22.– 24.06.: Couchsurfen in Cebu

Am ersten Abend passiert nicht mehr viel. Wir unterhalten uns und fallen dann müde und erschöpft ins Bett.

Am Donnerstag, dem 23.06., führen uns Kevin und sein Freund Alvin durch die Stadt. Cebu, die Stadt, in der Magellan damals angekommen ist, ein Christenkreuz hingestellt und beschlossen hat, dass alle christlich werden. Er hat einfach angefangen, alle zu taufen und jetzt sind tatsächlich alle Christen.

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Die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist wohl die Kirche „El Niño de San Augustin“. Sie ist tatsächlich sehr schön eingerichtet. Es gibt dort allerhand Figuren von Heiligen, denen man an die Glasscheibe fassen kann, hinter der  sie eingeschlossen sind. Weiterhin gibt es dort einen Innenhof, der mit seinem Plätscherbrunnen und speienden Engelsbüsten zum Ruhen und wahrscheinlich auch zum Beten einladen soll.

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Man kann dort bei Straßenhändlerfrauen Kerzen und ein Gebet kaufen. Während die Frauen auf dem linken Bein stehen und mit dem rechten Bein einen Schritt vor und zurück wippen, reden die irgendein Kauderwelsch. Wahrscheinlich Philippinisch. Die Kerzen, die man dann bekommt, kann man vor das Magellankreuz legen und dort liegen lassen. Was mit den Kerzen genau passiert, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen.

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Auch einen Souvenirshop mit fluoreszierenden Leuchtkreuzen gibt es, wie man sie eigentlich nur aus dem Gruselmerchandise kennt und liegenden Jesusfiguren. Moment, liegende Jesusse? Eigentlich liegt doch der Buddha. Naja, hier haben die Jesus auf das Holz gemalt und das sieht auch sehr gut aus.

Ansonsten halten wir uns den ganzen Tag in verschiedenen Malls auf, die recht amerikanisch wirken. Während wir da so an den Ladenzeilen vorbeischlendern, entdecken wir überall bekannte Logos von internationalen Firmen und Marken. Der ganze Komplex ist angenehm gekühlt und fühlt sich an wie norddeutscher Frühsommer.  Endlich sind wir mal angemessen gekleidet und schwitzen nicht. Wie kommt es denn, dass ein Land mit so geringem Arbeitslohn sich gleich mehrere Malls leisten kann? Wer geht denn hier alles einkaufen und wie viele Menschen müssen hier in Armut leben, damit sich die anderen so etwas leisten können?
Auf der Dachterrasse gibt es einen Spielplatz für Kinder. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber statt Rutschen und Schaukeln gibt es hier Wasserparty pur. Leider war der Wasserpark nur für Kinder zugelassen.

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Am letzten Tag in Cebu dürfen wir die Mutter von Kevin kennen lernen. Sie hatte vor 7 Jahren einen Schlaganfall und wohnt seitdem bei ihm oder seinem Bruder. Leider ist sie an einen Rollstuhl gebunden und muss gefüttert werden. Nachdem ich kurz mit ihr gesprochen hatte und sogar ein paar Schritte mit ihr gelaufen bin, konnte ich den beiden hoffentlich ein paar gute Tipps für die Zukunft mit auf den Weg geben. Sie hat meiner Meinung nach sehr gutes Potential, wieder besser laufen zu können, könnte man sie hier bloß in einer Reha anmelden. Leider ist die Wohnung von Kevin und Alvin nur 3x5m groß, so dass die Mutter auf einer Matratze auf dem Boden schlafen muss und außer dem Fernseher nur wenig Abwechslung bekommt.

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Darf ich vorstellen: Stefanie Grace

Am 24.06. fuhren wir zum Hafen, um nach Bohol überzusetzen. Am Hafen kauften wir uns ein Ticket, bei dem wir allerhand lustige Angaben machen mussten. Name, Abfahrtsdatum, Abfahrtsuhrzeit, Alter, Unterkunft am Zielort.

Also habe ich eingetragen: Jonas Brüwer, 24.06., 11.30 Uhr, 30 Jahre, Stefanie Grace (unser Resort auf der Insel). Bekommen habe ich zwei Karten. Eine für Jonas Bruver und eine für Stefanie Grace. Wo ich die nun herkriegen sollte wusste ich auf die Schnelle nicht, stattdessen hab ich einfach Anne mitgenommen. Das war auch sehr schön.

 

22.06.: der Flug, die Flüge

Für diesen Mittwoch hatten wir uns etwas ganz Besonderes überlegt.  Wir würden um 4.30 aufstehen, um dann in Bangkok einzuchecken. Der Flug ginge nach Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Von dort aus solle es um 18.15 weiter nach Cebu City auf Cebu Island gehen. Wir würden dort relativ entspannt ankommen und dann dort, nachdem wir unser Gepäck bekommen hätten, unseren Couchsurfer treffen.

Das mit Bangkok – Manila hat auch wunderbar geklappt. Wir sind genau eine Filmlänge plus Frühstück-Bekommen geflogen. Inzwischen sind wir herrlich flugerprobt, sodass wir nahezu tiefenentspannt in Manila eingereist sind und unser Gepäck entgegengenommen haben. Dann ging das Chaos aber los. Wie eine Welle ist das über uns hereingebrochen.

Wir sind aus dem Flughafengebäude rausgestapft und haben einen Wachmann (1) gefragt, wo es zum „domestic terminal“ nach Cebu geht. „Terminal 4!“. Dafür sollten wir zum Shuttlebus in den Wartebereich nach links.
Also gingen wir nach links.
Dort angekommen, hat Wachmann 2, der im abgesperrten Bereich stand,  gesagt, dass wir zu ihm in den abgesperrten Bereich sollen. Dafür sollten wir nach rechts.
Also gingen wir nach rechts.
Wachmann 3 meinte, wir sollen wir wieder ins Flughafengebäude rein und müssten dafür das Gepäck durch den Gepäckscanner schieben.
Kein Problem. Gepäckscanner. Personenkontrolle. Rein ins Gebäude.
Wachmann 4: wir müssen nach links.
Also wieder raus und nach links.
Wachmann 5: wir müssen wieder rein.
Also Röntgenscanner, wieder rein.
Schließlich haben wir (zum Glück ohne gelben Passierschein 36a, den man im 2. OG, dritte Tür links nach Vorlage eines blauen Passierscheins 83c bekommt) diese eine unscheinbare Tür gefunden, die uns in den Wartebereich, außerhalb des Gebäudes, zu Wachmann 2 gebracht hat, gefunden. Leicht lächelnd haben wir uns bei Hilfswachmann 1 unter falschem Namen in eine Liste eingetragen – in der Erwartung, dass das eh keiner kontrolliert. Hat auch keiner.
Der Bus kam.
Wachmann 2 öffnet das Gatter und hat damit offensichtlich sein Tagewerk vollendet. Hilfswachmann 1 hat die Liste und guckt drauf, während der Busfahrer das Gepäck der Leute einlädt. Ich hätte das wohl auch selber gemacht, aber ich wollte ihn in seiner Eifrigkeit nicht unterbrechen.

Es geht quer über das Rollfeld zwischen kleinen und großen Flugmaschinen hindurch, bis wir zu einer winzig kleinen Wartehalle kommen. Wir können dort einchecken und wundern uns schon, dass der Abflug jetzt erst um 18.45 ist, sollte er doch laut Fluginformation aus dem Internet um 18.15 Uhr sein. Scheinbar wurde er verschoben. Naja.

Da wir schon gegen Mittag angekommen sind, haben wir jetzt noch gehörig viel Wartezeit. Der Versuch, in eine ehere Maschine nach Cebu umzuchecken, misslingt leider. Wir hängen in der superklimatisierten Wartehalle rum, lösen Rätsel, lesen, warten. Leider ist die Wartehalle auf etwa 14°C gekühlt, so dass wir nach fast 3 vollständigen Monaten bei kontinuierlich mehr als 25°C das erste Mal wieder ein aromatisiertes Heißaufgussgetränk trinken.

Es wird 18.30. Sie haben unseren Flug noch nicht aufgerufen. Wir wissen noch nicht mal, welches Gate wir nehmen sollen. Wir werden unruhig. Um 18.50 geht es dann doch Richtung Flugzeug. Über das Rollfeld. Zu Fuß. Zumindest ist es im Flugzeug angenehm warm.

Als alle drin sitzen- es ist inzwischen 19.20 Uhr – startet der Pilot die Maschinen und das gewohnte hochemotionale Sicherheitsschauspiel beginnt. Nur leider kommen die Darsteller nur bis zur ersten Pause. Gerade als die Stewards in die Lifejackets reinpusten wollen, geht neben der freundlichen Frauenstimme von Band auch das Licht aus. Stromausfall. Es geht die Notstromversorgung an. Die Maschinen starten wieder und der Pilot versucht zu uns zu sprechen, wird aber direkt wieder abgewürgt, weil der Strom wieder ausfällt. So sitzen wir da in dem dunklen Flugzeug bei Notstromversorgung und im Scheinwerferlicht des Gepäckbringefahrzeuges sehen wir ein LKW-großes Notstromaggregat neben unserem Flugzeug, was uns eventuell notstarten könnte. Die Leute hier nehmen das einfach so hin. Alle sind entspannt. Wir auch. Wahrscheinlich wurde unser Gemüt zusammen mit der Raumtemperatur in der Wartehalle so weit runtergekühlt, dass wir uns gar nicht aufregen können, überlegen wir.

Um 22.00 Uhr kommen wir mit 2 Stunden Verspätung in Cebu an, schleppen uns gerade noch zum Taxi und fahren dann zu unserem Couchsurfer. Der Taxifahrer versucht noch, uns zusätzliche 100 Pesos aus dem Ärmel zu leiern, weil er „versehentlich“ kurz vor Ankunft sein Taximeter mit dem Ellbogen ausgeschaltet hat. Aber zum Glück habe ich keine Lust, mehr zu bezahlen und Anne will eigentlich auch schon aussteigen und ihn freundlich ignorieren, als sich leider Kevin, unser Gastgeber, ins Auto schiebt und ihr damit den Weg blockiert. Er ist ja sehr hilfsbereit, aber manchmal muss man halt einfach gehen. Es wurde viel geredet, bezahlt haben wir trotzdem nicht. Auf Wiedersehen!

 

16. – 18.06.: Couchsurfen bei Itthi

Couchsurfing der Extraklasse

In Khon Kaen wohnten wir bei Itthi in einer Couchsurfing-Unterkunft der Extra-Klasse. Genau genommen haben wir nicht couch-, sondern bettgesurft – und das in unserem eigenen Zimmer mit eigenem Bad in einem supergroßen, fast unbewohnten Gebäude, was obendrein noch blitzeblank geputzt war. Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Itthi selbst wohnt und arbeitet mit seiner Familie nebenan und nutzt nur das Erdgeschoss unseres Gebäudes. Hier hat er sich ein kleines Spieleparadies aufgebaut, denn er ist absoluter Game-Freak. Die Regale sind bis obenhin mit Brett- und Kartenspielen gepackt, in den Schränken stehen Mangazeitschriften und Bücher mit Spielanleitungen und auf dem Schreibtisch bastelt er kleine Figuren, die er dann an andere Spiele-Freaks verkauft. Dreimal pro Woche trifft er sich mit seinen Kumpels und dann zocken sie bis in die Nacht.

Gleich nach unserer Ankunft haben wir seine Freunde kennengelernt und sind in einer großen Gruppe Hot Pot essen gegangen. Am nächsten Tag stand der große Spieleabend auf dem Programm – und wir waren natürlich eingeladen.

Gewitter der Extraklasse

Vorher hatten Jonas und ich Zeit, um unsere Weiterreise zu organisieren. Gegen Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang um den See aufgebrochen und haben dabei einen hübschen Tempel entdeckt, dessen neun Stockwerke pyramidenförmig angeordnet waren. Im fünften angekommen, hatten wir schon eine tolle Sicht auf den See – und auch auf eine gigantische Gewitterfront, die sich immer näher schob.


Wir schafften es noch, die Treppen hinunterzulaufen und waren gerade auf dem Weg ins nächste Café, als der Regen losprasselte. Unterschlupf fanden wir in einem winzigen buddhistischen Schrein. Behütet von einem milde drein blickenden Goldbuddha warteten wir ab, bis es nicht mehr ganz so „watery“ war und wir ins Sluve u Café laufen konnten.


Kulinarische Spezialitäten der Extraklasse

Dort trafen wir Itthi, der uns zum Essen einlud. Es gab Fleisch mit Fleisch und Fleisch – einmal gekocht, einmal gegrillt und einmal roh, alles Spezialitäten aus Insan. Auf dem Rückweg fuhren wir noch beim Nachtmarkt vorbei. Itthi deckte uns mit dem ganzen Süßigkeiten-Sortiment ein, was die Stadt zu bieten hatte. Damit bewaffnet fuhren wir nach Hause – der Spieleabend sollte bald los gehen.

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Spieleabend der Extraklasse

Für uns war es echt interessant, in diese andere Welt von Itthi und seinen Spiele-Kumpels einzutauchen. Da ich davon sehr wenig verstehe, ist es besser, wenn Jonas das beschreibt.

Einschub von Jonas:
Das, was wir hier erlebt haben, ist der Auswuchs aller Nerdigkeit. Ein maximaler Freakabend.
In der ersten Ecke spielte jemand Computer (League of Legends). Vor dem Schreibtisch türmten sich Feinsthaarpinsel und kleine Farbtöpfchen, mit denen Itthi und sein Kumpel gerade kleine 2 cm große Spielfiguren angemalt hatten. (Vielleicht Warhammer, ich kenne mich da aber auch nicht so aus.) Sein Kumpel wollte eine solche maximal bewaffnete, kleine Monsterfigur für seine Hochzeit in der nächsten Woche haben. Er hat irgendwas von Foto gesagt; dass seine Frau davon noch nichts wüsste und dass es ihr wahrscheinlich nicht gefallen würde. Wofür genau er diese Figur brauchte, konnte selbst Itthi uns nicht sagen.
In der zweiten Ecke wurde irgendein Pen and Paper RPG gespielt, bei dem ein Elf, der beim letzten Spieleabend fast gestorben ist, jetzt wieder mitspielen durfte und von seiner Gruppe geheilt werden musste. Alle Jungs stützten sich auf hunderte Seiten starke Regelwerkbücher und saßen vor einem riesen Haufen vielseitiger Würfel (von 4 bis 20 Seiten), während sich der Spielemeister hinter einer Klappkarte versteckte und mit einem Filzstift den weiteren Weg auf die Dungeonkarte malte.
In der dritten Ecke saßen wir. Zusammen mit den wohl mutigsten im ganzen Raum. Der eine, der sich Chips knuspernd in einer Kleinkindersprache mit uns zu unterhalten versuchte. Der andere, der sich hinter seiner Hornbrille verstohlen im  Raum umguckte und jeglichen Blickkontakt vermied. Der nächste, der sich nervös auf seiner Unterlippe kauend hinter seinen Karten versteckt hielt und ein relativ taktisches und aggressives Spiel führte.
Spannend wurde es dann tatsächlich bei dem Spiel „Dixit“, bei dem man mit einem Wort oder einem Satz eine Karte beschreiben muss und die anderen müssen diese erraten. Das scheint ja schon in Deutschland manchmal schwierig, wenn man sich im gleichen Kulturkreis bewegt. Aber hier in Thailand, wo die Jungs kaum bis kein Englisch sprachen, wurde es dann tatsächlich eine große Herausforderung. Eine Regel war: keine Insider und keine Sprachwitze in der eigenen Landessprache. Alle legten ihre Tablets und Smartphones zurecht, haben die im Spielverlauf dann aber nicht einsetzen müssen. Amüsanterweise waren wir alle bis fast zum Schluss auf dem gleichen Punkteniveau. Es klappt also doch. Tatsächlich habe ich bei dem Spiel noch nie so viel gelacht wie bei diesem Mal.

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Couchsurfing der Extraklasse II

Wir kennen es vom Couchsurfen eigentlich so, dass man als Gast vieles gefragt wird, dass man ständig in Gespräche eingebunden wird und dass die Gastgeber sehr bemüht sind, dass es uns gut geht. Itthi hat da ein perfektes Mittelmaß gefunden: Er hat einfach das gemacht, was er immer macht. Keiner aus der riesen Runde hat die Standardfragen gestellt (Wie lange reist ihr schon? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Wie alt seid ihr? Was macht ihr beruflich?…). Alle haben einfach gespielt. Mit uns zusammen. Wir waren einfach dabei. Sehr angenehm.

 

 

23.05.: Ein trauriges Kapitel der Landesgeschichte

Wir haben uns an diesem Tag Zeit genommen, uns ein wenig mit der kürzlichst vergangenen Landesgeschichte auseinanderzusetzen. Da war diese Kommunistengang „Rote Khmer“ oder „Khmer rouge“, die sich überlegt haben, einen kommunistischen Bauernstaat zu schaffen. Es sollten alle Bauern werden. Und die Intellektuellen wurden umgebracht. So einfach ist das. Gemäß einem Leitspruch „Wenn man Unkraut jäten will, muss man es an der Wurzel entfernen“, hat die Organisation nicht nur die Intellektuellen umgebracht, sondern gleich deren ganze Familie.
Eine weitere Leitparole war:
„Lieber versehentlich einen Unschuldigen töten, als versehentlich einen Feind am leben lassen“.
So starben in deren Regentschaft von 1975-1978 zwischen 1,4 – 3,0 Millionen Menschen; sie wurden getötet, sind verhungert oder an Erschöpfung gestorben. Die ungenauen Angaben rühren daher, dass noch nicht alle Killing fields gefunden und exhumiert sind oder daher, dass einige die Hungertoten mit den tatsächlich Getöteten zusammenzählen wurden oder halt nicht.
Wenn man mal von ca. 3 Jahren Rote Khmer und 3,0 Millionen Toten ausgeht, heißt das, dass pro Jahr 1 Million Menschen gestorben sind. Das heißt, pro Tag sind ca. 2739 Menschen gestorben. Pro Tag! Völlig verrückt. Neben dieser Schweinerei, überhaupt Menschen zu töten, steht da natürlich auch ein riesengroßer logistischer Aufwand. Die mussten ja alle von A nach B gekarrt werden, dann getötet und dann noch verbuddelt. Verrückt.

Die Khmer Rouge unter dem Anführer Pol Pot hat sich doch tatsächlich überlegt, die komplette geistige Elite des Landes zu eliminieren. Was für ein dummer Gedanke. Dabei sind natürlich tausende Menschen unter anderem aufgrund medizinischer Missstände auf dem Weg geblieben, weil Ärzte zu den zuerst ermordeten zählten. Bücher wurden verbrannt, Geld wurde abgeschafft. Händler, Lehrer, Mönche und beinahe die gesamte geistige Elite fielen der Massensäuberung zum Opfer. Die Menschen, die übrig geblieben sind, konnten teilweise nicht mal rechnen oder schreiben. Wer aus Versehen zu gut denken konnte, wurde ermordet. Ja, aber mit welchem Ziel denn? Des weiteren wurden alle Menschen in ganz Kambodscha aus den Großstädten vertreibt und quer durch das Land umgesiedelt; und wenn‘s dann noch nicht passt, werden die Menschen halt gleich noch mal umgesiedelt, nur, damit sein Agrarkommunismus gelingt.

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Zu diesem Thema haben wir uns zwei Locations angesehen. Das eine waren die Killing Fields nahe Phnom Penh. Dort wurden Menschen in Scharen hintransportiert, um getötet zu werden. Gas oder Pistolenkugeln waren zu teuer, deswegen wurden Schlagwerkzeuge aller Art (Schaufel, Beil, Metallrohr, Stock,…) als Waffe benutzt, um den Menschen die Schädel einzuschlagen. Anschließend wurde mit einem sehr scharfkantigen Blatt der Zuckerpalme deren Kehle durchgeschnitten, um sicherzugehen, dass sie tot sind. Kleinkinder wurden der einfachheitshalber mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen. Diese ganzen Informationen konnten wir durch eine sehr gute Audio-Tour bekommen. Gespickt mit Musikeinspielungen und Berichten von Überlebenden wurde dort ein Rundweg bereitet, bei dem man seine Gedanken schweifen lassen und das Gehörte verarbeiten konnte. An den Gräbern und an dem Killing tree haben Menschen (wahrscheinlich viele Traveller) Freundschaftsbändchen an den Baum oder an den Zaun gebunden. Was für eine schöne Geste.

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Längst sind noch nicht alle Gräber vollständig exhumiert.

 

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In der großen Pagode werden Schädel und andere große Knochen aufbewahrt. Sie sind nach Alter der Ermordeten sortiert und katalogisiert.

 

Viel verstörender war das S21, früher eine Schule, dann ein Gefängnis, heute das Genozidmuseum. Dort wurden Menschen aller Art (erst vermeintliche Gegner der Organisation, später auch Genossen, die sich verdächtig benommen haben) gefangen gehalten und so lange gefoltert, bis sie gestanden haben, dass sie etwas Böses getan haben. Das Blöde ist nur, dass die Gefangenen teilweise überhaupt nichts getan hatten. Sie wurden trotzdem so lange gefoltert, bis sie gestanden haben. Ein bisschen so wie bei einer Hexenverbrennung. Wenn sie dann gestanden hatten, wurden sie getötet – diesmal aus gutem Grund, sie hatten ja schließlich ein Verbrechen gestanden, welches in den Akten vermerkt werden konnte.
Wenn jemand zu schwach zum Gestehen war, wurde er wieder aufgepäppelt, damit er gestehen konnte, um getötet zu werden. Dafür wurde ein Arzt gerufen. Einen Arzt? Die haben doch alle Intellektuellen umgebracht?! – Diese „Ärzte“ haben eine 3-monatige Grundausbildung bekommen, in der sie gelernt haben, Spritzen in Kissen zu stecken. Diese Aufpäppelungsspritzen bestanden aus Essig, Mehl und noch irgendwas. Und damit wurden sie auf die Gefangenen losgelassen. Und hier beißt sich die Kuh in den Schwanz.
1. Warum päppelt man Leute auf, um sie danach zu töten?
2. Warum bringt man die Ärzte um, um danach neue auszubilden?
3. Warum überhaupt?

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In diesem alten Schulgebäude wurden die Klassenzimmer etwas umstrukturiert. Es wurden hölzerne oder steinerne Wände zu Einzelzellen gezogen. Es wurden Haken in den Boden eingelassen, um dort Menschen anzuketten und die durchlaufenden Balkone vor den Klassenzimmern wurden mit Stacheldraht versehen, weil sich irgendwann mal jemand aus dem dritten Stock in den Tod gestürzt hatet. So weit käme das noch. Selbstmord wurde nicht geduldet. Erst musste ein Verbrechen gestanden werden, damit man sterben durfte.
Nur die Spielgeräte im Innenhof zeugen noch von dem ehemaligen Pausenspaß. Weswegen auch immer haben die Roten Khmer diese stehen lassen.

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In der einen Ecke sitzt ein alter grauhaariger Mann. Es ist Chum Mey, ein Überlebender. Er verkauft Bücher mit seiner Lebensgeschichte, die in 6 Sprachen übersetzt worden ist. Neben diesen hunderten Fotos mit Gesichtern der Menschen, die in dieses Gefängnis gekommen sind, ist dieser lebende Mensch tatsächlich eine emotioinale Herausforderung. Da sitzt er nun, der Zeitzeuge, und strahlt glücklich, dass er mit den Besuchern aus aller Welt ein Stück Geschichte teilen kann. Und da stehen all diese Besucher mit den Audiotourkopfhörern auf den Ohren und hören sich in ihrer Landessprache seine Zeitzeugengeschichte an. Die Besucher gucken betroffen durch die Gegend, er strahlt. Verkehrte Welt. Danke alter Mann. Danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast.

Irgendwie will mir diese ganze Klassenkampfgeschichte nicht einleuchten. Irgendwie habe ich da noch keine erkennbare Ideologie gefunden. Keinen Sinn.

Das Brisante ist, dass Pol Pot als Bestrafung Hausarrest bekommen hat und bis zu seinem natürlichen Tod irgendwo im Wald mit seinen Kindern und Enkelkindern gelebt hat. Andere Khmer Rouge aus der Führungsebene haben erst weit in den 2000ern einen Prozess bekommen. Das sind mehr als 30 Jahre später. Für mich unverständlich.

21.05.: Stadtrundführung in Phnom Penh

Wat Phnom

Wir sind nach dem Wäschewaschen  ganz entspannt mit Tini durch die Stadt spaziert. Natürlich ohne Sonnencreme, denn heute war es endlich mal nicht so heiß, dass man so etwas bräuchte. Schließlich hat die Regenzeit angefangen und außerdem weht hier ein laues Lüftchen. Wir haben uns den Wat Phnom angeschaut, ein künstlicher Hügel, der vor ziemlich langer Zeit errichtet worden ist und auf dem der namensgebende Wat (Tempel) für diese Stadt steht. Neben einer sehenswerten buddhistischen Bildergalerie, die darauf schließen lässt, dass es hier in Kambodscha einen stärkeren Hinduismuseinfluss gab und gibt, waren dort auch einige Statuen.

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Wie auf den Fotos vielleicht zu erahnen ist, stecken die Menschen hier ziemlich viele Geldscheine an diese Statuen, wobei für mich der Vergleich mit einem Stiptease-Lokal nahe liegt. Aber das dürfen wir keinem verraten, sonst würden wir den Göttern, Heiligen und/oder Königen nicht gerecht.

Am Nachmittag gab es einen Fruchtsaft. Dieses von uns viel geliebte Erfrischungsgetränk, welches in Vietnam mit Zucker und vor allem sehr leckerer gesüßter Kondensmilch zubereitet gehört, wird hier tatsächlich ohne Zucker zubereitet. Schmeckt anders, ein bisschen fad. Halt eben natürlich. Gut.

Wir zahlten mit Dollars und Riel

Eine neue Erkenntnis war, dass man hier in Kambodscha scheinbar nicht nur in der Landeswährung Riel bezahlen kann, sondern auch in Dollar. Dass das hier in Südostasien ein übliches Notzahlungsmittel sei, wussten wir schon. Dass aber alle Preise direkt in US Dollar angegeben werden, war mir neu. Ehrlich gesagt erlebe ich die Leute hier teilweise hilflos bis verzweifelt, wenn man in Riel bezahlen will. Dann wird ein Taschenrechner rausgeholt und manche haben das Wechselgeld nicht mal parat. Aber das ist nicht so schlimm, dann wird einfach in Dollar rausgegeben.

Folktanz auf Khmer

Abends haben wir uns eine Folkloretanzvorstellung angesehen. Beim kurzen Anblick auf die Instrumente im Orchester habe ich mich mental auf eine ähnlich ungewohnte Geräuschkulisse wie im Marionettentheater in Mandalay vorbereitet, wurde aber zum Glück enttäuscht. Durch den rhythmischen Trommelschlag wurde die für mich immer noch sehr wilde Musik in halbwegs systematisierbare Taktsequenzen gegliedert und damit gut hörbar. Wie jedoch dieser kehlig-leiernde Gesang, Tänzer und Musiker aufeinander gehört haben, ist mir leider nicht ersichtlich geworden. Die männlichen und weiblichen Tänzer haben eine sehr abwechslungsreiche und durchkostümierte Show dargeboten, bei der die unterschiedlichen Tanzstile und traditionellen Tänze aus verschiedenen Ecken des Landes, aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Volksgruppen aus Kambodscha gezeigt wurden.

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Da war dieser Göttertanz mit Glitzergold und Krone auf dem Kopf, bei dem sich die Tänzerinnen langsam, ballettartig mit maximaler Körperspannung über die Bühne bewegt haben. Wenn sie die Handflächen aneinander gelegt haben, konnten sie die Finger (an der Fingerspitze gemessen) mehr als eine Geodreiecklänge auseinanderbiegen. Das muss man mal ausprobieren. Ich schaffe 5 cm.
Dann war da dieser Fischertanz, bei dem alte Fischerwerkzeuge als Tanzmedium integriert wurden. DSC04011
Dann war da dieser Tanz mit wunderschönen Pfauenkostümen. Ähnlich wie bei „König der Löwen“ verschmolzen hier Tänzer und Kostüm zum Tier.
Dann war da dieser Kampftanz, bei dem die Männer speerdrohend und gebärdend um einen Büffelkopf herumgetanzt sind, während die Frauen hüftschwenkend im  Hintergrund sehr gut aussahen.
Dann war da diese von Clownerie durchzogene Liebesgeschichte, bei der die männlichen Tänzer die Augenbrauen in der Mitte nach oben geschminkt hatten. Das sah an sich schon relativ lustig aus, aber als die dann auch noch so fein grimassiert haben, musste ich doch hin uns wieder kichern.
Insgesamt eine empfehlenswerte Performance, bei der man eine gute Übersicht über die hiesige Tanztradition bekommt.

Abends gab es auf Wunsch von uns gefüllte Pfannkuchen. Und zwar mit in Kokosmilch geschmorten Nadelpilzen und Blauschimmelkäse.  Ich dreh durch. Das ist vielleicht lecker.

Das mit dem ohne Sonnencreme rausgehen war übrigens eine Schnapsidee. Wir haben uns alle drei gehörig verbrannt.

 

20.05.: Flug nach und Ankunft in Kambodscha

Früh morgens haben wir uns mit einem langen Frühstück von Lola verabschiedet. Anschließend haben wir im Flight Emirates Büro im 14. Stock (keine Fenster, aber bestimmt schöne Aussicht) unseren Flug umgebucht. Eigentlich sollten wir am 30.06. zurückkommen, jetzt wird es wohl der 27. Juli. Nach einem kleinen Tee in einer dieser neumodernen Bars – viel zu viel Plastik und lustige Dekoration – sind wir dann zum Flughafen aufgebrochen. Wir saßen mit vielleicht noch 40 anderen Gästen in einer Maschine, die 10 Sitze nebeneinander und gefühlt 25 Sitzreihen hatte. Es war also ziemlich leer. Eventuell wollten die nur den Flieger überführen. Irgendwie komisch. Wir mussten leider diesen Flug buchen, um überhaupt das Touristenvisum in Vietnam zu bekommen. Ärgerlich, wir wären gerne mit dem Bus ausgereist.

Aufgrund der beginnenden Regenzeit mussten wir uns mit dem Flieger durch prä-Gewitterwolkentürme durchfressen, was zu meinem großen Vergnügen relativ holperig war und uns das ein oder andere Mal ein wenig vom Sitz gehoben hat. Nach den allgemeinen Sicherheitshinweisen kamen dann noch die Werbung und dass wir jetzt in der Luft Wifi hätten und was wir nicht alles einkaufen könnten. Nach ca. 5 Minuten Reisehöhe haben wir auch direkt mit dem Sinkflug begonnen und die Fliegerei war nach insgesamt 45 Minuten vorbei. Durch die ganze Ansagerei vom Piloten und der Werbefrau im Bildschirm hat Anne es in ihrem vom Buch von Seite 154 auf Seite 157 geschafft.

In Phnom Penh angekommen haben wir uns mit einem Tuktuk durch den Großstadtverkehr gearbeitet. Zum Glück ist es hier etwas leerer als in Saigon. Auch die Hupen werden hier nicht ganz so oft eingesetzt, wobei auch die Khmer eine Hupe besitzen und diese natürlich auch einsetzen. Nur halt nicht ganz so häufig.

Zum Abendessen hat uns Tini mit Pasta mit Tomatensoße verwöhnt. Einfach so. Pasta mit Tomatensoße. Ganz gewöhnliches „deutsches“ Essen. Aber gut. Mit Salz statt Fischsoße. Mit Käse drüber. Herrlich.

11.05.: Zweiter Tag im Mekongdelta

Wir sind sehr früh aufgestanden, da wir noch eine sehr lange Bootstour vor uns hatten. Nach traumhaftem Frühstück ging‘s dann los, vorbei an unzähligen Kokosnussfabriken. Wir sahen eine Entschalungsstation mit unzähligen Handarbeitern, die pro Tag 2000 Kokosnüsse entschalen. Im Minutentakt werden hier frische Nüsse angeliefert und entschalte Nüsse abgeholt. Dann werden die zur nächsten Station gebracht, wieder ausgeladen, gesammelt und irgendwann wieder verladen. Bei der ersten Entschalungsstation dachte ich noch, dass es etwas besonderes wäre, aber nach der zehnten wurde sehr deutlich, dass diese Provinz den Namen „Heimat der Kokosnuss“ nicht zu unrecht hat. Es sollten noch viele weitere Stationen folgen.

Der ganze Fluss war voller wundervoller alter Holzkähne, die die verschiedenen Zustände der Kokosnuss durch die Gegend transportieren. Die Menschen am Ufer winkten und lachten, wir winkten und lachten zurück. Sehr freundlich hier. Am Ende sollten wir noch auf Empfehlung von Thanhs Vater zum Ananasmarkt fahren. Das wird lustig, dann kann ich endlich diese spezielle Schneideweise von den Leuten lernen. Vielleicht gibt`s dort auch verschiedene Ananassorten. Aber nix da. Auf dem ganzen – zugegeben relativ kleinen Markt – gab es nur einen einzigen Ananasstand. Der Markt war sonst relativ gewöhnlich und heißt einfach nur so. Nach dem eher enttäuschenden Besuch sind wir wieder mit unserem Luxusauto zum nächsten Homestay gefahren. Der Hausherr dort erwartete uns schon mit dem Essen. Es gab wiedermal betörend leckeres Essen, bei dem mir schon beim Gedanken daran der Speichel im Mund zusammenlief. Aus der Fotomisere vom Vortag haben wir gelernt und haben uns diese kleine optische Erinnerungshilfe bereitet.


Zwischen Mittag- und Abendessen gab es noch einen kleine Fahrradtour durch den Bananenhain. Anne war ganz begeistert von diesen kleinen Schleichwegen. Diese Bananenstauden und Drachenfruchtsträucher links und rechts vom Weg. Immer einem kleinen Kanal entlang. Einsame Häuser, in denen der Hausherr Karaoke singt. Familien, die auf dem Vorhof sitzen und Gemüse putzen. Alles liegt ganz friedlich und ruhig im Abendlicht. Ich hatte aufgrund der Sattelhöhe mehr Probleme, nicht vom Rad zu fallen, weswegen mir diese romantische Radtour leider nicht als solche hängen geblieben ist.

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Die Leute hier im Mekong kochen scheinbar immer für dreimal so viele Leute. Nach reichhaltigem Mittagessen und noch reichhaltigerem Abendsessen an zwei hintereinanderfolgenden Tagen fühle ich mich gemästet, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Die gustatorischen Impressionen auf unserem kleinen Mekongtrip machen auf jeden Fall sämtlichen fried rice aus ganz Myanmar wieder wett. Vielleicht sollte man hier mal einen kulturellen Austausch fördern?!