07.-09.06.: Siem Reap und Umgebung

Ankunft in Siem Reap

Am allerersten Tag in Siem Reap wurden wir direkt vom Bus abgeholt. „Nee“ (=Nih) stand dort mit einem Schild in der Hand: „Herzlich Wilkommen Jonas Brüwer“. Wow, ich wusste gar nicht, wie schön sich das anfühlt. Dann haben wir mit Nee etwas Smalltalk betrieben. Um es genau zu nehmen, hat er mit uns Smalltalk betrieben. Und ums noch genauer zu nehmen, hat er überhaupt nicht mehr aufgehört zu reden. Ok, es war eher ein Monolog. Wahrscheinlich wollte er uns mit seinem sehr guten Englisch beeindrucken und ehrlicherweise hat es auch funktioniert.

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Im „Schein“ Guesthouse (sehr zu empfehlen) erwartet uns ein komplett organisierter, durchstrukturierter Herr Anfang sechzig vom väterlichen Typ, der über alle Gäste genauestens Bescheid weiß. Er begrüßt uns auf Deutsch. Natürlich weiß er schon, dass wir auch Deutsche sind. Herr Schein und sein Hotel sind tiptop in Schuss. Das Frühstück ist inklusive, es gibt umsonst Trinkwasser und Tee/Kaffee den ganzen Tag, wenn man möchte. Auf dem Zimmer erwartet uns eine ausgetüftelte Tourenmappe mit laminierten, durchstrukturieren Folien. Das Zimmer wird täglich geputzt und Herr Schein hat ausgesuchte Tourguide- und Fahrerverbindungen, von denen er weiß, dass sie gute Arbeit machen. Und das Ganze für 15€ die Nacht. Wenn das bloß überall so wäre.

 

Tag I: Giant circle

Am ersten Tag unserer Besichtigungsodyssee wurden wir vom Hausherren in eine Vierergruppe gesteckt. Der Brasilianer mit italienischen Wurzeln, Gulliherme, ist 1 Kopf größer als ich und die Amerikanerin mit vietnamesischen Wurzeln ist 1 Kopf kleiner als Anne. Naja, und dann sind da noch wir beide. Mitteleuropäer mit mitteleuropäischen Wurzeln, ungefähr so mittelgroß, Anne und Jonas. Guten Tag!

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Zusammen sind wir fix in das Office zum Ticketkaufen gefahren. Dort sah es aus wie an einem Flughafen Terminal. 20 Schalter, an denen man überall was anderes kaufen kann. Wir haben uns für ein 3-Tages-Ticket entschieden. Die Frau hinter dem Schalter hat sich erst gar keine Mühe gegeben, von uns ein schönes Foto zu machen. Schließlich ist das Ticket ja auch nur funktionell.

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Auf dieser ersten Tour haben wir uns die Tempel Bantey Srei, Beng Mealea und die Roluosgruppe angesehen. Wir sind insgesamt etwa 200km in einer klimatisierten Limousine durch die Landschaft gefahren. Echt schön, nur leider waren Anne und ich von den Auswüchsen des letzten Wochenendes immer noch sehr erschöpft und auch unsere beiden Mitreisenden konnten sich nicht beherrschen, sodass wir alle zwischen den Tempeln geschlafen haben. Im Auto versteht sich.

Bantay Srei
Bantay Srei: eine wunderschön restaurierte Tempelanlage, teilweise mit Steinduplikaten
wer hält hier wen
Bang/d Mealea: Wer hält hier wen?

Während der Mittagspause sind wir in einem völlig überteuerten Restaurant abgestiegen. Durchgebogene Holztische, dass einem die Suppe aus dem Teller geschwappt ist und der Ventilator so stark, dass einem die (Bart-) Haare im Wind geflattert sind. Das Essen war jedoch sehr köstlich, muss man sagen.

Ein kleiner Exkurs: Die Nationalküche von Kambodscha scheint auf den ersten Blick recht eintönig. Es gibt:
Curry mit der typischen Fleischauswahl (pork, beef, seafood, vegetarisch),
Amok (so ähnlich wie Curry, nur ohne Currypulver, dafür mit sehr anderen, leckeren Gewürzen und Kokosmilch) und
Loklak (ein Rindfleischgericht).
Auf den Menülisten gibt es noch Erweiterungen aus den umliegenden Ländern (Vietnam, Thailand, Laos) und Western-Style (schlechte Burger, pappige Pommes,…). Nun ist es so, dass es im ganzen Land überall in jedem Restaurant Curry, Amok und Loklak zu essen gibt. Das Schöne ist allerdings, dass es überall anders schmeckt. Als hätte jeder Koch eine Grundidee vom Rezept, aber ein Fünkchen familiäre Raffinesse mit eingebracht. Herrlich, ich kann das jeden Tag essen. Natürlich ist da noch Chicken mit Ingwer, bei dem gefühlt eine kinderfaustgroße Ingwerknolle als Julienne geschnitten mitgekocht wird. Sehr zu empfehlen.

Wie wir da so saßen und die beiden anderen sich auf dieser Karte scheinbar überhaupt nicht zurecht gefunden haben, ist mir doch tatsächlich sehr deutlich geworden, wie gewohnt dieses Restaurantessen inzwischen für uns geworden ist. Und an der Tatsache, dass wir die beiden kompetent durch die Karte führen konnten, wurde nun auch deutlich, wie lange wir schon unterwegs sind. Das war der erste Moment, in dem ich mich so richtig „auf Reisen“ gefühlt habe. Endlich angekommen.

Lego
Bang Mealea: Lego ist offensichtlich doch keine Erfindung der Neuzeit.
Riesenpuzzel
Bang Mealea: Ein Puzzelspiel für Riesen

 

TagII: Big circle

Für den zweiten Tag haben wir uns von Herrn Schein direkt Nee buchen lassen. Der hat uns sehr gut gefallen, deswegen wollten wir den wiedersehen. Haben wir auch. Mit Quynh zusammen sind wir die große Tour gefahren. Nee hat uns bei jedem Tempel Kleinigkeiten erzählen können und wusste auch genau, worauf man achten sollte. Erst später am Abend, als wir die Tour für den dritten und letzten Tag buchen wollten, haben wir erfahren, dass es eine sehr ausgeprägte Hierarchie zwischen Tourguides und Tuktuk-Fahrern gibt.

Wir haben uns der Reihe nach folgende Tempel angesehen: Prea Kahn –> Neak Pean –>  Ta Som –> East Mebon –> Pre Rup –> Sras Srang –> Bantay Kdei. Ehrlich gesagt habe ich das gerade aus dem Tourenheft abgeschrieben, weil wir uns partout nicht merken konnten, wie die Tempel alle hießen. Alle 7 Tempel waren sehr besonders und eindrucksvoll, aber nach 7 Stunden Tuktuk-Fahrt und immer wieder aus- und einsteigen und immer wieder Steinmauern mit immer wieder den gleichen Apsaratänzerinnen wurde unser Hirn doch irgendwann etwas mürbe und träge, so dass wir am letzten Tempel aus einer Quatschsituation diese wunderbaren Bilderrahmen/Fenster-Fotos aus der Slideshow s.u. geschossen haben. Noch viel ehrlicher gesagt konnten wir beim Durchsehen der Fotos diese nur grob dem zweiten Tag zuordnen, nicht mehr jedoch den einzelnen Tempeln. 7 Tempel an einem Tag: das passt halt nicht. Da wird man dem einzelnen Tempel gar nicht gerecht.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Tag III: Small circle

Am letzten Tag haben wir uns endlich dem Highlight gewidmet:
Angkor Wat.
Das Wahrzeichen es Landes.
Der Königstempel.
Fast eines der „sieben neuen Weltwunder“.

Angkor Wat
Standardtouribild. Der Guide hat gesagt, ich soll ein Foto machen, also habe ich ein Foto gemacht.

Wir haben uns bewusst einen Tourguide geleistet, damit wir alle Fragen loswerden konnten, die sich die letzten Tage angestaut hatten. Es hat sich auch sehr gelohnt. Sam konnte uns ausführlich aus allen Epochen und aus allen Religionen berichten. Natürlich war Nee wieder unser Tuktuk-Fahrer. Nur heute war er im Vergleich zum Vortag sehr still und unterwürfig. Da wurde uns nochmal direkt deutlich, was der Herr Schein am Vortag bezüglich der Hierarchie gemeint hat. Irgendwie tut mir Nee leid. Ich mag den echt gerne.

Der Reihe nach haben wir uns Angkor Wat –> Ta Prohm –> Gelände Angkor Thom –>  Bayon in Angkor Thom –> Angkor Wat angesehen. Die Tour war grandios aufgebaut und der Guide hat sich hervorragend auf unsere Fragen eingelassen. Wir sind ja nun seit 2 Monaten unterwegs und haben uns auch mit einer Menge an religiösen Stätten und sowohl vergangenen als auch aktuellen politischen Situationen auseinander gesetzt. Sehr schnell konnten Sam sich auf unsere Bedürfnisse einstellen.

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Notdürftig reparierte Einschusslöcher, aus der Zeit, als sich die Khmer rouge im Angkor Wat verschanzt haben.

Für Angkor Wat hatte er ungefähr eine Stunde angesetzt. Wir haben 2,5 Stunden gebraucht, weil wir ihn unglaublich viel über den Buddhismus und Hinduismus ausgefragt haben. Bei dieser ganzen Erzählerei ist mir natürlich der Bezug zum Buddhismus und Christentum mal wieder aufgefallen. Alles habe ich mir nicht gemerkt. Nur ganz kurz: Die neunte von zehn Inkarnationen oder Erscheinungsbildern von Vishnu ist Buddha (der aus dem Buddhismus). Als zehnter Avatar soll ein Mensch mit Pferdekopf kommen, der die Welt retten wird, wenn sie kurz vor dem Untergang steht, so, wie im Buddhismus auch noch ein neuer Buddha erwartet wird. Es gibt eine Trinität (im Hinduismus Trimurti genannt), bestehend aus den drei männlichen Hauptgöttern: Shiva (der Machtvollste, Erschaffer und Zerstörer), Vishnu (Erhaltung), Brahma (Schöpfung). Im Christentum werden diese Positionen Vater, Sohn und heiliger Geist genannt. Es gibt im Hinduismus natürlich noch die Ehefrauen der Götter mit ihren jeweiligen Funktionen und noch eine Vielzahl von Untergöttern für so allerlei Nützliches (Kreativität, Liebe, Ernte, Mond, Sonne,…).

Das Schönste war allerdings der kleine Exkurs von Sam, dass er meinte, die Oberschicht der damaligen Gesellschaft glaubte an den Hinduismus mit dem Kastensystem und die Mittel- und Unterschicht an den Buddhismus. Die einen glaubten, sie seien ganz oben angekommen und die anderen glaubten, dass das so sein muss, bzw. glaubten, dass sie die Chance haben, durch gutes Karma aufzusteigen. Wie entspannt doch das Leben sein kann, wenn man es sich so schön redet.

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Nebensaison haben die gesagt. Von gähnender Leere haben sie gesprochen. Ich will mir nicht vorstellen, wie das hier zur Hauptsaison aussieht.

Sam hat uns mit seinen vielen Geschichten und Fakten so schnell durch den Angkor Wat geführt, dass wir auf dem Rückweg den gleichen Tempel noch mal angucken wollten. Denn wir sind schrecklich schnell durch die Anlagen gerast, so dass wir die allgemeine Stimmung kaum wahrnehmen konnten.

 

Tha Prohm
Tha Prohm:
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der Tomb Raider-Tempel

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Wie wir so auf dem Bayon rumgeturnt sind und fast des Tempels verwiesen wurden, weil man dort gar nicht tanzen darf, ereignete sich eine kleine, doch recht amüsante Geschichte. Wir ließen stets unsere Proviantplastiktüte im Nees Tuktuk. Als wir vom Tempel kamen, machte Nee ein bedrücktes Gesicht. „Die Affen haben eine Banane geklaut, deswegen habe ich ich die Tüte unter dem Sitz versteckt“ Zuerst verstanden wir nicht, was er damit sagen wollte. Als Beweis zeigte er unsere Provianttüte. Sie hatte auf einmal ein Loch. Dieses war allerdings nicht viel größer als Annes kleiner Finger. Wie da eine Banane durchpassen soll, ist uns schleierhaft.

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1. Wo soll der Affe hergekommen sein?
2. Woher soll der Affe, den es nicht gibt, wissen, dass in unserem Gefährt eine Provianttüte liegt?
3. Woher soll der Affe, den es nicht gibt, wissen, dass es darin eine Banane gibt, die ihm schmecken könnte?
4. Wie soll sich dieser Affe an Nee vorbeischleichen und unbemerkt ein Loch in die Tüte bohren?
5. Wie soll er die Banane durch ein fingerdickes Loch bekommen?

Oder kann es sein, dass unser lieber Nee ein wenig Hunger hatte und sich mit dieser amüsanten Notlüge aus der Patsche ziehen musste?

(Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andren kalt, wer hat die Banane geklaut…)

2 Gedanken zu “07.-09.06.: Siem Reap und Umgebung

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