(PH) Tipps von Joan

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Hier sind wir mit Joan in der Mall of Asia in Manila.
Joan hat uns im Haus ihrer Familie in Batangas gehostet. Wir haben uns sofort gut verstanden und  uns deshalb in Manila wiedergetroffen.  Joan hat uns nicht nur viele gute Tipps zum Bloggen gegeben, sondern uns auch fünf ihrer schicken Armbänder verkauft. Hier könnt ihr euch auf ihrem Blog umsehen und in Joans Shop stöbern. Falls ihr mal nach Manila kommt, fragt sie doch, ob sie euch treffen kann: https://www.couchsurfing.com/people/jhowayne-contreras

Weil uns Joan so sympathisch war, wollten wir ein paar Dinge von ihr wissen. Die Antworten findet ihr hier:


1.
Joan, what is your favourite Filipino Music?

One of the popular Filipino bands that I like is Parokya ni Edgar.  This band was formed in 1993 and is known for original rock novelty songs. One of their best songs that I like the most is Harana*.

*Harana in English means Serenade.

Here you can listen to the song:

And if you feel prepared to sing along, click here:


2. Which Filipino book impressed you most?

I still remember that when I was in Secondary School I had a subject called History. We read 2 novels written by Doctor Jose P. Rizal, a Philippine National Hero. These books are entitled Noli Me Tangere (Touch Me Not) and its sequel El Filibusterismo (The Subversive).

The novel’s best lines are in my opinion:

  1. “Ang hindi marunong magmahal sa sariling wika ay higit pa sa hayop at malansang isda.”  In English: “He who doesn’t love his own language is worse than an animal and smelly fish.”
  2. “Nasa Kabataan ang Pag-asa ng Bayan.” In English: “Filipino youth is the hope of the country”

For a brief introduction please click the link attached: http://www.penguin.com/read/book-clubs/noli-me-tangere-touch-me-not/9780143039693

I found one German edition which is only available at Amazon:

https://www.amazon.de/Noli-me-tangere-Jos%C3%A9-Rizal/dp/3000528474/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1470339071&sr=8-5&keywords=jose+rizal

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3. Is there any great Filipino movie?

For me, this movie is not sooo great but close to good movie 😀

That Thing Called Tadhana is a romantic comedy movie. It is a story of a broken hearted girl who met a boy in a not so normal way. Both in despair out of love, they form a charming friendship that will take them to Sagada (one of the famous tourist spots in the Northern Part of the Philippines) in their attempts to mend each other’s hearts.

*Tadhana in English: Fate


4. And what is your favourite Filipino dish?

I love cooking. My favourite Filipino dish is Sinigang na baboy.

 
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5. Joan, please teach us a funny phrase with which we can surprise locals.
 

Bulaga! – In English that means Booo!

My boss always surprises me, and they were so happy and laughing out loud when they heard me scream!


6. Last but not least, please give us a reason why a young German traveler should visit your country!

Actually, anyone should visit Philippines. The Philippines offer so many beautiful places to visit, history and cultures to share, local food to taste, and indigenous people to meet.

 

20.07.: Manila: Altstadt und Oceanarium

Radius ausdehnen

Am zweiten Tag in  Manila fanden wir, es wurde Zeit, unseren Radius von Hostel – Seven Eleven – Essenssuche – Hostel etwas auszudehnen. Beim Frühstücken im Wanderer’s Guesthouse hatten wir Regina kennengelernt. Sie war kurz nach dem Abi aufgebrochen, um in Neuseeland und Australien zu leben und zu reisen und machte nun auf ihrem Rückweg einen Abstecher auf die Philippinen. In Manila hatte sie nur einen Tag eingeplant und wollte also heute die Stadt erkunden. Nur machten ihr Horrorgeschichten, die ihr da auf der Terrasse präsentiert wurden, etwas zu schaffen: „Allein in Manila? Was, überhaupt alleine unterwegs, als 18-Jährige?“ Was habe sie denn vor? Alleine die Stadt ansehen – auf keinen Fall! Das einzig Vernünftige wäre, den Tag im Hostel zu verbringen und zu schlafen. Maximal, aber wirklich nur, wenn sie sehr abenteuerlustig wäre, könne sie doch unten auf der Straße etwas zu essen suchen. Aber allein  in den Park laufen – auf keinen Fall!

Uns waren auch schon irgendwelche Geschichten erzählt wurden, dass Manila die unsicherste Stadt in Asien sei, die Gefahr auszurauben extrem hoch, voller Bettler und Drogenabhängiger und dass man bestimmte Stadtviertel unbedingt meiden solle.
„But anyways, just have an extra look“, hatte Christophers Mutter uns in Batangas trotzdem als Rat mitgegeben. Wie es sich da mit den ganzen Warnungen als Alleinreisende anfühlt, konnte ich mir gut vorstellen.

Ein paar Tipps

Solche Horrorgeschichten sollte man sich auf jeden Fall anhören und auch wahrnehmen. Passieren kann immer und überall etwas; in Saigon, in Manila, in Barcelona oder in Hamburg. In einigen Ländern ist es vermeintlich sicherer, in anderen unsicherer. Während der ganzen Zeit auf den Philippinen ist uns jedoch nichts dergleichen passiert und wir haben auch kaum etwas davon mitbekommen. Trotzdem gilt:

  • Wenn man einen größeren Geldbetrag mit sich führt, lohnt es sich, den an mehreren Orten zu verteilen (Rucksack, Bauchtasche, Deckelklappe, Portemonnaie).
  • Auf wertvollen oder wertvoll scheinenden Schmuck sollte man verzichten, der wird einem im schlimmsten Fall vom Körper gerissen.
  • Falls man ein Smartphone besitzt und mit auf Reisen nimmt, dies gerne in etwas ruhigeren Ecken (z.B. an eine Hauswand gelehnt) oder in Gebäuden benutzen; da ist die Gefahr, dass sie von Mofafahrern aus der Hand gerissen werden, geringer.
  • Selbstbewusst, aufrecht und mit offenem Blick durch die Stadt gehen. Lächeln, wann immer möglich. Das ist gut für das Selbstbefinden und für die anderen. Und im Idealfall bekommt man ein Lächeln zurück, oder auch zwei.
  • Wenn man sich unsicher durch eine Stadt bewegt, sieht es so aus, als ob man versucht, etwas zu verbergen, und das macht potentielle Taschendiebe aufmerksam.
  • Eine Bauchtasche und zuknöpfbare, tiefe Hosentaschen lohnen sich. Wenn wir uns mal unsicher gefühlt haben, weil doch eines der Bettelkinder uns zu lange begleitet hat, haben wir einfach die Hand in die Hosentasche gesteckt, wo das Handy ist und ein wenig Zug auf die Hose ausgeübt, damit man das Portemonnaie in der Gesäßtasche deutlich spürt. Dadurch wussten wir, dass unser Hab und Gut an der richtigen Stelle ist und konnten ungezwungen zurück lächeln.

Tatsächlich ist in Manila scheinbar die Hälfte der männlichen Bevölkerung ein Wachmann. An jedem besseren Restaurant, an jedem Hostel, an jedem Hotel, an jeder Bank steht ein Wachmann, der einem aus lauter Langeweile die Tür aufhält und einen freundlich begrüßt. Damit kommt er weniger seiner Wachmanntätigkeit nach, sondern viel mehr der eines Portiers.  Wenn man sich also als Traveller durch die großen Städte dieses Landes bewegt, kann man sicher sein, dass an jedem Punkt der Reise (schlafen, essen, Sightseeing) eher ein Wachmann als ein Bettler steht.

Altstadt erkunden

Wie auch immer, wir machten uns trotz der abschreckenden, aber gut gemeinten Ratschläge mit Regina auf den Weg in Richtung Altstadt. Zu dritt ist man weniger allein.
Der Baywalk an der Bucht entlang war tatsächlich nicht ganz so schön anzusehen: einige ziemlich kaputte Existenzen (zahnlose Männer, die auf Pappen liegend um Geld baten, Frauen, die hüfthoch im Wasser standen und im darin herumtreibenden Müll nach etwas Brauchbarem suchten) und viele schmutzige Kinder mit zerrissenen Klamotten, ebenfalls auf der Suche nach Geld.
Unsicher haben wir uns aber trotzdem in keinem Moment gefühlt.
Angefasst hat uns keiner. Die Erwachsenen sind meistens einfach an dem Ort geblieben, wo sie vorher auch waren. Die Kinder tun einem nichts. Meistens begleiten sie einen für mehrere Meter und versuchen das traurigste Gesicht der Welt aufzusetzen. Für uns war das fast schon ein bisschen unwirklich und wir mussten häufig lachen. Bei den Kindern, die einen begleiten, hatten wir schon etwas Sorge um unsere Tascheninhalte, aber wenn man den Kindern nicht mit Ignoranz und Ablehnung begegnet, sondern sie direkt anschaut (und somit ganz genau weiß, wo ihre Hände gerade sind) und ihnen lächelnd und bestimmt zuspricht, dass sie nicht so traurig sein sollen (Sprache ist hierbei egal, es zählt die ruhige Stimme), geben sie meistens irgendwann auf und laufen zum nächsten „Kunden“.


Die Altstadt hatte sogar viel mehr Charme als ich erwartet hätte. In einigen Gebäudekomplexen aus dicken Steinmauern kann man sich wie im mittelalterlichen Spanien fühlen. Da liegt in jedem Hof ein alter, tiefer Brunnen und die Innenhöfe sind mit Topfpflanzen verschönert, die vor den weiß gekalkten Mauern strahlen.

Das Silahis Center – (Homepage)

Das ist tatsächlicher der Traum eines jeden Andenkenshopshoppers. Was auf den ersten Eindruck wie Gerümpel aussieht, entpuppt sich auf den zweiten als liebevoll dekorierte Ladenauslage. An jeder Ecke und jedem Winkel, an der Decke und sonst überall auch hängen und stehen große und kleine Sachen, die man sich an die Wand hängen, hinstellen, etwas reinlegen etc. kann. Der Laden ist voll nach unserem Geschmack, deswegen haben wir hier ein paar Bilder.

Oceanarium ansehen

Zum Abschluss unserer Stadttour gingen wir ins Oceanarium. Das kann man sich wie eine Mischung aus Aquarium und Zoo vorstellen. Leider wird artgerechte Tierhaltung hier nicht gerade groß geschrieben und es kam mir eher wie eine große Touristenabzocke vor, wo man ein paar Seelöwen vorführt und die Besucher in eine Antarktiswelt führt. Das eigentliche Aquarium allerdings war wirklich schön. Alle Tiere, die wir in den letzten Wochen beim Schnorcheln und Tauchen gesehen hatten, konnten wir nun nochmal in Ruhe und von Nahem bestaunen.

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Höhepunkt des Oceanarium war ein großer Wassertunnel, durch den man läuft und dabei von Rochen, Haien und bunten Fischen umschwommen wird. Für uns sah das nach dem perfekten Hintergrund für unser vorletztes Tanzvideo aus. Montag wäre tanzen gewesen. Wir tanzen stattdessen heute, hier unter Wasser.

14.07.-15.07.: Nochmal Student sein

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Angelyn in Kalibu ist unsere sechste Couchsurfing-Gastgeberin auf den Philippinen. Wir haben uns vor ihrem College verabredet. Kaputt kommen wir am Nachmittag zum Treffpunkt. Heutige Reiseroute: fast drei Stunden im Boot, eine halbe Stunde im Tricycle, drei wacklige Stunden in einem Bus, zwei waghalsige Stunden in einem Minivan und nochmal diverse Tricyclefahrten. Das ist der Moment, in dem man sich eigentlich nur in ein kühles Zimmer mit Klimaanlage wünscht. Ankommen, einchecken, Zimmer runterkühlen, duschen und ab ins Bett. Nicht gerade der perfekte Tag zum Couchsurfen, denn Abenteuer und neue Eindrücke hatten wir heute schon genug. Aber das kann man halt nie vorher wissen. Also: Letzte Energie zusammennehmen und rein ins Couchsurfabenteuer.

 

Angelyn sitzt sie mit ihren Kommilitonen im Café. Alle sind aufgeregt, uns zu treffen und trauen sich kaum mehr als einmal kurz hallo zu sagen. Sie lachen laut und aufgekratzt und ich komme mir vor wie in einer Horde Teenager. Bald fahren wir zum Glück los, in Richtung unseres Zuhauses für diese eine Nacht. Endlich duschen und zur Ruhe kommen.
Aber nix da: Als wir in Angelyns Haus ankommen, erwarten uns dort nicht nur die zwei aufgedrehten Hundewelpen, sondern auch die zehn Kommilitonen, die vorher im Café abgehangen hatten. Jetzt hängen sie hier ab, verteilt auf Wohnzimmer und Vorraum. Der Fernseher läuft, ohne dass jemand hinsieht. Alle schalten die Köpfe ab und die Technik an. Jeder hängt in irgendeiner Ecke über seinem Smartphone. Unterhalten tut sich niemand, dafür ist die Geräuschkulisse auch zu groß. Nach einer Weile gewöhne ich mich daran, dass niemand versucht, sich krampfhaft mit uns zu unterhalten. Irgendwie ist es auch schön, einfach dabei zu sein und nicht als Ausstellungsobjekt betrachtet zu werden. Die Jungs und Mädels machen das, was sie jeden Nachmittag tun – einfach nur chillen. Angelyn ist mit 28 die Älteste der Gruppe und die einzige mit eigenem Haus – und Wifi. Letzteres ist einer der Gründe, warum sich alle nach dem Unterricht bei ihr treffen. Auch wenn sie das halb als Witz sagen – aber  der Szenerie nach zu urteilen, steckt sehr viel Wahrheit dahinter.

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Dann wird beschlossen, zu trinken. Runde für Runde wandert ein Glas Ananassaft mit Gin von Hand zu Mund zu Hand zu Mund, wird aufgefüllt, geleert, aufgefüllt, geleert. Mit jeder Runde werden die Leute gesprächiger, trauen sich, Englisch zu reden, uns Fragen zu stellen und uns von ihrem Leben zu erzählen. Da ist die 20-Jährige, die ein fünfjähriges Kind zu Hause hat, weil sie mit 15 von einem zugedröhnten Mann geschwängert wurde. Als sie und ihre Eltern bemerkten, dass sie schwanger war, war es zu spät für eine Abtreibung – und Abtreibungen sind wegen des großen Einflusses der katholischen Kirche ohnehin verboten. Von da an wurde sie vor den Nachbarn versteckt gehalten, ging nicht mehr zur Schule und durfte das Haus nur für die Arztbesuche verlassen. Zu groß wäre den Eltern die Schande gewesen, denn sie sind wohl irgendwelche einflussreichen Leute in der Gegend.

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Dann ist da unsere Gastgeberin, fünftes von sechs Kindern, die sich mit dem Verkauf von Lippenstift irgendwie nicht nur das Haus, sondern auch absolut westliche Klamotten und haufenweise Schuhe leisten kann. Von ihrem französischen Verlobten nimmt sie angeblich nichts an, weil es ihr wichtig ist, unabhängig zu sein. Angeblich hat sie auch noch nie die Uni geschwänzt. Um ihre jüngeren Kommilitonen zu erziehen, hat sie Strafen für Schwänzen eingeführt, wie z.B. eine Schachtel Zigaretten an jeden der Freunde. Sie liebt Mode und lässt sich laufend fotografieren. Irgendwann verschwindet sie, um im Wohnzimmer einen ihrer Kumpels beim Catwalklaufen zu unterrichten. Der schmeißt sich in ihre Röcke und stelzt auf ihren Highheels über den Betonfußboden. Seltsame Runde, in der wir da gelandet sind, aber je länger der Abend, desto verbindender der Gin und desto mehr werden wir eins mit den Leuten und ihren Geschichten.

Als die Mückenarmee ausrückt, gehen wir schlafen. Immer wieder werden wir vom Reden und Lachen der letzten Verbliebenen geweckt; inzwischen muss es weit nach 2 Uhr morgens sein. Ich höre notgedrungen den Gesprächsfetzen zu, kann aber nicht mehr einschlafen. Wenn sie das jeden Tag machen, frage ich mich, wie viele Schachteln Zigaretten schon getauscht wurden.

Am Morgen krächzt, gackert und kikerikit es aus allen Richtungen. So, als hätten wir mitten im Hühnerstall geschlafen. Als wir in den Tag starten, kriechen nach und nach Angelnys Freunde aus ihren Nachtlagern. Jegliche Verbindung ist mit dem ausgetrunkenen Gin verschwunden; nicht mal ein guten Morgen ist drin, weil sie so fertig sind. Irgendwann hören wir es aus Angelyns Zimmer husten – aha, so viel zu ihrem festen Willen, nie zu schwänzen. Mit verquollenen Augen betont sie, dass es wirklich das erste Mal ist, dass sie nicht zur Uni geht. Egal, für uns ist es höchste Zeit, aufzubrechen. Raus aus der Bude, rein in den Tag und ab nach Caticlan.

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10.07.: Am Strand von Tigbauan

Mit April am Strand

Der Nachmittag ist hier in Asien meine Lieblingstageszeit. Die Sonne brennt nicht mehr so, aber sie ist immer noch so wohlig warm wie an einem der heißeren Sommertage in Deutschland. Beste Zeit, rauszugehen, zumal jetzt alles in den schönsten Farben leuchtet.
Wir schnappten uns mal wieder Pedicabs und ließen uns zum Strand fahren. Was für ein Unterschied zu den ganzen Stränden, an denen wir bisher auf unserer Reise gefaulenzt hatten! Erstmal war der Sand schwarzbraun, was dem Ganzen eine besondere Stimmung verlieh. Und zweitens gab es weit und breit nichts. Nichts, was nicht dahin gehört. Keine Souvenirstände, keine Hotels, keine Sonnenbrillenverkäufer. Ganz normales Leben. Ein paar Muscheln, ein paar Strandhunde und ein paar Einheimische, die Volleyball spielten oder irgendwas grillten.


Wir genossen die Nachmittagsstimmung, ließen Steine hüpfen, sammelten Muscheln und kehrten in ein entspanntes kleines Beach Resort ein, in dem man auf Bambusplattformen unter den Baumkronen aufs Meer gucken kann. Obwohl noch nicht Montag war, tanzten wir; es ging einfach nicht anders bei dieser Kulisse und diesem warmen Licht an diesem perfekten Nachmittag.

 
Zur Abkühlung gab es Halo-Halo. Auf Vietnamesisch wäre das Süße Suppe und auf Deutsch vielleicht „Verrücktes Durcheinander und Miteinander von Zutaten, die wir niemals zusammen essen würden.“ In unserem Fall enthielt der Eisbecher Folgendes (von unten nach oben gestapelt): braune Bohnen, Sirup, Mangostückchen, grasgrüne Jellyquader, Mais, gecrashtes Eis, Kondensmilch und zur Krönung des Ganzen ein Stück Caramel-Flan. Wo soll man da anfangen? Am besten denkt man gar nicht drüber nach, wie man süß und herzhaft trennen könnte, es gelingt sowieso nicht. Im Mund vermischt sich alles zu einem echten Halo-Halo. Auf Tagalog heißt das nämlich einfach nur so viel wie „Mix.“

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It’s Showtime!

Plötzlich hatte April große Lust auf Schweinefleisch. Wohl nicht ungewöhnlich für eine Filippina. Und zwar hatte sie Lust auf gegrilltes Schweinefleisch. Das wiederum ist alles andere als schwierig aufzutreiben. Seit Tagen essen wir Fleisch in jeglicher Form, warum also nicht auch jetzt? Man soll sich ja seinen Gastgebern ein bisschen anpassen.
Wir gingen in ein fast ausgestorbenes Resort, mieteten den Karaokeraum und schmetterten ein paar Evergreens in die Abendluft, wenn wir nicht gerade an den köstlichen Schweinerippchen nagten, die April uns bestellt hatte.

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Gut gefüllt rollten wir nach Hause. Dort kam April nach einer Stunde auf die Idee, dass jetzt Zeit zu kochen sei. Nach nochmals einer Stunde gab es also wieder Abendessen. Wieder Schwein, surprise surprise. Auch das sah sehr gut aus, also fügten wir uns unserem anti-vegetarischen Schicksal noch einmal. Ob wir in diesem Urlaub jemals wieder einfach mal Gemüse würden essen können? Biiitte!

10.07.: Von Gemüse und Geistern

Markt – Exotik

Der nächste Tag begann, wie der letzte geendet hatte: Wir schnappten uns ein Pedicab und fuhren mit April zum Markt, denn es war Sonntag, also market day. Genau genommen schnappten wir uns in weiser Voraussicht nicht ein Pedicab, sondern zwei, eines für April und mich und ein VIP-Pedicab für Jonas allein. So konnte er es sich in seiner kleinen Kabine bequem machen, falls man bei all dem Gebiege und Verdrehe noch von bequem sprechen kann.


Auf dem Markt wurde mir bewusst, wie anders wir aussehen. Seit Tagen schon waren wir die einzigen Weißen gewesen (mit Ausnahme von ganz wenigen alten Männern, die in den Philippinen das Glück – in Form einer Frau – suchen.) Aber hier in Tigbauan, dieser kleinen, verschlafenen Stadt am Rande von Iloilo, sahen alle gleich aus – bis auf uns. Wie das exotische Gemüse und die vielen Fische die Attraktion für uns wurden, so wurden wir es im Gegenzug für die Einheimischen. Kein Wunder, wenn man wie Jonas als einziger in der ganzen Markthalle um drei Köpfe herausragt. Ich genoss meine philippinische Durchschnittsgröße und schaute mit den Augen der Einheimischen halb erschrocken, halb ungläubig zu Jonas auf. Ganz schön riesig, dieser Mann. Und dann noch diese lange Nase… UND Haare im Gesicht!

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Viele Leute hier schienen noch nie einen Weißen gesehen zu haben und verhielten sich ganz anders, als wir es aus den Touri-Spots gewohnt sind. Fast niemand sprach uns an, niemand wollte uns etwas aufschwatzen. Im Gegenteil: die meisten schienen etwas verschüchtert und guckten schnell weg, wenn wir ihren Blick erwiderten. Manche fragten April leise, woher wir denn kämen. Worauf sie antwortete: „Frag sie doch selbst!“. Aber das trauten sie sich dann nicht.


April erledigte ihren Wocheneinkauf und wir hatten Zeit, uns an Obst, Gemüse und fremdartigen Süßigkeiten sattzusehen. Als wir dachten, dass wir schon alles gesehen hätten, entdeckten wir einen Esoterikstand. Hier gab es die wildesten Produkte. Die Verkäuferin war sehr geduldig und erklärte uns genau, wozu das alles gut sei. Hier eine kleine Auswahl aus dem Sortiment (bei Interesse bitte Bestellung an uns ;-):

  • Harzklumpen zum Verbrennen, um so etwas wie Weihrauch zu erzeugen und damit böse Geister zu vertreiben
  • diverse Moose, Beeren und Wurzeln, um Tinkturen und Aufgüsse zuzubereiten
  • eine Mischung aus den oben genannten Zutaten zur Abwehr von schlechter Energie (dazu wurden die Holzstückchen etc. mit Öl übergossen und in ihr eine Jesusfigur versenkt – logisch, was denn sonst?)
  • Glücksamulette aus Naturmaterialien, um kleinen Kindern Energie zu geben
  • Zwirnfäden in verschiedenen Farben, um schlechte Geister von Babys und Kleinkindern fernzuhalten


Markt-Esoterik

Angeregt vom Esoterikstand erzählte uns April die verrücktesten Geschichten. Alles mit dem Vorwort, dass sie selbst gar nicht an Geister und dergleichen glaube, aber manchmal, nunja, manchmal passierten eben doch so komische Dinge…

Als ihre Schwester schwanger war, bemerkten April und sie so eine seltsame Energie im Haus. Glasklare Sache: Irgendjemand wollte dem ungeborenen Kind schaden. Was tun? „Ingwer! Ingwer und Knoblauch!“ Die legt man vor alle Fenster und Türen und hält so das Schlechte fern. Das sei übrigens auch der Grund, warum die Gemüseverkäuferinnen den Ingwer niemals per Hand an die Kunden geben. Sie packen ihn auf den Tisch und man muss ihn selbst aufheben. Denn Ingwer überträgt die Energie desjenigen, der ihn berührt. Falls also ein Kunde böse sein sollte, würde er seine schlechte Energie allein durch das gleichzeitige Anfassen des Ingwers an die Verkäuferin abgeben. „Ach was, das habe ich ja noch nie gehört. Machst du das auch immer so?“ – „Ja, klar!“ Das Baby kam jedenfalls gesund auf die Welt, dem Ingwer sei dank.

„Und wer sind diese bösen Leute?“, wollte ich von April wissen. Irgendwie klingt das ja wie im Märchen. Und das ist es auch, sagte sie. Denn diese Leute seien Menschen mit schwarzer Energie, so ähnlich wie Hexen oder Zauberer. Sie brauchen die reine Energie von Babys, um sich selbst zu stärken. „Aber wie wollen sie denn die Energie von dem Baby bekommen? Das verstehe ich nicht.“ Aprils Antwort klang tatsächlich so wie in einem Gruselmärchen: Sie glaubt (obwohl sie eigentlich überhaupt nicht an Zauberei und so etwas glaubt, aber eben manchmal halt doch so ein bisschen…), dass die Hexe oder dergleichen aus dem Nabel der Mutter alle Flüssigkeit heraussaugt, so lange, bis das Kind stirbt. Und deshalb müsse man die ungeborenen Babys schützen. Durch Knoblauch, Ingwer oder irgendeine Tinktur, die es an diesem Esoterikstand bestimmt auch zu kaufen gibt.
Doch auch Kleinkinder und kranke Leute seien anfällig für schwarze Mächte. Dafür gibt es dann die Zwirnsfäden, die man sich bzw. ihnen ums Handgelenk bindet und die sie gegen böse Geister schützen. Interessanterweise deckt sich das mit einem Glauben, von dem ich in Kambodscha gehört habe. Dort bindet man einer Person ein weißes Band ums Handgelenk, wenn die Gefahr besteht, dass die Geister ihre Seele holen wollen (siehe: Die Tränen meines Herzens, Sokreaksa Himm).

„Achja, übrigens kann man die bösen Leute auch erkennen.“, erzählte April weiter. Das wird ja immer spannender hier. „Was, wie denn?“, wollte ich unbedingt wissen. „Aaaaalso. Wenn jemand böse ist, strahlt er irgendeine Energie, eine Hitze aus. Manche Leute tragen eine Ölflasche bei sich, und wenn diese warm wird, dann weiß man, dass…“

Also eigentlich ginge das ja gar nicht, aber einmal sei ihr das doch passiert. Da ist sie im Bus gefahren und auf einmal hat sich der Mann neben ihr so unruhig hin und her gedreht. Er hat sich immer wieder im Bus umgesehen. April hat ihn gefragt, was los sei. Und er verwies auf eine kleine Ölflasche in seiner Hosentasche, in der es  blubberte. Wenn man Öl zum Kochen bringt, dann muss schon sehr viel schlechte Energie im Spiel sein. Nur was tut man, wenn man weiß, dass irgendeiner dieser dicht auf einander gedrängten Passagiere böse ist? Darauf wusste April auch keine Antwort. Außer Knoblauch vielleicht. Und von dem gibt es hier ja zum Glück auch reichlich zu essen.

 

09.07.: Neue Insel, neues Glück

Neuer Tag, neue Insel, neues Glück. Unsere Insel Nummer 5 heißt Panay und wird als „großer, leerer Planet“ beschrieben, „um den die Partyinsel Boracay kreist“. Da wir uns um Party absolut nicht scheren, haben wir Boracay schon beim Lesen dieses Satzes aus unserem Plan gestrichen. Nach und über Panay wollen wir aber trotzdem, um bei unserem Inselhopping weiter nach Westen und Norden zu kommen. Unser Ziel ist ja schließlich Manila – und am 22.7. wollen / müssen wir spätestens dort sein, um den Flug nach Bangkok zu nehmen, der uns nach Hause bringen soll.

Auf der Karte sieht es wie ein Katzensprung aus, wenn man von der Insel Negros auf die Nachbarinsel Panay will. In Wirklichkeit hat uns diese Strecke eine lange, aber lohnenswerte Odyssee beschert. Etliche Verkehrsmittel haben wir dabei benutzt, von denen einige das Zeug dazu haben, in unsere Liste der kuriosesten Fahrzeuge auf der Reise aufgenommen zu werden.

Schritt 1: Zu zweit in einem Pedicab zum Hafen fahren

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Ein Pedicab ist ein Fahrrad in Kindergröße, an das ein kleiner Beifahrerwagen geschweißt wurde. Mit Verdeck, kleiner Gepäckablage und sehr, sehr niedriger Sitzbank. Vor Kurzem haben wir dieses Gefährt auf den Straßen von Negros entdeckt und waren neugierig, wie es sich wohl darin so fährt. Ohne zu wissen, wie weit es zum Hafen ist, hat Jonas einen alten Pedicabfahrer von der anderen Straßenseite rangewunken. Glücklich, Kundschaft zu haben, und überglücklich, ausländische Kundschaft zu haben, ist er über die Straße geradelt. Wohin wir wollten, hat er nicht verstanden. Der Wachmann von nebenan konnte mit der Übersetzung helfen, legte aber eine erstaunte bis skeptische Mine auf, als er erst uns und dann unser Gepäck musterte. „Wie wollen diese zwei dicken Weißen denn bitte schön mit ihren Rucksäcken in dieses Pedicab passen? Und wie soll dieser arme alte Mann sie um alles in der Welt bis zum Hafen radeln?“, schien er zu denken. Aber wir waren allen guten Tipps gegenüber immun. Wir wollten nicht auf ein schnelleres Tricycle umsatteln, denn das kannten wir schon – wir wollten jetzt mit so einem Pedicab fahren, und zwar mit diesem! Der Fahrer war genau so stur wie wir, denn er wollte sich sein Morgengeschäft auch nicht von gut gemeinten Ratschlägen versauen lassen. Also winkte er ab, verstaute unser Gepäck auf der Rückbank und wir quetschten uns, so gut es ging, auf die Vorderbank. Und dann radelte er los. Er radelte und strampelte und schwitzte und ich hatte Angst, er würde irgendwann einfach vom Fahrrad kippen, wenn wir nicht endlich bald am Hafen wären. Wieso hatte er bloß zugesagt… Doch wir schafften es – und sogar ganz pünktlich, um in Ruhe unsere Tickets zu kaufen.

Schritt 2: Mit RoRo (Roll on roll off) nach Panay übersetzen

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Die zweite vielleicht etwas seltsame Entscheidung des Tages: Nicht mit dem Fast Craft nach Panay übersetzen, sondern mit der viel langsameren RoRo. Diese braucht fast drei statt der sonstigen anderthalb Stunden. Da sie aber viel ruhiger im Wasser liegen soll und es angeblich noch immer Ausläufer des Taifuns geben sollte, hatte uns unsere Couchsurferin vom Vorabend zu der RoRo-Fähre geraten. Was wir erst später verstanden: Die Roro-Fähre legt nicht direkt in Iloilo an, sondern irgendwo weiter weg. Dass es ein halber Reisetag werden würde, um von unserem Ankunftspunkt bis zu unserem Ziel zu fahren, hätten wir nicht geahnt. Im Nachhinein gesehen war das aber sehr gut so, denn so bekamen wir viele interessante Ecken zu Gesicht und waren wir mittendrin im Geschehen auf Panay.

Schritt 3: Mit dem Tricycle vom Hafen in Dumangas zum Bus Terminal fahren (zu zehnt!)

 

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Anmerkung: Wir alle drei sitzen auf EINEM Motorrad (der Fahrer sitzt auf dem Tank!)! Die sieben anderen Passagiere sitzen hinter unseren Rucksäcken.


Wir legten in Dumangas an, irgendwo in der Pampa an der Ostküste von Panay.  Außer ein paar Verkaufshütten gab es nichts, nicht einmal Jeepneys oder aufdringliche Tricycle-Fahrer. Irgendwas muss hier doch faul sein! Oder wir sind wirklich weit weg von jeglicher (touristischer) Zivilisation. Wir hielten uns an die Einheimischen und beobachteten, wie sie zu sechst oder siebt ein Tricycle charterten. Zur Erinnerung: Tricycles sind Mopeds mit Beiwagen. Normalerweise passen – so sollte man als Europäer denken – zwei Leute dort hinein, nämlich einer auf der Vorder- und einer auf der Rückbank, maximal jedoch vier, wenn man pro Bank zwei Passagiere rechnet. Aber das klingt schon sehr eng. Bald verstanden wir, wie das hier läuft: pro Tricycle zahlt man einen Fixpreis vom Hafen zum Busterminal. Je mehr Leute man auflädt, desto billiger wird es natürlich. Uns wurde ein „Special trip“, ein Tricycle nur für uns beide angeboten – wir lehnten dankend ab und wünschten uns einen normalen Trip. „Sure? Seid ihr sicher?“ – „Ja, ja.“
Also los: das Tricycle, was auf die letzten Mitfahrer wartete, sah schon mächtig voll aus. Zwei Frauen auf der Vorderbank, 2 große Taschen und drei kleine Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren auf ihren Schößen, zwei Leute auf der Rückbank und diverse Gepäckstücke auf dem Dach. Wohin sollten wir? Die Rücksäcke aufs Dach, klar. Und wir? Wir setzten uns dahin, wo noch niemand saß, nämlich hinter den Fahrer, und zwar im Damensattel. Jonas und ich, beide hintereinander hinter einem dritten – das muss man sich mal vorstellen. Seltsamerweise saßen wir echt bequem und hielten das Schaukeln auf dem Feldweg gut aus. Die Sonne brannte uns auf die Knie und die Abenteuerluft wehte uns um die Nase – willkommen in Panay, abseits der Touristenströme!

 

Schritt 4: Im Jeep von einem Terminal zum anderen fahren

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Noch ist es hier leer. Aber zu früh gefreut: Hier werden bald noch ca. 50 weitere Fahrgäste Platz finden.


Aha, das war also das Terminal, denn hier wurden wir ausgekippt. Wir hatten keine Ahnung, wie weit es noch nach Iloilo sein würde, aber irgendwie sah es ziemlich abgelegen aus. Zum Glück waren auch hier die Leute super nett und gut informiert. Keine falschen Informationen; wir wurden von einem zum nächsten gelenkt, bis wir im richtigen Jeepney saßen. Die einzigen Weißen weit und breit und eine absolute Attraktion für alle Mitreisenden und alle, die in der Nähe des Jeeps standen.

Schritt 5: Vom Super Terminal nach Tigbauan fahren

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Nach ca. einer Stunde Fahrtzeit wurden wir wieder ausgekippt. Wie schön, wenn man sich darauf verlassen kann, dass immer einer weiß, wo man hin will und ein Auge darauf hat, dass man richtig aussteigt. Das Super Terminal war riesig. Aber die Arme zeigten wie in einem langen Staffellauf ganz zuverlässig immer weiter, bis wir am richtigen Jeep ankamen. „Tigbauan? There!”, „There!“, „Over there!“, „Here!“ Juhu. Neuer Jeep, neues Glück. Denn dismal durften wir in der Fahrerkabine Platz nehmen. Was anfangs als Privileg erschien, weil wir uns  nicht mit ca. 50 Leuten die Sitzbänke teilen mussten, erwies sich schnell als ziemlich unbequem. Mein Rucksack an den Füßen, Jonas‘ Rucksack auf dem Schoß, tuckelten wir nochmal fast eine Stunde aus Iloilo raus.

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Schritt 6: Ankunft in Tigbauan
Das einzige orange-grüne Haus in Población 4 sollten wir suchen, hatte uns unsere Couchsurferin gesagt. Endlich, da war es! Und da stand sie, April, auch schon und ließ uns rein.
Ihre Mutter hatte ihr Curry und Reis für uns dagelassen und wir konnten uns nach unserer Odyssee erstmal stärken. Zu mehr als ein bisschen quatschen und auf dem Dach ein Bier trinken hatten wir keine Energie mehr. Nur Bier mussten wir noch aus dem Seven Eleven holen. Weil wir so müde von der Reise waren, nahmen wir für die paar Schritte dahin auf Aprils Anraten hin lieber ein Pedicab. Bei dieser Entfernung musste man auch keine Angst haben, den Fahrer bis zum Herzinfarkt zu treiben. Und so kamen wir alle sicher und müde zu Hause an und fielen kurz darauf ins Bett.

 

Nasser Sommer, kühler Sommer

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„Auf den Philippinen gibt es zwei Jahreszeiten. Aber es ist das ganze Jahr über Sommer!“ – Wie? „Ja, es gibt den trockenen Sommer und den nassen Sommer. Gerade ist nasser Sommer.“ Aha. Damit hat Angelyn die Jahreszeiten auf den Punkt gebracht.
Es ist also „nasser Sommer“. Und neben vielen nervigen Mücken heißt das auch, dass es deutlich abkühlt. Aber was heißt das schon, deutlich abkühlt, wenn doch immer noch Sommer ist. Nur wer einen Monat lang in der Backofenluft von Myanmar geschmort ist, kann vielleicht verstehen, wie angenehm kühl es hier gerade ist. Es ist 8:47 und 32°C – das lässt sich aushalten.
Wir mieten schon seit einigen Wochen fast nur noch Zimmer mit Ventilator; Klimaanlage ist fast immer überflüssig. Manchmal kommen wir sogar in den Genuss, den Ventilator nachts ausschalten zu können, weil ein leichter Wind weht. Was für ein Luxus, ohne Rumgepuste, trockene Augen und vor allem ohne den Krach vom Ventilator einzuschlafen und aufzuwachen!

Gestern bei Angelyn kamen zwar abends scharenweise die Mücken – und leider machte ihnen mein Autan nicht viel aus. Dafür war es aber wirklich kühl. Man könnte fast sagen, frisch. Gegen Mitternacht erwog ich es doch tatsächlich, mir eine kleine Strickjacke drüberzuziehen. Vorher jedoch noch ein Blick aufs Thermometer. Strickjacke, auf den Philippinen, im nassen Sommer? Ich schaute auf das Thermometer im Wohnzimmer. Etwas kleine Zahlen hier, was ist das denn….? Zwanzig, dreißig…. Moment mal – dreißig? Einunddreißig…. Wie bitte? Hier sollen einundDREIßig Grad sein? „Angelyn, geht dein Thermometer hier richtig?“ – „Ja, klar.“ – „Aber es zeigt einunddreißig Grad an! DREIßig! Das kann doch nicht sein, es ist doch total kühl heute!?“ – Tja, kann doch, es ist ja immer noch Sommer, wenn auch die nasse Variante.

Für unsere Rückkehr lässt mich das Schlimmes erahnen. Wenn ich schon bei einunddreißig Grad an eine Strickjacke denke, wie soll ich mich denn dann im deutschen Sommer anziehen? Wobei der Sommer in Hamburg ja nicht mal das Wort verdient hat… Erinnerungen an einen Monat in Kapuzenpulli und Schal nach meiner Rückkehr aus Vietnam kommen wieder hoch. Damals war es Juni gewesen. Und ein richtiger Sommer. Nunja, eben ein deutscher.

28.6.: Bye bye, Bohol – Hello Negros!

“See you again in the Land of the Chocolate Hills.
Bye bye visitor!

Da die Philippinen ja nicht nur aus Loboc bestehen, sondern aus insgesamt 7107 Inseln, wollten / mussten wir weiterreisen.
Unser Gastvater gab uns noch ein Kokos-Dessert mit auf den Weg und fuhr uns zur Straße, um dem Busfahrer zu erklären, wo in Tagbilaran er uns rauszulassen hätte.
Wie echte Profis setzten wir uns ganz vorn in den Jeepney und wichen kaum vom Fleck, als der Bus sich langsam füllte.
Auto – Jeepney – Tricycle – Fähre. Wir setzten nach Dumaguete auf Negros über, die dritte Insel für uns.

Dumaguete

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Dicke, weiße Wolken an einem strahlend blauen Himmel erwarteten uns, dazu eine hübsche Promenade mit kleinen Cafés und einem Hauch von spanischer Kolonialarchitektur. Unser Couchsurfer konnte uns erst abends in seinem Büro unterbringen, also erkundeten wir schon mal auf eigene Faust die Stadt und den Fischerhafen.


Am Abend fuhren wir zu Val. Die Unterkunft für heute würde sehr einfach werden, das hatte er schon angekündigt. Als er und seine zwei Kollegen Feierabend machten, aßen wir noch zusammen Nudeln und Ananas, redeten ein bisschen und als die drei nach Hause gegangen waren, bereiteten wir unser Matratzenlager zwischen den Computertischen vor. Wirklich sehr einfach, aber für eine Nacht würde es gehen.

Val

 

 


27.6.: Jedermanns Onkel

“Welcome to the Land of the Chocolate Hills.
Welcome visitor!”

Unser Erscheinen bei der lokalen Polit-Veranstaltung hatte uns über Nacht berühmt gemacht. Wir wurden vom Moped-Reparateur begrüßt und auch die Kellnerin im Restaurant sagte, dass sie uns gestern Abend tanzen gesehen hätte. Noch einige andere Leute winkten oder hupten uns zu. Weil sie uns kannten oder weil sie sich einfach freuten, ein paar „visitor“, zu sehen. Was für eine freundliche Insel. Hier könnte man es noch viel länger aushalten.

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An unserem letzten Tag gingen wir nicht nur auf den Markt, sondern landeten zufällig bei einer kleinen Schweinezucht mitten im Wald. Der stolze Besitzer zeigte uns seine zwei Zuchtsauen und ihre vielen kleinen Ferkelchen. Auf die obligatorische Frage hin, wo wir denn wohnen würden, erfuhren wir, dass auch er mit unserem Gastvater verwandt war – er war sein Neffe. Interessant. Irgendwie scheint hier jeder der Neffe bzw. die Nichte von unserem Gastvater zu sein. Wir sangen ihm ein paar deutsche Lieder vor, die er bei seiner nächsten Performance auf einem Touristenschiff präsentieren wollte. Dann spazierten wir mit unserem Hund (den ich uns im Stephanie Grace ausgeliehen hatten) zurück und gingen nochmal in den Pool. Ein fetter Schlitten fuhr auf den Hof und eine füllige, offensichtlich sehr reiche Frau stieg aus und ließ sich von ihrer Begleitdame am Pool fotografieren. Na, wenn das mal nicht auch eine Nichte vom Chef ist! Wir kamen ins Gespräch. Fazit: Scheinbar ist unser Gastvater der Onkel von allen hier.

Bei all den Fiestas hätten wir fast vergessen, dass Montag war! Also tanzen, wie immer, klar. Diesmal am Loboc River im Stephanie Grace.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

26.6.: The Land of the Tarsier

“Welcome to the Land of the Chocolate Hills.
Welcome visitor!”

Touri-Highlight 1: Die Chocolate Hills

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Schon die Fahrt zu den Schokoladenbergen war ein Highlight für sich. Wir setzten uns an die Straße, warteten auf einen yellow bus und fuhren in Serpentinen durch dichten Urwald. Alle Fenster waren geöffnet, eine kühle Luft wehte durch den eng besetzten Bus und beim Blick auf den steilen Abhang am Straßenrand hätte einem ziemlich mulmig werden können. Der Blick in die Baumwimpfel war mindestens genauso spektakulär. Verglichen damit sahen die Chocolate Hills eher witzig aus, irgendwie niedlich. Teils runde, teils spitze Hügel ragen einfach so aus dem Wald auf.

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Jetzt in der Regenzeit ist ihre Schokoladenfarbe allerdings einem leichten grünen Flaum gewichen. Matcha Tea-Hügel vielleicht. Aber schön anzusehen waren sie allemal. Vor allem, weil sich zu ihren Füßen grüne Reisfelder und Palmenhaine erstreckten und hinter ihnen hohe, zackige Berge aus dem Nebel aufragten.

 

Touri-Highlight 2: Der Tarsier

Wenn wir schon mal touristisch unterwegs sind, dann richtig. Wir ließen den Bus bei der Top 2-Sehenswürdigkeit von Bohol anhalten: dem Tarsier. Der Tarsier ist ein kleines, putziges Säugetier, angeblich das kleinste der Welt. Andere Quellen außerhalb der Philippinen behaupten allerdings, die Schweinsnasenfledermaus sei noch kleiner. Wie auch immer, wir wollten uns selbst ein Bild von diesem Tierchen machen. In dem Park leben die Tarsiers nicht in Käfigen, sondern in einem kleinen abgetrennten Waldstück – relativ artgerechte Haltung also, sollte man meinen. Wir liefen den vorgegebenen Weg entlang, der Regen tropfte auf die Blätter und wir fragten uns, wie wir denn hier so ein winziges Tier zu Gesicht bekommen sollten. Ob es wohl das Geld zurück geben würde, wenn wir keinen Tarsier finden würden? Nein, die 150 Pesos würde sich doch niemand entgehen lassen wollen. Mal sehen, was sie sich ausgedacht haben.

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„Tarsier, here! Look!“ Ein Parkwärter saß im Regenmantel auf einem Plastikstuhl direkt am Wegesrand und zeigte auf einen Baum. Und tatsächlich: Dort saß ein kleines Fellknäuel mit riesigen Augen und kauerte sich unter einem Blatt zusammen. Das war er also, der Tarsier. Vorsichtig machten wir ein Foto – ohne Blitz, selbstverständlich, denn die Tiere sollen sehr scheu sein. Angeblich vergessen sie auch zu atmen, wenn man sie auf die Hand nimmt, und begehen damit sozusagen Selbstmord. Sie fallen einfach tot um. Um den Tarsiers Stress zu ersparen, darf man im gesamten Gelände auch nur flüstern. So weit, so gut. Doch wie kommt denn nun dieser Tarsier auf den Baum? Bzw. wieso setzt er sich direkt an den Wegesrand, wenn er doch so scheu ist. Hmmmm. Wir liefen weiter und bekamen noch zwei weitere Tarsiers gezeigt. Jedes Mal saßen sie perfekt drapiert so da, dass man ihnen genau in die großen Augen gucken und sie perfekt fotografieren konnte. Sind das am Ende Plastiktarsiers? Warum bewegen die sich denn nicht? Aber halt, da blinzelte er und duckte sich noch weiter, um nicht nass geregnet zu werden. Echt sind sie also. Aber wieso sitzen sie genau hier? Sind sie am Ende festgebunden? Eine Antwort auf diese Frage fanden wir erst später. Uns wurde erzählt, dass Tarsiers ihr Leben lang an ein und demselben Ort verbringen. Sie bewegen sich nicht oder kaum. Aha. Also haben die Parkbesitzer die Wege nach den Tarsiers gestaltet. Oder?

Programmpunkt 3: Vereidigung der Gemeindeabgeordneten

Nach einem kurzen Abstecher in den Swimming Pool machten wir uns für unser abendliches Date schick. Wahrscheinlich würden wir der High Society von Loboc begegnen – oder zumindest unseren neuen Freunden vom gestrigen Abend. Auch unser Gastvater, mit dem wir uns inzwischen schon ein bisschen angefreundet hatten, wollte zu der Fiesta. Er erzählte uns, was genau da gefeiert werden würde. Und zwar hatte es vor Kurzem Wahlen gegeben und die neue Bürgermeisterin sowie alle neuen Abgeordneten der Gemeinde sollten vereidigt werden. Vorher sollte es einen Gottesdienst und danach Essen und ein Konzert einer berühmten Band aus Manila geben. Das klang doch gut.

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Als wir in das Gemeindezentrum kamen, waren unsere neuen Freunde nirgendwo zu sehen. Wir standen etwas unschlüssig herum, wurden aber sehr schnell von einer Frau an ihren Tisch eingeladen. Erst war es uns etwas unangenehm, weil wir sie nicht kannten, aber sie bestand darauf, dass wir bei ihr und ihrer Gruppe sitzen blieben. Sogleich wurden die Hard Facts abgecheckt: woher wir kamen, wie lange wir auf den Philippinen seien, wo wir wohnen würden etc. „Ah, Stephanie Grace! Euer Gastvater ist der Onkel unserer neuen Bürgermeisterin!“, informierte uns unsere neue Gastgeberin. Wir waren also in politisch einflussreichen Kreisen gelandet.

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Es folgten ca. zwei Stunden Reden, der Aufmarsch der neuen Abgeordneten, nochmals Reden usw. Die Helfer der verschiedenen Wahlkreise saßen an insgesamt 30 langen Tafeln um die Politiker herum. Auf jedem Tisch standen ein gebratenes Schwein, diverse Töpfe und Pfannen voller Essen sowie diverse Cola- und Rumflaschen. Mit so viel leckerem Essen vor der Nase konnte man es niemandem verübeln, sich heimlich das Ende des offiziellen Teils herbeizuwünschen. Unser Tisch konnte sich am wenigsten zusammenreißen. Noch während der Vereidigung öffneten sie die erste Colaflasche und gossen sich heimlich Rum dazu. Wir bekamen natürlich auch ein Gläschen ab. Kaum war das geleert, gossen sie schon wieder nach. Ein bisschen peinlich war uns das schon, zumal uns alle sehen konnten, und wir mussten sie etwas bremsen.
Und dann fiel der Startschuss: Das große Fest(fr)essen begann. Die Schweine wurden innerhalb kürzester Zeit zerhackt, zerteilt und auf Pappteller mit Reis gegeben. Es flossen Cola und Rum. Und alle Leute, auch die Zuschauer, strömten zu den Tischen und verließen sie mit vollen Händen. Was für ein Fest. Was für ein Fressen. Wir fragten uns, ob es eine internen Wettbewerb gäbe, welcher Wahlkreis a) das meiste Essen mitbringt und b) am schnellsten ein ganzes Schwein verdrücken kann. Da wir beide nach so vielen Ansprachen ordentlich ausgehungert waren, freuten wir uns über die Fürsorge unserer bis dahin völlig fremden Gastgeber. Jonas bekam drei große Teller mit Schweinebauch und war sichtlich zufrieden damit.

Nach ca. einer halben Stunde waren alle Schweine bis auf den letzten Knochen verzehrt. Der Rest ging an die Straßenhunde, die während der ganzen Veranstaltung schon durch den Raum gestromert waren. Nächster Programmpunkt: die Zufriedenheit der vollen Bäuche nutzen und den dazugehörigen Köpfen das Politikprogramm einbläuen. Blablablabla. Der Rum tat sein Übriges. Wir konnten schon gar nicht mehr zuhören. Eigentlich waren wir doch gekommen, um das Konzert zu sehen. Und jetzt sollte das erst um 22 Uhr anfangen?! Wahnsinn, wie sehr die mehr als 300 Jahre  spanische Kolonialherrschaft Loboc geprägt haben. Welcher Asiat bleibt denn bis nach 21 Uhr wach? Welcher Asiat isst denn erst um 20 Uhr Abendbrot? Und wer geht zu einem Konzert, das erst um 22 Uhr beginnt?! Verrückt. Damit hatten wir nicht gerechnet. Jetzt hieß es also ausharren. Wir konnten ja auch nicht direkt nach dem Essen verschwinden, das würde sehr undankbar aussehen. Also versuchten wir, die „Show“ zu genießen: unprofessionelle Tänze von verschiedenen Gruppen. Unser Favorit: die lokalen Polizistinnen.

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Kurz nach 10 kam endlich die Band auf die Bühne. Sie spielten lauten Pop-Rock. Die Teenager der Insel kreischten und schossen Selfies. Die alten Leute verzogen sich allmählich. Schließlich war inzwischen der gesamte Rumvorrat der Insel aufgebraucht. Wir blieben bis zum Ende und waren einige der wenigen, die immerhin ein bisschen tanzten.
Gegen Mitternacht war alles vorbei: die Musik, das Essen und die Politik. Etwas angeschwippst liefen wir unseren dunklen Weg am Fluss entlang nach Hause.