(TH) Tipps von Itthi

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Hier seht ihr uns mit Itthi (und weißer Puschelkatze) im Haus seiner Tante in Bangkok. Zuvor hatten wir mehrere Nächte bei Itthi im Norden Thailands, in Khon Kaen, verbracht. Itthi ist ein super Gastgeber, also schaut unbedingt bei ihm vorbei, wenn ihr per Couchsurfing in Isan unterwegs seid. Hier geht’s zu seinem Couchsurfing-Profil.
Am Ende hat uns Itthi sogar die sechs Stunden nach Bangkok gefahren. Wir hatten einige spannende Unterhaltungen im Auto und da wollten wir noch mehr von Itthi wissen. Was er uns geantwortet hat, lest ihr hier:

1. Itthi, what is your favourite Thai Music?

When I was young, around 15 years old, I really liked this music „Prom Ri Kit“.

It is a love song, saying that if you just know the name of a person you already know that one is your soulmate. It is about the believe that everything that happens to us is destiny .

This music is dancing music that I really like until now. Here is the Thai version:

https://www.youtube.com/watch?v=CKDwsFbq1_c

And this is the English cover:

https://www.youtube.com/watch?v=Jip8me4fw2U

2. Okay Itthi, which Thai book impressed you most?

I don’t read books that much and if I read Thai books then only about Buddhism. This is my very favorite one that I read more than 5 times: Gifts he left behind Dhrama 

I can only find English versions of that book. See for example the e-book version: http://www.dhammatalks.org/ebook_index.html


3. Is there any great Thai movie that we should watch?

If asking about history, I would say „The Overture“ was a great history movie that I love.

 

And I really like the horror movie „Shutter„. It is the best one that I watched. As far as I know, 20th century Fox did a remake in English.

 

4. And what is your favourite Thai dish?

It is really hard to say what is my favorite dish because I love all Thai food! What I love most are dishes with spicy taste, for example Tom Yum, Slide grilled pork salad or beef, Charcoal-boiled pork neck, spicy meat and potato dip etc.
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Charcoal-boiled pork neck

 

5. Itthi, please teach us a funny phrase with which we can surprise locals.
Bó bpen yàng  บ่เป็นหยัง  – It means You are welcome.
Zap แซ่บ – It means delicious.
These are Isan local words (from the dialect that is spoken in the North East area of Thailand).

 

6. Last but not least, please give us a reason why a young German traveler should visit your country!

If you are interested in different cultures, Buddhism, spicy food and people, Thailand would be the place that you need to come to. Most people of Thailand are very kind and like to help foreigners. The 4 parts of Thailand are very different concerning cultures and foods. And also we have local languages in the big 4 parts of Thailand (North, North East, middle and South).

My city is Khon Kaen. It is a very quiet city with few attractions, but we have a lot of food that is very delicious. Khon Kaen is in the middle of the way from Bangkok to Laos and Cambodia. And from here you can travel to all cities in the North East of Thailand as this is the central city in this area.

 

03.05.: Shwe Dagon Pagode

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Woooow…. Was für ein riesen Ding. Diese Pagode ist ein riesiges Areal, an deren 4 Windrichtungseingängen jeweils zwei 8m hohe Bewachungseingangslöwentiere stehen. Für Locals ist der Eintritt frei, für Touristen kostet es 5,80 €. Das finde ich eigentlich ganz gut. Die Buddhisten hier aus dem Land können umsonst in das wohl größte Heiligtum des Landes pilgern und Besucher und Angucker (wie wir) unterstützen die Instandhaltung. Nachdem wir unseren Kulturbeitrag gezahlt hatten, ging es mit Rolltreppen (jawohl, Rolltreppen) zur höchstgelegenen Pagodenterrasse. Hier kann man leider nicht ohne Sonnenbrille rumlaufen, da man aufgrund der ganzen Goldreflektion selbst morgens um 9.00 zu schnell erleuchtet wird und das will ja nun auch keiner. Jedenfalls noch nicht mit 30.


Die Shwe Dagon Pagode besteht aus mehreren hundert Stupas und Buddha-Figuren oder Buddha-Abbildungen. In der Mitte steht die monströse Hauptstupa, das Herzstück der Pagode.  Ca. 4 Tonnen Gold schmücken dieses 100m hohe Gebilde. An der Spitze in dem mehrstöckigem Umbrella sind mehrere zehntausend gespendete Finger- oder Ohrringe, Handreifen, Ketten. Alle aus Gold und/oder mit wertvollen Steinen besetzt. Darüber ist ein „kleines“ Wetterfähnchen (130 cm lang, 76 cm hoch und 419 kg schwer). Ebenfalls über und über mit Glitzerdingern besetzt.  Darüber, auf dem Foto kaum noch erkennbar, ist eine kleine Kugel (56 cm hoch, 27cm im Durchmesser, mit mehr als 4300 Diamanten besetzt und insgesamt 1800 Karat schwer). Wiederum darüber ist der Apex-Diamant im Wert von 76 Karat. Liebe Ehering-mit-Diamant-Trager: Ist das viel? Ich glaube ja, aber ich habe keine Ahnung. Allein das Ding von der Spitze runter zu holen würde unser Reisebudget sprengen, glaube ich.

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Diese Pagode wurde – einer wahren Geschichte nach – auf 8 Haaren von Gautama Buddha erbaut. Anne meinte, dafür hätte man auch ein kleineres Tempelchen bauen können und sich nicht so zu verausgaben müssen. Diese Pagode steht dort angeblich schon seit 588 vor Christus und wurde seitdem immer in Stand gehalten und weiter ausgebaut, erhöht, verschönert, vergoldet und erweitert. Mehrere Könige haben noch weitere Reliquien von den erleuchteten Inkarnationen von Buddhisatwa zusammengetragen und so sind dort nun Beweise der vier bisherigen Buddhas vereint.

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Zu sehen gab‘s dort außerdem noch einen Comic-Bild-Pfad zum Thema Entstehung und Werdegang des Buddhismus. Den haben wir gespannt gelesen und ich musste dabei feststellen, dass sich dort doch so einiges mit dem Christentum deckt.

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Meine Gedanken:
Buddhisatwa ist der Ober-super-Gott-Buddha, der in seinen 10.000 Himmeln mit den Brahmanen und Engeln wohnt. Die beschließen, dass er mal wieder eine Inkarnation auf die Erde schicken soll, also befruchtet er kurzerhand als kleiner weißer Elefant getarnt eine Königin, die ihm sich selbst als Sohn gebirt. Erstmal hat das Baby Superkräfte, kann gleich nach der Geburt laufen und fliegen und alle sind beeindruckt. Dann wächst er als normaler Mensch auf und macht die Erkenntniss, wie das Leben funktioniert. Alter, Armut, Tod und Krankheit werden thematisiert. Daraufhin verlässt er sein bisheriges Leben und wird Mönch. Er versucht verschiedenste Meditationsarten, um den  Superstatus zu erlangen. Gelingt ihm auch. Er wird eleuchtet. Danach kommt eine unglaublich lange Zeit, in der er bei verschiedensten Menschen Buddhismusaquise betreibt. Irgendwie zweifeln ständig Leute an ihm und am Ende finden sie ihn auch super und verehren ihn. Zwischendurch wird er von einem bösen Engel in Versuchung geführt, kann diesen aber besiegen.
Der Gautama Buddha hat übrigens Superkräfte. Er kann über Wasser laufen, Feuer entzünden und es wieder löschen, fliegen und das Animalische zähmen (verkörpert durch den König der Nagaschlangen aus dem Hinduismus).
Am Ende hat er das Leben wegmeditiert und ist quasi unsterblich geworden.
All das meine ich auch in der Bibel mal irgendwo gelesen oder gehört zu haben. Diese göttliche Befruchtung. Erkenntnisse über das Leben. Sieg über das Dämonische, Teuflische. Über Wasser laufen. Anhängeraquise durch Wundertaten. Die Schlange als bekämpfenswertes aber dann doch als lebensakzeptierendes Symbol.

  • Irgendwer hat behauptet, dass Gautama Buddha (*etwa 550 v. Chr.) gesagt hat, dass ca. 500 Jahre nach ihm ein neuer Buddha kommen wird. http://www.theologe.de/christus_und_buddha.htm
  • Was ist in den Jahren zwischen der Bar Mitswa und Bergpredigt mit Jesus passiert? Wohin ist er untergetaucht?
  • Was ist in diesen 40 Jahren passiert, als Jesus in der Wüste war und gegen das Böse gewonnen hat?
  • Irgendwer hat behauptet, dass Jesus beim ersten buddhisten Konzil 80 n. Chr. anwesend war. Nach seinem Tod/Auferstehung?

Zufall oder nicht?

Beim Buddhismus geht um die innere Zufriedenheit, die man über Meditation erreicht. Und um gutes Karma, was man dadurch erreicht, dass man Gutes tut, sich gegenseitig hilft und andere Lebewesen respektiert. Alles, damit man irgendwann den ewigen Reinkarnationskreislauf unterbrechen kann, zumindest aber als Mensch wiedergeboren zu werden.
Im Christentum ist Jesus für uns gestorben, um den Menschen eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Er ist dadurch in einem jeden von uns und bildet die Brücke zu Gott, der damit auch in uns allen ist. Dann diese Nächstenliebe.

Der größte Unterschied, so hat uns mal ein gläubiger Buddhist erzählt, ist, dass es im Buddhismus wohl keine Vergebung der Sünden gäbe. Jeder ist hier für sich selbst verantwortlich. Aber hier ein kleines Zitat aus dem Buch „Tage in Burma“ von George Orwell („Burmese Days“, erschienen 1935 in London):

<<Nach buddhistischem Glauben würden diejenigen, die im Leben Böses getan haben, als Ratte, Frosch oder sonst ein niederes Tier wieder verkörpert. U Po Kyin war ein guter Buddhist und gedachte sich gegen diese Gefahren abzusichern.Er würde seine letzten Jahre auf gute Werke verwenden, die ihm eine Menge Karma einbringen würden und sein ganzes übriges Leben aufwogen. Diese Werke würden wahrscheinlich aus Errichtung von Pagoden bestehen. Vier Pagoden, fünf, sechs, sieben – die Priester würden ihm sagen, wie viele, […]. Und er würde als Mensch wieder auf die Erde kommen, […]>>

Wie war das noch mit dem Ablasshandel der christlichen Kirche?

Mag sein, dass ich eine Menge übersehen habe.
Mag sein, dass es ganz gravierende Unterschiede gibt.
Mag sein, dass ich den Buddhismus und das Christentum auch missinterpretiere.
Aber so, wie ich bis jetzt beides verstanden habe, gibt es doch erhebliche Parallelen.
Spannend und schön zu sehen, dass die ganze Welt irgendwie zusammen hängt und dass alles einfach nur Menschen sind. Menschen, die sich vielleicht gegenseitig inspirieren, ihre Lebens-, Daseins- und Weltvorstellung zu verbildlichen und Unerklärbares begreifbarer zu machen.

Den ganzen Tag über war es angenehm menschenleer, so dass wir viel Zeit und Raum hatten uns alles in Ruhe anzusehen. Viele der Besucher/Buddhisten verbringen scheinbar den ganzen Tag, mindestens jedoch einen längeren Zeitraum auf einer solchen anbetungswürdigen Stätte. Überall essende und schlafende Menschen. Für alle hier scheinbar ein Ort des Wohlfühlens und des Seins. Weniger aber ein Ort des intensiven Betens.
Wie schön. Wir haben uns kurzerhand dazugelegt und auch einen Mittagsschlaf gemacht.

 

Kurz vor Sonnenuntergang wurde es dann doch sehr touristenvoll auf der Pagode, sodass wir wieder auf unsere Terrasse geflüchtet sind, um uns die Pagode aus der Ferne noch mal anzusehen.

 

28.04. – 30.04.: Die 45°C-Wende in Bagan

Von Mandalay nach Bagan

Die Fahrt von Mandalay nach Bagan war schauklig und ruckelig. Aber ansonsten unspektakulär. Wir sind von dem unebenen Highway (zwischen Mandalay und Yangon) irgendwann auf eine Nebenstrecke Richtung Bagan abgebogen. Das weiße Mittfünfziger-Pärchen vor uns hat minutenlange Abschnitte der langweiligen, öden Straße gefilmt. Mehrfach. Da möchte ich nicht Kind sein, das sich diese 3-4-Minutenfilme angucken muss. Man hat wirklich nichts gesehen. Die Landschaft wurde immer eintöniger, die Straße immer schlechter. Immer mehr Palmen und Einöde neben der Straße. Ab und zu mal vereinzelt ein Häuschen oder eine Bananenblätter-Bambus-Hütte. Wer hier wohl wohnen mag. An der Straße war wirklich nichts. Keine sichtbare Viehzucht, keine erkennbare Landwirtschaft. Wobei die Palm snchon so angelegt worden sind, dass sich eine Felderstruktur erahnen ließ. Da aber momentan Trockenzeit ist, stellt sich uns die Frage, ob die Felder nur einmal im Jahr (in der Regenzeit) bewirtschaftet werden?!

Willkommen in Bagan

Angekommen in Bagan, schlug uns der heiße Wind entgegen. 15.00 Uhr = 45°C. Als wenn man sein Gesicht in den gerade aufwärmenden Backofen hält. Nur halt die ganze Zeit. Erschöpft von der Fahrt sind wir in ein sehr touristenorientiertes, junges Restaurant (Weatherspoon) eingekehrt und danach ins Bett gefallen.

Bagan ist ein Tempelfeld von 42 Wüsten-km², das wollten wir am nächsten Tag per Fahrrad erkunden. Es gab dort zwar auch E-Bikes (E-Motorroller) zu mieten, aber da auffallend viele Touristen (geschätzt jeder dritte) eine frische Verletzung oder alte Narben an Ellbogen oder Knie hat, wollten wir dann doch lieber auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten.
Also Fahrrad. Ab 11.00 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass muskuläres Fortkommen unmöglich erscheint. Deshalb sind wir um 5.30 aufgestanden und in aller Frühe losgeradelt. Durch trockene Steppenlandschaft, vorbei an verschiedensten heiligen oder meditativen Orten. Alle aus roten Ziegelsteinen erbaut. Teilweise begehbar, teilweise mehrstöckig, teilweise mit mehreren Stupas drumherum. An jeder größeren Sehenswürdigkeit hießen uns die üblichen verdächtigen Ramsch-Andenken-Aufdränger willkommen. Sehr freundlich führten sie uns herum und beschrieben uns ungefragt in brüchigem Englisch irgendwelche Sehenswürdigkeiten an dem jeweiligen Tempel. Anschließend ging es dann zu der Hauptattraktion: ihrem eigenen Verkaufsstand.

Erkenntnis des Tages:
Stupa = vergoldeter, glockenförmiger Bau, der meistens um eine Reliquie (z.B. ein Haar Buddhas) errichtet wurde
Pagode = die Stupa und das Drumherum
Tempel = begehbares Meditationszentrum, verschiedene Hallen
Kloster = Wohnort für Mönche

Tempelfeld Bagan

Jeder größere Herrscher oder deren Frauen oder Nachkommen, jeder Minister, jeder Feldherr, jeder wohlhabende Kaufmann oder jeder, der es sich halt leisten konnte, hat mehrere Stupas/Pagoden gebaut. Je mehr, desto mehr Karma. Dabei ging es wohl zum einen darum, seine Gläubigkeit zu demonstrieren, zum anderen aber wohl auch darum, sein Karma so weit aufzubessern, dass man in dem nächsten Leben zumindest als Mensch wiedergeboren wird.

In und um dieses Tempelfeld herum gab es wohl mal eine riesige Stadt, deren Holzwohnhäuser in mehreren Bränden zerstört worden sind. Auch Holz- und Stuckverzierungen an den Stupas sind größtenteils verschwunden. Selbst von den Wandmalereien im Inneren ist nur noch ein Bruchteil zu erahnen. Seit einigen Jahrzehnten beteiligen sich alle Menschen, die es sich irgendwie leisten können, an der Restaurierung und dem Wiederaufbau der vielen alten Pagoden. Dabei wird relativ wenig Wert auf originalgetreue Restaurierung gelegt, was dazu führt, dass sich alte Architektur mit neuen Glaubensbekundungen des Buddhismus vermischen. Ein interessantes Nebeneinander von Alt und Neu, was sich hier keineswegs gegenseitig ausschließt.

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Bagan besticht vor allem durch die enorme Vielzahl (rund 3400 Ziegelsteinanlagen) und die riesige Fläche (42 km²), über die sich diese roten Gebilde erstrecken. Und durch die Hitze.
Wie hat sich damals vor fast 900 Jahren über mehr als 300 Jahre eine solche Hochkultur etablieren und halten können?
Wie haben die Menschen damals Ernährung, Be- und Entwässerung organisiert?
Und warum das alles in einer solch trockenen und unwirtlichen Gegend?

Abends zum Sonnenuntergang haben wir uns nochmal rausgewagt. Selbst jetzt war es immer noch so warm, als würde einem die Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht pusten – aber nicht die gekühlte, sondern die, die auf der andere Seite rauskommt. Also ab auf ein Tempelfeld, schnell essen und ins Bett. In dieser Hitze lässt es sich nicht aushalten, deswegen wollten wir am Folgetag direkt nach Yangon weiterreisen.

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Um Bagan, eines der Haupttouristenziele für die meisten Reisenden, aber nicht gar so stiefmütterlich zu behandeln, haben wir immerhin noch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mitgenommen. Eine gute Entscheidung. Wir sind um 4:30 aufgestanden und haben auf einer Pagode sitzend einen wunderschönen Sonnenaufgang über dieser skelettartigen Bagan-Stadt genossen. Um uns herum mehrere Fotoapparate. Die Menschen dahinter haben auf ihren Handys gespielt und Facebook gecheckt, bis die Sonne sich über den Horizont schob. Dann ein Langzeitbelichtungsbild und der ganze Zauber ist dokumentiert und festgehalten für die Ewigkeit. Damit man sich zu Hause daran erinnert, wie schön man es doch hatte.

 

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Von Bagan nach Yangon

Um 6.00 gab‘s Frühstück, um 8.00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Busbahnhof gebracht und dann ging es los – die bisher komfortabelste Fahrt. Der Elitebus (der Name ist Programm) war angenehm klimatisiert auf ca 26°C. Trotzdem Decken. Saft. Wasser. Gebäck. Jeder Sitz hatte einen Fernseher mit mehreren, sogar englischsprachigen Filmen. Begeistert haben wir uns auf dieser 10-stündigen Fahrt angefangen, einen Film anzusehen. Leider ist dieser immer wieder abgestürzt oder der Ton war um ein paar Sekunden verschoben. So wurde aus einem 120- Minuten Film ein 5-stündiges, multiemotionales Gedulds-Entertainmentabenteuer mit Leonardo DiCaprio.

Willkommen in Yangon

Am Busbahnhof in Yangon wurden wir von Taxifahrern umgarnt wie von Mücken im schwedischen Smaland. Wir wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht vielleicht ein Taxi wollten. Dabei war es dem zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Taxifrager egal, dass wir den ersten und alle anderen danach abgelehnt, zurückgewiesen oder ignoriert hatten. Am Schluss haben wir dann einfach die Geschichte erfunden, dass wir mit einer organisierten Tour fahren. Das hat ungefähr so geholfen wie Mückenspray: Es kamen immer mal wieder welche an und haben gefragt, sind dann aber schnell wieder verschwunden.

In Yangon sind Motorräder, Motorroller und Tuktuks verboten. Das heißt, alles ist voller Autos. Das ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem wird uns eigentlich schon an den motorisierten Zweiradverkehr gewöhnt hatten. Dafür macht man hier offensichtlich alle Wege mit einem Taxi. Die kosten verhältnismäßig wenig. So haben wir beispielsweise für die 50-minütige Tour vom Busbahnhof zu unserem Hostel umgerechnet etwa  nur 5 Euro bezahlt.

Abends hat sich die Stadt leider erstmal von ihrer schlechteren Seite präsentiert. Es gab in der näheren Umgebung des Hotels leider nur ein Restaurant (ansonsten verdächtig aussehendes Streetfood). In diesem Restaurant roch es nach Rauch und Abwasser. Das Essen war zwar sehr lecker, aber bei dem Geruch leider nur noch halb so schmackhaft. Im Hostelzimmer roch es leider nach dem anderen Extrem: nämlich nach Chlor und Chemikalien die ganze Nacht hindurch.
Morgen werden wir uns ein neues Zimmer nehmen.

27.04.: endlich Urlaub

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Entspannung. Nach zu vielen Stunden in der Sonne und den zwei Pool-Enttäuschungen wollten wir vor allem eines: schwimmen und uns abkühlen.

Davor trafen wir uns aber noch mit Ye. Er zeigte uns das größte Buch der Welt: 729 Marmortafeln, in die die buddhistische Lehre eingemeißelt ist, eingebettet in je eine weiße Stupa. Direkt gegenüber gibt es sozusagen das Nachwort: 1774 Marmorblöcke mit Kommentaren zum Buch. Lesen wird das wohl keiner ernsthaft, aber es geht hier wohl vor allem darum, einen Rekord aufzustellen.

 

Zum Mittagessen durften wir uns etwas wünschen. Die Wahl fiel sehr schnell auf: Hauptsache westlich. Nach drei Wochen fried rice war unser Heißhunger nach etwas „Normalem“, am besten Unfrittiertem, irgendetwas mit viel Geschmack, enorm groß. Ye brachte uns in ein schickes, westliches Restaurant. Schon beim Eintreten konnte man erahnen, in welcher Preisklasse sich das Essen bewegen würde. Denn in Asien gilt: je schicker das Lokal, desto kühler der Raum. Die Temperaturen waren frostig – ein starker Kontrast einerseits zu den 42°C Außentemperatur und andererseits zu den burmesischen Essenspreisen, die wir von vorher gewohnt waren. Wir bestellten uns Spaghetti bolognese und Pizza – zugegeben, viel gesünder als das burmesische, frittierte Einerlei war das auch nicht, aber es war eine Wohltat für Gaumen und Seele.

Und dann kam der Höhepunkt des Tages: ein Pool im Schatten von Bäumen, ruhig gelegen in einem kleinen Hinterhof. Perfekt – genau das hätten wir gestern gebraucht und auch haben können, wenn wir unserem Taxifahrer vertraut hätten. Umso größer war die Freude, die Mittagshitze im kühlen Nass zu verbringen. Danach gab’s noch einen Eiskaffee im Nylon Ice Cream – der perfekte Urlaubstag. Und Ye, der Schlingel, hat uns beim Schlafen fotografiert.

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Zum Abschluss unserer Zeit in Mandalay sahen wir uns das berühmte Marionettentheater an. Alle Handwerkskünste, die wir zuvor in den verschiedenen Werkstätten bestaunt hatten, fanden hier in den Puppen ihre Verbindung: kunstvolle Holzschnitzereien mit fein gewebten und bestickten Stoffen.

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Wettstreit Mensch gegen Puppe

23.04.: Es ist alles Gold, was glänzt

Mandalay begrüßt uns am zweiten Tag mit 40°C schon am Vormittag. Laufen scheint unmöglich. Von zwei Österreichern, die wir unterwegs getroffen hatten, haben wir die Telefonnummer von Mr. Thi Ha bekommen, einem Taxi-Tourguide. Im klimatisierten Auto zu den Sehenswürdigkeiten gefahren zu werden, scheint uns eine gute Alternative. Doch selbst die kleinen Zwischenstopps sind schweißtreibend und kräftezehrender als gedacht.

Als Zentrum des Kunsthandwerks hat Mandalay einiges zu bieten: Goldwerkstätten, Silberschmieden, Holzschnitzkünstler, Marionettenbauer u.v.m.
Gold

Als erstes führt uns Mr. Thi Ha in eine Blattgoldschmiede. Winzige Goldklümpchen werden hier in Bambuspapier gewickelt und dann in einer arbeits- und kraftintensiven Prozedur mehrere Stunden mit dem Hammer geschlagen, bis sie immer dünner werden und irgendwann als hauchfeine BlattgoldBlättchen verpackt werden können. Diese werden nicht nur innerhalb von Myanmar verwendet, sondern bis nach Thailand, Laos und Cambodia verschickt, um von den Gläubigen an die Buddhastatuen geklebt zu werden.

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Blattgoldherstellung: hinten Steine und Hammer, vorn eine Eier-/Wasseruhr und auf dem Tisch Bambuspapiere, zwischen die das Goldblättchen zum Behauen gelegt wird


Jade

Der zweite Halt ist der Jademarkt der Stadt. Eine ganz besondere Stimmung herrscht hier. Ausschließlich Männer laufen, in Longjis (den langen Wickelröcken) und feinen Hemden,  geschäftig umher und inspizieren mit speziellen Lampen und prüfenden Blicken die winzigen Jadesteinchen, die an etlichen Tischen angeboten werden. Nie hätte ich gedacht, dass Jade so wertvoll sein kann. Ein einziger Stein in der größe eines Daumennagels kostet ab 500 Dollar. Je weiter man ins Innere des Marktes vordringt, desto dunkler wird die Farbe der Steine und desto höher ihr Wert. In einigen Läden können dann fertige Schmuckstücke zu horrenden Preisen gekauft werden: mehrere tausend Dollar muss man für Ohrringe und Ketten blechen. Obwohl ein durchschnittlicher Jadehändler wohl ca. 25.000 Dollar Umsatz pro Tag mache, werden wohl nur die wenigsten reich damit. Dazu bräuchte man das Glück, an einen ganz besonders schön gefärbten und marmorierten Stein zu geraten.
Unglaublich, was für Werte hier in den Begen Myanmars liegen. Und traurig, zu wissen, dass der Großteil der Jadesteine direkt nach dem Abbau über die chinesische Grenze geschmuggelt wird und dem eigenen Land somit keinerlei Nutzen bringt.
Die Frauen sitzen hinter den Tresen mit den Endprodukten und versuchen diese in mehr oder weniger großen Mengen unter das Volk zu bringen.

Teakholz

Unser dritter Halt führt uns zu einer kleinen, aber reich mit Holzschnitzereien verzierten Pagode.

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Gold

Zu guter Letzt schauen wir uns an, wo all die BlattgoldBlättchen landen. Nämlich am wertvollsten Buddha der Welt. Er wurde in den letzten Jahren so über und über mit Blattgold beklebt, dass seine ursprüngliche Form schon gar nicht mehr richtig zu erkennen ist. Unser Reiseführer vergleicht ihn mit einem Michelin-Männchen in Gold. Angeblich fallen jährlich mehrere Kilo Goldstaub einfach so von ihm ab, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Und nicht nur sein Körper glänzt, sondern er hat eine filigran verzierte Krone auf, die aus unendlich vielen Rubinen, Jade und anderen Edelsteinen besteht. Angeblich ist der Buddha mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

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Michelin-Männchen auf Burmesisch
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Gläubige kleben Gold an den Buddha

Unglaublich, wieviel Wert allein in dieser einen Pagode schlummert. Und wie viel Geld auf den Straßen nötig wäre, um sich eine ordentliche Müllabfuhr, vernünftige Elektroleitungen, konstantes Internet und dergleichen leisten zu können. Aber was das angeht, passiert gerade viel im Land und die Leute blicken erwartungsvoll zur neuen Regierung – es wird sich zeigen, ob zu Recht.

Im März 2016 wurde die jahrelange Militärregierung durch eine demokratisch gewählte ersetzt. Laut Mr. Thi Ha hat sich in diesem einen Monat schon merklich etwas in dem Land getan. Beispielweise konnte er uns die 3 neuen Ampeln in Pyin Oo Lwin genau aufzählen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es überhaupt zum ersten Mal Ampeln in Pyin Oo Lwin gibt.

 

 

 

08.04.: Vom Hahnenkönig und Wunschelefanten

 

Erste Eindrücke von Phitsanulok

Phitsanulok findet im Reiseführer nur als Ausgangspunkt für Weiterreisen in die Tempelstadt Sukothai oder in die nahe gelegenen Nationalparks Erwähnung. Nach unserem ersten Eindruck war dem nicht viel hinzuzufügen, außer: an jeder Straßenecke findet man Hahnenstatuen in jeglicher Größe. Und die Einwohner lieben es bunt – schon der Bahnhof war mit kleinen, gartenzwergähnlichen Gipsfiguren dekoriert und ähnlich skurrile Figürchen gibt es überall in der Stadt. Auch was die Hemdfarben der Bewohner angeht, geht es hier sogar farbenfroher zu als in Bangkok: quietschblaue, -grüne und –orangefarbene Hemden mit Frangipani-Blüten bedruckt hängen an allen Straßenständen; für die Frauen sind Obstsorten der Schrei der Saison und dementsprechend auf allen Blusen und Kleidern zu finden.

Nachdem sich uns die Stadt somit nicht so leicht erschlossen hatte, war ich sehr glücklich, als Jonas am ersten Abend überraschenderweise Antwort von einer Couchsurferin bekam, die uns gern treffen wollte. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen und bekamen einen privaten, informativen und obendrein amüsanten Einblick in die Eigenarten der Stadt und vor allem in einige religiöse Praktiken in einem thailändischen Tempel.

Bunte Hemden

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Zunächst konnten wir das Rätsel um die extravaganten Hemden lösen. Die Farbenfrohheit ist nicht etwa regional bedingt, sondern zeigt nur, dass bald das Wasserfest kommt. Mit den leuchtenden Farben stimmen die Leute sich auf den Sommer und die Feiertage ein, weshalb diese Blumenhemden wirklich überall zu finden sind. Deshalb sahen wir auch so viele verschiedene Leute, die sie schon trugen, wie z.B. einige Kellner und selbst offizelle Leute, wie z.B. ein Polizist, der im quietschgrünen Blumenhemd nicht ganz so seriös aussah. Auf unsere Frage, ob dann die Ananas- und Melonenkleider das weibliche Gegenstück dazu seien, antwortete unsere Couchsurferin Mai: Nein, das sei einfach gerade die Sommermode. Wobei „Sommer“ etwas seltsam anmutet, wird es doch auch im Dezember nicht kälter als 20°C werden. Aber nunja, die Modebranche muss ja das ganze Jahr über verkaufen.

Der Hahnenkönig

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Und warum stehen an jedem Tempel Hahnenstatuen? Darüber hatten wir uns schon die wildesten Theorien ausgedacht. Was tut man nicht alles, wenn man den ganzen Tag in der Sonne schmort, ohne jemanden zu kennen, den man solche komischen Dinge fragen kann. Zum Glück kam Mai des Wegs und erzählte uns, dass der Hahn das Symbol für einen alten thailändischen König ist, der aus Phitsanulok kam. Dieser sei besonders kriegerisch gewesen und hatte Thailand u.a. gegen Burma verteidigt. Seine größte Leidenschaft neben dem Kriegführen sei der Hahnenkampf gewesen. Und deshalb stellen die Thais noch heute Hahnenstatuen auf, um an ihren erfolgreichen König zu erinnern und wahrscheinlich auch, wenn sie um Kraft und Stärke beten.

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Der kriegerische König

Blut in Fett zum Frühstück

Der Morgen, den wir mit Mai und ihrer Freundin Pear verbrachten, war jedenfalls richtig gut. Die beiden holten uns mit dem Auto ab, wir stiegen ein und bekamen sofort einen eisgekühlten Matchatee in die Hand gedrückt. Dann fuhren wir zu einem kleinen Frühstückslokal und bekamen thailändische Frühlingssuppe serviert: fettiges, gepresstes Scheinefleisch in Brühe mit etwas Zwiebeln und einem großen Quader geronnenen Blutes. Letzteres ließ ich unauffällig auf dem Teller; einmal in Vietnam probieren hatte mir gereicht. Einmal gestärkt, fuhren wir zu dem bedeutendsten Tempel der Stadt. Das hatten Jonas und ich uns für den letzten Tag in Phitsanulok aufgehoben. Und mit einer einheimischen Begleitung wurde es einer der interessantesten Tempelbesuche, die ich je hatte. Mai und Pear waren ein super Team: Mai kennt sich gut in Geschichte und Religion aus, dafür spricht Pear richtig gut Englisch.

Buddha waschen

Der Tempelbesuch begann mit einem besonderen Ritual. Bald ist ja Wasserfest und das thailändische neue Jahr beginnt. Alles Alte wird weggewaschen, alles wird neu und frisch. Zu diesem Anlass waren im Tempel einige goldene Buddhastatuen auf Plastiklotusblüten aufgestellt. Jeder bekam eine silberne Schüssel voller Wasser und konnte damit die Figuren abspülen. Auch wir gossen dem Buddha kühlendes Wasser über die Schultern und ich hätte schwören können, es zischen zu hören, so heiß war es draußen. Wenn er sprechen könnte, hätte er sich bestimmt auch für diese Abkühlung bedankt. Mai nahm es mit dem Abkühlen etwas zu genau und spritzte ihr restliches Wasser dem kleinen Mönchsjungen, der vor ihr an der Buddhastatue stand, auf den Rücken. Der Arme wusste erst nicht, wie ihm geschah, und als er merkte, dass sie einen Witz machen wollte, lief er eilig davon. Unglücklicherweise hatte ein anderer Besucher dieses Spektakel beobachtet und dachte wohl, es sei eine Wohltat für die Mönche, sich von Tempelbesuchern bespritzen zu lassen – also goss auch er dem kleinen Mönch etwas auf die Schulter, sodass dieser noch schneller und sichtlich verschreckt davon lief.

Stäbchenhoroskop

Im Inneren der Pagode führte Mai uns in das Zukunftsschütteln ein. Dazu gibt es eine Holzbox, in der verschiedene Stäbchen stecken. Jedes Stäbchen ist mit einer Zahl gekennzeichnet. Wenn man einen Wunsch hat oder wissen will, was in Zukunft passiert, schüttelt man so lang kräftig an der Box, bis eines der Stäbchen herausfällt. Die auf ihm notierte Zahl verweist auf einen Wunsch. Man geht also zu einer Art Pinnwand und zieht sein Zahlenhoroskop heraus, was dann so tolle Sachen wie „Wenn du krank bist, wirst du gesund werden.“ u.v.m. erzählt. Jonas und ich haben beide übrigens richtig gute Horoskope geschüttelt – selbst Mai war neidisch darauf. Ihr eigenes hat ihr nicht so zugesagt und deshalb hat sie es ganz pragmatisch einfach in der Pagode gelassen. Vielleicht schüttelt sie im nächsten Monat ein besseres Schicksal.

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Die Box mit den Wunschstäbchen
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Pinnwand mit Wünschen

Elefantenentscheidungen

Für Ja-/Nein-Fragen sollte nicht das Stäbchenhoroskop, sondern ein Elefant zu Rate gezogen werden. Diese Elefanten stehen in einer Ecke der Pagode. Zuerst formuliert man seine Frage und denkt sich: Wenn es wahr ist, dass ich (z.B. die Prüfung bestehe), dann kann ich diesen Elefanten hochheben. Man probiert es. Um sicherzugehen, dass der Elefant auch die Wahrheit sagt, wiederholt man den Wunsch. Diesmal mit dem Zusatz: Wenn es wahr ist, dass (…), kann ich den Elefanten NICHT hochheben. Und siehe da, was auch immer an spiritueller Wahrheit oder psychologischer Finesse dahinter steckt, es hat funktioniert. Mit dem Ringfinger, muss man dazu sagen, was mich auf Grund der Größe der Messingstatue doch sehr verblüfft hat. Die Männer dürfen nur den kleinen Finger zum Heben des Elefanten benutzen. Als kleinen Zusatz hat die Tempelleitung auf dem Schild notiert: Bitte lassen Sie die Elefanten nach Benutzung im Tempel. Sie sind kein Souvenir. Klar, weit würde man mit so einem Elefanten nicht kommen, selbst wenn man ihn mit beiden Händen tragen würde.

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Wunschelefanten