26.04. Davon, dass wir alles wollten…

Mir ging es inzwischen schon wieder besser. Wir hatten uns dazu entschieden, uns für einen halben Tag ein Taxi zu mieten, um uns in und um Mandalay herum ein wenig das Dorfleben anzugucken. Ein englischsprachiger Taxifahrer sollte es sein. So etwas Ähnliches hatten wir in Mawlawmyaine schließlich auch schon gemacht, dann würde uns das sicherlich auch hier gefallen. Ein paar Werkstätten, Kunsthandwerk, das Landleben. Irgendwas Ruhiges halt. Bloß keine Pagoden und Tempel mehr, davon hatten wir erstmal genug. Und dann während der Mittagshitze am Pool entspannen, immer wieder abkühlen. Das ist sicherlich nicht zu anstrengend und nach so einer Krankheitsphase auch genau das Richtige. Abends auf den Mandalay Hill und romantisch den Sonnenuntergang genießen. Es soll dort laut Reiseführer sehr schön sein.

Guter Plan! Nach Sagaing sollte es gehen, kurz vor Mandalay. Etwas dörfliches Landleben. Super!
Der Taxivermittler an der Straße guckte  uns bei unserem Plan mit großen Augen an, schlug uns aber doch noch ein paar Sachen vor und machte einen fairen Preis.
– Wieso große Augen? Hat der unseren Plan nicht verstanden. Sein English war auch nicht das beste und… Naja, erstmal los.
Der Taxifahrer selbst konnte ganz gut Englisch, hat aber auch die Stirn gerunzelt, mit den Schultern gezuckt und gelächelt, als wir meinten, dass wir in Sagaing eher Handwerksläden als Pagoden sehen wollten.
Warum? Der Wunsch ist doch jetzt wirklich nicht so blöd… Oder hat der uns nicht verstanden?

 

Auf dem Weg, aber noch in Mandalay, lag eine beeindruckende Holzwerkstatt, die spannende Wandtafeln gebeitelt haben. Foto machen und weiter nach Sagaing. Dort wurde uns die ganze Stirnrunzelei klar: Unsere Wunschstadt bestand aus mehreren hundert Pagoden, Stupas, Tempeln. Ein riesengroßes Tempelareal mit zwar wunderschönem Ausblick, aber halt unmöglich, nicht in eine Pagode zu gehen.

 

Entschuldigung Jungs, wir haben euch unrecht getan.
Anschließend, so hatte uns der Taxitourvermitteler angepriesen, wollten wir ja nun nach Awe, ein kleines Dorf in der Nähe, was man über eine Allee erreicht.
– Dorf! Schön!
Inzwischen war es 13.30 Uhr und es wurde langsam unerträglich warm. Wir wollten ja eigentlich in den Pool.
– OK, nur kurz dieses Dorf, aber wir bleiben nicht lange und steigen auch nicht aus dem klimatisierten Auto aus!
Leider muss man zu diesem Dorf über einen Fluss übersetzen und hätte dann noch 2 Stunden durch das Dorf spazieren können. Wir haben uns dann vor Ort doch dagegen entschieden. Der Taxifahrer schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern, lächelte und drehte wieder um. Kurz noch zu so ner Aussichtspagode, die wir eher stiefmütterlich betrachteten… Es war so heiß.
– WIR WOLLEN INS WAAASSSER….!

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Zurück in Mandalay (15.00 Uhr) sind wir nicht zu dem vom Taxifahrer vorgeschlagenen Hotel mit Pool gefahren (das lag zu weit weg), sondern zum Mandalay Hill Resort. Das liegt direkt auf dem Weg zum Mandalay Hill und wir haben mit dem Taxifahrer vereinbart, dass er uns um 17.00 Uhr mit genügend Zeit für den Aufstieg abholen soll. Und das Resort hatte einen Pool. Und zwar was für einen. Wow. Zum Schwärmen.
– Hier können wir richtig entspannen.
Nur leider für 42.000 Kyat ( = ca. 30 Euro). Für uns entschieden zu teuer. Also sind wir kurzerhand mit einem zweiten Taxi, unser erstes war ja weg, zu einem anderen Hotel in der Nähe gefahren. (Das vom ersten Taxifahrer vorgeschlagene Hotel ist leider 30 Minuten weit weg und damit unerreichbar.) Das andere Hotel hatte leider kein Wasser im Becken, also mussten wir uns auf diese unbequemen Holzstühle vor der Aircondition an der Rezeption setzen, darauf warten, dass der zweite Taxifahrer zurück kommt, uns zum Resort fährt, damit der erste Taxifahrer uns abholen kann, um auf den  Berg zu fahren.
– Wow… Aircondition auf Holzstühlen ist fast genau so schön wie schwimmen und liegen unter Palmen…
Unsere Stimmung war auf dem Party-Höhepunkt angelangt, während wir auf den Stühlen immer weiter runter rutschten.

Nach 1,5 Stunden Warten mit dem zweiten Taxi zurück zum Resort, dort in unser erstes Taxi, dann auf den Berg. Zum Glück diesmal ausreichend rechtzeitig, dass wir den Sonnenuntergang miterleben können (wir haben uns in der jüngeren Vergangenheit aus Versehen ein wenig gestresst und sind etwas zu oft zu spät zum Sonnenuntergang gekommen).

Dort angekommen, kann man mit einer one-way-Rolltreppe in einem extra dafür gebauten Hochhaus ohne Etagenböden direkt auf die Sonnenuntergangspagode fahren. Es gibt auch einen Aufzugturm. Dierekt daneben.

 

Wieder mal ein schönes Beispiel für Note 4 „ausreichend, Aufgabe nicht verstanden“. Kenn ich noch aus der Schule, hab ich auch mal bekommen.
Oben war es dann aber wirklich schön. Für meinen Geschmack etwas zu viele Touristen und zu viele burmesische Schulklassen, die ihr Englisch an den Touristen ausprobieren wollen. Aber sehr schön. Eine grandiose Aussicht über Mandalay. Eine Stadt noch fast ohne Hochhäuser, sehr viele Bäume und mit einem weiten Blick auch über das Umland.
Wir warten also auf den Sonnenuntergang.
15 Minuten.
Die Sonne ist noch ziemlich weit oben, aber wir wissen aus Erfahrung, dass das ganz schnell geht und auf einmal ist sie weg.
30 Minuten.
Ziemlich lange… Die Pagode ist auch wiedermal sehr schön. Ich habe die schon 2x umrundet.
45 Minuten.
Die Füße tun schon ein bisschen weh von der ganzen Steherei.
60 Minuten.
Jetzt, wo wir endlich mal Zeit haben, will die Sonne einfach nicht untergehen.
Man, Sonne, jetzt mach endlich diesen romantischen Sonnenuntergang, damit wir wieder nach Hause können!
Nach Annes Spruch „Naja, ist doch ganz schön, der Ball in der Pfütze!“ sind wir dann einfach wieder runter gefahren. Die Sonne war zwar noch nicht untergegangen, aber es war schon schön rot am Himmel. Der Taxifahrer schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern, lächelt und fährt uns zurück zum Hotel.

 

Abends haben wir noch Ye getroffen. Ye ist ein junger Couchsurfer, der sich unbedingt mit uns verabreden wollte. Ye hat in Mandalay Deutsch als Fremdsprache studiert und kam gerade von einem Intensivkurs aus Deutschland zurück. Er war super freundlich und wir haben uns direkt für den nächsten Tag zur Stadtrundfahrt verabredet.

23.04.: Es ist alles Gold, was glänzt

Mandalay begrüßt uns am zweiten Tag mit 40°C schon am Vormittag. Laufen scheint unmöglich. Von zwei Österreichern, die wir unterwegs getroffen hatten, haben wir die Telefonnummer von Mr. Thi Ha bekommen, einem Taxi-Tourguide. Im klimatisierten Auto zu den Sehenswürdigkeiten gefahren zu werden, scheint uns eine gute Alternative. Doch selbst die kleinen Zwischenstopps sind schweißtreibend und kräftezehrender als gedacht.

Als Zentrum des Kunsthandwerks hat Mandalay einiges zu bieten: Goldwerkstätten, Silberschmieden, Holzschnitzkünstler, Marionettenbauer u.v.m.
Gold

Als erstes führt uns Mr. Thi Ha in eine Blattgoldschmiede. Winzige Goldklümpchen werden hier in Bambuspapier gewickelt und dann in einer arbeits- und kraftintensiven Prozedur mehrere Stunden mit dem Hammer geschlagen, bis sie immer dünner werden und irgendwann als hauchfeine BlattgoldBlättchen verpackt werden können. Diese werden nicht nur innerhalb von Myanmar verwendet, sondern bis nach Thailand, Laos und Cambodia verschickt, um von den Gläubigen an die Buddhastatuen geklebt zu werden.

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Blattgoldherstellung: hinten Steine und Hammer, vorn eine Eier-/Wasseruhr und auf dem Tisch Bambuspapiere, zwischen die das Goldblättchen zum Behauen gelegt wird


Jade

Der zweite Halt ist der Jademarkt der Stadt. Eine ganz besondere Stimmung herrscht hier. Ausschließlich Männer laufen, in Longjis (den langen Wickelröcken) und feinen Hemden,  geschäftig umher und inspizieren mit speziellen Lampen und prüfenden Blicken die winzigen Jadesteinchen, die an etlichen Tischen angeboten werden. Nie hätte ich gedacht, dass Jade so wertvoll sein kann. Ein einziger Stein in der größe eines Daumennagels kostet ab 500 Dollar. Je weiter man ins Innere des Marktes vordringt, desto dunkler wird die Farbe der Steine und desto höher ihr Wert. In einigen Läden können dann fertige Schmuckstücke zu horrenden Preisen gekauft werden: mehrere tausend Dollar muss man für Ohrringe und Ketten blechen. Obwohl ein durchschnittlicher Jadehändler wohl ca. 25.000 Dollar Umsatz pro Tag mache, werden wohl nur die wenigsten reich damit. Dazu bräuchte man das Glück, an einen ganz besonders schön gefärbten und marmorierten Stein zu geraten.
Unglaublich, was für Werte hier in den Begen Myanmars liegen. Und traurig, zu wissen, dass der Großteil der Jadesteine direkt nach dem Abbau über die chinesische Grenze geschmuggelt wird und dem eigenen Land somit keinerlei Nutzen bringt.
Die Frauen sitzen hinter den Tresen mit den Endprodukten und versuchen diese in mehr oder weniger großen Mengen unter das Volk zu bringen.

Teakholz

Unser dritter Halt führt uns zu einer kleinen, aber reich mit Holzschnitzereien verzierten Pagode.

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Gold

Zu guter Letzt schauen wir uns an, wo all die BlattgoldBlättchen landen. Nämlich am wertvollsten Buddha der Welt. Er wurde in den letzten Jahren so über und über mit Blattgold beklebt, dass seine ursprüngliche Form schon gar nicht mehr richtig zu erkennen ist. Unser Reiseführer vergleicht ihn mit einem Michelin-Männchen in Gold. Angeblich fallen jährlich mehrere Kilo Goldstaub einfach so von ihm ab, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Und nicht nur sein Körper glänzt, sondern er hat eine filigran verzierte Krone auf, die aus unendlich vielen Rubinen, Jade und anderen Edelsteinen besteht. Angeblich ist der Buddha mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

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Michelin-Männchen auf Burmesisch
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Gläubige kleben Gold an den Buddha

Unglaublich, wieviel Wert allein in dieser einen Pagode schlummert. Und wie viel Geld auf den Straßen nötig wäre, um sich eine ordentliche Müllabfuhr, vernünftige Elektroleitungen, konstantes Internet und dergleichen leisten zu können. Aber was das angeht, passiert gerade viel im Land und die Leute blicken erwartungsvoll zur neuen Regierung – es wird sich zeigen, ob zu Recht.

Im März 2016 wurde die jahrelange Militärregierung durch eine demokratisch gewählte ersetzt. Laut Mr. Thi Ha hat sich in diesem einen Monat schon merklich etwas in dem Land getan. Beispielweise konnte er uns die 3 neuen Ampeln in Pyin Oo Lwin genau aufzählen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es überhaupt zum ersten Mal Ampeln in Pyin Oo Lwin gibt.