10.07.: Am Strand von Tigbauan

Mit April am Strand

Der Nachmittag ist hier in Asien meine Lieblingstageszeit. Die Sonne brennt nicht mehr so, aber sie ist immer noch so wohlig warm wie an einem der heißeren Sommertage in Deutschland. Beste Zeit, rauszugehen, zumal jetzt alles in den schönsten Farben leuchtet.
Wir schnappten uns mal wieder Pedicabs und ließen uns zum Strand fahren. Was für ein Unterschied zu den ganzen Stränden, an denen wir bisher auf unserer Reise gefaulenzt hatten! Erstmal war der Sand schwarzbraun, was dem Ganzen eine besondere Stimmung verlieh. Und zweitens gab es weit und breit nichts. Nichts, was nicht dahin gehört. Keine Souvenirstände, keine Hotels, keine Sonnenbrillenverkäufer. Ganz normales Leben. Ein paar Muscheln, ein paar Strandhunde und ein paar Einheimische, die Volleyball spielten oder irgendwas grillten.


Wir genossen die Nachmittagsstimmung, ließen Steine hüpfen, sammelten Muscheln und kehrten in ein entspanntes kleines Beach Resort ein, in dem man auf Bambusplattformen unter den Baumkronen aufs Meer gucken kann. Obwohl noch nicht Montag war, tanzten wir; es ging einfach nicht anders bei dieser Kulisse und diesem warmen Licht an diesem perfekten Nachmittag.

 
Zur Abkühlung gab es Halo-Halo. Auf Vietnamesisch wäre das Süße Suppe und auf Deutsch vielleicht „Verrücktes Durcheinander und Miteinander von Zutaten, die wir niemals zusammen essen würden.“ In unserem Fall enthielt der Eisbecher Folgendes (von unten nach oben gestapelt): braune Bohnen, Sirup, Mangostückchen, grasgrüne Jellyquader, Mais, gecrashtes Eis, Kondensmilch und zur Krönung des Ganzen ein Stück Caramel-Flan. Wo soll man da anfangen? Am besten denkt man gar nicht drüber nach, wie man süß und herzhaft trennen könnte, es gelingt sowieso nicht. Im Mund vermischt sich alles zu einem echten Halo-Halo. Auf Tagalog heißt das nämlich einfach nur so viel wie „Mix.“

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It’s Showtime!

Plötzlich hatte April große Lust auf Schweinefleisch. Wohl nicht ungewöhnlich für eine Filippina. Und zwar hatte sie Lust auf gegrilltes Schweinefleisch. Das wiederum ist alles andere als schwierig aufzutreiben. Seit Tagen essen wir Fleisch in jeglicher Form, warum also nicht auch jetzt? Man soll sich ja seinen Gastgebern ein bisschen anpassen.
Wir gingen in ein fast ausgestorbenes Resort, mieteten den Karaokeraum und schmetterten ein paar Evergreens in die Abendluft, wenn wir nicht gerade an den köstlichen Schweinerippchen nagten, die April uns bestellt hatte.

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Gut gefüllt rollten wir nach Hause. Dort kam April nach einer Stunde auf die Idee, dass jetzt Zeit zu kochen sei. Nach nochmals einer Stunde gab es also wieder Abendessen. Wieder Schwein, surprise surprise. Auch das sah sehr gut aus, also fügten wir uns unserem anti-vegetarischen Schicksal noch einmal. Ob wir in diesem Urlaub jemals wieder einfach mal Gemüse würden essen können? Biiitte!

10.07.: Von Gemüse und Geistern

Markt – Exotik

Der nächste Tag begann, wie der letzte geendet hatte: Wir schnappten uns ein Pedicab und fuhren mit April zum Markt, denn es war Sonntag, also market day. Genau genommen schnappten wir uns in weiser Voraussicht nicht ein Pedicab, sondern zwei, eines für April und mich und ein VIP-Pedicab für Jonas allein. So konnte er es sich in seiner kleinen Kabine bequem machen, falls man bei all dem Gebiege und Verdrehe noch von bequem sprechen kann.


Auf dem Markt wurde mir bewusst, wie anders wir aussehen. Seit Tagen schon waren wir die einzigen Weißen gewesen (mit Ausnahme von ganz wenigen alten Männern, die in den Philippinen das Glück – in Form einer Frau – suchen.) Aber hier in Tigbauan, dieser kleinen, verschlafenen Stadt am Rande von Iloilo, sahen alle gleich aus – bis auf uns. Wie das exotische Gemüse und die vielen Fische die Attraktion für uns wurden, so wurden wir es im Gegenzug für die Einheimischen. Kein Wunder, wenn man wie Jonas als einziger in der ganzen Markthalle um drei Köpfe herausragt. Ich genoss meine philippinische Durchschnittsgröße und schaute mit den Augen der Einheimischen halb erschrocken, halb ungläubig zu Jonas auf. Ganz schön riesig, dieser Mann. Und dann noch diese lange Nase… UND Haare im Gesicht!

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Viele Leute hier schienen noch nie einen Weißen gesehen zu haben und verhielten sich ganz anders, als wir es aus den Touri-Spots gewohnt sind. Fast niemand sprach uns an, niemand wollte uns etwas aufschwatzen. Im Gegenteil: die meisten schienen etwas verschüchtert und guckten schnell weg, wenn wir ihren Blick erwiderten. Manche fragten April leise, woher wir denn kämen. Worauf sie antwortete: „Frag sie doch selbst!“. Aber das trauten sie sich dann nicht.


April erledigte ihren Wocheneinkauf und wir hatten Zeit, uns an Obst, Gemüse und fremdartigen Süßigkeiten sattzusehen. Als wir dachten, dass wir schon alles gesehen hätten, entdeckten wir einen Esoterikstand. Hier gab es die wildesten Produkte. Die Verkäuferin war sehr geduldig und erklärte uns genau, wozu das alles gut sei. Hier eine kleine Auswahl aus dem Sortiment (bei Interesse bitte Bestellung an uns ;-):

  • Harzklumpen zum Verbrennen, um so etwas wie Weihrauch zu erzeugen und damit böse Geister zu vertreiben
  • diverse Moose, Beeren und Wurzeln, um Tinkturen und Aufgüsse zuzubereiten
  • eine Mischung aus den oben genannten Zutaten zur Abwehr von schlechter Energie (dazu wurden die Holzstückchen etc. mit Öl übergossen und in ihr eine Jesusfigur versenkt – logisch, was denn sonst?)
  • Glücksamulette aus Naturmaterialien, um kleinen Kindern Energie zu geben
  • Zwirnfäden in verschiedenen Farben, um schlechte Geister von Babys und Kleinkindern fernzuhalten


Markt-Esoterik

Angeregt vom Esoterikstand erzählte uns April die verrücktesten Geschichten. Alles mit dem Vorwort, dass sie selbst gar nicht an Geister und dergleichen glaube, aber manchmal, nunja, manchmal passierten eben doch so komische Dinge…

Als ihre Schwester schwanger war, bemerkten April und sie so eine seltsame Energie im Haus. Glasklare Sache: Irgendjemand wollte dem ungeborenen Kind schaden. Was tun? „Ingwer! Ingwer und Knoblauch!“ Die legt man vor alle Fenster und Türen und hält so das Schlechte fern. Das sei übrigens auch der Grund, warum die Gemüseverkäuferinnen den Ingwer niemals per Hand an die Kunden geben. Sie packen ihn auf den Tisch und man muss ihn selbst aufheben. Denn Ingwer überträgt die Energie desjenigen, der ihn berührt. Falls also ein Kunde böse sein sollte, würde er seine schlechte Energie allein durch das gleichzeitige Anfassen des Ingwers an die Verkäuferin abgeben. „Ach was, das habe ich ja noch nie gehört. Machst du das auch immer so?“ – „Ja, klar!“ Das Baby kam jedenfalls gesund auf die Welt, dem Ingwer sei dank.

„Und wer sind diese bösen Leute?“, wollte ich von April wissen. Irgendwie klingt das ja wie im Märchen. Und das ist es auch, sagte sie. Denn diese Leute seien Menschen mit schwarzer Energie, so ähnlich wie Hexen oder Zauberer. Sie brauchen die reine Energie von Babys, um sich selbst zu stärken. „Aber wie wollen sie denn die Energie von dem Baby bekommen? Das verstehe ich nicht.“ Aprils Antwort klang tatsächlich so wie in einem Gruselmärchen: Sie glaubt (obwohl sie eigentlich überhaupt nicht an Zauberei und so etwas glaubt, aber eben manchmal halt doch so ein bisschen…), dass die Hexe oder dergleichen aus dem Nabel der Mutter alle Flüssigkeit heraussaugt, so lange, bis das Kind stirbt. Und deshalb müsse man die ungeborenen Babys schützen. Durch Knoblauch, Ingwer oder irgendeine Tinktur, die es an diesem Esoterikstand bestimmt auch zu kaufen gibt.
Doch auch Kleinkinder und kranke Leute seien anfällig für schwarze Mächte. Dafür gibt es dann die Zwirnsfäden, die man sich bzw. ihnen ums Handgelenk bindet und die sie gegen böse Geister schützen. Interessanterweise deckt sich das mit einem Glauben, von dem ich in Kambodscha gehört habe. Dort bindet man einer Person ein weißes Band ums Handgelenk, wenn die Gefahr besteht, dass die Geister ihre Seele holen wollen (siehe: Die Tränen meines Herzens, Sokreaksa Himm).

„Achja, übrigens kann man die bösen Leute auch erkennen.“, erzählte April weiter. Das wird ja immer spannender hier. „Was, wie denn?“, wollte ich unbedingt wissen. „Aaaaalso. Wenn jemand böse ist, strahlt er irgendeine Energie, eine Hitze aus. Manche Leute tragen eine Ölflasche bei sich, und wenn diese warm wird, dann weiß man, dass…“

Also eigentlich ginge das ja gar nicht, aber einmal sei ihr das doch passiert. Da ist sie im Bus gefahren und auf einmal hat sich der Mann neben ihr so unruhig hin und her gedreht. Er hat sich immer wieder im Bus umgesehen. April hat ihn gefragt, was los sei. Und er verwies auf eine kleine Ölflasche in seiner Hosentasche, in der es  blubberte. Wenn man Öl zum Kochen bringt, dann muss schon sehr viel schlechte Energie im Spiel sein. Nur was tut man, wenn man weiß, dass irgendeiner dieser dicht auf einander gedrängten Passagiere böse ist? Darauf wusste April auch keine Antwort. Außer Knoblauch vielleicht. Und von dem gibt es hier ja zum Glück auch reichlich zu essen.

 

28.6.: Bye bye, Bohol – Hello Negros!

“See you again in the Land of the Chocolate Hills.
Bye bye visitor!

Da die Philippinen ja nicht nur aus Loboc bestehen, sondern aus insgesamt 7107 Inseln, wollten / mussten wir weiterreisen.
Unser Gastvater gab uns noch ein Kokos-Dessert mit auf den Weg und fuhr uns zur Straße, um dem Busfahrer zu erklären, wo in Tagbilaran er uns rauszulassen hätte.
Wie echte Profis setzten wir uns ganz vorn in den Jeepney und wichen kaum vom Fleck, als der Bus sich langsam füllte.
Auto – Jeepney – Tricycle – Fähre. Wir setzten nach Dumaguete auf Negros über, die dritte Insel für uns.

Dumaguete

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Dicke, weiße Wolken an einem strahlend blauen Himmel erwarteten uns, dazu eine hübsche Promenade mit kleinen Cafés und einem Hauch von spanischer Kolonialarchitektur. Unser Couchsurfer konnte uns erst abends in seinem Büro unterbringen, also erkundeten wir schon mal auf eigene Faust die Stadt und den Fischerhafen.


Am Abend fuhren wir zu Val. Die Unterkunft für heute würde sehr einfach werden, das hatte er schon angekündigt. Als er und seine zwei Kollegen Feierabend machten, aßen wir noch zusammen Nudeln und Ananas, redeten ein bisschen und als die drei nach Hause gegangen waren, bereiteten wir unser Matratzenlager zwischen den Computertischen vor. Wirklich sehr einfach, aber für eine Nacht würde es gehen.

Val

 

 


24.6.: The Land of the Chocolate Hills

“Welcome to the Land of the Chocolate Hills.
Welcome visitor!”

So lautet die Inselhymne von Bohol. Bohol – das ist das Land der Schokoladenberge und die Insel des angeblich kleinsten Säugetieres der Welt.

Bevor wir uns auf den Weg machten, diese Attraktionen zu besuchen, fielen uns aber vor allem die lustigen Fahrzeuge auf: um ein Moped gebastelte Metallkonstruktionen, die wie eine Mischung aus UFO und Spielzeugauto wirken. Diese kleinen Dinger, genannt tricycle, sausen überall durch die Gegend.

 

Das andere Hauptverkehrsmittel ist der jeepney, ein Pickup-Truck, der als Bus genutzt wird. Hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das heißt: Wer zuerst einsteigt, hat das Privileg, ganz vorn an der Einstiegsluke sitzen zu bleiben. Kein lästiges Gebückt-durch-den-Jeepney-nach-hinten-krabbeln, kein unbequemes Sitzen nahe am Motor. Denn je näher man der Fahrerkabine kommt, desto wärmer und lauter wird es. Pech für die, die später einsteigen. Das Gebot: „Bitte durchrücken“, gibt es nicht. Wenn man hinten, also an der Fahrerkabine sitzt, kann es außerdem passieren, dass man zum inoffiziellen Kassierer wird. Wenn die anderen Fahrgäste ihr Geld durchreichen und man selbst ganz vorn sitzt, hat man also alle paar Minuten die Aufgabe, es dem Fahrer zuzustecken – und das passiert pro Fahrt sehr, sehr oft.
Den Wunsch, auszusteigen, schreit man nicht etwa dem Fahrer zu, sondern man bedient sich einer sehr einfachen, aber effektiven Methode: Man klopft mit einem Ring an die Metallhaltestange an der Decke des Jeepneys bzw., wenn man keinen Ring dabei hat, mit einer Münze. Das Metall überträgt den Klang bis nach vorn und schwuppsdiwupps bremst der Fahrer ab. Selbst wenn die Haltestelle nur ca. 250 m hinter dem davorigen Halt liegt, lässt man den Jeepney erst wieder anfahren, um sich direkt vor der eigenen Haustür absetzen zu lassen. Dieser Luxus muss sein. Bei einer einstündigen Fahrt muss man also mindestens nochmal 30 Minuten reine Ein- und Aussteigezeit dazu rechnen. Das sieht dann so aus: Der Jeepney fährt an. Die zuletzt zugestiegenen Fahrgäste schieben sich gebückt bis nach hinten durch. Klopf, klopf. Rasantes Bremsmanöver im Kies am Seitenrand. Ein Fahrgast krabbelt aus dem Inneren des Autos raus; alle, die an der Außentür des Jeepney gehangen haben, springen dafür ab. Klopf klopf – Die Fahrgäste springen wieder auf das Trittbrett. „Ohoo!“ – Der Jeepney rollt wieder an. Kaum hat der Fahrer in den zweiten Gang geschalten, wiederholt sich das Prozedere: Klopf klopf – Brems – Klopf klopf usw. usf.

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Nach einem langen Reisetag (Shuttle von Kevins Haus zum Hafen in Cebu City – Überfahrt nach Bohol – Tricycle zur Mall von Tagbilaran), saßen wir im Jeepney nach Loboc. Nach einer langen, langen Fahrt mit etlichen Halts alle paar Meter, wurden wir an einer Brücke rausgelassen. Von dort sollten wir unseren Weg zum Hotel finden. Hätten wir nicht einen netten Mitreisenden gehabt, der uns leitete, wäre das auf dem stockdunklen Weg allerdings sehr schwierig geworden. Aber so führte er uns durch den Regen, vorbei an spärlich beleuchteten Häusern, immer weiter am Fluss entlang, bis wir schon dachten, dass hier nichts mehr kommen würde, weder ein Hotel noch sonst irgendwas – und dann war es doch da, das Stephanie Grace, unsere Unterkunft für die nächsten drei Tage.

 

 

 

 

 

 

  • 6.: nichts tun – abends wenigstens etwas spazieren gehen – Musik – Einladung zum Essen – Musik und Einladung zur nächsten Party
  • 6.. Bus durch Urwald – Chocolate Hills – kurz schwimmen unD dann Date im Kulturhaus
  • 6.: wieder nichts tun – spazieren – Markt – spazieren (Schweinezucht) – schwimmen

 

 

16. – 18.06.: Couchsurfen bei Itthi

Couchsurfing der Extraklasse

In Khon Kaen wohnten wir bei Itthi in einer Couchsurfing-Unterkunft der Extra-Klasse. Genau genommen haben wir nicht couch-, sondern bettgesurft – und das in unserem eigenen Zimmer mit eigenem Bad in einem supergroßen, fast unbewohnten Gebäude, was obendrein noch blitzeblank geputzt war. Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Itthi selbst wohnt und arbeitet mit seiner Familie nebenan und nutzt nur das Erdgeschoss unseres Gebäudes. Hier hat er sich ein kleines Spieleparadies aufgebaut, denn er ist absoluter Game-Freak. Die Regale sind bis obenhin mit Brett- und Kartenspielen gepackt, in den Schränken stehen Mangazeitschriften und Bücher mit Spielanleitungen und auf dem Schreibtisch bastelt er kleine Figuren, die er dann an andere Spiele-Freaks verkauft. Dreimal pro Woche trifft er sich mit seinen Kumpels und dann zocken sie bis in die Nacht.

Gleich nach unserer Ankunft haben wir seine Freunde kennengelernt und sind in einer großen Gruppe Hot Pot essen gegangen. Am nächsten Tag stand der große Spieleabend auf dem Programm – und wir waren natürlich eingeladen.

Gewitter der Extraklasse

Vorher hatten Jonas und ich Zeit, um unsere Weiterreise zu organisieren. Gegen Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang um den See aufgebrochen und haben dabei einen hübschen Tempel entdeckt, dessen neun Stockwerke pyramidenförmig angeordnet waren. Im fünften angekommen, hatten wir schon eine tolle Sicht auf den See – und auch auf eine gigantische Gewitterfront, die sich immer näher schob.


Wir schafften es noch, die Treppen hinunterzulaufen und waren gerade auf dem Weg ins nächste Café, als der Regen losprasselte. Unterschlupf fanden wir in einem winzigen buddhistischen Schrein. Behütet von einem milde drein blickenden Goldbuddha warteten wir ab, bis es nicht mehr ganz so „watery“ war und wir ins Sluve u Café laufen konnten.


Kulinarische Spezialitäten der Extraklasse

Dort trafen wir Itthi, der uns zum Essen einlud. Es gab Fleisch mit Fleisch und Fleisch – einmal gekocht, einmal gegrillt und einmal roh, alles Spezialitäten aus Insan. Auf dem Rückweg fuhren wir noch beim Nachtmarkt vorbei. Itthi deckte uns mit dem ganzen Süßigkeiten-Sortiment ein, was die Stadt zu bieten hatte. Damit bewaffnet fuhren wir nach Hause – der Spieleabend sollte bald los gehen.

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Spieleabend der Extraklasse

Für uns war es echt interessant, in diese andere Welt von Itthi und seinen Spiele-Kumpels einzutauchen. Da ich davon sehr wenig verstehe, ist es besser, wenn Jonas das beschreibt.

Einschub von Jonas:
Das, was wir hier erlebt haben, ist der Auswuchs aller Nerdigkeit. Ein maximaler Freakabend.
In der ersten Ecke spielte jemand Computer (League of Legends). Vor dem Schreibtisch türmten sich Feinsthaarpinsel und kleine Farbtöpfchen, mit denen Itthi und sein Kumpel gerade kleine 2 cm große Spielfiguren angemalt hatten. (Vielleicht Warhammer, ich kenne mich da aber auch nicht so aus.) Sein Kumpel wollte eine solche maximal bewaffnete, kleine Monsterfigur für seine Hochzeit in der nächsten Woche haben. Er hat irgendwas von Foto gesagt; dass seine Frau davon noch nichts wüsste und dass es ihr wahrscheinlich nicht gefallen würde. Wofür genau er diese Figur brauchte, konnte selbst Itthi uns nicht sagen.
In der zweiten Ecke wurde irgendein Pen and Paper RPG gespielt, bei dem ein Elf, der beim letzten Spieleabend fast gestorben ist, jetzt wieder mitspielen durfte und von seiner Gruppe geheilt werden musste. Alle Jungs stützten sich auf hunderte Seiten starke Regelwerkbücher und saßen vor einem riesen Haufen vielseitiger Würfel (von 4 bis 20 Seiten), während sich der Spielemeister hinter einer Klappkarte versteckte und mit einem Filzstift den weiteren Weg auf die Dungeonkarte malte.
In der dritten Ecke saßen wir. Zusammen mit den wohl mutigsten im ganzen Raum. Der eine, der sich Chips knuspernd in einer Kleinkindersprache mit uns zu unterhalten versuchte. Der andere, der sich hinter seiner Hornbrille verstohlen im  Raum umguckte und jeglichen Blickkontakt vermied. Der nächste, der sich nervös auf seiner Unterlippe kauend hinter seinen Karten versteckt hielt und ein relativ taktisches und aggressives Spiel führte.
Spannend wurde es dann tatsächlich bei dem Spiel „Dixit“, bei dem man mit einem Wort oder einem Satz eine Karte beschreiben muss und die anderen müssen diese erraten. Das scheint ja schon in Deutschland manchmal schwierig, wenn man sich im gleichen Kulturkreis bewegt. Aber hier in Thailand, wo die Jungs kaum bis kein Englisch sprachen, wurde es dann tatsächlich eine große Herausforderung. Eine Regel war: keine Insider und keine Sprachwitze in der eigenen Landessprache. Alle legten ihre Tablets und Smartphones zurecht, haben die im Spielverlauf dann aber nicht einsetzen müssen. Amüsanterweise waren wir alle bis fast zum Schluss auf dem gleichen Punkteniveau. Es klappt also doch. Tatsächlich habe ich bei dem Spiel noch nie so viel gelacht wie bei diesem Mal.

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Couchsurfing der Extraklasse II

Wir kennen es vom Couchsurfen eigentlich so, dass man als Gast vieles gefragt wird, dass man ständig in Gespräche eingebunden wird und dass die Gastgeber sehr bemüht sind, dass es uns gut geht. Itthi hat da ein perfektes Mittelmaß gefunden: Er hat einfach das gemacht, was er immer macht. Keiner aus der riesen Runde hat die Standardfragen gestellt (Wie lange reist ihr schon? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Wie alt seid ihr? Was macht ihr beruflich?…). Alle haben einfach gespielt. Mit uns zusammen. Wir waren einfach dabei. Sehr angenehm.

 

 

07.-09.06.: Den Tempel trotz lauter Steinen sehen

Nach drei Tagen in Siem Reap sieht man den Wald vor lauter Tempeln nicht mehr, bzw. den einzelnen Tempel vor lauter Steinen nicht. Trotzdem war jeder Tempel für sich wunderschön und voller besonderer Details. Um die Eigenheiten der einzelnen Tempel ein bisschen zu beleuchten, kommt hier eine klitzekleine Auswahl an Fotos.

Tag I: Giant Circle

Banteay Sreai

Beng Mealea

Roluos Gruppe

Tag III: Small Circle

Angkor Wat

Ta Prohm

Bayon

 

04. – 06.06.: Phnom Penh Nightlife

Am Samstag hieß es Abschied nehmen vom hübschen Kampot und vom Süden, um uns allmählich Richtung Siem Reap und den Tempeln von Angkor vorzuarbeiten. Doch nicht, ohne nochmal einen Zwischenstopp in Phnom Penh bei Tini und Gérald einzulegen. Hatten wir Phnom Penh bei unserem letzten Besuch vor allem kulturell und historisch wahrgenommen, so lernten wir diesmal vor allem das Nachtleben der Stadt kennen.

Los ging es bei einer Hausparty von Freunden von Tini und Gérald. Witzigerweise waren fast alle Gäste ausnahmslos Deutsche oder Franzosen und so fielen wir gar nicht so auf. Jonas traf sogar auf eine Bekannte aus „Pfadfinderkreisen“, die zufälligerweise die Mitbewohnerin der Gastgeberin war. Die Welt ist klein.
Die nächste Station war eine Reggaebar, in der allerdings alles andere als Reggae gespielt wurde. Aber wir tanzten trotzdem bis zum Morgengrauen und noch darüber hinaus. Fast hätten wir auch noch den Sonnenaufgang zu Gesicht bekommen, hätte nicht ein Hochhaus im Weg gestanden.

 

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Auf einmal war es Morgen und ein verschlafener Ausruhtag erwartete uns, an dem wir gemütlich am Fluss entlang schlenderten, Fruchtshake tranken, italienisches Essen genossen und die Sonntagsatmosphäre vor dem Royal Palace aufsaugten: Zuckerwatteverkäufer, Kinder in rosa Plüschkleidern und Quitscheschuhen, Frauen in leuchtend bunten Klamotten, die Tabletts voller Lotussamen und anderer Köstlichkeiten auf dem Kopf balancieren. Dazwischen Männer, die versuchen, alle möglichen Plastikspielzeuge zu verkaufen; und dahinter selig von seinem Thron lächelnd König Sihamoni, eingerahmt von Gold und Glühlampen.

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Wir beschlossen den Abend bei einem leckeren, selbst gekochten Abendessen und guten Gesprächen, bis uns irgendwann der fehlende Schlaf übermannte.