16.05.: Tanzen am Flughafen

Alles ist schon im Resort beschrieben. Deswegen gibt es jetzt eine Leseentspannungspause.

Heute ist Montag. Montag ist Tanzen. Immer.

 

12. – 16.05.: Im Resort auf Phu Quoc

:Einleitung: das Resort Bamboo Cottage

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Wir sind hier in einem kleinen Traum angekommen. Nach unzähligen Übernachtungsabenteuern in Thailand, Myanmar und Vietnam, tut diese Ankunft am Meer doch sehr gut. Das Bamboo Cottage ist ein kleines, familiengeführtes Resort mit ökologischem Ansatz. Es gibt Solaranlagen, die Strom liefern, so lange die Sonne scheint. Die Familienhunde Fish & Chips mit ihren Kuschel-Puppys. Mülltrennung. Umsonsttrinkwasser, was man sich selbst in Glasflaschen abfüllen kann, ergo Plastikmüllvermeidung. Holzmobiliar. Und das ganze unter Palmen, direkt am Meer, ohne Massentourismus, weil dieser Teil der Insel noch nicht erschlossen ist. In einer Werbebroschüre lesen wir über die Projekte „Keep the island clean“ und „Save the bees“. Der gesprächsfreudige Manager Charles erzählt uns, dass eine seiner ersten Amtshandlungen war, sämtliche Weinflaschen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, dafür zu benutzen, um den Boden im Aufenthaltsraum anzuheben, um so eine visuelle Raumtrennung zu schaffen.

Dieser Raum besteht je nach Perspektive aus gemütlichem Wohnzimmer mit Bücherei und Spieleecke, Billiard-Pub-Ecke oder Rezeption inklusive Büro und Bar. Ein Blick durch die doppelflügelige Tür gibt den Blick auf das Restaurant frei, welches sich surrealistisch von großen zu immer kleiner werdenden Tischen über den Sandstrand und schließlich im Meer verläuft. Am liebsten sitze ich abends in der zweiten oder dritten Reihe mit Blick auf die mit öllämpchenbestückten Tische und im Hintergrund das Meer.

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Der einzige Makel hier ist, dass sich 200m neben dem Hotel der Baustoffanleger für die neuen Projekte auf der Nordinsel befindet. Es sollen hier angeblich neben der notwendigen Infrastruktur ein Golfplatz, ein Zoo und mehrere Hotels entstehen. Es wird hier also nicht mehr sehr lange so ruhig bleiben. Momentan hört man davon relativ wenig.

Wir haben hier, um‘s genau zu nehmen, überhaupt nichts getan. Wir haben uns kaum einen Zentimeter vom Strand wegbewegt. Kaum. Ein paar Kleinigkeiten haben wir dann doch erlebt, die haben wir bewusst unchronologisch aufgeschrieben.

 

Willkommen bei den Sch’ties

Unser Kellner Vong ist wirklich sehr nett. Er ist sehr bemüht, ständig mit uns ein Gespräch zu beginnen. Nun konnten wir in den letzten Stunden beobachten, dass immer wieder Leute vom Staff zu mehreren vor einem LapTop saßen und konzentriert auf den Bildschirm gestarrt haben. Was die wohl dort tun haben wir uns erst uns und dann ihn gefragt. „We have a new shoptware!“ Ok, dachte ich mir. Wieder ein neues englisches Wort gelernt. Aber irgendwie komisch, was heißt denn das. Also, schnell das wandelne Lexion gefragt. Die Antwort war logisch und amüsant. Die Südvietnamesen, so Anne, vertauschen alle Sch mit S und alle S mit Sch. – Willkommen bei den Sch’ties. Jetzt verstehe ich auch, warum die Mitarbeiter die Haushunde „Fis“ und „Tsips“ nennen.

„Have you finis you dinner?“ – „Yesh, shank you!“

 

Kochkurs ohne Anfassen

Es ist tatsächlich Zeit geworden für meinen ersten Kochkurs. Es werden Frühlingsrollen, Pho-Suppe und Fried Bananas gekocht. (Un)glücklicherweise hat mich Maksim zu dem Kurs am Vorabend überredet, also finden wir uns rechtzeitig in der „Küche“ ein. Die Küche sind ein paar zusammengestellte Tische mitten im Restaurant. Die Köchin betritt den Raum und ich freue mich schon wie hulle auf die ganze Schnibbelei und das Benutzen der Messer. Komisch, die meisten Sachen sind schon vorbereitet, dabei wollte ich doch alles machen. Die Köchin bereitet die Füllung für die Frühlingsrollen zu. Smashed pork-beef-prawn-mushroom-onion mit Gewürzen. Das Ganze wird dann in Reisblätter gerollt. Endlich dürfen wir tätig werden. Das Frittieren übernimmt dann wieder die Köchin. Unser Kellner Vung übersetzt ganz fleißig. Dann sollen wir die Rollen verköstigen. Klar, können wir machen, aber was ist denn mit den anderen Gerichten? Anschließend wird die Pho zubereitet. (Das wird wie eine Frage ausgesprochen: Pho?) Es wird eine Brühe angesetzt, bei der die Köchin unter den Kommentaren von Vung verschiedene Gewürze in kochendes Wasser schmeißt. Jetzt können wir bestimmt gleich etwas machen. Plötzlich trägt ein weiterer Koch die vorbereiteten Suppenschalen aus der Küche. Währenddessen schneidet die Köchin heimlich Beef in feine Scheiben. Hey… Wann dürfen wir denn etwas machen? Suppe in die Schale, Fleisch angaren, Suppe wieder raus, Fleisch ziehen lassen, Suppe wieder rein. Kräuter drüber. Fertig. Wieder verköstigen. Ok, die Situation ist absurd, wir lachen viel und haben eine Menge Spaß. Anne, die nicht für den Kurs bezahlt hat, saß im gleichen Raum und kriegt alles mit. Umsonst. Anschließend kommt das Dessert an die Reihe. Banane geschält und mit Minzblättern und Honig mariniert. Reispapier drum und frittiert. Das übernimmt dankbarerweise wieder die Köchin, das wäre jetzt doch zu viel Anstrengung auf den letzten Meter. Verköstigung und der Kurs ist vorbei. Es war wohl mehr eine looking class, als eine cooking class.

Maksim vergleicht im Anschluss treffenderweise den Kurs mit einem Stripteaselokal: gucken, aber nicht anfassen.

Das Fazit: ein Blogeintrag und amüsante 3 Stunden für 20 Dollar, allerdings ohne kochen.

 

Massage

Ich bekomme die erste Massage meines Lebens. Und zwar was für eine. Die kleine Vietnamesin gibt wirklich alles, um meinen Körper durchzuwalken, wobei sie manchmal eine vermeintliche Muskelverspannung mit Knochen verwechselt. Also knetet die mir gehörig mein Schulterblatt durch, bis es butterweich geworden ist. Sie massiert sogar so kräftig, dass ihre Hände auf meinem Körper vor Anstrengung zittern. Ob das so seine Richtigkeit hat, wage ich mal zu bezweifeln. Nach einer Stunde sagt sie: „Sir, the massage is over“. Sie gibt mir meine Sachen und bedeutet mir zu gehen. Ich bin völlig perplex und wanke zwischen tiefenentspannt und schmerzgeplagt aus der Tür. Als kleines Souvenir nehme ich Muskelkater und ein paar blaue Flecken mit. Dass das sooo angenehm ist, hatte ich nicht gewusst.

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Punch

Alles begann mit einem Punch. Unser Resort bietet an jedem Freitag 2 Stunden lang kostenloses Punschtrinken für alle Gäste an. Wir waren 5. Der alleinreisende Kräuterbittervertreter, Maksim, aus Estland; der freelancende Essensblogschreiber, Chris, aus England mit seinem Tourguidefreund, Pond, aus Thailand; und wir. Wir hatten alle den Eindruck von dem Personal nur Fruchtsaft vorgesetzt bekommen zu haben, doch wenn man es englisch nimmt, wird aus einem Getränk (Punsch) sehr schnell ein Schlag (punsh) – und der kam gehörig. Wir hatten alle einen im Tee und sind seitdem ziemlich beste Freunde. Tagsüber hing jeder seinen Gedanken nach oder vollbrachte sein Tagewerk und abends nach dem Abendessen trafen wir uns am Billiardtisch und erfanden neue Cocktails. „Spicy kiss“ ist eine von unseren Kreationen. 1 Haselnussgroßes Stück Ingwer in feine Streifen geschnitten, 2 Limetten, Naturhonig, 2-3x Rum, Zucker. Eine Variante ist der „burning kiss“ mit Chilli. 20160516_090413.jpg
Es gibt noch „European Lady“, „Room No 9“ oder „Biting Dog“, aber da sind die Rezepte noch nicht ganz ausgefeilt. Wir haben uns tatsächlich sehr bemüht, die perfekte Rezeptur herauszuarbeiten, aber (ich weiß nicht wie) haben wir die Rezepte über Nacht wieder vergessen und mussten am nächsten Tag ärgerlicherweise von vorne anfangen. Am letzten Tag gab`s dann noch uns zu Ehren eine Cocktail class, bei dem unser erschöpfter Barkeeper, Vì, uns gezeigt hat, wie er die Cocktails zubereitet hat. Inklusive Verkostung. Er musste uns mehrmals die Cocktails zubereiten, weil wir uns das Rezept wieder nicht merken konnten.

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Schnorchelausflug

In unserem kundenorientiertem Resort gibt es Kajaks und Schnorchelausrüstung zu mieten. Wobei mieten nicht ganz richtig ist, es kostet nämlich nichts. Was für ein Luxus. Hier im Norden von Phu Quoc bildet die Insel eine kleine Bucht, an deren Spitze eine kleine Insel vorgelagert ist. Die Fingernagelinsel. 20 Minuten mit dem Kajak entfernt kann man dort bei Flut an Land gehen und von dort aus quasi direkt in ein Korallenriff eintauchen. Wobei tauchen auch wieder übertrieben ist. Das „Riff“ startet quasi auf Knöchelhöhe, sodass man beim Anfahren auf die Insel tatsächlich sehr gut manövrieren muss, um die Korallen nicht zu beschädigen. Selbst in sehr flachem werden die Zehenspitzen schon von kleinen Fischen umschwärmt. Genau so geht es weiter, je tiefer es wird. Die Korallen werden farbenfroher und die Fische werden größer. Wahnsinn – und das ganze ohne Touristen. Nur wir. Naja, und die Bauarbeiter, die überall neue Resorts bauen. Leider hat eines der Motorboote der Männer eine Anemone zerrissen, sodass ihre Tentakel nichtsahnende Schwimmer verbrennend durch das Wasser ziehen.

12.05.: Mekong Teil 3: Floating market und Räucherpagode

Morgens geht’s zum floating market. Spannend zu sehen, wie die Bauernhändler ihre Waren zu den großen Booten verladen, die wiederum ihre Waren an weitere Kleinhändler verkaufen. Die Kleinhändler bringen ihre Waren dann an Land zu den Lokal-Märkten. Faktisch sind die Jungs und Mädels auf den Schiffen die ganze Zeit am Verladen. Rein-Raus-Raus-Rein.

Jedes Händlerboot hat einen Anzeigestock, was sie alles verkaufen. An jedem Stock wird, bequemer weise, eine der zu verkaufenden Früchte gebunden

 

Anschließend geht’s noch schnell in eine Pagode. Thanh kennt sich wirklich vorzüglich mit den verschiedenen Religionen in Vietnam aus und hat uns über die letzten Tage mehrere kleine Minivorträge gehalten. Genauso kann sie uns diese taoistische Pagode sehr gut erklären. Es ist alles voller Räucherspiralen. Voll. Voll. Voll. Und unter jeder Spirale hängt ein Wunsch, der mit dem Rauch irgendwo hintransportiert wird. Nach etwa 40 Minuten in dieser Räucherpagode wird einem so duselig in der Birne, dass ich gut nachvollziehen kann, dass diese Wünsche tatsächlich wahr werden. Zumindest glaubt man dann bestimmt mehr daran. An den Rest kann ich mich leider aufgrund der Nebelei nicht mehr so gut erinnern.

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11.05.: Zweiter Tag im Mekongdelta

Wir sind sehr früh aufgestanden, da wir noch eine sehr lange Bootstour vor uns hatten. Nach traumhaftem Frühstück ging‘s dann los, vorbei an unzähligen Kokosnussfabriken. Wir sahen eine Entschalungsstation mit unzähligen Handarbeitern, die pro Tag 2000 Kokosnüsse entschalen. Im Minutentakt werden hier frische Nüsse angeliefert und entschalte Nüsse abgeholt. Dann werden die zur nächsten Station gebracht, wieder ausgeladen, gesammelt und irgendwann wieder verladen. Bei der ersten Entschalungsstation dachte ich noch, dass es etwas besonderes wäre, aber nach der zehnten wurde sehr deutlich, dass diese Provinz den Namen „Heimat der Kokosnuss“ nicht zu unrecht hat. Es sollten noch viele weitere Stationen folgen.

Der ganze Fluss war voller wundervoller alter Holzkähne, die die verschiedenen Zustände der Kokosnuss durch die Gegend transportieren. Die Menschen am Ufer winkten und lachten, wir winkten und lachten zurück. Sehr freundlich hier. Am Ende sollten wir noch auf Empfehlung von Thanhs Vater zum Ananasmarkt fahren. Das wird lustig, dann kann ich endlich diese spezielle Schneideweise von den Leuten lernen. Vielleicht gibt`s dort auch verschiedene Ananassorten. Aber nix da. Auf dem ganzen – zugegeben relativ kleinen Markt – gab es nur einen einzigen Ananasstand. Der Markt war sonst relativ gewöhnlich und heißt einfach nur so. Nach dem eher enttäuschenden Besuch sind wir wieder mit unserem Luxusauto zum nächsten Homestay gefahren. Der Hausherr dort erwartete uns schon mit dem Essen. Es gab wiedermal betörend leckeres Essen, bei dem mir schon beim Gedanken daran der Speichel im Mund zusammenlief. Aus der Fotomisere vom Vortag haben wir gelernt und haben uns diese kleine optische Erinnerungshilfe bereitet.


Zwischen Mittag- und Abendessen gab es noch einen kleine Fahrradtour durch den Bananenhain. Anne war ganz begeistert von diesen kleinen Schleichwegen. Diese Bananenstauden und Drachenfruchtsträucher links und rechts vom Weg. Immer einem kleinen Kanal entlang. Einsame Häuser, in denen der Hausherr Karaoke singt. Familien, die auf dem Vorhof sitzen und Gemüse putzen. Alles liegt ganz friedlich und ruhig im Abendlicht. Ich hatte aufgrund der Sattelhöhe mehr Probleme, nicht vom Rad zu fallen, weswegen mir diese romantische Radtour leider nicht als solche hängen geblieben ist.

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Die Leute hier im Mekong kochen scheinbar immer für dreimal so viele Leute. Nach reichhaltigem Mittagessen und noch reichhaltigerem Abendsessen an zwei hintereinanderfolgenden Tagen fühle ich mich gemästet, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Die gustatorischen Impressionen auf unserem kleinen Mekongtrip machen auf jeden Fall sämtlichen fried rice aus ganz Myanmar wieder wett. Vielleicht sollte man hier mal einen kulturellen Austausch fördern?!

10.05.: Tour ins Mekong Delta und Nachholtanz

Heute startet die Tour ins Mekong-Delta. Wir treffen Annes ehemalige Studentin, Thanh, irgendwo in Saigon und werden von einem Megamonsterriesen-Jeep abgeholt. Irgendwann machen wir Rast an einem Touristenparkplatz. Lauter sonnenbecremte, behütete und Funktionskleidung tragende Menschen zwischen elternalt und drüber schieben sich durch dieses Sehenswürdigkeitenattrappen bestückte Lokal. Wir kaufen schnell einen Mangosmoothie und verschwinden wieder. Thanh telefoniert regelmäßig mit ihrem Vater, der ebenfalls deutschsprachiger Touristenführer ist. Die beiden haben zusammen eine Supersonderspezialtour ausgetüftelt, weil Thanh ganz genau weiß, welche Ecken Anne im Mekongdelta schon gesehen hat und welche noch nicht. Auf dem Weg zu unserem ersten Homestay erzählt Thanh, dass China beschlossen hat, in ihrem Land einen Staudamm zu bauen. Einfach so. Da Vietnam das letzte Land ist, das der Mekong durchquert, kommt hier viel wenige Wasser an, als für die Jahreszeit normal wäre. Darunter leidet gerade jetzt in der Trockenzeit die gesamte Landschaft. Es kann keine dritte Reisernte ausgebracht werden. Felder können nicht mehr bewässert werden. Wasserverkehrswege fallen aus. Der Fischfang geht drastisch zurück.

Irgendwann kommen wir an einem der neun Arme des Deltas an und steigen um in ein Boot, welches uns ca 1,5 Stunden später an unserem Homestay wieder rauslässt. Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, dass wir hier wirklich bei einer Familie wohnen. Ganz urig und typisch. Sowohl anhand der Betten- und Toilettenanzahl, als auch an den Terrassen mit Flussblick und Sonnenstühlen lässt darauf schließen, dass die Menschen hier doch ab und zu Gäste haben.

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Es gibt Mittagessen… und zwar was für eins. Den Geschmack in Worte zu fassen übersteigt meine neuentdeckten literarischen Fähigkeiten. Anschließend fährt der Nachbar uns mit den bereitgestellten Fahrrädern einmal um den Block und zeigt uns Kokosfaserfabriken, Besenbindereien und eine wundervoll schwingende Hängebrücke, auf der wir uns mit den Lokal-Kindern einen Hüpfkontest leisten und schnell wunderschöne Fotos machen.

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Zurück. Wir können schwimmen gehen.

Ach, herrjeh. Da haben wir doch gestern glatt vergessen, ein Tanzvideo zu machen. Als Entschädigung für uns selbst kommt nun diese wässrige Tanzerei.

 

Anschließend gibt es Abendessen vom gleichen Kaliber wie das Mittagessen. Waaaahnsinn. Ich zerschmelze und ziehe meinen Hut vor der vietnamesischen Küche. Zumindest aber vor der Köchin.

Gute Nacht.

09.05.: Reise in die Geisterstadt

Heute steht die zweite Reise in die Vergangenheit bevor. Und zwar eine Reise im doppelten Sinne: zeitlich und räumlich. Denn die VGU (Vietnamese German University), zu der wir fahren, liegt nicht mal mehr in Saigon, sondern in einer ganz anderen Provinz. Man steigt am Schildkrötenteich in einen der zwei uni-eigenen Busse und schaukelt sich anderthalb Stunden durch die Vororte aus der Stadt raus bis man irgendwann in der Pampa landet, die man wiederum eine Weile durchquert, bis irgendwann am Horizont ein paar einzelne Hochhausriesen auftauchen. Und dort steht er, der niegelnagelneue und super ausgestattete Campus der VGU. Die Stadt, die dort in the middle of nowhere aus dem Boden gestampft wurde, heißt Bình Dương Thành phố mới – wörtlich übersetzt Bình Dương, neue Stadt. Einer meiner Kollegen veränderte aber damals einfach eine der „Dekorationen“ um die Buchstaben herum und schon wurde aus der neuen Stadt eine Geisterstadt. Damals traf dieses Wortspiel durchaus den Kern, denn in den neugebauten Häusern- und Geschäftszeilen gab es lange Zeit nichts – keine Läden, wenig Menschen. Ich war gespannt, was sich in den zwei Jahren geändert haben würde.

Auf dem Campus angekommen, werden wir gleich von Henning und Jörg empfangen, die uns zum Mittag in die Kantine mitnehmen. Hier ist alles wie damals. Sogar die Smoothie-Frauen sind noch dieselben und sowohl Muter als auch Tochter flippen förmlich aus, als sie mich wiedersehen. Damals waren wir ziemlich dicke, weil Franca und ich dort jeden Tag mindestens zweimal Saft oder Kaffee gekauft haben und immer Zeit für ein kleines Schwätzchen oder Späßchen mit der Oma und ihrer Tochter hatten. Der Lieblingswitz der Oma: „Same same“ sagen und auf Franca und mich zeigen, obwohl wir nun wirklich nicht gleich aussehen. Aber laut der Oma tun es unsere Zähne und Nasen doch. Mit Jonas verstehen sie sich auch sofort super und auch ohne ein Wort Vietnamesisch wird viel gelacht.

Danach müssen alle arbeiten gehen. Außer wir. Mir wird bewusst, was für einen Luxus wir hier gerade leben. Während die anderen also unterrichten, vertreiben wir uns die Zeit im tiefgekühlten Lehrerzimmer und warten auf die Pausen, um mit den Deutschlehrern zu reden. Inzwischen ist das Kollegium beachtlich gewachsen und einige Leute, die ich noch als Studenten kennen gelernt habe, sind inzwischen Lehrer geworden. Nachdem wir vier Stunden nichts tuend gesehen haben, wie die Leute aus dem Unterricht in die Pause gehen und wieder zurück, bekomme ich doch fast ein bisschen Lust, mitzugehen und wieder mal was kurz zu unterrichten. Aber nur fast.

Und dann ist der lange Unterrichtstag vorbei und der beste Teil des Tages steht an: die Rückfahrt. Die Busfahrten zur VGU waren damals legendär. Anderthalb Stunden Fahrtzeit können langweilig oder stressig sein, in diesem Fall war es der unterhaltsamste Arbeitsweg, den ich je davor und danach gehabt habe. Zeitweise saßen wir damals zu zehnt im hinteren Busabteil und lachten anderthalb Stunden ohne Pause. Egal, wie früh am Morgen oder wie anstrengend der Tag gewesen war, nach diesen Busfahrten war alles wieder gut.
Seit ich weg bin, seien die Busfahrten effizienter geworden, sagt Jörg. Was heißt: sie arbeiten nur noch und erzählt und gelacht wird kaum mehr. Heute ändert sich das noch einmal. Zwar sind wir nur zu viert, doch die anderthalb Stunden vergehen wieder wie im Fluge.

Und ja: Heute ist zwar Montag. Montag ist zwar Tanzen. Eigentlich immer.
Aber nach einem langen Tag an der Uni überkommt mich doch ein wenig die bekannte Arbeitsmüdigkeit. Also ist ausnahmsweise mal Dienstag tanzen.

08.05.:  Ein Tag in Boxershorts und Hundemischlinge

Wir sind erstaunlich früh aufgestanden. Es gab bánh mì. Eine Croque-Variation mit 4 verschiedenen Fleischsorten. Eine Seite wurde mit Mayonaise und Leberwurst bestrichen und dann kam noch Fleischwurst, Schinken und Kassler oder so drauf. Ein Fest für die Sinne. Danach habe ich mich etwas zurückgezogen und die Frauen haben sich kurz unterhalten. Also wasche ich Wäsche. Und zwar unsere gesamte Wäsche. Hose aus, Strümpfe aus und ab aufs Sofa. Rätselheft raus! Super!

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Nach dieser „kurzen“ Unterhaltung, etwa gegen Abend, sind Anne und ich schnell noch etwas essen und anschließend leider viel zu spät zum Swingtanzen gegangen. Das war nett, aber der erhoffte anschließende Austausch hat leider nicht stattgefunden. Also sind wir danach ein wenig zwischen dem Palast und dem Saigon River flanieren gegangen.

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Was früher wohl eine 4-spurige, vielbefahrene Straße war, ist heute ein riesengroßer Platz, der – von zwei Straßen eingerahmt –  abends völlig verkehrsberuhigt gehalten wird.

Auf dem Platz war alles voller junger Leute, die in riesen Gruppen auf dem Boden saßen und vor allem nichts getan haben. Kein Smartphone, kein Alkohol. Nichts. Sie saßen einfach nur da und haben sich unterhalten. Irgendwo hat irgendjemand einen tragbaren Lautsprecher aufgestellt und hat die Menschen über sein Smartphone Karaoke singen lassen, oder irgendwelche Straßenkünstler haben getanzt oder Musik gemacht. Aber irgendwie alles ohne, dass sie Geld dafür haben wollten. Die Menschen dort sind einfach nur aufgetreten.

Unterwegs haben wir auch eine Gruppe junger Menschen mit unterschiedlichsten Rassehunden gesehen, die scheinbar einfach nur spazieren oder flanieren gegangen sind. Annes Komentar dazu: In ein paar Jahren wird hier alles voller wunderschöner Straßenhunde sein. Ich stelle mir das lustig vor: Dalmatiner-Dackel-, Spitz-Huskey- oder Mops-Dogge-Mischlinge.