09.07.: Neue Insel, neues Glück

Neuer Tag, neue Insel, neues Glück. Unsere Insel Nummer 5 heißt Panay und wird als „großer, leerer Planet“ beschrieben, „um den die Partyinsel Boracay kreist“. Da wir uns um Party absolut nicht scheren, haben wir Boracay schon beim Lesen dieses Satzes aus unserem Plan gestrichen. Nach und über Panay wollen wir aber trotzdem, um bei unserem Inselhopping weiter nach Westen und Norden zu kommen. Unser Ziel ist ja schließlich Manila – und am 22.7. wollen / müssen wir spätestens dort sein, um den Flug nach Bangkok zu nehmen, der uns nach Hause bringen soll.

Auf der Karte sieht es wie ein Katzensprung aus, wenn man von der Insel Negros auf die Nachbarinsel Panay will. In Wirklichkeit hat uns diese Strecke eine lange, aber lohnenswerte Odyssee beschert. Etliche Verkehrsmittel haben wir dabei benutzt, von denen einige das Zeug dazu haben, in unsere Liste der kuriosesten Fahrzeuge auf der Reise aufgenommen zu werden.

Schritt 1: Zu zweit in einem Pedicab zum Hafen fahren

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Ein Pedicab ist ein Fahrrad in Kindergröße, an das ein kleiner Beifahrerwagen geschweißt wurde. Mit Verdeck, kleiner Gepäckablage und sehr, sehr niedriger Sitzbank. Vor Kurzem haben wir dieses Gefährt auf den Straßen von Negros entdeckt und waren neugierig, wie es sich wohl darin so fährt. Ohne zu wissen, wie weit es zum Hafen ist, hat Jonas einen alten Pedicabfahrer von der anderen Straßenseite rangewunken. Glücklich, Kundschaft zu haben, und überglücklich, ausländische Kundschaft zu haben, ist er über die Straße geradelt. Wohin wir wollten, hat er nicht verstanden. Der Wachmann von nebenan konnte mit der Übersetzung helfen, legte aber eine erstaunte bis skeptische Mine auf, als er erst uns und dann unser Gepäck musterte. „Wie wollen diese zwei dicken Weißen denn bitte schön mit ihren Rucksäcken in dieses Pedicab passen? Und wie soll dieser arme alte Mann sie um alles in der Welt bis zum Hafen radeln?“, schien er zu denken. Aber wir waren allen guten Tipps gegenüber immun. Wir wollten nicht auf ein schnelleres Tricycle umsatteln, denn das kannten wir schon – wir wollten jetzt mit so einem Pedicab fahren, und zwar mit diesem! Der Fahrer war genau so stur wie wir, denn er wollte sich sein Morgengeschäft auch nicht von gut gemeinten Ratschlägen versauen lassen. Also winkte er ab, verstaute unser Gepäck auf der Rückbank und wir quetschten uns, so gut es ging, auf die Vorderbank. Und dann radelte er los. Er radelte und strampelte und schwitzte und ich hatte Angst, er würde irgendwann einfach vom Fahrrad kippen, wenn wir nicht endlich bald am Hafen wären. Wieso hatte er bloß zugesagt… Doch wir schafften es – und sogar ganz pünktlich, um in Ruhe unsere Tickets zu kaufen.

Schritt 2: Mit RoRo (Roll on roll off) nach Panay übersetzen

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Die zweite vielleicht etwas seltsame Entscheidung des Tages: Nicht mit dem Fast Craft nach Panay übersetzen, sondern mit der viel langsameren RoRo. Diese braucht fast drei statt der sonstigen anderthalb Stunden. Da sie aber viel ruhiger im Wasser liegen soll und es angeblich noch immer Ausläufer des Taifuns geben sollte, hatte uns unsere Couchsurferin vom Vorabend zu der RoRo-Fähre geraten. Was wir erst später verstanden: Die Roro-Fähre legt nicht direkt in Iloilo an, sondern irgendwo weiter weg. Dass es ein halber Reisetag werden würde, um von unserem Ankunftspunkt bis zu unserem Ziel zu fahren, hätten wir nicht geahnt. Im Nachhinein gesehen war das aber sehr gut so, denn so bekamen wir viele interessante Ecken zu Gesicht und waren wir mittendrin im Geschehen auf Panay.

Schritt 3: Mit dem Tricycle vom Hafen in Dumangas zum Bus Terminal fahren (zu zehnt!)

 

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Anmerkung: Wir alle drei sitzen auf EINEM Motorrad (der Fahrer sitzt auf dem Tank!)! Die sieben anderen Passagiere sitzen hinter unseren Rucksäcken.


Wir legten in Dumangas an, irgendwo in der Pampa an der Ostküste von Panay.  Außer ein paar Verkaufshütten gab es nichts, nicht einmal Jeepneys oder aufdringliche Tricycle-Fahrer. Irgendwas muss hier doch faul sein! Oder wir sind wirklich weit weg von jeglicher (touristischer) Zivilisation. Wir hielten uns an die Einheimischen und beobachteten, wie sie zu sechst oder siebt ein Tricycle charterten. Zur Erinnerung: Tricycles sind Mopeds mit Beiwagen. Normalerweise passen – so sollte man als Europäer denken – zwei Leute dort hinein, nämlich einer auf der Vorder- und einer auf der Rückbank, maximal jedoch vier, wenn man pro Bank zwei Passagiere rechnet. Aber das klingt schon sehr eng. Bald verstanden wir, wie das hier läuft: pro Tricycle zahlt man einen Fixpreis vom Hafen zum Busterminal. Je mehr Leute man auflädt, desto billiger wird es natürlich. Uns wurde ein „Special trip“, ein Tricycle nur für uns beide angeboten – wir lehnten dankend ab und wünschten uns einen normalen Trip. „Sure? Seid ihr sicher?“ – „Ja, ja.“
Also los: das Tricycle, was auf die letzten Mitfahrer wartete, sah schon mächtig voll aus. Zwei Frauen auf der Vorderbank, 2 große Taschen und drei kleine Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren auf ihren Schößen, zwei Leute auf der Rückbank und diverse Gepäckstücke auf dem Dach. Wohin sollten wir? Die Rücksäcke aufs Dach, klar. Und wir? Wir setzten uns dahin, wo noch niemand saß, nämlich hinter den Fahrer, und zwar im Damensattel. Jonas und ich, beide hintereinander hinter einem dritten – das muss man sich mal vorstellen. Seltsamerweise saßen wir echt bequem und hielten das Schaukeln auf dem Feldweg gut aus. Die Sonne brannte uns auf die Knie und die Abenteuerluft wehte uns um die Nase – willkommen in Panay, abseits der Touristenströme!

 

Schritt 4: Im Jeep von einem Terminal zum anderen fahren

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Noch ist es hier leer. Aber zu früh gefreut: Hier werden bald noch ca. 50 weitere Fahrgäste Platz finden.


Aha, das war also das Terminal, denn hier wurden wir ausgekippt. Wir hatten keine Ahnung, wie weit es noch nach Iloilo sein würde, aber irgendwie sah es ziemlich abgelegen aus. Zum Glück waren auch hier die Leute super nett und gut informiert. Keine falschen Informationen; wir wurden von einem zum nächsten gelenkt, bis wir im richtigen Jeepney saßen. Die einzigen Weißen weit und breit und eine absolute Attraktion für alle Mitreisenden und alle, die in der Nähe des Jeeps standen.

Schritt 5: Vom Super Terminal nach Tigbauan fahren

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Nach ca. einer Stunde Fahrtzeit wurden wir wieder ausgekippt. Wie schön, wenn man sich darauf verlassen kann, dass immer einer weiß, wo man hin will und ein Auge darauf hat, dass man richtig aussteigt. Das Super Terminal war riesig. Aber die Arme zeigten wie in einem langen Staffellauf ganz zuverlässig immer weiter, bis wir am richtigen Jeep ankamen. „Tigbauan? There!”, „There!“, „Over there!“, „Here!“ Juhu. Neuer Jeep, neues Glück. Denn dismal durften wir in der Fahrerkabine Platz nehmen. Was anfangs als Privileg erschien, weil wir uns  nicht mit ca. 50 Leuten die Sitzbänke teilen mussten, erwies sich schnell als ziemlich unbequem. Mein Rucksack an den Füßen, Jonas‘ Rucksack auf dem Schoß, tuckelten wir nochmal fast eine Stunde aus Iloilo raus.

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Schritt 6: Ankunft in Tigbauan
Das einzige orange-grüne Haus in Población 4 sollten wir suchen, hatte uns unsere Couchsurferin gesagt. Endlich, da war es! Und da stand sie, April, auch schon und ließ uns rein.
Ihre Mutter hatte ihr Curry und Reis für uns dagelassen und wir konnten uns nach unserer Odyssee erstmal stärken. Zu mehr als ein bisschen quatschen und auf dem Dach ein Bier trinken hatten wir keine Energie mehr. Nur Bier mussten wir noch aus dem Seven Eleven holen. Weil wir so müde von der Reise waren, nahmen wir für die paar Schritte dahin auf Aprils Anraten hin lieber ein Pedicab. Bei dieser Entfernung musste man auch keine Angst haben, den Fahrer bis zum Herzinfarkt zu treiben. Und so kamen wir alle sicher und müde zu Hause an und fielen kurz darauf ins Bett.

 

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