Packliste für Südostasien

Natürlich haben wir uns wie verrückt auf diese Reise vorbereitet. Wir haben Ratgeber in analoger und elektronischer Form gewälzt. Wir haben 100 Leute gefragt. Wir haben am Ende aber vor allem unsere eigene Packliste gemacht.

Hier sind ein paar Dinge, die wir unbedingt gebraucht haben und einige Sachen, die wir unbedingt hätten zuhause lassen sollen.

Neben all dem üblichen Rucksackinterieur haben wir hier unsere Kuriositäten aufgelistet:

Von uns auf jeden Fall benötigt:

Mückennetz  – Überall, wenn man sich unsicher ob der Mückenplagerei fühlt, kann man mit 2 bis 3 Handgriffen das Netz im Raum befestigen. Zusätzlich sollte man an Sicherheitsnadeln und Schnur denken. Meistens finden sich jedoch genügend Befestigungspenökel im Raum.

Taucherbrille/Schnorchel – In vielen Resorts oder Hostels kann man sich so etwas ausleihen. Aber zum einen kostet das Geld und zum anderen haben wir solches Gerät oft bei Couchsurfern benutzen können, die am Strand gewohnt haben.

Universalstecker – hilfreich, wenn möglichst klein.

Longyi/Strandtuch – Tja, für einen Longyi müsste man jetzt nach Myanmar oder Sri Lanka reisen, aber ein Strandtuch ist zum kurztemporären Umwickeln und zum längertemporären Draufliegen ziemlich praktisch.

dünner Schal – Im Flugzeug, im Bus oder ganz selten auch mal abends wird es doch mal frisch, allerdings nur so kühl, dass ein Pullover oder eine Jacke übertrieben scheint. Ein dünner Schal ist da genau das Richtige. Man kann sich hieraus auch sehr gut einen Sonnenschutzturban wickeln. Desweiteren kann man sich mit einem dünnen Tuch die Schultern vor der Sonne schützen.

Enge Unterhosen – Herzlichen Gruß an die Männerwelt. Wenn man sich 24 Stunden in feuchtwarmem Klima bewegt, sind enge Unterhose auf jeden Fall den weiten Boxershorts vorzuziehen.

Feuchte Hygienetücher – Wenn man sich den ganzen Tag in einer staubigen und smoggigen Großstadt bewegt, kann es sehr angenehm sein, wenn man sich bei Café-Pausen den Schweiß und den Staub aus dem Gesicht wischen kann. Sicherlich kein supernotwendiges Accessoire, sondern vielmehr ein kleiner Luxusartikel, damit man in der Hitze noch ein wenig weiter durchhält.

Buchstabensuppe – der salzig wässrige Begleiter bei jedem Durchfall.

Gesundheitstees – Sei es, dass man sich einen Schnupfen eingefangen hat, dass man Bauchschmerzen hat oder dass man sich manchmal auf eine gustatorische Heimreise begeben möchte. Diese kleinen Beutelchen nehmen nicht viel Platz weg und helfen doch ungemein.

USB-auf-Mikro-USB-Stick – Unser kleiner Helfer hat das Übertragen und Speichern von handygemachten Fotos ermöglicht.

Mückenschutz – Wir hatten Nobite dabei. Hierbei sollte man allerdings darauf achten, dass von dem Spray nichts auf die Schleimhäute gelangt. Also am besten vor der Tür einsprühen.

Annes ultimative Klotasche – In vielen Orten in Südostasien gibt es kein Klopapier. Wer keine Lust hat, sich mit der Klodusche abzuspritzen, sollte daher für den Fall der Fälle immer ein Stück eigenes Klopapier bzw. feuchte Intimpflegetücher dabei haben. In einer kleinen handlichen Klotasche kann man je nach Bedarf Folgendes verstauen: Klopapier, Hygienetücher, ein Stückchen Seife (am besten in einer kleinen Dose), einen Tampon, eine Slipeinlage, Intimpflegetücher, feuchte Tücher fürs Gesicht, evtl. einen kleinen Kamm, evtl. ein Haargummi, eine Kopfschmerztablette usw.

 

Zum Couchsurfen:

Postkarten/Reisevisitenkarten – Wir haben manchmal einen kleinen Dankeschöngruß in der Wohnung versteckt. Dort haben wir zusätzlich unsere Blogadresse und/oder einen Facebookkontakt draufgeschrieben.

Spaghetti/Instanttomatensoße – Wenn man etwas mitbringen möchte, aber keine Zeit zum Einkaufen findet, kann man sich so etwas bereit halten und seine Gastgeber mit etwas Selbstgekochtem verwöhnen. Natürlich nur, wenn man noch Platz im Rucksack hat.

Seidenschlafsack – Nicht jeder Gastgeber kann ein frischbezogenes Bett anbieten. Ein eigener Schlafsack macht jeden Reisenden zum pflegeleichten, unkomplizierten Gast.

Freundschaftsbänder – oder Souvenirs von unterwegs sind nette Mitbringsel oder kleine Dankeschöns. Wir hatten immer einen Schwung davon in der Hosentasche und haben die jetzt auf der ganzen Welt verteilt.

 

Auf jeden Fall nicht:

Socken – Wir haben insgesamt 6 Paar Socken zuviel mitgenommen. Wir hatten nämlich insgesamt 9 Paar Socken mit. Ehrlich gesagt haben wir in 4 Monaten Asien überhaupt nie Socken getragen. Man braucht ein Paar Socken, um von der Haustür zum Flughafen zu kommen und dann erst wieder auf dem Rückweg.
Anne hatte noch ein Paar Wollsocken dabei, welche sich auf längeren, klimatisierten Fahrten bewährt haben.

Schuhe – Geschlossene Schuhe haben wir benötigt, um von der Haustür zum Flughafen zu kommen. Ansonsten nie. Falls man in den Dschungel geht, machen geschlossene Schuhe Sinn. In den Städten, am Strand oder sonst überall ist man mit Flipflops sehr gut beraten;
und die kann man sich sehr günstig an jeder Ecke kaufen.

Wandersandalen – haben wir überhaupt nie gebraucht. Alle Wege, auch die Wandertouren, sind weitestgehend Flipflop-fähig. Wenn man doch eine mehrtägige Dschungel-Trekkingtour plant, sind knöchelhohe Wanderschuhe mit A-Profil angebracht.

Reisezahnbürste – Diese zusammensteckbare oder zusammenklappbare Variation einer Zahnsäuberungsmaschine ist sehr teuer und spart letztendlich nur einen miniminimini Platz ein. Zahnbürsten gibt es überall in den Supermärkten zu kaufen.

Glänzender Schmuck – In vielen Ländern wird vor Straßendieben gewarnt, die einem die Glitzerdinger direkt aus den Ohren reißen. Ungeachtet dessen, ob sie damit verletzen oder nicht. Dezenter Schmuck oder gar keiner ist hier angebracht.

Schminkzeug – verwischt nur beim Schwitzen. Gerade beim Langzeitreisen macht wohl jeder irgendwann die Entdeckung, dass man sich seit 3 Wochen nicht mehr im Spiegel betrachtet hat. Schminken wird zur Nebensache.

Tipps von den Locals

Der Urlaub ist eingereicht.
Der Flug ist gebucht.
Der Rucksack ist schon vom Dachboden geholt worden.
Es geht bald los.

Wie bereitet man sich am besten auf ein Land vor? Na klar, man kann einen Reiseführer lesen. Irgendeinen; es steht ja meistens eh überall dasselbe drin.
Aber wie noch?

Man könnte an einem verregneten Tag einen Film gucken. Aber welchen?

Man könnte sich auch auf dem Weg zur Arbeit Musik anhören. Aber welche?

Man könnte die Sprache lernen. Aber welche Wörter zuerst?

Man könnte auch das Essen probieren… Nee, besser nicht.

Reiseführer bieten einen Anfang. Unserer Meinung nach verschwimmt jedoch durch das Überangebot an Informationen schnell das Persönliche, die Beziehung zum Land. Wir haben unseren Couchsurfer die gleichen Fragen wie oben gestellt und Antworten bekommen, die wahrscheinlich in keinem Reiseführer zu finden sind.

Um diese Seite gemeinsam voranzutreiben, gibt es jetzt eine Mitmach-Aktion. Falls jemand gern ein Stück von seiner Heimat mit uns und den anderen Lesern teilen möchte, kann man das hier tun:
https://tanzdurchasien.wordpress.com/2016/08/30/mitmach-aktion/

Falls ihr den Tipp von einem Freund, Arbeitskollegen, Verwandten im Ausland haben wollt, dürft ihr denen gerne bescheid sagen, was hier passiert.

Die englische Version findet ihr hier:
https://tanzdurchasien.wordpress.com/2016/08/30/mitmach-aktion-english-version/

Also setzt euch zusammen vor den Rechner oder motiviert die ganze Welt und schreibt eure persönlichen Lieblings-Tipps auf, sodass hier nach und nach ein kunterbunter Abriss von uns und für uns entsteht.

Wir freuen uns darauf.

 

Innenseitervorschläge, die wir schon haben

Vietnam:

Thanh

die Philippinen:

Joan

Kevin

Lorenzo

Thailand:

Itthy

Moritz‘ Tour durch Bangkok

 

 

Alle Tipps von den Locals aus der ganzen Welt findet ihr hier:

https://tippsvondenlocals.wordpress.com/

28.04. – 30.04.: Die 45°C-Wende in Bagan

Von Mandalay nach Bagan

Die Fahrt von Mandalay nach Bagan war schauklig und ruckelig. Aber ansonsten unspektakulär. Wir sind von dem unebenen Highway (zwischen Mandalay und Yangon) irgendwann auf eine Nebenstrecke Richtung Bagan abgebogen. Das weiße Mittfünfziger-Pärchen vor uns hat minutenlange Abschnitte der langweiligen, öden Straße gefilmt. Mehrfach. Da möchte ich nicht Kind sein, das sich diese 3-4-Minutenfilme angucken muss. Man hat wirklich nichts gesehen. Die Landschaft wurde immer eintöniger, die Straße immer schlechter. Immer mehr Palmen und Einöde neben der Straße. Ab und zu mal vereinzelt ein Häuschen oder eine Bananenblätter-Bambus-Hütte. Wer hier wohl wohnen mag. An der Straße war wirklich nichts. Keine sichtbare Viehzucht, keine erkennbare Landwirtschaft. Wobei die Palm snchon so angelegt worden sind, dass sich eine Felderstruktur erahnen ließ. Da aber momentan Trockenzeit ist, stellt sich uns die Frage, ob die Felder nur einmal im Jahr (in der Regenzeit) bewirtschaftet werden?!

Willkommen in Bagan

Angekommen in Bagan, schlug uns der heiße Wind entgegen. 15.00 Uhr = 45°C. Als wenn man sein Gesicht in den gerade aufwärmenden Backofen hält. Nur halt die ganze Zeit. Erschöpft von der Fahrt sind wir in ein sehr touristenorientiertes, junges Restaurant (Weatherspoon) eingekehrt und danach ins Bett gefallen.

Bagan ist ein Tempelfeld von 42 Wüsten-km², das wollten wir am nächsten Tag per Fahrrad erkunden. Es gab dort zwar auch E-Bikes (E-Motorroller) zu mieten, aber da auffallend viele Touristen (geschätzt jeder dritte) eine frische Verletzung oder alte Narben an Ellbogen oder Knie hat, wollten wir dann doch lieber auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten.
Also Fahrrad. Ab 11.00 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass muskuläres Fortkommen unmöglich erscheint. Deshalb sind wir um 5.30 aufgestanden und in aller Frühe losgeradelt. Durch trockene Steppenlandschaft, vorbei an verschiedensten heiligen oder meditativen Orten. Alle aus roten Ziegelsteinen erbaut. Teilweise begehbar, teilweise mehrstöckig, teilweise mit mehreren Stupas drumherum. An jeder größeren Sehenswürdigkeit hießen uns die üblichen verdächtigen Ramsch-Andenken-Aufdränger willkommen. Sehr freundlich führten sie uns herum und beschrieben uns ungefragt in brüchigem Englisch irgendwelche Sehenswürdigkeiten an dem jeweiligen Tempel. Anschließend ging es dann zu der Hauptattraktion: ihrem eigenen Verkaufsstand.

Erkenntnis des Tages:
Stupa = vergoldeter, glockenförmiger Bau, der meistens um eine Reliquie (z.B. ein Haar Buddhas) errichtet wurde
Pagode = die Stupa und das Drumherum
Tempel = begehbares Meditationszentrum, verschiedene Hallen
Kloster = Wohnort für Mönche

Tempelfeld Bagan

Jeder größere Herrscher oder deren Frauen oder Nachkommen, jeder Minister, jeder Feldherr, jeder wohlhabende Kaufmann oder jeder, der es sich halt leisten konnte, hat mehrere Stupas/Pagoden gebaut. Je mehr, desto mehr Karma. Dabei ging es wohl zum einen darum, seine Gläubigkeit zu demonstrieren, zum anderen aber wohl auch darum, sein Karma so weit aufzubessern, dass man in dem nächsten Leben zumindest als Mensch wiedergeboren wird.

In und um dieses Tempelfeld herum gab es wohl mal eine riesige Stadt, deren Holzwohnhäuser in mehreren Bränden zerstört worden sind. Auch Holz- und Stuckverzierungen an den Stupas sind größtenteils verschwunden. Selbst von den Wandmalereien im Inneren ist nur noch ein Bruchteil zu erahnen. Seit einigen Jahrzehnten beteiligen sich alle Menschen, die es sich irgendwie leisten können, an der Restaurierung und dem Wiederaufbau der vielen alten Pagoden. Dabei wird relativ wenig Wert auf originalgetreue Restaurierung gelegt, was dazu führt, dass sich alte Architektur mit neuen Glaubensbekundungen des Buddhismus vermischen. Ein interessantes Nebeneinander von Alt und Neu, was sich hier keineswegs gegenseitig ausschließt.

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Bagan besticht vor allem durch die enorme Vielzahl (rund 3400 Ziegelsteinanlagen) und die riesige Fläche (42 km²), über die sich diese roten Gebilde erstrecken. Und durch die Hitze.
Wie hat sich damals vor fast 900 Jahren über mehr als 300 Jahre eine solche Hochkultur etablieren und halten können?
Wie haben die Menschen damals Ernährung, Be- und Entwässerung organisiert?
Und warum das alles in einer solch trockenen und unwirtlichen Gegend?

Abends zum Sonnenuntergang haben wir uns nochmal rausgewagt. Selbst jetzt war es immer noch so warm, als würde einem die Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht pusten – aber nicht die gekühlte, sondern die, die auf der andere Seite rauskommt. Also ab auf ein Tempelfeld, schnell essen und ins Bett. In dieser Hitze lässt es sich nicht aushalten, deswegen wollten wir am Folgetag direkt nach Yangon weiterreisen.

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Um Bagan, eines der Haupttouristenziele für die meisten Reisenden, aber nicht gar so stiefmütterlich zu behandeln, haben wir immerhin noch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mitgenommen. Eine gute Entscheidung. Wir sind um 4:30 aufgestanden und haben auf einer Pagode sitzend einen wunderschönen Sonnenaufgang über dieser skelettartigen Bagan-Stadt genossen. Um uns herum mehrere Fotoapparate. Die Menschen dahinter haben auf ihren Handys gespielt und Facebook gecheckt, bis die Sonne sich über den Horizont schob. Dann ein Langzeitbelichtungsbild und der ganze Zauber ist dokumentiert und festgehalten für die Ewigkeit. Damit man sich zu Hause daran erinnert, wie schön man es doch hatte.

 

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Von Bagan nach Yangon

Um 6.00 gab‘s Frühstück, um 8.00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Busbahnhof gebracht und dann ging es los – die bisher komfortabelste Fahrt. Der Elitebus (der Name ist Programm) war angenehm klimatisiert auf ca 26°C. Trotzdem Decken. Saft. Wasser. Gebäck. Jeder Sitz hatte einen Fernseher mit mehreren, sogar englischsprachigen Filmen. Begeistert haben wir uns auf dieser 10-stündigen Fahrt angefangen, einen Film anzusehen. Leider ist dieser immer wieder abgestürzt oder der Ton war um ein paar Sekunden verschoben. So wurde aus einem 120- Minuten Film ein 5-stündiges, multiemotionales Gedulds-Entertainmentabenteuer mit Leonardo DiCaprio.

Willkommen in Yangon

Am Busbahnhof in Yangon wurden wir von Taxifahrern umgarnt wie von Mücken im schwedischen Smaland. Wir wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht vielleicht ein Taxi wollten. Dabei war es dem zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Taxifrager egal, dass wir den ersten und alle anderen danach abgelehnt, zurückgewiesen oder ignoriert hatten. Am Schluss haben wir dann einfach die Geschichte erfunden, dass wir mit einer organisierten Tour fahren. Das hat ungefähr so geholfen wie Mückenspray: Es kamen immer mal wieder welche an und haben gefragt, sind dann aber schnell wieder verschwunden.

In Yangon sind Motorräder, Motorroller und Tuktuks verboten. Das heißt, alles ist voller Autos. Das ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem wird uns eigentlich schon an den motorisierten Zweiradverkehr gewöhnt hatten. Dafür macht man hier offensichtlich alle Wege mit einem Taxi. Die kosten verhältnismäßig wenig. So haben wir beispielsweise für die 50-minütige Tour vom Busbahnhof zu unserem Hostel umgerechnet etwa  nur 5 Euro bezahlt.

Abends hat sich die Stadt leider erstmal von ihrer schlechteren Seite präsentiert. Es gab in der näheren Umgebung des Hotels leider nur ein Restaurant (ansonsten verdächtig aussehendes Streetfood). In diesem Restaurant roch es nach Rauch und Abwasser. Das Essen war zwar sehr lecker, aber bei dem Geruch leider nur noch halb so schmackhaft. Im Hostelzimmer roch es leider nach dem anderen Extrem: nämlich nach Chlor und Chemikalien die ganze Nacht hindurch.
Morgen werden wir uns ein neues Zimmer nehmen.

27.04.: endlich Urlaub

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Entspannung. Nach zu vielen Stunden in der Sonne und den zwei Pool-Enttäuschungen wollten wir vor allem eines: schwimmen und uns abkühlen.

Davor trafen wir uns aber noch mit Ye. Er zeigte uns das größte Buch der Welt: 729 Marmortafeln, in die die buddhistische Lehre eingemeißelt ist, eingebettet in je eine weiße Stupa. Direkt gegenüber gibt es sozusagen das Nachwort: 1774 Marmorblöcke mit Kommentaren zum Buch. Lesen wird das wohl keiner ernsthaft, aber es geht hier wohl vor allem darum, einen Rekord aufzustellen.

 

Zum Mittagessen durften wir uns etwas wünschen. Die Wahl fiel sehr schnell auf: Hauptsache westlich. Nach drei Wochen fried rice war unser Heißhunger nach etwas „Normalem“, am besten Unfrittiertem, irgendetwas mit viel Geschmack, enorm groß. Ye brachte uns in ein schickes, westliches Restaurant. Schon beim Eintreten konnte man erahnen, in welcher Preisklasse sich das Essen bewegen würde. Denn in Asien gilt: je schicker das Lokal, desto kühler der Raum. Die Temperaturen waren frostig – ein starker Kontrast einerseits zu den 42°C Außentemperatur und andererseits zu den burmesischen Essenspreisen, die wir von vorher gewohnt waren. Wir bestellten uns Spaghetti bolognese und Pizza – zugegeben, viel gesünder als das burmesische, frittierte Einerlei war das auch nicht, aber es war eine Wohltat für Gaumen und Seele.

Und dann kam der Höhepunkt des Tages: ein Pool im Schatten von Bäumen, ruhig gelegen in einem kleinen Hinterhof. Perfekt – genau das hätten wir gestern gebraucht und auch haben können, wenn wir unserem Taxifahrer vertraut hätten. Umso größer war die Freude, die Mittagshitze im kühlen Nass zu verbringen. Danach gab’s noch einen Eiskaffee im Nylon Ice Cream – der perfekte Urlaubstag. Und Ye, der Schlingel, hat uns beim Schlafen fotografiert.

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Zum Abschluss unserer Zeit in Mandalay sahen wir uns das berühmte Marionettentheater an. Alle Handwerkskünste, die wir zuvor in den verschiedenen Werkstätten bestaunt hatten, fanden hier in den Puppen ihre Verbindung: kunstvolle Holzschnitzereien mit fein gewebten und bestickten Stoffen.

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Wettstreit Mensch gegen Puppe

26.04. Davon, dass wir alles wollten…

Mir ging es inzwischen schon wieder besser. Wir hatten uns dazu entschieden, uns für einen halben Tag ein Taxi zu mieten, um uns in und um Mandalay herum ein wenig das Dorfleben anzugucken. Ein englischsprachiger Taxifahrer sollte es sein. So etwas Ähnliches hatten wir in Mawlawmyaine schließlich auch schon gemacht, dann würde uns das sicherlich auch hier gefallen. Ein paar Werkstätten, Kunsthandwerk, das Landleben. Irgendwas Ruhiges halt. Bloß keine Pagoden und Tempel mehr, davon hatten wir erstmal genug. Und dann während der Mittagshitze am Pool entspannen, immer wieder abkühlen. Das ist sicherlich nicht zu anstrengend und nach so einer Krankheitsphase auch genau das Richtige. Abends auf den Mandalay Hill und romantisch den Sonnenuntergang genießen. Es soll dort laut Reiseführer sehr schön sein.

Guter Plan! Nach Sagaing sollte es gehen, kurz vor Mandalay. Etwas dörfliches Landleben. Super!
Der Taxivermittler an der Straße guckte  uns bei unserem Plan mit großen Augen an, schlug uns aber doch noch ein paar Sachen vor und machte einen fairen Preis.
– Wieso große Augen? Hat der unseren Plan nicht verstanden. Sein English war auch nicht das beste und… Naja, erstmal los.
Der Taxifahrer selbst konnte ganz gut Englisch, hat aber auch die Stirn gerunzelt, mit den Schultern gezuckt und gelächelt, als wir meinten, dass wir in Sagaing eher Handwerksläden als Pagoden sehen wollten.
Warum? Der Wunsch ist doch jetzt wirklich nicht so blöd… Oder hat der uns nicht verstanden?

 

Auf dem Weg, aber noch in Mandalay, lag eine beeindruckende Holzwerkstatt, die spannende Wandtafeln gebeitelt haben. Foto machen und weiter nach Sagaing. Dort wurde uns die ganze Stirnrunzelei klar: Unsere Wunschstadt bestand aus mehreren hundert Pagoden, Stupas, Tempeln. Ein riesengroßes Tempelareal mit zwar wunderschönem Ausblick, aber halt unmöglich, nicht in eine Pagode zu gehen.

 

Entschuldigung Jungs, wir haben euch unrecht getan.
Anschließend, so hatte uns der Taxitourvermitteler angepriesen, wollten wir ja nun nach Awe, ein kleines Dorf in der Nähe, was man über eine Allee erreicht.
– Dorf! Schön!
Inzwischen war es 13.30 Uhr und es wurde langsam unerträglich warm. Wir wollten ja eigentlich in den Pool.
– OK, nur kurz dieses Dorf, aber wir bleiben nicht lange und steigen auch nicht aus dem klimatisierten Auto aus!
Leider muss man zu diesem Dorf über einen Fluss übersetzen und hätte dann noch 2 Stunden durch das Dorf spazieren können. Wir haben uns dann vor Ort doch dagegen entschieden. Der Taxifahrer schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern, lächelte und drehte wieder um. Kurz noch zu so ner Aussichtspagode, die wir eher stiefmütterlich betrachteten… Es war so heiß.
– WIR WOLLEN INS WAAASSSER….!

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Zurück in Mandalay (15.00 Uhr) sind wir nicht zu dem vom Taxifahrer vorgeschlagenen Hotel mit Pool gefahren (das lag zu weit weg), sondern zum Mandalay Hill Resort. Das liegt direkt auf dem Weg zum Mandalay Hill und wir haben mit dem Taxifahrer vereinbart, dass er uns um 17.00 Uhr mit genügend Zeit für den Aufstieg abholen soll. Und das Resort hatte einen Pool. Und zwar was für einen. Wow. Zum Schwärmen.
– Hier können wir richtig entspannen.
Nur leider für 42.000 Kyat ( = ca. 30 Euro). Für uns entschieden zu teuer. Also sind wir kurzerhand mit einem zweiten Taxi, unser erstes war ja weg, zu einem anderen Hotel in der Nähe gefahren. (Das vom ersten Taxifahrer vorgeschlagene Hotel ist leider 30 Minuten weit weg und damit unerreichbar.) Das andere Hotel hatte leider kein Wasser im Becken, also mussten wir uns auf diese unbequemen Holzstühle vor der Aircondition an der Rezeption setzen, darauf warten, dass der zweite Taxifahrer zurück kommt, uns zum Resort fährt, damit der erste Taxifahrer uns abholen kann, um auf den  Berg zu fahren.
– Wow… Aircondition auf Holzstühlen ist fast genau so schön wie schwimmen und liegen unter Palmen…
Unsere Stimmung war auf dem Party-Höhepunkt angelangt, während wir auf den Stühlen immer weiter runter rutschten.

Nach 1,5 Stunden Warten mit dem zweiten Taxi zurück zum Resort, dort in unser erstes Taxi, dann auf den Berg. Zum Glück diesmal ausreichend rechtzeitig, dass wir den Sonnenuntergang miterleben können (wir haben uns in der jüngeren Vergangenheit aus Versehen ein wenig gestresst und sind etwas zu oft zu spät zum Sonnenuntergang gekommen).

Dort angekommen, kann man mit einer one-way-Rolltreppe in einem extra dafür gebauten Hochhaus ohne Etagenböden direkt auf die Sonnenuntergangspagode fahren. Es gibt auch einen Aufzugturm. Dierekt daneben.

 

Wieder mal ein schönes Beispiel für Note 4 „ausreichend, Aufgabe nicht verstanden“. Kenn ich noch aus der Schule, hab ich auch mal bekommen.
Oben war es dann aber wirklich schön. Für meinen Geschmack etwas zu viele Touristen und zu viele burmesische Schulklassen, die ihr Englisch an den Touristen ausprobieren wollen. Aber sehr schön. Eine grandiose Aussicht über Mandalay. Eine Stadt noch fast ohne Hochhäuser, sehr viele Bäume und mit einem weiten Blick auch über das Umland.
Wir warten also auf den Sonnenuntergang.
15 Minuten.
Die Sonne ist noch ziemlich weit oben, aber wir wissen aus Erfahrung, dass das ganz schnell geht und auf einmal ist sie weg.
30 Minuten.
Ziemlich lange… Die Pagode ist auch wiedermal sehr schön. Ich habe die schon 2x umrundet.
45 Minuten.
Die Füße tun schon ein bisschen weh von der ganzen Steherei.
60 Minuten.
Jetzt, wo wir endlich mal Zeit haben, will die Sonne einfach nicht untergehen.
Man, Sonne, jetzt mach endlich diesen romantischen Sonnenuntergang, damit wir wieder nach Hause können!
Nach Annes Spruch „Naja, ist doch ganz schön, der Ball in der Pfütze!“ sind wir dann einfach wieder runter gefahren. Die Sonne war zwar noch nicht untergegangen, aber es war schon schön rot am Himmel. Der Taxifahrer schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern, lächelt und fährt uns zurück zum Hotel.

 

Abends haben wir noch Ye getroffen. Ye ist ein junger Couchsurfer, der sich unbedingt mit uns verabreden wollte. Ye hat in Mandalay Deutsch als Fremdsprache studiert und kam gerade von einem Intensivkurs aus Deutschland zurück. Er war super freundlich und wir haben uns direkt für den nächsten Tag zur Stadtrundfahrt verabredet.

24.04.: Unwetterabenteuer

Heute lag Jonas flach. Meine Stadterkundung beschränkte sich also auf Wasser-, Reis- und Medikamentenkauf in Laufweite des Hotels. Da es mal wieder höllisch heiß war (schon am Vormittag 40°C – unglaublich!), war ich aber ohnehin nach jeder kleinen Tour schon wieder klimaanlagebedürftig.

Die paar Blocks nach links und rechts, die ich zurück legte, reichten aber auch, um einen kleinen Einblick in die Stadt und ihre Menschen zu bekommen. Ich war ja sehr langsam unterwegs und vor allem allein – zum ersten Mal seit drei Wochen. Dementsprechend oft wurde ich von allen möglichen Leuten angesprochen. Ich fand das ziemlich schön, weil es mich sehr an meine Reise vor 2 Jahren erinnerte, als ich nach ein paar Tagen an einem Ort auch immer schon diverse Mopedfahrer, Kellner, Verkäufer und Nachbarn zu meinem neuen Bekanntenkreis zählen konnte, die mich jedes Mal freudig begrüßten, wenn ich wieder vorbeikam. Hier waren wir ja bis jetzt immer zu zweit unterwegs gewesen und irgendwie stehe ich da als Frau eher im Hintergrund. Die meisten Leute auf der Straße begrüßen Jonas, finden seine neue Frisur oder seinen Bart toll, klatschen ihm in die Hände und dergleichen, aber mir werfen sie meistens nur einen kurzen Blick zu.

Heute war es zum ersten Mal anders. Ich wurde von diversen Mopedfahrern angesprochen, unterhielt mich ein bisschen mit einer Wasserverkäuferin, hatte einige Konversationen mit dem Angestellten in unserem Hotel und wurde von den Jungs der Eisdiele überredet, mir dort später ein Eis zu kaufen. Nylon Ice Cream ist übrigens Gold wert: die bekannteste Eisdiele der Stadt, direkt vor unserem Hotel. Es gibt dort Shakes, Desserts, Joghurt und sogar Pudding. Sehr gut, um sich von der Hitze zu erholen und sich mal etwas Gutes zu gönnen.

Wie auch schon vor zwei Jahren, so habe ich auch heute erfahren dürfen, wie fürsorglich und hilfsbereit die Leute sind, v.a. wenn man als Frau allein unterwegs ist. Natürlich kommen ab und zu auch ein paar flirtige Sprüche, aber es hält sich doch sehr in Grenzen und wirklich nervig wurde es nicht. Freundliche Blicke und nette Gesten überwiegen auf jeden Fall.

Gegen 18 Uhr brach ich nämlich auf, um mir etwas zum Abendessen zu suchen. Ich hatte mich den ganzen Nachmittag nicht weit vom Hotel wegbewegt, weil ich erstens Jonas nicht allein lassen wollte und zweitens dachte, es würde am Nachmittag wieder gewittern. Kurz vor 6 sah der Himmel aber blau aus und die wenigen Wolken harmlos. Ich ging los. Mein Ziel lag nur 3 Blocks entfernt. Beim ersten Block fielen die ersten dünnen Tropfen. Sie wurden sehr schnell dick und fett. Ein bisschen Regen kann nicht schaden, dachte ich mir und lief langsam weiter. Beim zweiten Block zog sich der Himmel schon merklich zu und es fing an, zu grummeln und zu donnern. Ich lief ein bisschen schneller, verlief mich dummerweise dabei, und irgendwann, als ich kurz vor dem Restaurant war, in das ich wollte, fing es auch noch an zu blitzen und zu hageln.

Hagel hatte ich noch nie in Asien gesehen – die Einheimischen scheinbar auch nicht. Wie Kinder beim ersten Schnee rannten sie mit Schüsseln aus den Häusern, um die Hagelkörner einzusammeln. Manche boten mir ihre eingesammelten Körner an. Was ich damit anfangen sollte, wusste ich nicht, bis ich sah, dass einige Leute sie sich direkt in den Mund schoben. Interessante Form der Abkühlung. Wahrscheinlich waren die Körner vom Aufprall auf den Boden auch nicht viel dreckiger geworden als sie es ohnehin sind, aber darauf hatte ich trotzdem keine Lust. Außerdem war es innerhalb der wenigen Minuten auch schon merklich abgekühlt und ich wollte noch schnell ins Restaurant kommen, bevor das große Gewitter losging. Keine Chance. Auf einmal war das Gewitter direkt über uns: schwarzer Himmel, peitschender Regen, Sturm, Blitze und Donner ganz nah. Ein paar indisch aussehende Frauen zogen mich von der Straße weg unter ihren Unterschlupf. Ich wartete kurz und wollte dann weiter, aber eine von ihnen bestand darauf, mich zu begleiten. Ich überlegte, dass ich das Angebot annehmen und mich doch direkt ins Hotel zurückbringen lassen sollte, denn inzwischen wurden auch die Einheimischen leicht panisch; die Mopeds fuhren schnell und hupend durch den Regen, Schirme und Unterstände flatterten im Wind und alle wuselten aufgeregt herum.

Die Frau nahm ihren Schirm, hakte mich unter und marschierte mit mir durch den Regensturm. Wir kamen nicht weit. Auf einmal hatten sich die harmlosen Hagelkörner nämlich in Tischtennisbälle verwandelt, die Blitze schlugen direkt links und rechts von uns ein und der Sturm war so stark, dass er sogar parkende Mopeds einfach umblies. Wir stellten uns unter. Neben uns ängstliche Leute, die sich hinter Metallwänden verbarrikadiert hatten. Einige Männer boten uns ihren Platz an und hielten, als der Hagel so groß wurde, dass es richtig weh tat, wenn er auf die Arme kam, den Schirm schützend vor uns. Selbst sie zitterten dabei – ob vor Kälte oder Angst, weiß ich nicht. Aber es war wirklich gruselig, v.a. weil kein Ende in Sicht war. Blätter und Äste auf der Straße, umgefallene Mopeds, Teile von Lampen und Fassaden, die lose an den Häuserwänden baumelten, ausgerissene Stromleitungen. Auch meine Begleiterin hatte richtig Angst. Sie krampfte sich in meinen Arm und versuchte, mich zu beruhigen – auf Burmesisch zwar, aber die Botschaft kam an. Irgendwie fühlte ich mich dadurch sehr gut aufgehoben.

Natürlich hörte auch dieses Gewitter zum Glück irgendwann auf. Es stürmte und regnete zwar noch wie verrückt, aber das Schlimmste schien vorbei. Die kleine Pause reichte aus, um zwei englischsprachige Männer ausfindig zu machen, die mein Hotel kannten, mich kurzerhand aufs Moped packten und durch die Wassermassen sicher nach Hause manövrierten. Meine Erleichterung war sehr groß und der Hunger, der mich eigentlich erst aus dem Hotel getrieben hatte, verflogen. Im Zimmer hatten wir unseren privaten Regenschauer erlebt: das Bad stand unter Wasser und auch ins Schlafzimmer hatte es ordentlich reingeregnet.
Lektion des Tages: Nicht dem burmesischen Wetter trauen. Aber vor allem: egal, was ist, es gibt immer jemanden, der einem hilft und der sich irgendwie für einen verantwortlich fühlt. Und das gilt hier wahrscheinlich noch mehr als bei uns.

23.04.: Es ist alles Gold, was glänzt

Mandalay begrüßt uns am zweiten Tag mit 40°C schon am Vormittag. Laufen scheint unmöglich. Von zwei Österreichern, die wir unterwegs getroffen hatten, haben wir die Telefonnummer von Mr. Thi Ha bekommen, einem Taxi-Tourguide. Im klimatisierten Auto zu den Sehenswürdigkeiten gefahren zu werden, scheint uns eine gute Alternative. Doch selbst die kleinen Zwischenstopps sind schweißtreibend und kräftezehrender als gedacht.

Als Zentrum des Kunsthandwerks hat Mandalay einiges zu bieten: Goldwerkstätten, Silberschmieden, Holzschnitzkünstler, Marionettenbauer u.v.m.
Gold

Als erstes führt uns Mr. Thi Ha in eine Blattgoldschmiede. Winzige Goldklümpchen werden hier in Bambuspapier gewickelt und dann in einer arbeits- und kraftintensiven Prozedur mehrere Stunden mit dem Hammer geschlagen, bis sie immer dünner werden und irgendwann als hauchfeine BlattgoldBlättchen verpackt werden können. Diese werden nicht nur innerhalb von Myanmar verwendet, sondern bis nach Thailand, Laos und Cambodia verschickt, um von den Gläubigen an die Buddhastatuen geklebt zu werden.

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Blattgoldherstellung: hinten Steine und Hammer, vorn eine Eier-/Wasseruhr und auf dem Tisch Bambuspapiere, zwischen die das Goldblättchen zum Behauen gelegt wird


Jade

Der zweite Halt ist der Jademarkt der Stadt. Eine ganz besondere Stimmung herrscht hier. Ausschließlich Männer laufen, in Longjis (den langen Wickelröcken) und feinen Hemden,  geschäftig umher und inspizieren mit speziellen Lampen und prüfenden Blicken die winzigen Jadesteinchen, die an etlichen Tischen angeboten werden. Nie hätte ich gedacht, dass Jade so wertvoll sein kann. Ein einziger Stein in der größe eines Daumennagels kostet ab 500 Dollar. Je weiter man ins Innere des Marktes vordringt, desto dunkler wird die Farbe der Steine und desto höher ihr Wert. In einigen Läden können dann fertige Schmuckstücke zu horrenden Preisen gekauft werden: mehrere tausend Dollar muss man für Ohrringe und Ketten blechen. Obwohl ein durchschnittlicher Jadehändler wohl ca. 25.000 Dollar Umsatz pro Tag mache, werden wohl nur die wenigsten reich damit. Dazu bräuchte man das Glück, an einen ganz besonders schön gefärbten und marmorierten Stein zu geraten.
Unglaublich, was für Werte hier in den Begen Myanmars liegen. Und traurig, zu wissen, dass der Großteil der Jadesteine direkt nach dem Abbau über die chinesische Grenze geschmuggelt wird und dem eigenen Land somit keinerlei Nutzen bringt.
Die Frauen sitzen hinter den Tresen mit den Endprodukten und versuchen diese in mehr oder weniger großen Mengen unter das Volk zu bringen.

Teakholz

Unser dritter Halt führt uns zu einer kleinen, aber reich mit Holzschnitzereien verzierten Pagode.

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Gold

Zu guter Letzt schauen wir uns an, wo all die BlattgoldBlättchen landen. Nämlich am wertvollsten Buddha der Welt. Er wurde in den letzten Jahren so über und über mit Blattgold beklebt, dass seine ursprüngliche Form schon gar nicht mehr richtig zu erkennen ist. Unser Reiseführer vergleicht ihn mit einem Michelin-Männchen in Gold. Angeblich fallen jährlich mehrere Kilo Goldstaub einfach so von ihm ab, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Und nicht nur sein Körper glänzt, sondern er hat eine filigran verzierte Krone auf, die aus unendlich vielen Rubinen, Jade und anderen Edelsteinen besteht. Angeblich ist der Buddha mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

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Michelin-Männchen auf Burmesisch
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Gläubige kleben Gold an den Buddha

Unglaublich, wieviel Wert allein in dieser einen Pagode schlummert. Und wie viel Geld auf den Straßen nötig wäre, um sich eine ordentliche Müllabfuhr, vernünftige Elektroleitungen, konstantes Internet und dergleichen leisten zu können. Aber was das angeht, passiert gerade viel im Land und die Leute blicken erwartungsvoll zur neuen Regierung – es wird sich zeigen, ob zu Recht.

Im März 2016 wurde die jahrelange Militärregierung durch eine demokratisch gewählte ersetzt. Laut Mr. Thi Ha hat sich in diesem einen Monat schon merklich etwas in dem Land getan. Beispielweise konnte er uns die 3 neuen Ampeln in Pyin Oo Lwin genau aufzählen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es überhaupt zum ersten Mal Ampeln in Pyin Oo Lwin gibt.