(PH) Tipps von Kevin

 

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Kevin und Alvin waren unsere ersten Gastgeber auf den Philippinen. Gleichzeitig waren wir ihre ersten ausländischen Gäste – also eine Premiere auf jeder Seite! Sie haben uns gut auf das eingestimmt, was das Land an Couchsurfern und Gastfreundschaft zu bieten hat.

Übrigens arbeitet Kevin freiberuflich als Online-Englischlehrer. Er freut sich immer über Leute, die mit ihm zusammen lernen wollen. Wenn ihr Interesse habt, euer Englisch aufzupolieren, dann schreibt ihn doch einfach mal an.:

http://www.facebook.com/teacher.kevin.english/

Kevin hat seine Insidertipps mit uns geteilt. Was er Reisenden in die Philippinen besonders empfiehlt, lest ihr hier:

1. Kevin, what is your favourite Filipino Music?

Anak by Freddie Aguilar. I was not born yet when that song was released but I have heard that this song was released in more than 30 countries, I think. I even heard the song while I was watching a Korean movie 2 years ago.
Check it out and sing along, if you like:

 

2. Which Filipino book impressed you most?

Noli Me Tangere and El Filibusterismo from our national hero, Jose Rizal. They are actually novels about the Spanish regime. It is a bit hard to find the German version of these books. But you can download them here:

http://www.rms-gs.de/indexa.html

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For a funny and contemporary book, you can read “Stupid is forever” from our witty and funny senator, Sen. Miriam Defenser Santiago.

http://www.goodreads.com/book/show/23665558-stupid-is-forever

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3. Is there any great Filipino movie?

Heroic movies like Jose Rizal,

https://www.youtube.com/watch?v=XGngke4P0N8

or Heneral Luna:

For more contemporary and award-winning films there are Magnifico,

https://www.youtube.com/watch?v=G-oPXydxymQ

or Kinatay,

https://www.youtube.com/watch?v=1-dQ6tsP1u0

as well as Norte: Hanganan ng Kasaysayan

https://www.youtube.com/watch?v=fDRc3vaPprY

and Ma’ Rosa:

 

4. And what is your favourite Filipino dish?

My favorite is Sinigang but the most popular is Adobo.

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5. Okay Kevin, next question.
Is there a funny phrase with which we can surprise locals?

We had 3 German couchsurfers last week and I was surprised when one of them shouted “Charot lang”. It is actually a gay lingo that means “Joke only” or “Just kidding!”.


6. Last but not least, please give us a reason why a young German traveler should visit your country!

I believe travelling is the best way to break one’s misconception about a country or place. The Philippines are known for its friendly, caring and hospitable people. The Philippines also have a little bit of everything from cultural, natural, historical, religious and man-made attractions. We also have urban and nightlife too!

07.07. – 08.07.: Mambukal und Hot Springs

Als wir an dem Mittwoch bei Lorenzo aufgebrochen sind, stand unser Plan, dass wir bis nach Bacolod kommen wollten, eigentlich fest. Nachdem wir Mr. Weltreise in Naga City verabschiedet hatten, kam direkt eine Nachricht von der Couchsurferin aus Bacolod, dass, wenn wir etwas sehen wollen würden, wir uns Mambukal angucken sollten. Mambukal liegt vor Bacolod. Also gut. Es wurde mal wieder mit Plänen geschmissen. Das machte aber nichts, wir hatten ja Zeit.

Wir sind von Toledo City auf Cebu Island nach San Carlos City auf Negros Island delfinumsäumt übergesetzt. Delfinumsäumt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Tatsächlich ist uns aber eine kleine Delfinschule von vielleicht 20 Tieren ein kleines Stück gefolgt. In San Carlos wurden wir mit einem Fahrrad inkl. Beiwagen zum Busterminal gebracht.

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Dort sind wir von einem relativ aufgeregten, kleinen Mann in einen Minivan (der wahrscheinlich viel zu teuer war) gestopft worden, ohne dass wir uns viel wehren konnten. Von Meeresniveau schraubten wir uns immer weiter, bis auf 2600m in die Berge. Ein saftiges Grün erwartete uns dort. Grün in allen verschiedenen Farbnuancen. Die Berge sind hier, ähnlich wie die Chocolate Hills, rund geformt und sehen mit dem grünen Überzug wie frisch gepudert aus. „Eine Landschaft, um Helden zu zeugen!“ (caruso, Piratenschaft Stormarn)
Wir fuhren also so dahin und kamen aus lauter „Guck-mal-hier“s, „Boah-ist-das-schön“s und „Wunderschön“s gar nicht mehr klar. Irgendwann sind wir in Murcia angekommen und durften den doch leider sehr übervollen Minivan wieder verlassen.

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Reisfelder auf der Hochebene

Mit einem Tricycle ging es weiter in das Mambukal Resort. Außer dem Tipp unserer Couchsurferin hatten wir keine weiteren Informationen darüber, deswegen war uns auch nicht ganz klar, ob die dort überhaupt Schlafmöglichkeiten haben; ergo: ob wir da überhaupt schlafen können. Egal, erstmal hin! Versuch macht kluch!

Dort angekommen, bot sich uns ein Blick für die Götter. Mal wieder.
In einem mit Urwald bewachsenen Talkessel springen diese aquathermalen Quellen aus dem Boden. Einige sogar so heiß, dass sie nicht bebadebar sind. In den anderen so angenehm, dass man sich da gepflegt durchkochen lassen kann.
Da sie glücklicherweise Zimmer hatten, checkten wir ein und vergaßen beim abendlichen Garen die Unannehmlichkeiten des doch eher sehr einfachen Zimmers für viel zu viel Geld.
Wie wir da so in der Thermalquelle vor uns hinköchelten, tröpfelte uns von oben kühler Regen auf den Kopf und sorgte dafür, dass wir nicht völlig malade wurden. Aber um‘s genau zu nehmen, wurde hier der Dreck der Straße von den letzten 3 Monaten rausgekocht. Jegliche skelattale Muskulatur wurde in unseren Körpern so entspannt, wie es kein Masseur der Welt besser hingekriegt hätte.

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Flughunde… und das war erst der Anfang

Und dann starteten über uns auch noch tausende von Fledermäusen und Flughunden. Es war absolut still. Das heißt, man hörte keine menschengemachten, mechanischen Störgeräusche, sondern nur den Klang der Natur. Bis auf den Springbrunnen hinter uns und das leise Reden der Leute um uns herum. Herrlich.

Zum Abendessen waberten wir einmal quer über die Straße in das Restaurant und bekamen dort mit Tomaten gefüllten, frischen Tintenfisch in Knoblauch- und Zwiebelsoße. Wie soll man sowas in Worte fassen? Vielleicht: Aaaaahhhh….. Hmm…… Oder *Gulb!* Ich dreh durch. Wer denkt sich denn bitte solche Gerichte aus? Wenn ich am Ende nicht satt gewesen wäre, hätte ich glatt noch einen zweiten Teller bestellt.

Also gut, wir gingen schlafen. Im Zimmer miefte es leider etwa ranzig und schimmelig, aber es war halt auch das günstigste der Anlage.

Am nächsten Tag starteten wir mit typisch philippinischem Frühstück (ich: Reis, Ei und Fleisch, Anne: Fleisch, Ei und Reis) und gingen direkt wieder in dieses Thermalbad. Eigentlich hatten wir direkt nach Bacolod abreisen wollen, aber dieses warme Wasser war einfach zu herrlich.

Gegen 12.00 Uhr sind wir auf dem Weg zum Ausgang und fallen quasi direkt in einen Schmetterlingsgarten. Vor lauter Warmwasserentspannung laufen wir mit der Kamera vor der Nase durch das kleine Gehege und machen sehr schöne Bilder, bevor uns die schaukelnde Enge der Jeepneyfahrt in die Realität zurück versetzt.

03.07. – 06.07.: Lorenzo in Moalboal

Wir haben Lorenzo kennen gelernt.

Lorenzo.
Ein Mann, der seit jeher schon auf dem Weg lebt. Seine Eltern sind damals mit ihm immer weiter gezogen, er hat eine Frau kennengelernt, geschwängert und ist rausgeschmissen worden, danach musste er als Bettler auf der Straße leben. Lorenzo ist 52 Jahre alt und ist seit 25 Jahren unterwegs. In dieser Zeit ist er schon in 50 Ländern gewesen und hat in vielen auch gewohnt. Sein Ziel ist es, in allen Ländern der Welt einmal Klavier gespielt zu haben. Lange Zeit hat er als Jazzmusiker gearbeitet und damit sein Geld verdient, jetzt arbeitet er als Übersetzer für ein Internetportal und ist damit ortsunabhängig. Lorenzo ist seit 8 Monaten in den Philippinen und ist eigentlich gerade am Überlegen, dass er weiter möchte. Er hat lange in einem Guesthouse gewohnt, sich dann aber seit 4 Monaten ein Haus gemietet.

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Und genau in dieses Haus hat er uns eingeladen. Ein wahnsinnig großes Haus mit einem wahnsinnig großen Garten mit einem wahnsinnig krassen Ausblick direkt über eine Seegraswiese, auf der jeden Morgen ca. 10 Schildkröten zum Frühstücken vorbeikommen. Es ist absolut still. Außer abends, wenn die Fischer nach Hause kommen und die frischesten Fische an die Hausfrau bringen, aber ansonsten: Nix.
Naja, bis auf seine Vorliebe, sehr laut Musik zu hören, aber zum Glück arbeitet er am liebsten nachts bis 6.00 Uhr morgens und schläft dann bis 14.00 Uhr.

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Wir haben die Zeit dort genutzt, um viel zu schnorcheln. Mit nur wenigen Schwimmzügen tut sich eine neue Welt unter einem auf: Korallen, Anemonen, und dazwischen Fische in verschiedensten Farben und Formen. Man dümpelt da so staunend herum und plötzlich hört alles auf – zumindest der Boden. Die Korallenwand fällt ganz plötzlich ganz steil ab und man sieht nur noch blau. Ein sehr tiefes, dunkles Blau. Vor diesem blauen Hintergrund leuchten die Fischschwärme noch mehr. Wunderschön.
Am Morgen bei Flut muss man nur ins Wasser stolpern und die Stelle mit dem saftigsten Seegras suchen – und schon hat man mit etwas Glück eine der Schildkröten unter sich, einige auf Armlänge Entfernung. Manche haben einen 1,50m langen Panzer – ganz schön beachtlich. Genüsslich knuspern sie am Seegras und lassen sich kaum stören. Wenn es ihnen zu langweilig wird, ziehen sie entspant weiter. Ganz bedächtig bewegen sie ihre Beine – es sieht aus, als würden sie durchs Wasser fliegen.

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Der grandiose Ausblick vom Balkon

Ich war einmal tauchen und konnte die für die Gegend berühmten Riffwände betrachten. Die Tauchmaster waren diesmal leider noch sehr jung und enerfahren und haben dementsprechend die meiste Zeit damit verbracht, selber zu tauchen, anstatt uns etwas zu zeigen. Das war eine andere Erfahrung als in Siquijor mit Ramon. Aber auch sehr spannend. Beim ersten Tauchgang hatten wir eine starke Strömung, sodass wir uns unter Wasser austarieren konnten und dann 30min auf 17m an dieser wunderschönen Korallenlandschaft vorbeigetrieben sind, ohne auch nur einen Flossenschlag zu tun. Beim zweiten Tauchgang musste ich durch ein Missverständnis mit der Tauchmasterin leider nach 40min wieder auftauchen. Zu sehen gab’s nichts besonderes. Viele bunte Fische, Korallen, Schnecken, Krabben. Das Übliche halt.

Am 04. war Montag. Montag ist Tanzen. Immer.
Lorenzo ist Jazzmusiker, der nichts aufhebt. Glücklicherweise gibt es doch dieses eine Video irgendwo in den Untiefen von Youtube, welches er uns nach langem Bedrängen gezeigt hat. Was liegt hier näher, als dazu zu tanzen?!

 

 

Während der Zeit bei Lorenzo haben wir versucht, ihn mit Essen zu versorgen – quasi als Gegenleistung dafür, dass er uns bei sich wohnen lässt. Dafür sind wir abends direkt zu den nach Hause kommenden Fischern an den Strand gegangen und haben denen den frischesten Thunfish unseres Lebens abgekauft. Schnell ausgenommen, in den Ofen und dann mit Prinzessböhnchen und Reis genossen. Was für ein Fest. An dem Abend haben wir Lorenzo auf 2 große Bier eingeladen und er uns dafür auf eine Flasche Rum, die wir auch ganz brav ausgetrunken haben. Anne hat sich höflich zurückgehalten, also MUSSTE ich wohl mit Lorenzo trinken. Um 0.00 bin ich lieber schnell ins Bett gegangen, in der Hoffnung, dass kein Kater kommt.
Kam doch einer, aber das hat überhaupt nichts gemacht. Wir haben einfach den ganzen Tag auf der Terrasse gehangen und aufs Meer gestarrt und mit Plänen geworfen.

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Superfresh White Tuna

Am Abend hatte Lorenzo Freunde aus der Gegend eingeladen, also gab‘s selbst gemachte Pizza und Thunfischsashimi. Natürlich wieder superfrisch direkt aus dem Meer. Der Thunfisch, nicht die Pizza. Lorenzo hat wieder eine Flasche Rum auf den Markt geschmissen. Die hat er dann aber mit seinem Kumpel Raul ausgetrunken. Die Stimmung war ausgelassen. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht. Dabei hatte noch nicht mal jemand Geburtstag. Aber laut Lorenzo kann man alles feiern, so zum Beispiel, dass gleich die Pizza fertig ist, dass man Gäste hat usw.: „Oh, the pizza is ready. Let’s celebrate!“ – Schwupps, wieder sind die Gläser voll.
Lorenzo hat uns ganz fleißig seine Lebensgeschichte präsentiert und kam immer wieder auf komische Ideen. Zum Beispiel hat er auf einmal spontan seine 80-jährige Mutter anrufen wollen (und es auch versucht), um ihr zu sagen, dass die seiner Tochter und seiner Exfrau nichts vererben soll. Lieber solle sie es verschenken. Sehr spontan, lustiger Typ. Irgendwann gegen 23.00 Uhr sind Raul und seine Frau los und hatten sich zum Abendessen für den nächsten Tag angekündigt. Schön war’s gewesen, alle fühlten sich sichtlich wohl.

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Wir haben auch ein paar Seeigel gesammelt, Jannette hat uns bei der Zubereitung geholfen. Wir haben sie roh gegessen.

Am nächsten Morgen kam die Schattenseite der Feierei: In der Nacht hatte jemand das Handy von unserem Gastgeber geklaut, und zwar aus seinem Wohnzimmer. Ob das tatsächlich so passiert ist, wissen wir nicht, es war auf jeden Fall weg. Lorenzos Entschluss stand fest: Er wird das Land verlassen. Morgen!

Raul und Jannett waren beim Abendessen genau so bestürzt und überrascht wie wir, konnten ihn aber auch nicht von seiner Meinung abbringen.

Also los! Und genau so wurde es auch gemacht. Die Vermieterin des Hauses hatte eine Monatsmiete im Voraus und die Kaution. Raul und seine Frau sollten sich um die Wertsachen im Haus kümmern, ansonsten hat er alles zurückgelassen. Sein Handgepäck für das Flugzeug war schnell gepackt. 2 kurze Hosen, 3 Tshirts, Laptop.

Essensreste teilweise noch auf dem Tisch.
Teller standen unabgewaschen herum.
Der Kühlschrank voller Sachen.
Die Betten nicht gemacht.
Der Müll nicht geleert.
Das Haus dreckig.
Unfertig.

Wir haben das Haus gemeinsam verlassen. Anne und ich waren so bedrückt, dass uns beinahe die Augen in den Tränen standen. Aber auch wir wollten weiter. Er wollte nach Cebu, dann spontan einen Flug nach Manila kaufen und von dort weiter nach Malaysia. Aber ob er den Plan genau so durchzieht, weiß er wahrscheinlich selber auch noch nicht. Vielleicht sitzt er inzwischen irgendwo in Sibirien. Wir sind jedenfalls um 5.00 morgens aufgetanden, wurden freundlicherweise von Raul und Jannette an die Straße gefahren und haben dort gemeinsam auf den Bus gewartet. Während der Busfahrt wurde wenig gesprochen. Eigentlich gar nicht. In Naga City sind Anne und ich ausgestiegen, um nach Toledo zur Fähre zu fahren.

Thank you. Good bye.
Ein Handschlag.
Weg.

Lorenzo.
Ein Mann, der nicht zurück blickt, sondern sich immer wieder neue Leben aufbaut.
Alles Gute, wo auch immer du steckst.

03.07.: Walhaie in Oslob

Wir haben die Nacht per Homestay bei einer sehr netten Familie verbracht. Alles war mit wunderschönen Holzmöbeln bestückt und das Wohnzimmer voller alter Familienfotos. Aufstehen sollten wir verdammt früh -um 5.30 Uhr, um es genau zu nehmen. Warum so früh, haben wir uns gefragt. Keine Ahnung. Weil man das hier so macht, hat uns die nette Gastmutter ins Gesicht gegrinst. Aufgewacht sind wir allerdings noch früher, nämlich leider schon um 4 Uhr, weil der Bratengeruch von Schweinefett in unsere Nasen geweht ist. Lange konnten wir das nicht in unsere Träume einbauen; irgendwann wurde der Geruch einfach zu penetrant und das Kichern der Nachbarn ebenfalls. Es war noch stockduster, aber die Hähne haben sich wohl von dem lustigen Treiben anstecken lassen und fingen ebenfalls um 4 Uhr an, heiser zu krähen wie eine verrostete Gießkanne. Also stolperten auch wir in den Tag und kurz nach Sonnenaufgang zu den Walhaien.

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Stromausfall am Abend vor dem Event

Tatsächlich wurden uns die Augen geöffnet, als wir dann um 6.15 Uhr bei dieser Massenabfertigung standen. Eine super durchstrukturierte Massentourismusstelle hat uns empfangen. Man musste, wie hier wohl überall üblich, an mehreren Stationen vorbei.
Station 1: Name eintragen und einen Zettel bekommen
Station 2: Vortrag zum Verhalten mit und bei den Walhaien
Station 3: Zettel vorzeigen, bezahlen, neuen Zettel kriegen
Station 4: Zettel wieder abgeben und eine Nummer gesagt bekommen. Und dann auf den Aufruf dieser Nummer warten.

Wir hatten Boot Nummer „74“. Die fangen hier um 6.00 Uhr an und jedes Boot hat 30 Minuten Zeit mit den Walhaien. Es ist 7.00 Uhr. Wir hatten die Nummer 74. 74! Wie schaffen die das? Nach 45 Minuten warten wurden wir dann endlich aufgerufen. Die Bilder, die man vom Strand aus sehen konnte, erinnerten an aktuelle Nachrichtenthemen und Bilder. Das Wasser voll mit Booten. Das Wasser voll mit Menschen. Das Wasser voll mit Schwimmwesten.

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7.30 Uhr. Jeder bekommt Schnorchelwerk und Schwimmweste und dann geht’s aufs Boot. Die Walhaie werden hier an die Küste gefüttert, sodass wir keine 2 Minuten fahren müssen, um mitten im Getümmel zu sein. Vor uns Boote, hinter uns Boote, überall Boote. Wir gehen auch ins Wasser. Ich kann gerade noch die Taucherbrille aufsetzen, als hinter mir ein Walhai auftaucht. Bzw. sein Maul sich aus dem Wasser schiebt. Wenn man die Arme ganz ausbreitet, dann geht das Maul von einer Fingerspitze bis zur anderen. Und dieses riesen Tier kommt nun direkt auf mich zu. Direkt. Doch zum Glück werde ich von einem anderen Walhai abgelenkt, der gerade unter mir durchschwimmt. Aber es dauert halt, bis 9 Meter unter einem durchgeschwommen sind. 9 Meter – das sind 4 1/2 x Zollstock.

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Überall Walhaie. Insgesammt schwimmen vielleicht 4 oder 5 Tiere um uns herum. Bei manchen hängen lustige Pilotfische in Maulnähe und versuchen, möglichst viel von dem Krill abzustauben, den die Tierwärter unaufhaltsam ins Wasser schmeißen. Unter uns war 15 m Sicht auf den Meeresgrund und natürlich allerhand Begleitgetier, das ebenfalls Krill abstauben wollte. 1m große Barsche, ein riesen Schwarm silberner Fische mit extrem großen Mund usw.

Die meisten der Bootguides haben GoProCams, welche sich die Touristen geliehen haben, und fotografieren eben diese Touristen vor den Walhaien.
Es gab eine Situation,  bei der aus versehen 3 Menschen an 3 Punkten eines imaginären Vierecks schwammen. An der vierten Ecke kam auf einmal ein Walhai angeschwommen, mitten zwischen diese Menschen. Man konnte ihm quasi ansehen, dass er sich völlig überrumpelt fühlte und eigentlich gerne dort weg wollte. Aber nach vorne ging nicht, da war so ein großes Menschenwesen. Nach links und rechts offentlichtlich auch nicht, nach oben ging nicht und nach unten wollte er irgendwie auch nicht. Also hat er sich gaaaanz langsam nach links gewendet, wahrscheinlich, weil er dort den schnellsten Schwimmer vermutet hat. Richtig so, alle haben ihm natürlich Platz gemacht, aber es hat halt 2-3 Sekunden gedauert.
Oft konnte man auch koreanische oder japanische Touristen beobachten, die ganz aufgeregt versuchten, einen Walhai ins Visier ihrer Kamera zu bekommen. Während sie sich richtig für das Foto positionierten, bemerkten sie aber gar nicht, dass hinter ihnen gerade ein riesiges anderes Exemplar auf sie zuschwamm. Der Hinweis darauf löste einen sehr lustigen Schreck-Moment in ihren Augen aus.
Noch besser war jedoch ein anderer Typ, der runtergetaucht war. Als er nach oben schoss, prallte er mit seinem Kopf direkt gegen die Brustflosse eines Walhais. Nicht nur, dass er sich gehörig erschrak, dass ihm da auf einmal was im Weg war – es muss auch unglaublich hart gewesen sein.

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Nach 30 Minuten war das Spektakel vorbei und wir sind wieder an Land gefahren worden. Noch voller Adrenalin sind wir zurück zu unserem Homestay und haben dort Frühstück bekommen. Es war 9.30 Uhr und wir haben heute gefühlt schon genug für einen Tag erlebt. Aber es war ja erst 9.30 Uhr. Eigentlich Zeit, einen Tag zu beginnen. Also sind wir an die Straße gegangen, haben einen Bus angehalten und sind nach Moalboal gefahren. Dort sollten wir unseren Couchsurfer Lorenzo treffen.

 

22.– 24.06.: Couchsurfen in Cebu

Am ersten Abend passiert nicht mehr viel. Wir unterhalten uns und fallen dann müde und erschöpft ins Bett.

Am Donnerstag, dem 23.06., führen uns Kevin und sein Freund Alvin durch die Stadt. Cebu, die Stadt, in der Magellan damals angekommen ist, ein Christenkreuz hingestellt und beschlossen hat, dass alle christlich werden. Er hat einfach angefangen, alle zu taufen und jetzt sind tatsächlich alle Christen.

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Die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist wohl die Kirche „El Niño de San Augustin“. Sie ist tatsächlich sehr schön eingerichtet. Es gibt dort allerhand Figuren von Heiligen, denen man an die Glasscheibe fassen kann, hinter der  sie eingeschlossen sind. Weiterhin gibt es dort einen Innenhof, der mit seinem Plätscherbrunnen und speienden Engelsbüsten zum Ruhen und wahrscheinlich auch zum Beten einladen soll.

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Man kann dort bei Straßenhändlerfrauen Kerzen und ein Gebet kaufen. Während die Frauen auf dem linken Bein stehen und mit dem rechten Bein einen Schritt vor und zurück wippen, reden die irgendein Kauderwelsch. Wahrscheinlich Philippinisch. Die Kerzen, die man dann bekommt, kann man vor das Magellankreuz legen und dort liegen lassen. Was mit den Kerzen genau passiert, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen.

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Auch einen Souvenirshop mit fluoreszierenden Leuchtkreuzen gibt es, wie man sie eigentlich nur aus dem Gruselmerchandise kennt und liegenden Jesusfiguren. Moment, liegende Jesusse? Eigentlich liegt doch der Buddha. Naja, hier haben die Jesus auf das Holz gemalt und das sieht auch sehr gut aus.

Ansonsten halten wir uns den ganzen Tag in verschiedenen Malls auf, die recht amerikanisch wirken. Während wir da so an den Ladenzeilen vorbeischlendern, entdecken wir überall bekannte Logos von internationalen Firmen und Marken. Der ganze Komplex ist angenehm gekühlt und fühlt sich an wie norddeutscher Frühsommer.  Endlich sind wir mal angemessen gekleidet und schwitzen nicht. Wie kommt es denn, dass ein Land mit so geringem Arbeitslohn sich gleich mehrere Malls leisten kann? Wer geht denn hier alles einkaufen und wie viele Menschen müssen hier in Armut leben, damit sich die anderen so etwas leisten können?
Auf der Dachterrasse gibt es einen Spielplatz für Kinder. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber statt Rutschen und Schaukeln gibt es hier Wasserparty pur. Leider war der Wasserpark nur für Kinder zugelassen.

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Am letzten Tag in Cebu dürfen wir die Mutter von Kevin kennen lernen. Sie hatte vor 7 Jahren einen Schlaganfall und wohnt seitdem bei ihm oder seinem Bruder. Leider ist sie an einen Rollstuhl gebunden und muss gefüttert werden. Nachdem ich kurz mit ihr gesprochen hatte und sogar ein paar Schritte mit ihr gelaufen bin, konnte ich den beiden hoffentlich ein paar gute Tipps für die Zukunft mit auf den Weg geben. Sie hat meiner Meinung nach sehr gutes Potential, wieder besser laufen zu können, könnte man sie hier bloß in einer Reha anmelden. Leider ist die Wohnung von Kevin und Alvin nur 3x5m groß, so dass die Mutter auf einer Matratze auf dem Boden schlafen muss und außer dem Fernseher nur wenig Abwechslung bekommt.

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Darf ich vorstellen: Stefanie Grace

Am 24.06. fuhren wir zum Hafen, um nach Bohol überzusetzen. Am Hafen kauften wir uns ein Ticket, bei dem wir allerhand lustige Angaben machen mussten. Name, Abfahrtsdatum, Abfahrtsuhrzeit, Alter, Unterkunft am Zielort.

Also habe ich eingetragen: Jonas Brüwer, 24.06., 11.30 Uhr, 30 Jahre, Stefanie Grace (unser Resort auf der Insel). Bekommen habe ich zwei Karten. Eine für Jonas Bruver und eine für Stefanie Grace. Wo ich die nun herkriegen sollte wusste ich auf die Schnelle nicht, stattdessen hab ich einfach Anne mitgenommen. Das war auch sehr schön.

 

22.06.: der Flug, die Flüge

Für diesen Mittwoch hatten wir uns etwas ganz Besonderes überlegt.  Wir würden um 4.30 aufstehen, um dann in Bangkok einzuchecken. Der Flug ginge nach Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Von dort aus solle es um 18.15 weiter nach Cebu City auf Cebu Island gehen. Wir würden dort relativ entspannt ankommen und dann dort, nachdem wir unser Gepäck bekommen hätten, unseren Couchsurfer treffen.

Das mit Bangkok – Manila hat auch wunderbar geklappt. Wir sind genau eine Filmlänge plus Frühstück-Bekommen geflogen. Inzwischen sind wir herrlich flugerprobt, sodass wir nahezu tiefenentspannt in Manila eingereist sind und unser Gepäck entgegengenommen haben. Dann ging das Chaos aber los. Wie eine Welle ist das über uns hereingebrochen.

Wir sind aus dem Flughafengebäude rausgestapft und haben einen Wachmann (1) gefragt, wo es zum „domestic terminal“ nach Cebu geht. „Terminal 4!“. Dafür sollten wir zum Shuttlebus in den Wartebereich nach links.
Also gingen wir nach links.
Dort angekommen, hat Wachmann 2, der im abgesperrten Bereich stand,  gesagt, dass wir zu ihm in den abgesperrten Bereich sollen. Dafür sollten wir nach rechts.
Also gingen wir nach rechts.
Wachmann 3 meinte, wir sollen wir wieder ins Flughafengebäude rein und müssten dafür das Gepäck durch den Gepäckscanner schieben.
Kein Problem. Gepäckscanner. Personenkontrolle. Rein ins Gebäude.
Wachmann 4: wir müssen nach links.
Also wieder raus und nach links.
Wachmann 5: wir müssen wieder rein.
Also Röntgenscanner, wieder rein.
Schließlich haben wir (zum Glück ohne gelben Passierschein 36a, den man im 2. OG, dritte Tür links nach Vorlage eines blauen Passierscheins 83c bekommt) diese eine unscheinbare Tür gefunden, die uns in den Wartebereich, außerhalb des Gebäudes, zu Wachmann 2 gebracht hat, gefunden. Leicht lächelnd haben wir uns bei Hilfswachmann 1 unter falschem Namen in eine Liste eingetragen – in der Erwartung, dass das eh keiner kontrolliert. Hat auch keiner.
Der Bus kam.
Wachmann 2 öffnet das Gatter und hat damit offensichtlich sein Tagewerk vollendet. Hilfswachmann 1 hat die Liste und guckt drauf, während der Busfahrer das Gepäck der Leute einlädt. Ich hätte das wohl auch selber gemacht, aber ich wollte ihn in seiner Eifrigkeit nicht unterbrechen.

Es geht quer über das Rollfeld zwischen kleinen und großen Flugmaschinen hindurch, bis wir zu einer winzig kleinen Wartehalle kommen. Wir können dort einchecken und wundern uns schon, dass der Abflug jetzt erst um 18.45 ist, sollte er doch laut Fluginformation aus dem Internet um 18.15 Uhr sein. Scheinbar wurde er verschoben. Naja.

Da wir schon gegen Mittag angekommen sind, haben wir jetzt noch gehörig viel Wartezeit. Der Versuch, in eine ehere Maschine nach Cebu umzuchecken, misslingt leider. Wir hängen in der superklimatisierten Wartehalle rum, lösen Rätsel, lesen, warten. Leider ist die Wartehalle auf etwa 14°C gekühlt, so dass wir nach fast 3 vollständigen Monaten bei kontinuierlich mehr als 25°C das erste Mal wieder ein aromatisiertes Heißaufgussgetränk trinken.

Es wird 18.30. Sie haben unseren Flug noch nicht aufgerufen. Wir wissen noch nicht mal, welches Gate wir nehmen sollen. Wir werden unruhig. Um 18.50 geht es dann doch Richtung Flugzeug. Über das Rollfeld. Zu Fuß. Zumindest ist es im Flugzeug angenehm warm.

Als alle drin sitzen- es ist inzwischen 19.20 Uhr – startet der Pilot die Maschinen und das gewohnte hochemotionale Sicherheitsschauspiel beginnt. Nur leider kommen die Darsteller nur bis zur ersten Pause. Gerade als die Stewards in die Lifejackets reinpusten wollen, geht neben der freundlichen Frauenstimme von Band auch das Licht aus. Stromausfall. Es geht die Notstromversorgung an. Die Maschinen starten wieder und der Pilot versucht zu uns zu sprechen, wird aber direkt wieder abgewürgt, weil der Strom wieder ausfällt. So sitzen wir da in dem dunklen Flugzeug bei Notstromversorgung und im Scheinwerferlicht des Gepäckbringefahrzeuges sehen wir ein LKW-großes Notstromaggregat neben unserem Flugzeug, was uns eventuell notstarten könnte. Die Leute hier nehmen das einfach so hin. Alle sind entspannt. Wir auch. Wahrscheinlich wurde unser Gemüt zusammen mit der Raumtemperatur in der Wartehalle so weit runtergekühlt, dass wir uns gar nicht aufregen können, überlegen wir.

Um 22.00 Uhr kommen wir mit 2 Stunden Verspätung in Cebu an, schleppen uns gerade noch zum Taxi und fahren dann zu unserem Couchsurfer. Der Taxifahrer versucht noch, uns zusätzliche 100 Pesos aus dem Ärmel zu leiern, weil er „versehentlich“ kurz vor Ankunft sein Taximeter mit dem Ellbogen ausgeschaltet hat. Aber zum Glück habe ich keine Lust, mehr zu bezahlen und Anne will eigentlich auch schon aussteigen und ihn freundlich ignorieren, als sich leider Kevin, unser Gastgeber, ins Auto schiebt und ihr damit den Weg blockiert. Er ist ja sehr hilfsbereit, aber manchmal muss man halt einfach gehen. Es wurde viel geredet, bezahlt haben wir trotzdem nicht. Auf Wiedersehen!