinbare Tür gefunden, die uns in den Wartebereich, außerhalb des Gebäudes, zu Wachmann 2 gebracht hat, gefunden. Leicht lächelnd haben wir uns bei Hilfswachmann 1 unter falschem Namen in eine Liste eingetragen – in der Erwartung, dass das eh keiner kontrolliert. Hat auch keiner.
Der Bus kam.
Wachmann 2 öffnet das Gatter und hat damit offensichtlich sein Tagewerk vollendet. Hilfswachmann 1 hat die Liste und guckt drauf, während der Busfahrer das Gepäck der Leute einlädt. Ich hätte das wohl auch selber gemacht, aber ich wollte ihn in seiner Eifrigkeit nicht unterbrechen.

Es geht quer über das Rollfeld zwischen kleinen und großen Flugmaschinen hindurch, bis wir zu einer winzig kleinen Wartehalle kommen. Wir können dort einchecken und wundern uns schon, dass der Abflug jetzt erst um 18.45 ist, sollte er doch laut Fluginformation aus dem Internet um 18.15 Uhr sein. Scheinbar wurde er verschoben. Naja.

Da wir schon gegen Mittag angekommen sind, haben wir jetzt noch gehörig viel Wartezeit. Der Versuch, in eine ehere Maschine nach Cebu umzuchecken, misslingt leider. Wir hängen in der superklimatisierten Wartehalle rum, lösen Rätsel, lesen, warten. Leider ist die Wartehalle auf etwa 14°C gekühlt, so dass wir nach fast 3 vollständigen Monaten bei kontinuierlich mehr als 25°C das erste Mal wieder ein aromatisiertes Heißaufgussgetränk trinken.

Es wird 18.30. Sie haben unseren Flug noch nicht aufgerufen. Wir wissen noch nicht mal, welches Gate wir nehmen sollen. Wir werden unruhig. Um 18.50 geht es dann doch Richtung Flugzeug. Über das Rollfeld. Zu Fuß. Zumindest ist es im Flugzeug angenehm warm.

Als alle drin sitzen- es ist inzwischen 19.20 Uhr – startet der Pilot die Maschinen und das gewohnte hochemotionale Sicherheitsschauspiel beginnt. Nur leider kommen die Darsteller nur bis zur ersten Pause. Gerade als die Stewards in die Lifejackets reinpusten wollen, geht neben der freundlichen Frauenstimme von Band auch das Licht aus. Stromausfall. Es geht die Notstromversorgung an. Die Maschinen starten wieder und der Pilot versucht zu uns zu sprechen, wird aber direkt wieder abgewürgt, weil der Strom wieder ausfällt. So sitzen wir da in dem dunklen Flugzeug bei Notstromversorgung und im Scheinwerferlicht des Gepäckbringefahrzeuges sehen wir ein LKW-großes Notstromaggregat neben unserem Flugzeug, was uns eventuell notstarten könnte. Die Leute hier nehmen das einfach so hin. Alle sind entspannt. Wir auch. Wahrscheinlich wurde unser Gemüt zusammen mit der Raumtemperatur in der Wartehalle so weit runtergekühlt, dass wir uns gar nicht aufregen können, überlegen wir.

Um 22.00 Uhr kommen wir mit 2 Stunden Verspätung in Cebu an, schleppen uns gerade noch zum Taxi und fahren dann zu unserem Couchsurfer. Der Taxifahrer versucht noch, uns zusätzliche 100 Pesos aus dem Ärmel zu leiern, weil er „versehentlich“ kurz vor Ankunft sein Taximeter mit dem Ellbogen ausgeschaltet hat. Aber zum Glück habe ich keine Lust, mehr zu bezahlen und Anne will eigentlich auch schon aussteigen und ihn freundlich ignorieren, als sich leider Kevin, unser Gastgeber, ins Auto schiebt und ihr damit den Weg blockiert. Er ist ja sehr hilfsbereit, aber manchmal muss man halt einfach gehen. Es wurde viel geredet, bezahlt haben wir trotzdem nicht. Auf Wiedersehen!

 

21.06.: Fahrt mit Itthi nach Bangkok

Wir standen morgens relativ entspannt auf. Itthi war noch entspannter als wir. Schließlich wollte er „nur“ 3 Wochen mit dem Fahrrad durch Japan fahren und zwischendurch bei Couchsurfern schlafen. Klar. Ich wäre da auch nicht aufgeregt.

Frühstück bekamen wir diesmal bei Itthis Mutter, die direkt nebenan wohnt. Sie hatte Fisch, Tom Yum-Suppe und Omelett gekauft. Sie kann zwar nicht so viel Englisch, war dafür aber umso motivierter, mit uns zu kommunizieren. Meistens war ihr einmonatiger Enkel, Itthis Neffe, eine willkommene Komunikationsbrücke. Nach dem Frühstück packten wir die Sachen ins Auto und kamen fast wie geplant los (naja, statt 10 Uhr war es inzwischen 10.30 geworden).
Laut Googlemaps sind es nach Bangkok 450 km. Mit dem Bus dauert die Strecke ca. 6 Stunden. Da wir Itthis Auto benutzen, sollte die Fahrt erheblich schneller gehen. Wir fuhren los. Nach wenigen Metern kam der erste Anruf der Mutter – erster Halt am Straßenrand, um mit ihr zu telefonieren.

Bühnenreif: Die Mutter

Auftritt: Itthi, Anne und Jonas im Auto

Wir fahren los. Das Telefon klingelt. Die Mutter. Ob er etwas vergessen hätte? „Nein, habe ich nicht!“

Das Telefon klingelt wieder. Die Mutter. Ob er etwas anderes vergessen hätte? „Nein, immer noch nicht!“

Wir machen blöde Kommentare zu der Überbemutterung unserer Mütter.

Das Telefon klingelt. Die Mutter. Er hätte die Kreditkarte vergessen.

Es wird still im Auto.

Wir drehen um.

Der Chor: Ein Glück, dass man Mütter hat, die an alles denken.

Abgang: Itthi, Anne, Jonas

Wir drehten also um, holten die Kreditkarte ab und Itthi verabschiedete sich zum zweiten Mal von seiner Mutter. Wieder ging es los. Diesmal aber wirklich. Falsch gedacht. Noch immer in der Stadt, hielten wir schon wieder an. Das neue Ziel: ein Fahrradladen. Itthi sprang raus, kaufte irgendein Ersatzteil, und wieder ging es los. Geht es jetzt wirklich nach Bangkok? Wieder war die Antwort nein. Immerhin kamen wir bis kurz vor der Stadt. Dann hielt Itthi an, um zu tanken. Als wir wieder einstiegen, fragten wir uns, ob wir jemals mehr als zehn Minuten durchfahren würden. Aber dann ging es endlich richtig los. Ab auf den Highway, auch wenn man hier so fährt, dass einen die Polizei dafür in Deutschland anhalten würde – weil man zu langsam ist. Aber egal, Hauptsache vorwärts kommen.

Während der Fahrt haben wir uns über dies und das unterhalten. Wir sind durch die Themen gesprungen, dass uns ganz schwindelig geworden ist. Es ging über familienkulturelle Unterschiede zwischen West und Thai. Akzeptanz von Homosexualität in unseren Gesellschaften. Lifestyle.

Mit zwei weiteren Pausen – eine zum Snacks einkaufen und eine zum Mittagessen – sind wir nach 6 Stunden bei Itthis Tante angekommen. Zum Glück wohnt sie vor Bangkok und wir mussten uns nicht durch etliche Vororte und Staus hindurchquälen.

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Seine Tante hatte uns Abendessen vorbereitet und irgendwie sind alle davon ausgegangen, dass wir – genau wie Itthi – dort schlafen würden. Alle außer uns. Mit so viel Gastfreundschaft hatten wir nicht gerechnet. Wir hatten uns schon ein Hotel in unmittelbarer Flughafennähe mit Shuttleservice gebucht.

Und jetzt kommt Itthi: nach der kleinen Enttäuschung, dass wir nicht dort schlafen würden, die er sich kaum hat anmerken lassen, hat er uns einfach kurzerhand zum Hotel gefahren. Wir hätten uns auch ein Taxi genommen, aber er ließ sich gar nicht daovn abbringen und hat uns die 45 Minuten zum Hotel gefahren.

Es war inzwischen 21.30 Uhr, als wir ins Hotel kamen. Jetzt schnell schlafen, morgen müssen wir um 4.30 wieder aufstehen.

18. – 20.06.: Loei

Endlich. Die Blogeinträge werden immer seltener und immer mehr Tage werden zusammengefasst. Es passiert schlichtweg einfach auch nicht mehr so viel, bzw. alle Kuriositäten sind schon beschrieben worden. Alle Tuktukfahrten sind abenteuerlich. Alles Essen ist exotisch. Alle Menschen sind einzigartig. Alle Städte neu. Alle Busfahrten individuell. Das Wetter ist immer warm.

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Wir wollten  von Khon Kaen nach Chian Khan fahren. Nach Loei dauern die 200 km angeblich nur 2,5-3 Stunden. Dann sollten wir noch ein kleines Gefährt nehmen und nach angeblich einer Stunde in Chian Khan ankommen. Nachdem wir nach 5,5 Stunden in Loei waren und extreme Kopfschmerzen hatten, weil die Fahrt ruckelig, nicht klimatisiert und somit stickig und heiß war, hatten wir die Schnauze voll. Jetzt noch – wahrscheinlich – 2 Stunden zur Endstadt zu fahren war uns zu viel. Vor allem, da wir uns zwei Tage später schon wieder auf den Rückweg nach Khon Kaen machen wollten. Also sind wir in Loei geblieben und haben uns mit der Stadt angefreundet, obwohl sie laut Reiseführer nicht viel zu bieten hat. Es ist wohl ein veralteter Kurort, der als solcher nicht mehr genutzt wird. Der alte Park mit den Spazierwegen und den entsprechenden Übungsstationen zeugt noch davon.

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Wir haben die Zeit dort genutzt, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen und um unser Standbein in Deutschland etwas zu sortieren. Da wir unseren geplanten Auslandsaufenthalt auf 3 Monate taxiert hatten und jetzt um einen Monat verlängert haben, müssen wir die Zwischenmieter unserer Wohnung arrangieren.

Außerdem stellt sich uns zum ersten Mal die Frage: Was ist eigentlich, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind. Was wollen wir arbeiten? Wie? Wann? Wo?

Anstrengende Fragen sind das und ich glaube, der Weg zur Lösung ist steinig und schwer. Aber ich freue mich schon jetzt auf das Ergebnis, wobei ich noch keine Ahnung habe, wo uns der Wind hintreiben wird.

Abends haben wir uns durch etliche kulinarische Köstlichkeiten vom Nachtmarkt gegessen, ohne auch nur annähernd alles probiert zu haben. Es gibt einfach zu viel und wir sind gar nicht mehr so hungrig. Wahrscheinlich hat das ständige Reis-mit-Soßeessen unseren Hunger nach unten korrigiert.

Nach zwei Nächten in dieser entspannten Stadt haben wir den Rückweg angetreten. Inzwischen wussten wir, dass die Fahrt wahrscheinlich 5 Stunden dauern würde und waren erfreut, als wir nach 4 Stunden 45 Minuten wieder in Khon Kaen ankamen. Wir machten uns auf den Weg zu Itthi, unserem Couchsurfer. Der Gute wollte uns am nächsten Tag mit nach Bangkok nehmen.

Es ist Montag. Montag ist Tanzen. Immer.
Heute sind wir müde. Trotzdem tanzen wir. Kurz. In Itthis Spielewerkstatt.

16. – 18.06.: Couchsurfen bei Itthi

Couchsurfing der Extraklasse

In Khon Kaen wohnten wir bei Itthi in einer Couchsurfing-Unterkunft der Extra-Klasse. Genau genommen haben wir nicht couch-, sondern bettgesurft – und das in unserem eigenen Zimmer mit eigenem Bad in einem supergroßen, fast unbewohnten Gebäude, was obendrein noch blitzeblank geputzt war. Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Itthi selbst wohnt und arbeitet mit seiner Familie nebenan und nutzt nur das Erdgeschoss unseres Gebäudes. Hier hat er sich ein kleines Spieleparadies aufgebaut, denn er ist absoluter Game-Freak. Die Regale sind bis obenhin mit Brett- und Kartenspielen gepackt, in den Schränken stehen Mangazeitschriften und Bücher mit Spielanleitungen und auf dem Schreibtisch bastelt er kleine Figuren, die er dann an andere Spiele-Freaks verkauft. Dreimal pro Woche trifft er sich mit seinen Kumpels und dann zocken sie bis in die Nacht.

Gleich nach unserer Ankunft haben wir seine Freunde kennengelernt und sind in einer großen Gruppe Hot Pot essen gegangen. Am nächsten Tag stand der große Spieleabend auf dem Programm – und wir waren natürlich eingeladen.

Gewitter der Extraklasse

Vorher hatten Jonas und ich Zeit, um unsere Weiterreise zu organisieren. Gegen Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang um den See aufgebrochen und haben dabei einen hübschen Tempel entdeckt, dessen neun Stockwerke pyramidenförmig angeordnet waren. Im fünften angekommen, hatten wir schon eine tolle Sicht auf den See – und auch auf eine gigantische Gewitterfront, die sich immer näher schob.


Wir schafften es noch, die Treppen hinunterzulaufen und waren gerade auf dem Weg ins nächste Café, als der Regen losprasselte. Unterschlupf fanden wir in einem winzigen buddhistischen Schrein. Behütet von einem milde drein blickenden Goldbuddha warteten wir ab, bis es nicht mehr ganz so „watery“ war und wir ins Sluve u Café laufen konnten.


Kulinarische Spezialitäten der Extraklasse

Dort trafen wir Itthi, der uns zum Essen einlud. Es gab Fleisch mit Fleisch und Fleisch – einmal gekocht, einmal gegrillt und einmal roh, alles Spezialitäten aus Insan. Auf dem Rückweg fuhren wir noch beim Nachtmarkt vorbei. Itthi deckte uns mit dem ganzen Süßigkeiten-Sortiment ein, was die Stadt zu bieten hatte. Damit bewaffnet fuhren wir nach Hause – der Spieleabend sollte bald los gehen.

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Spieleabend der Extraklasse

Für uns war es echt interessant, in diese andere Welt von Itthi und seinen Spiele-Kumpels einzutauchen. Da ich davon sehr wenig verstehe, ist es besser, wenn Jonas das beschreibt.

Einschub von Jonas:
Das, was wir hier erlebt haben, ist der Auswuchs aller Nerdigkeit. Ein maximaler Freakabend.
In der ersten Ecke spielte jemand Computer (League of Legends). Vor dem Schreibtisch türmten sich Feinsthaarpinsel und kleine Farbtöpfchen, mit denen Itthi und sein Kumpel gerade kleine 2 cm große Spielfiguren angemalt hatten. (Vielleicht Warhammer, ich kenne mich da aber auch nicht so aus.) Sein Kumpel wollte eine solche maximal bewaffnete, kleine Monsterfigur für seine Hochzeit in der nächsten Woche haben. Er hat irgendwas von Foto gesagt; dass seine Frau davon noch nichts wüsste und dass es ihr wahrscheinlich nicht gefallen würde. Wofür genau er diese Figur brauchte, konnte selbst Itthi uns nicht sagen.
In der zweiten Ecke wurde irgendein Pen and Paper RPG gespielt, bei dem ein Elf, der beim letzten Spieleabend fast gestorben ist, jetzt wieder mitspielen durfte und von seiner Gruppe geheilt werden musste. Alle Jungs stützten sich auf hunderte Seiten starke Regelwerkbücher und saßen vor einem riesen Haufen vielseitiger Würfel (von 4 bis 20 Seiten), während sich der Spielemeister hinter einer Klappkarte versteckte und mit einem Filzstift den weiteren Weg auf die Dungeonkarte malte.
In der dritten Ecke saßen wir. Zusammen mit den wohl mutigsten im ganzen Raum. Der eine, der sich Chips knuspernd in einer Kleinkindersprache mit uns zu unterhalten versuchte. Der andere, der sich hinter seiner Hornbrille verstohlen im  Raum umguckte und jeglichen Blickkontakt vermied. Der nächste, der sich nervös auf seiner Unterlippe kauend hinter seinen Karten versteckt hielt und ein relativ taktisches und aggressives Spiel führte.
Spannend wurde es dann tatsächlich bei dem Spiel „Dixit“, bei dem man mit einem Wort oder einem Satz eine Karte beschreiben muss und die anderen müssen diese erraten. Das scheint ja schon in Deutschland manchmal schwierig, wenn man sich im gleichen Kulturkreis bewegt. Aber hier in Thailand, wo die Jungs kaum bis kein Englisch sprachen, wurde es dann tatsächlich eine große Herausforderung. Eine Regel war: keine Insider und keine Sprachwitze in der eigenen Landessprache. Alle legten ihre Tablets und Smartphones zurecht, haben die im Spielverlauf dann aber nicht einsetzen müssen. Amüsanterweise waren wir alle bis fast zum Schluss auf dem gleichen Punkteniveau. Es klappt also doch. Tatsächlich habe ich bei dem Spiel noch nie so viel gelacht wie bei diesem Mal.

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Couchsurfing der Extraklasse II

Wir kennen es vom Couchsurfen eigentlich so, dass man als Gast vieles gefragt wird, dass man ständig in Gespräche eingebunden wird und dass die Gastgeber sehr bemüht sind, dass es uns gut geht. Itthi hat da ein perfektes Mittelmaß gefunden: Er hat einfach das gemacht, was er immer macht. Keiner aus der riesen Runde hat die Standardfragen gestellt (Wie lange reist ihr schon? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Wie alt seid ihr? Was macht ihr beruflich?…). Alle haben einfach gespielt. Mit uns zusammen. Wir waren einfach dabei. Sehr angenehm.

 

 

16.06.: Trampversuch nach Khon Kaen

Da stehen wir nun abenteuerlustig in dieser wildfremden Stadt. Der Fahrplan ist klar. Wir haben in der letzten Zeit auf sehr großem Fuß gelebt und wollen nun den Gürtel wieder etwas enger schnallen. Also haben wir uns schon um einen Couchsurfer in Khon Kaen organisiert und wollen aus lauter Pfennigfuchserei, bzw. Centwolferei dorthin trampen.
Es sind 220 km und unser Host hat auch erst am Abend Zeit. Demzufolge haben wir den ganzen Tag, um dort anzukommen.
Also stelle ich mich todesmutig an die Straße. Hier im Linksverkehr muss ich mich erstmal daran gewöhnen, dass erstens die Autos aus der anderen Richtung kommen und man zweitens den anderen Daumen zum Trampen braucht. Ungewohnt, aber machbar. Oder nimmt man hier gar nicht den Daumen? Naja, erstmal anfangen. Nach gefühlten 30 Sekunden hielt schon das erste Auto an. Ein Tuktuk, um‘s genau zu nehmen. Also wieder abwimmeln. Nach 30 weiteren Sekunden kam ein größeres Tuktuk, ein Sawnthang. Das wollte uns umsonst zum Busbahnhof fahren. Dabei wollten wir ja gar nicht zum Bahnhof, sondern nach Khon Kaen. Also wieder weggeschickt. Daumen raus.

Diese ganze Szenerie wiederholte sich mehrfach. Irgendwann wurde es unglaublich heiß und obwohl wir im Schatten unter einer Brücke standen, machte mir die Sonne doch sehr zu schaffen. Nach gefühlten Stunden und dem zehnten Sawnthang beschlossen wir, dann doch zum Busbahnhof und von dort mit dem Bus weiter zu fahren.
Tatsächlich standen wir dort nur 15 Minuten.

15.06.: 12 Stunden nach Nakhon Ratchasima

Wir fuhren mit dem Bus von Battambang zur Grenze nach Krong Poi Pet. Zu Fuß ging es über die Grenze. Natürlich wurden wir schon quasi während der Einreise von Bus-, Taxi- und Tuktukfahrern umschwärmt, dass wir doch mit ihnen fahren sollten.  Natürlich taten wir das nicht, denn wir haben Folgendes gelernt: Wenn der Fahrer den notwendigen Mut aufbringt, uns direkt anzusprechen und um uns zu werben, hat er auch den notwendigen Mut, von uns einen eigenständig ausgewählten Kreativbetrag für die Fahrt zu verlangen. Wenn man auch mit viel Verhandlungsgeschick den Preis um 2/3 drückt, bezahlt man oft trotzdem noch zu viel. Also sind wir erstmal ein Stückchen weiter spaziert, wir wollten ja schließlich noch viel weiter in den Norden. Bei dem ersten und einzigen Bustourenorganisationsbüro haben wir unseren Wunsch, nach Nakhon Ratchasima zu kommen, vorgetragen. Dem Verkäufer war wohl bewusst, dass er der einzige Verkäufer weit und breit war, weswegen er uns vorgeschlagen hat, den schäbigen Bus doch nicht zu nutzen und stattdessen mit einem Taxi die 5 Stunden dorthin zu fahren. Das Ganze würde nur 100€/Person kosten. Schnäppchen? Wucher! Also sind wir freundlich lächelnd langsam rückwärts gegangen, haben uns tausendfach für dieses sehr freundliche Angebot bedankt, bis wir wieder vor der Tür waren. Den Verkäufer schien das nicht gestört zu haben, denn er hat einfach weiter geredet.
Wir sind ein Stückchen weiter gelaufen; dabei wie im Spießroutenlauf ignorierend an den schreienden und werbenden Tuktukfahrern vorbei. Vor einem Militärshop haben haben wir kurz gerastet, als uns ein weiterer Thai (scheint viele davon hier zu geben) entgegen kam. Mir schwante schon Schlimmes. Schon wieder freundlich lächelnd einen Menschen abweisen. Langsam reicht‘s aber. Mir war gar nicht mehr bewusst, dass die hier ALLE so aufdringlich sind.
Er hat sich allerdings überhaupt nicht um uns gekümmert und sich stattdessen eine Kippe angezündet. Offensichtlich muss ich aufgrund seiner Passivität so perplex dreingestarrt haben, dass er mich grinsend fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Außer Nicken mit offenem Mund brachte ich nicht viel zustande. Es stellte sich heraus, dass er von der Touristenpolizei war. Er hat uns sogar seine Marke gezeigt, aber die hätte auch aus einem Kaugummiautomaten kommen können. Wir haben also erzählt, dass wir zum Busbahnhof und dann weiter nach Nakhon Rachasima wollen. Er hat nicht lang gefackelt und uns kurzerhand direkt dorthin gefahren. Schließlich sei er ja von der Touristenpolizei, was er uns mehrfach erzählte. Dank seines sehr mittelguten Englischs, bestand unsere Kommunikation aus Einwortsätzen, die wir alle so lange wiederholten, bis wir annahmen, dass das Gegenüber es verstanden hatte. Wir sind dann aber tatsächlich am richtigen Busbahnhof angekommen. Die Fahrt kostete hier 150 Baht/Person ( 150 / 40 = 3,75 Eur). Klasse, da haben wir fleißig gespart.

Nach insgesamt 12 Stunden Busfahrt und Warten an der Grenze sind wir dann endlich in Nakhon Rachasima angekommen. Die zweitgrößte Stadt des Landes wurde im Reiseführer als laut, groß und relativ unattraktiv beschrieben. Es gäbe hier wohl nichts zu sehen und die Touristen sollten lieber nach Bangkok fahren. Es stellte sich jedoch heraus, dass es hier viele sehr alte Holzhäuser gibt, die noch zwischen den neuen Betonbauten stehen geblieben sind. Das und diese wunderschöne Altstadtinsel mit den vielen kleinen Cafés und Restaurants im „do-it-yourself-when-you-are-a-student“-Stil machten diese Stadt für uns sehr attraktiv und den Zwischenstopp durchaus wert.

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11.-15.6.: Von Legenden, Artisten und Bambuszügen

Die Stadt des verschwundenen Stocks

Unsere nächste Station war Battambang (bat = verschwinden, dambang = Stock).

Einer Legende nach lebte hier ein Kuhhirte, der einen Zauberstab aus Rosenholz besaß. Mit Hilfe dieses Stabes gelang es ihm, den König zu vertreiben und selbst König zu werden. Eines nachts träumte er, dass der zukünftige Prinz jedoch bald geboren werden würde. Aus Angst um seine Macht ließ er alle schwangeren Frauen des Landes verbrennen. Noch auf dem Scheiterhaufen wurde jedoch ein Kind geboren. Die Soldaten retteten es aus den Flammen und gaben es in ein Kloster. Durch die Verbrennungen konnte es allerdings nur kriechen, nicht laufen.
Etwas später hatte der König erneut einen Traum, in dem der zukünftige Prinz auf einem weißen Pferd in den Palast geritten kommen würde. Nicht nur er, sondern die gesamte Bevölkerung erwartete die Ankunft des neuen Prinzen. Auch der Junge, der aus den Flammen gerettet worden war, machte sich auf den Weg zum Palast, um das Spektakel zu sehen. Unterwegs bat ihn ein Brahmane, sein Pferd für ihn zu halten. Der Junge passte auf das Pferd auf und bemerkte, dass seine Beine plötzlich geheilt waren. Er stieg auf und das Pferd (welches natürlich weiß war), flog mit ihm zum Palast. Dort angekommen, warf der ehemalige Kuhhirte seinen Zauberstab nach dem Jungen, doch der Stab verfehlte ihn und verschwand und mit ihm auch der ehemalige Hirte. Der vom Scheiterhaufen gerettete Junge wurde der neue König und seine Stadt in Bat dambang umbenannt.

Die Stadt der halben Straßen vs. Die Stadt des Bambuszugs

Und hier sind wir jetzt also, in Battambang, der Stadt des verschwundenen Stocks. Man könnte sie auch die Stadt der halben Straßen nennen. Denn wo sonst gibt es Straße 1,5 oder 2,5?

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Man könnte sie auch die Stadt des Bambuszuges nennen. Denn nur hier kamen die Dorfbewohner auf die Idee, die Gleise der staatlichen Eisenbahn einfach zu ihren eigenen Zwecken zu nutzen. Immer, wenn gerade kein Zug fährt, laden sie selbst gebastelte Gefährte aus Metall und Bambus auf die Schienen, schmeißen den Motor an und rattern mit ihrem bamboo train über die holprigen Gleise ins Nachbardorf. Ein Problem gibt es nur, wenn jemand aus der anderen Richtung auf dieselbe Idee kommt. Aber auch das ist kein großes Problem. Es wird einfach schnell geguckt, wer weniger beladen ist. Der hat dann verloren, denn er muss sein Bambusgestell und die zwei Achsen von den Schienen heben, den anderen vorbeilassen und wieder alles montieren, bevor es weitergehen kann. Falls mal ein echter Zug unterwegs ist, könnte das Ganze schon brenzliger werden. Aber angeblich kennen die Leute erstens den Fahrplan und zweitens sind die Züge wohl laut genug, um rechtzeitig den bamboo train von den Schienen zu hieven. Naja, und vor allem fahren wahrscheinlich kaum noch Züge hier. Um es genau zu nehmen, wurde uns gesagt, dass die Schienen inzwischen einzig und allein für den Bambuszug benutzt werden. Und uns kam es vor, als ob das wiederum nur für die Touristen geschieht.

Überhaupt ist dieser ganze bamboo train uns eher wie eine große Abzocke vorgekommen. Statt nämlich mit irgendeiner Dorffamilie auf ihrem Wagen mitzufahren, wurden wir an der „Haltestelle“ von einem uniformierten „Schaffner“ begrüßt. Ein offizieller Schaffner? Das stand nicht in meinem Buch. Auch nicht, dass man eine „Fahrkarte“ lösen muss. Und dass die dann auch noch fünf Dollar pro Person kostet, kam mir ganz schön dreist vor. Alles war genau getaktet, kein bisschen Abenteuer mehr. Ankommen, zahlen, auf den Wagen aufsteigen, der schon bereit steht und sogar mit Kissen gepolstert ist, und los geht’s. Das einzig Abenteuerliche ist die hucklige Fahrt über die ausgeleierten Gleise, bei der das Knattern und Wackeln und Ruckeln so einen ohrenbetäubenden Lärm macht, dass man sich nicht mal unterhalten kann. Die Strecke ist leider nicht sonderlich aufregend. Sehr schnell verlässt man den Wald aus dunklen, grünen Bäumen, Bananenstauden und Bambus und fährt in die sengende Hitze hinein, vorbei an Dornenhecken, ein paar Palmen, ausgetrockneten Feldern und vereinzelten Buckelrindern.

Auf der Hinfahrt hatten wir das Glück (weil abenteuerlich) und Pech (weil extrem heiß), dass uns ein anderer bamboo train entgegen kam. Sehr schnell hatten unser Fahrer und der des anderen Wagens unser Gefährt auseinander montiert und an die Seite gestellt. Der andere Wagen fuhr los, wir blieben stehen. In der Ferne sahen wir einen anderen Zug herantuckeln. Auf ihm saßen natürlich Touristen, so wie auf allen weiteren Zügen, die diesem folgten. Während wir dem ersten Wagen noch freundlich hintergewunken hatten, verfinsterte sich unsere Miene mit jedem davon rollenden Zug, denn es war einfach nur verdammt heiß und die Dornensträucher boten nicht gerade viel Schatten. Unser Fahrer zeigte jedes Mal mit irgendeiner Geste an, wie viele Züge wohl noch kommen würden. Am Ende waren es fünf oder sechs und endlich, endlich half der letzte entgegenkommende Fahrer unserem Fahrer dabei, erst die beiden Achsen auf die Gleise zu heben und dann die schwere Plattform darauf zu legen. Nur noch die Kissen zurecht rücken und weiter ging es. Das Ziel (im Reiseführer beschrieben als: kleines Dorf. Sehenswert ist u.a. die Ziegelfabrik) war ein ziemlicher Reinfall: fünf ärmliche Häuser, eine verlassene Fabrik und ansonsten Leute, die im Schatten auf Kundschaft warten, um ihnen Freundschaftsbänder, Elefantenhosen, Batikhemden oder Kokosnüsse zu verkaufen. Natürlich steckten alle unter einer Decke, denn unser Fahrer war plötzlich weg und wir sahen uns somit gezwungen, im Schatten auf ihn zu warten. Und der einzige Schatten war natürlich ein Batikhemden-Elefantenhosen-Baumwollschal-Stand. Nur schwer konnten wir allem Werben wiederstehen. Nur diese eine Kokosnuss, die sah dann doch zu erfrischend aus. Nach eienr Stunde war unsere bamboo train – Tour dann auch beendet. Fazit: Leider hätten wir uns diese 10$ sparen können.

Die Stadt der Artisten  

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Am Abend hatten wir dafür mehr Glück. Wir hatten uns Tickets für den bekannten Zirkus gekauft. Er ist Teil von einem großen Ausbildungsprogramm für Kinder und Jugendliche aus armen Familien, die in bildender Kunst, Design und Performance-Künsten unterrichtet werden. Das Konzept klang sehr spannend und so ein bisschen Kultur könnte auch nicht schaden, dachten wir. Natürlich ging aber einiges schief, weil wir ja Leute in der Ausbildung sahen und keine professionellen Artisten. Teilweise war die Grenze zwischen bewusster Clownerie inklusive den damit verbundenen tollpatschigen Fehlern und den wirklichen Fehlern daher nicht so klar zu erkennen. Oftmals mussten die Artisten 2-3x zu einer Nummer ansetzen. Spannend war jedoch zu sehen, was für eine Kunst tatsächlich in einem Cirque de soleil oder Russischem/Chinesischem Staatszirkus steckt.  Nur der Jongliererin zuzusehen tat dann doch etwas weh. Dass sie fünf Bälle nicht in der Luft halten konnte, fanden wir noch ok. Als ihr dann auch vier und drei Bälle herunter fielen, dachten wir, dass das vielleicht eine andere Clownnummer werden würde, aber dafür guckte sie zu ernst. Als sie dann auch noch den letzten Ball durch die Manege warf, ohne ihn rechtzeitig aufzufangen, wären wir am liebsten selbst vor Scham in den Rängen versunken. Aber die Vorführung war für uns eine schöne Abwechslung zu allem, was wir bisher auf der Reise gesehen hatten.

Vor dem Zirkuszelt hatten wir auch die Gelegenheit, ein kleines Tänzchen zu wagen. Denn es war Montag. Und wie ihr ja wisst, ….
Hier unser erstes Selfie-Video:

 

 


Neben diesen zwei Höhepunkten machten wir in Battambang nicht viel Aufregendes. Wir ließen einfach die Seele baumeln und schlenderten durch die Straßen 1, 1 ½, 2, 2 ½  und 3 mit ihren hübschen Kolonialstilhäusern, sehr schicken Restaurants, Cafés und Galerien, schauten ein bisschen Fußball und nutzten die Ruhe, um unseren Monat in Kambodscha zu beschließen.


Rückblick auf Kambodscha

In diesen paar Wochen ist uns das Land irgendwie ans Herz gewachsen. Die Landesgeschichte und die Geschichten von Menschen aus dem Land haben uns mehr berührt, als es bei den anderen Ländern der Fall gewesen ist. Vielleicht liegt das daran, dass wir hier direkt zu Beginn diesen tiefen Einblick in die Geschichte des Landes bekommen haben und dann mehrere Wochen Zeit hatten, um mit diversen Büchern und Gesprächen noch tiefer in die Geschichte und das aktuelle politische Geschehen einzutauchen. Vielleicht aber auch daran, dass wir uns im Vorfeld sehr wenig über das Land informiert hatten und uns dadurch komplett gehen lassen konnten.

Auf einem T-Shirt hat Jonas folgenden Spruch gelesen: Kambodscha – Der Phönix von Asien. Kambodscha hat so viel an Krieg, Armut und Ausbeutung erlebt und steht doch immer wieder auf.
Erst die Franzosen in der Kolonialzeit, dann die USA, die auf der Suche nach Vietkong Kambodscha mit Bomben beworfen haben, anschließend der Bürgerkrieg und die Roten Khmer. Und jetzt eine Regierung, die die restlichen Rohstoffe zu Dumpingpreisen ins Ausland verkauft und den Erlös in die eigene Tasche steckt – und das Ganze unter dem Deckmantel einer Demokratie. Die Gegenstimmen zur CCP (Cambodian People’s Party) haben nicht genug Kraft, um gegen das dicht gestrickte Netzwerk des Präsidenten und seiner Mitstreiter vorzugehen; unliebsame Oppositionspolitiker, Bürgerrechtler oder sonstige „Aufmüpfige“ werden ins Gefängnis gebracht, ins Exil gezwungen oder direkt umgebracht, ohne dass die wirklich Schuldigen jemals gefunden und bestraft werden. Und auch der König hat nicht mehr viel zu melden und ist auf Dauerurlaub in China.

Trotz all dieser Missstände strahlen die Menschen hier eine Vergnügtheit und Gelassenheit aus, die kaum mit anderen Ländern zu vergleichen ist. Vielleicht ist es das, was uns so fasziniert hat.

10.- 11.06.: Work in progress

Die nächsten Reiseschritte nehmen nun immer mehr Gestalt an. Es soll weiter auf die Philippinen gehen. Doch wohin genau? Wann überhaupt? Wieviel Geld haben wir eigentlich noch? Wer hat überhaupt wieviel Geld ausgegeben? Wo sind wir überhaupt? Wo steht uns überhaupt der Kopf?

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All diese Fragen haben uns heute ganz schön auf Trab gehalten. Man könnte fast sagen, wir haben heute einen Büro-Tag eingelegt. Die Abrechnung und Verrechnung der letzten zwei Monate hat uns seit Beginn der Reise überhaupt nicht gekümmert, dafür heute um so mehr. Zeit, um mal Bilanz zu ziehen. Bei dem ganzen Hin- und Hergerechne geht knapp der ganze Vormittag drauf. Amüsanterweise haben wir beide ungefähr gleich viel ausgegeben. Und das, ohne dass wir groß drauf geachtet hätten. Gut, dass das klappt.

Und wie geht es weiter? Klar, auf die Philippinen. Aber das Land ist groß. Wo wollen wir überhaupt hin, was gibt es zu sehen, gehen wir mit System vor oder betont ohne System? 30 Seiten englischsprachigen Reiseführers und gefühlte 25 Internetseiten mit schreckenserregenden Nachrichten später ist es klar. Wir gehen in den Teil, der als bedenkenlos beschrieben wird. Schöne Tauchplätze soll es dort geben. Und Walhaie. Ich bin echt gespannt, ob ich es schaffe, unter Wasser zu kommen.

Und dann ist da noch das Gesehene der letzten Tage verarbeiten. Angkor Wat war auf der finalen Wahlliste der neuen Weltwunder und ist es dann leider nicht geworden. Wahrscheinlich, weil es dann doch zu unbekannt war. Unserer Meinung nach ist es zu unrecht nicht gewählt worden. Dabei kann man sich hier doch bei den vielen, vielen Tempeln die schönsten raussuchen.

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Auf jeden Fall stellen wir mal wieder fest, dass der Laptop sich ein weiteres Mal gelohnt hat. Er durfte heute auf Hochtouren arbeiten und durch die ganzen Uploads von Videos und Bildmaterial haben wir fast das HostelWifi gesprengt. Sorry.

07.-09.06.: Den Tempel trotz lauter Steinen sehen

Nach drei Tagen in Siem Reap sieht man den Wald vor lauter Tempeln nicht mehr, bzw. den einzelnen Tempel vor lauter Steinen nicht. Trotzdem war jeder Tempel für sich wunderschön und voller besonderer Details. Um die Eigenheiten der einzelnen Tempel ein bisschen zu beleuchten, kommt hier eine klitzekleine Auswahl an Fotos.

Tag I: Giant Circle

Banteay Sreai

Beng Mealea

Roluos Gruppe

Tag III: Small Circle

Angkor Wat

Ta Prohm

Bayon