27.04.: endlich Urlaub

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Entspannung. Nach zu vielen Stunden in der Sonne und den zwei Pool-Enttäuschungen wollten wir vor allem eines: schwimmen und uns abkühlen.

Davor trafen wir uns aber noch mit Ye. Er zeigte uns das größte Buch der Welt: 729 Marmortafeln, in die die buddhistische Lehre eingemeißelt ist, eingebettet in je eine weiße Stupa. Direkt gegenüber gibt es sozusagen das Nachwort: 1774 Marmorblöcke mit Kommentaren zum Buch. Lesen wird das wohl keiner ernsthaft, aber es geht hier wohl vor allem darum, einen Rekord aufzustellen.

 

Zum Mittagessen durften wir uns etwas wünschen. Die Wahl fiel sehr schnell auf: Hauptsache westlich. Nach drei Wochen fried rice war unser Heißhunger nach etwas „Normalem“, am besten Unfrittiertem, irgendetwas mit viel Geschmack, enorm groß. Ye brachte uns in ein schickes, westliches Restaurant. Schon beim Eintreten konnte man erahnen, in welcher Preisklasse sich das Essen bewegen würde. Denn in Asien gilt: je schicker das Lokal, desto kühler der Raum. Die Temperaturen waren frostig – ein starker Kontrast einerseits zu den 42°C Außentemperatur und andererseits zu den burmesischen Essenspreisen, die wir von vorher gewohnt waren. Wir bestellten uns Spaghetti bolognese und Pizza – zugegeben, viel gesünder als das burmesische, frittierte Einerlei war das auch nicht, aber es war eine Wohltat für Gaumen und Seele.

Und dann kam der Höhepunkt des Tages: ein Pool im Schatten von Bäumen, ruhig gelegen in einem kleinen Hinterhof. Perfekt – genau das hätten wir gestern gebraucht und auch haben können, wenn wir unserem Taxifahrer vertraut hätten. Umso größer war die Freude, die Mittagshitze im kühlen Nass zu verbringen. Danach gab’s noch einen Eiskaffee im Nylon Ice Cream – der perfekte Urlaubstag. Und Ye, der Schlingel, hat uns beim Schlafen fotografiert.

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Zum Abschluss unserer Zeit in Mandalay sahen wir uns das berühmte Marionettentheater an. Alle Handwerkskünste, die wir zuvor in den verschiedenen Werkstätten bestaunt hatten, fanden hier in den Puppen ihre Verbindung: kunstvolle Holzschnitzereien mit fein gewebten und bestickten Stoffen.

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Wettstreit Mensch gegen Puppe

26.04. Davon, dass wir alles wollten…

Mir ging es inzwischen schon wieder besser. Wir hatten uns dazu entschieden, uns für einen halben Tag ein Taxi zu mieten, um uns in und um Mandalay herum ein wenig das Dorfleben anzugucken. Ein englischsprachiger Taxifahrer sollte es sein. So etwas Ähnliches hatten wir in Mawlawmyaine schließlich auch schon gemacht, dann würde uns das sicherlich auch hier gefallen. Ein paar Werkstätten, Kunsthandwerk, das Landleben. Irgendwas Ruhiges halt. Bloß keine Pagoden und Tempel mehr, davon hatten wir erstmal genug. Und dann während der Mittagshitze am Pool entspannen, immer wieder abkühlen. Das ist sicherlich nicht zu anstrengend und nach so einer Krankheitsphase auch genau das Richtige. Abends auf den Mandalay Hill und romantisch den Sonnenuntergang genießen. Es soll dort laut Reiseführer sehr schön sein.

Guter Plan! Nach Sagaing sollte es gehen, kurz vor Mandalay. Etwas dörfliches Landleben. Super!
Der Taxivermittler an der Straße guckte  uns bei unserem Plan mit großen Augen an, schlug uns aber doch noch ein paar Sachen vor und machte einen fairen Preis.
– Wieso große Augen? Hat der unseren Plan nicht verstanden. Sein English war auch nicht das beste und… Naja, erstmal los.
Der Taxifahrer selbst konnte ganz gut Englisch, hat aber auch die Stirn gerunzelt, mit den Schultern gezuckt und gelächelt, als wir meinten, dass wir in Sagaing eher Handwerksläden als Pagoden sehen wollten.
Warum? Der Wunsch ist doch jetzt wirklich nicht so blöd… Oder hat der uns nicht verstanden?

 

Auf dem Weg, aber noch in Mandalay, lag eine beeindruckende Holzwerkstatt, die spannende Wandtafeln gebeitelt haben. Foto machen und weiter nach Sagaing. Dort wurde uns die ganze Stirnrunzelei klar: Unsere Wunschstadt bestand aus mehreren hundert Pagoden, Stupas, Tempeln. Ein riesengroßes Tempelareal mit zwar wunderschönem Ausblick, aber halt unmöglich, nicht in eine Pagode zu gehen.

 

Entschuldigung Jungs, wir haben euch unrecht getan.
Anschließend, so hatte uns der Taxitourvermitteler angepriesen, wollten wir ja nun nach Awe, ein kleines Dorf in der Nähe, was man über eine Allee erreicht.
– Dorf! Schön!
Inzwischen war es 13.30 Uhr und es wurde langsam unerträglich warm. Wir wollten ja eigentlich in den Pool.
– OK, nur kurz dieses Dorf, aber wir bleiben nicht lange und steigen auch nicht aus dem klimatisierten Auto aus!
Leider muss man zu diesem Dorf über einen Fluss übersetzen und hätte dann noch 2 Stunden durch das Dorf spazieren können. Wir haben uns dann vor Ort doch dagegen entschieden. Der Taxifahrer schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern, lächelte und drehte wieder um. Kurz noch zu so ner Aussichtspagode, die wir eher stiefmütterlich betrachteten… Es war so heiß.
– WIR WOLLEN INS WAAASSSER….!

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Zurück in Mandalay (15.00 Uhr) sind wir nicht zu dem vom Taxifahrer vorgeschlagenen Hotel mit Pool gefahren (das lag zu weit weg), sondern zum Mandalay Hill Resort. Das liegt direkt auf dem Weg zum Mandalay Hill und wir haben mit dem Taxifahrer vereinbart, dass er uns um 17.00 Uhr mit genügend Zeit für den Aufstieg abholen soll. Und das Resort hatte einen Pool. Und zwar was für einen. Wow. Zum Schwärmen.
– Hier können wir richtig entspannen.
Nur leider für 42.000 Kyat ( = ca. 30 Euro). Für uns entschieden zu teuer. Also sind wir kurzerhand mit einem zweiten Taxi, unser erstes war ja weg, zu einem anderen Hotel in der Nähe gefahren. (Das vom ersten Taxifahrer vorgeschlagene Hotel ist leider 30 Minuten weit weg und damit unerreichbar.) Das andere Hotel hatte leider kein Wasser im Becken, also mussten wir uns auf diese unbequemen Holzstühle vor der Aircondition an der Rezeption setzen, darauf warten, dass der zweite Taxifahrer zurück kommt, uns zum Resort fährt, damit der erste Taxifahrer uns abholen kann, um auf den  Berg zu fahren.
– Wow… Aircondition auf Holzstühlen ist fast genau so schön wie schwimmen und liegen unter Palmen…
Unsere Stimmung war auf dem Party-Höhepunkt angelangt, während wir auf den Stühlen immer weiter runter rutschten.

Nach 1,5 Stunden Warten mit dem zweiten Taxi zurück zum Resort, dort in unser erstes Taxi, dann auf den Berg. Zum Glück diesmal ausreichend rechtzeitig, dass wir den Sonnenuntergang miterleben können (wir haben uns in der jüngeren Vergangenheit aus Versehen ein wenig gestresst und sind etwas zu oft zu spät zum Sonnenuntergang gekommen).

Dort angekommen, kann man mit einer one-way-Rolltreppe in einem extra dafür gebauten Hochhaus ohne Etagenböden direkt auf die Sonnenuntergangspagode fahren. Es gibt auch einen Aufzugturm. Dierekt daneben.

 

Wieder mal ein schönes Beispiel für Note 4 „ausreichend, Aufgabe nicht verstanden“. Kenn ich noch aus der Schule, hab ich auch mal bekommen.
Oben war es dann aber wirklich schön. Für meinen Geschmack etwas zu viele Touristen und zu viele burmesische Schulklassen, die ihr Englisch an den Touristen ausprobieren wollen. Aber sehr schön. Eine grandiose Aussicht über Mandalay. Eine Stadt noch fast ohne Hochhäuser, sehr viele Bäume und mit einem weiten Blick auch über das Umland.
Wir warten also auf den Sonnenuntergang.
15 Minuten.
Die Sonne ist noch ziemlich weit oben, aber wir wissen aus Erfahrung, dass das ganz schnell geht und auf einmal ist sie weg.
30 Minuten.
Ziemlich lange… Die Pagode ist auch wiedermal sehr schön. Ich habe die schon 2x umrundet.
45 Minuten.
Die Füße tun schon ein bisschen weh von der ganzen Steherei.
60 Minuten.
Jetzt, wo wir endlich mal Zeit haben, will die Sonne einfach nicht untergehen.
Man, Sonne, jetzt mach endlich diesen romantischen Sonnenuntergang, damit wir wieder nach Hause können!
Nach Annes Spruch „Naja, ist doch ganz schön, der Ball in der Pfütze!“ sind wir dann einfach wieder runter gefahren. Die Sonne war zwar noch nicht untergegangen, aber es war schon schön rot am Himmel. Der Taxifahrer schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern, lächelt und fährt uns zurück zum Hotel.

 

Abends haben wir noch Ye getroffen. Ye ist ein junger Couchsurfer, der sich unbedingt mit uns verabreden wollte. Ye hat in Mandalay Deutsch als Fremdsprache studiert und kam gerade von einem Intensivkurs aus Deutschland zurück. Er war super freundlich und wir haben uns direkt für den nächsten Tag zur Stadtrundfahrt verabredet.

25.04.: Mich hat’s g’rissen…

… würde vielleicht einer aus Bayern sagen.

Ich lag gestern flach und das leider schon zum zweiten Mal innerhalb von 2,5 Wochen. Das ist nicht gut. Mein Körper kämpft wohl mit den millionen Eindrücken, Erfahrungen und den Anstrengungen der Hitze und Trockenheit. Und vielleicht auch mit dem Essen. Ich habe Fieber und Anne kümmert sich ganz toll um mich. Ein Glück, dass wir jeweils nicht alleine unterwegs sind, sondern immer jemanden an unsrer Seite wissen, der sich um den anderen kümmern kann.

Heute haben wir uns auf jeden Fall entschieden, zum Arzt zu gehen, um Malaria auszuschließen. Ich bin nicht mehr ganz so wackelig auf den Beinen und schaffe es ohne Probleme zu dem 3 Blocks entfernten Krankenhaus. Die „Notaufnnahme“ ist eigentlich nur ein gekachelter Raum, der durch verschiedene Gardienen abgetrennt. Alle kriegen alles mit. Gut für das Personal. So mittel für die Patienten. An den Wänden hängen überall Schilder, doch bitte keine Fotos zu machen. Ich glaube, die meisten hier haben auch gerade besseres zu tun.

Wir kommen direkt dran. Die Ärztin, etwa mitte 30, zivil gekleidet, mit Tanaka im Gesicht, begrüßt uns nett und fragt, was denn los sei. Ich erzähle ganz fleißig die Symptome. Penibel darauf bedacht, keine Diagnosen oder Interpretationen der Symptome mit einfließen zu lassen. Sie hört freundlich zu und fragt, wer von uns beiden denn der Patient ist.
Oh, Danke. Ich sehe wohl nicht ganz so schlimm aus, wie ich mich fühle.
„Ich!“ – und lächeln
Nach weiteren Fragen, die meiner Meinung nach nicht ganz weit hergeholt schienen wurde mein Bauch abgetastet, Blutdruck gemessen, Fieber gemessen (mit so nem Quecksilberding!), kurz auf dfie Uhr geguckt für den Puls und beschlossen, dass es ne ganz normale Magenverstimmung sei. Anibiotika rein, frisches Obst/Gemüse und viel trinken. Sehr gut, genau das gleiche hatten wir uns auch schon überlegt und deckt sich mit dem Telefonjoker aus Deutschland.
Den Malariatest hab ich dann doch machen lassen, um sicher zu gehen. Nicht, dass da noch irgendwas brodelt, was behandelt werden sollte.

Die ganze Untersuchung incl Blutabnahme hat ca 45 Minuten gedauert. Ich war echt gespannt auf die Rechnung. Wir werden in Vorkasse gehen und kriegen das Geld dann anschließend von unserer Krankenkasse wieder. Aber trotzdem das wird wohl n kleines Loch in unsere Reisekasse schlagen, aber: Gesundheit geht vor! Sicherheitshalber hatten wir ein dickes Bündel Scheine und die Visakarten mit ins Krankenhaus genommen.

2300 Kyat! (1 Euro = 1360 Kyat)

Echt? Klasse, dann machen wir das mit dem Arzt jetzt jeden Tag, da erlebt man immer was schönes. Und danach gehen wir noch n Eis essen.

Den restlichen Tagen haben wir das Buch „Burmese Days“ von George Orwell gesucht und auch gefunden. Und das sogar auf deutsch.

 

Heute ist Montag. Montag ist tanzen. Immer.

24.04.: Unwetterabenteuer

Heute lag Jonas flach. Meine Stadterkundung beschränkte sich also auf Wasser-, Reis- und Medikamentenkauf in Laufweite des Hotels. Da es mal wieder höllisch heiß war (schon am Vormittag 40°C – unglaublich!), war ich aber ohnehin nach jeder kleinen Tour schon wieder klimaanlagebedürftig.

Die paar Blocks nach links und rechts, die ich zurück legte, reichten aber auch, um einen kleinen Einblick in die Stadt und ihre Menschen zu bekommen. Ich war ja sehr langsam unterwegs und vor allem allein – zum ersten Mal seit drei Wochen. Dementsprechend oft wurde ich von allen möglichen Leuten angesprochen. Ich fand das ziemlich schön, weil es mich sehr an meine Reise vor 2 Jahren erinnerte, als ich nach ein paar Tagen an einem Ort auch immer schon diverse Mopedfahrer, Kellner, Verkäufer und Nachbarn zu meinem neuen Bekanntenkreis zählen konnte, die mich jedes Mal freudig begrüßten, wenn ich wieder vorbeikam. Hier waren wir ja bis jetzt immer zu zweit unterwegs gewesen und irgendwie stehe ich da als Frau eher im Hintergrund. Die meisten Leute auf der Straße begrüßen Jonas, finden seine neue Frisur oder seinen Bart toll, klatschen ihm in die Hände und dergleichen, aber mir werfen sie meistens nur einen kurzen Blick zu.

Heute war es zum ersten Mal anders. Ich wurde von diversen Mopedfahrern angesprochen, unterhielt mich ein bisschen mit einer Wasserverkäuferin, hatte einige Konversationen mit dem Angestellten in unserem Hotel und wurde von den Jungs der Eisdiele überredet, mir dort später ein Eis zu kaufen. Nylon Ice Cream ist übrigens Gold wert: die bekannteste Eisdiele der Stadt, direkt vor unserem Hotel. Es gibt dort Shakes, Desserts, Joghurt und sogar Pudding. Sehr gut, um sich von der Hitze zu erholen und sich mal etwas Gutes zu gönnen.

Wie auch schon vor zwei Jahren, so habe ich auch heute erfahren dürfen, wie fürsorglich und hilfsbereit die Leute sind, v.a. wenn man als Frau allein unterwegs ist. Natürlich kommen ab und zu auch ein paar flirtige Sprüche, aber es hält sich doch sehr in Grenzen und wirklich nervig wurde es nicht. Freundliche Blicke und nette Gesten überwiegen auf jeden Fall.

Gegen 18 Uhr brach ich nämlich auf, um mir etwas zum Abendessen zu suchen. Ich hatte mich den ganzen Nachmittag nicht weit vom Hotel wegbewegt, weil ich erstens Jonas nicht allein lassen wollte und zweitens dachte, es würde am Nachmittag wieder gewittern. Kurz vor 6 sah der Himmel aber blau aus und die wenigen Wolken harmlos. Ich ging los. Mein Ziel lag nur 3 Blocks entfernt. Beim ersten Block fielen die ersten dünnen Tropfen. Sie wurden sehr schnell dick und fett. Ein bisschen Regen kann nicht schaden, dachte ich mir und lief langsam weiter. Beim zweiten Block zog sich der Himmel schon merklich zu und es fing an, zu grummeln und zu donnern. Ich lief ein bisschen schneller, verlief mich dummerweise dabei, und irgendwann, als ich kurz vor dem Restaurant war, in das ich wollte, fing es auch noch an zu blitzen und zu hageln.

Hagel hatte ich noch nie in Asien gesehen – die Einheimischen scheinbar auch nicht. Wie Kinder beim ersten Schnee rannten sie mit Schüsseln aus den Häusern, um die Hagelkörner einzusammeln. Manche boten mir ihre eingesammelten Körner an. Was ich damit anfangen sollte, wusste ich nicht, bis ich sah, dass einige Leute sie sich direkt in den Mund schoben. Interessante Form der Abkühlung. Wahrscheinlich waren die Körner vom Aufprall auf den Boden auch nicht viel dreckiger geworden als sie es ohnehin sind, aber darauf hatte ich trotzdem keine Lust. Außerdem war es innerhalb der wenigen Minuten auch schon merklich abgekühlt und ich wollte noch schnell ins Restaurant kommen, bevor das große Gewitter losging. Keine Chance. Auf einmal war das Gewitter direkt über uns: schwarzer Himmel, peitschender Regen, Sturm, Blitze und Donner ganz nah. Ein paar indisch aussehende Frauen zogen mich von der Straße weg unter ihren Unterschlupf. Ich wartete kurz und wollte dann weiter, aber eine von ihnen bestand darauf, mich zu begleiten. Ich überlegte, dass ich das Angebot annehmen und mich doch direkt ins Hotel zurückbringen lassen sollte, denn inzwischen wurden auch die Einheimischen leicht panisch; die Mopeds fuhren schnell und hupend durch den Regen, Schirme und Unterstände flatterten im Wind und alle wuselten aufgeregt herum.

Die Frau nahm ihren Schirm, hakte mich unter und marschierte mit mir durch den Regensturm. Wir kamen nicht weit. Auf einmal hatten sich die harmlosen Hagelkörner nämlich in Tischtennisbälle verwandelt, die Blitze schlugen direkt links und rechts von uns ein und der Sturm war so stark, dass er sogar parkende Mopeds einfach umblies. Wir stellten uns unter. Neben uns ängstliche Leute, die sich hinter Metallwänden verbarrikadiert hatten. Einige Männer boten uns ihren Platz an und hielten, als der Hagel so groß wurde, dass es richtig weh tat, wenn er auf die Arme kam, den Schirm schützend vor uns. Selbst sie zitterten dabei – ob vor Kälte oder Angst, weiß ich nicht. Aber es war wirklich gruselig, v.a. weil kein Ende in Sicht war. Blätter und Äste auf der Straße, umgefallene Mopeds, Teile von Lampen und Fassaden, die lose an den Häuserwänden baumelten, ausgerissene Stromleitungen. Auch meine Begleiterin hatte richtig Angst. Sie krampfte sich in meinen Arm und versuchte, mich zu beruhigen – auf Burmesisch zwar, aber die Botschaft kam an. Irgendwie fühlte ich mich dadurch sehr gut aufgehoben.

Natürlich hörte auch dieses Gewitter zum Glück irgendwann auf. Es stürmte und regnete zwar noch wie verrückt, aber das Schlimmste schien vorbei. Die kleine Pause reichte aus, um zwei englischsprachige Männer ausfindig zu machen, die mein Hotel kannten, mich kurzerhand aufs Moped packten und durch die Wassermassen sicher nach Hause manövrierten. Meine Erleichterung war sehr groß und der Hunger, der mich eigentlich erst aus dem Hotel getrieben hatte, verflogen. Im Zimmer hatten wir unseren privaten Regenschauer erlebt: das Bad stand unter Wasser und auch ins Schlafzimmer hatte es ordentlich reingeregnet.
Lektion des Tages: Nicht dem burmesischen Wetter trauen. Aber vor allem: egal, was ist, es gibt immer jemanden, der einem hilft und der sich irgendwie für einen verantwortlich fühlt. Und das gilt hier wahrscheinlich noch mehr als bei uns.

23.04.: Es ist alles Gold, was glänzt

Mandalay begrüßt uns am zweiten Tag mit 40°C schon am Vormittag. Laufen scheint unmöglich. Von zwei Österreichern, die wir unterwegs getroffen hatten, haben wir die Telefonnummer von Mr. Thi Ha bekommen, einem Taxi-Tourguide. Im klimatisierten Auto zu den Sehenswürdigkeiten gefahren zu werden, scheint uns eine gute Alternative. Doch selbst die kleinen Zwischenstopps sind schweißtreibend und kräftezehrender als gedacht.

Als Zentrum des Kunsthandwerks hat Mandalay einiges zu bieten: Goldwerkstätten, Silberschmieden, Holzschnitzkünstler, Marionettenbauer u.v.m.
Gold

Als erstes führt uns Mr. Thi Ha in eine Blattgoldschmiede. Winzige Goldklümpchen werden hier in Bambuspapier gewickelt und dann in einer arbeits- und kraftintensiven Prozedur mehrere Stunden mit dem Hammer geschlagen, bis sie immer dünner werden und irgendwann als hauchfeine BlattgoldBlättchen verpackt werden können. Diese werden nicht nur innerhalb von Myanmar verwendet, sondern bis nach Thailand, Laos und Cambodia verschickt, um von den Gläubigen an die Buddhastatuen geklebt zu werden.

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Blattgoldherstellung: hinten Steine und Hammer, vorn eine Eier-/Wasseruhr und auf dem Tisch Bambuspapiere, zwischen die das Goldblättchen zum Behauen gelegt wird


Jade

Der zweite Halt ist der Jademarkt der Stadt. Eine ganz besondere Stimmung herrscht hier. Ausschließlich Männer laufen, in Longjis (den langen Wickelröcken) und feinen Hemden,  geschäftig umher und inspizieren mit speziellen Lampen und prüfenden Blicken die winzigen Jadesteinchen, die an etlichen Tischen angeboten werden. Nie hätte ich gedacht, dass Jade so wertvoll sein kann. Ein einziger Stein in der größe eines Daumennagels kostet ab 500 Dollar. Je weiter man ins Innere des Marktes vordringt, desto dunkler wird die Farbe der Steine und desto höher ihr Wert. In einigen Läden können dann fertige Schmuckstücke zu horrenden Preisen gekauft werden: mehrere tausend Dollar muss man für Ohrringe und Ketten blechen. Obwohl ein durchschnittlicher Jadehändler wohl ca. 25.000 Dollar Umsatz pro Tag mache, werden wohl nur die wenigsten reich damit. Dazu bräuchte man das Glück, an einen ganz besonders schön gefärbten und marmorierten Stein zu geraten.
Unglaublich, was für Werte hier in den Begen Myanmars liegen. Und traurig, zu wissen, dass der Großteil der Jadesteine direkt nach dem Abbau über die chinesische Grenze geschmuggelt wird und dem eigenen Land somit keinerlei Nutzen bringt.
Die Frauen sitzen hinter den Tresen mit den Endprodukten und versuchen diese in mehr oder weniger großen Mengen unter das Volk zu bringen.

Teakholz

Unser dritter Halt führt uns zu einer kleinen, aber reich mit Holzschnitzereien verzierten Pagode.

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Gold

Zu guter Letzt schauen wir uns an, wo all die BlattgoldBlättchen landen. Nämlich am wertvollsten Buddha der Welt. Er wurde in den letzten Jahren so über und über mit Blattgold beklebt, dass seine ursprüngliche Form schon gar nicht mehr richtig zu erkennen ist. Unser Reiseführer vergleicht ihn mit einem Michelin-Männchen in Gold. Angeblich fallen jährlich mehrere Kilo Goldstaub einfach so von ihm ab, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Und nicht nur sein Körper glänzt, sondern er hat eine filigran verzierte Krone auf, die aus unendlich vielen Rubinen, Jade und anderen Edelsteinen besteht. Angeblich ist der Buddha mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

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Michelin-Männchen auf Burmesisch
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Gläubige kleben Gold an den Buddha

Unglaublich, wieviel Wert allein in dieser einen Pagode schlummert. Und wie viel Geld auf den Straßen nötig wäre, um sich eine ordentliche Müllabfuhr, vernünftige Elektroleitungen, konstantes Internet und dergleichen leisten zu können. Aber was das angeht, passiert gerade viel im Land und die Leute blicken erwartungsvoll zur neuen Regierung – es wird sich zeigen, ob zu Recht.

Im März 2016 wurde die jahrelange Militärregierung durch eine demokratisch gewählte ersetzt. Laut Mr. Thi Ha hat sich in diesem einen Monat schon merklich etwas in dem Land getan. Beispielweise konnte er uns die 3 neuen Ampeln in Pyin Oo Lwin genau aufzählen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es überhaupt zum ersten Mal Ampeln in Pyin Oo Lwin gibt.

 

 

 

22.04. : On the road to Mandalay und die längste Teakholzbrücke der Welt

On The Road to Mandalay

von Jonas

Endlich, ich habe mich jetzt schon eine ganze Woche lang darauf gefreut, diesen Artikel zu schreiben. Bzw. eigentlich nur die Überschrift. Dieses Mandalay, was so vielfach besungen wurde, soll laut Reiseführer von kaum einem der Autoren tatsächlich gesehen worden sein. Aber nachvollziehbar ist, dass man an dem wohlklingenden Namen doch allerhand Poesie erkennen kann. Hier das Original von Frank Sinatra. Später gecovert unter anderem von Robbie Williams.

Des Weiteren wurde uns diese Stadt, vom gleichen Reiseführer, als maximal unattraktiv beschrieben. Dennoch wollten wir hier einmal durch, da es ja schließlich die zweitgrößte Stadt in Myanmar ist. Unattraktiv ist es hier nicht mehr oder weniger, als anderswo in diesem Land. Momentan ist es scheinbar überall heiß und staubig, dazu verkehrslärmlaut und vermüllt. Durch die durchamerikanisierte Straßenordnung und -benennung kommt man hier, selbst als Tourist, sicher zurecht.
Amüsanterweise wusste selbst unser Taxifahrer aus Pyin Oo Lwin, an welcher Straßenkreuzung sich das Nylon Hotel, unsere derzeitige Residenz, befindet:
„Nylon? Ahh! Twentifi… eightytswie… Hokehoke (25/83… jaja)“

Für die Runterfahrt aus Pyin Oo Lwin waren wir übrigens dank der halbwegs sicheren Fahrweise in nur der Hälfte der Zeit wieder in Mandalay als auf der Hinfahrt. Das mag vielleicht daran liegen, dass wir diesmal nicht mit einem Reisebus die Straßen hochgefahren sind, sondern mit einem PKW, oder aber an dieser -halbwegs- sicheren Fahrweise.

Wir sind auf jeden Fall sicher angekommen, man hat uns die Rucksäcke aufs Zimmer getragen und wir haben Kontakt mit dem Couchsurfer Aung Ko Ko aufgenommen, der uns abends an „the entrance of the bridge“ in Amarapura treffen wollte, was ca. 11km südlich von Mandalay. Okay, das klingt gut – aber: am Anfang der Brücke… links oder rechts? Schließlich ist diese Brücke die längste der Welt (zumindest, wenn man nur Teakholzbrücken miteinander vergleicht…), also wäre ein Warten auf der falschen Seite fatal… Naja, erstmal hin.
Getroffen haben wir ihn leider dann doch nicht, aber der Weg hat sich allemal gelohnt.

Amarapura 

Die längste Teakholzbrücke der Welt führt nun also über den zur Zeit größtenteils ausgetrockneten Fluss Ayeyarwady, der durch das Land fließt. Kurz bevor wir losfahren wollten, kam ein riesiger Gewitterschauer, der uns doch ziemlich überraschte. Schließlich ist doch gerade Trockenzeit. Wir sind nach einigem Überlegen und Abwägen trotzdem losgefahren, sind ein bisschen nass geworden. Nicht so schlimm, trocknet ja wieder. Aung Ko Ko ist dann leider nicht gekommen, weil wir uns ein wenig missverstanden haben – oder weil er nicht nass werden wollte. Oder weil er dachte, dass wir nicht nass werden wollen. Oder weil er dachte, dass wir dachten, dass er nicht nass werden will. Nicht immer so einfach mit der interkulturellen Kommunikation.

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen. Die Temperaturen waren deutlich gesunken. Man hätte fast frieren können – verrückt, nach einemTag mit 40°C. Die Stupas leuchteten golden vor dem noch grauen Regenhimmel und alles glänzte im Spätnachmittagslicht.


Somit hatten Anne und ich einen wunderschönen Sonnenuntergang auf der längsten Teakholzbrücke der Welt. Das ausgetrocknete Flussbett bot eine eigene Landschaft für sich: Einige Bauern spannten im Abendlicht ihre zwei weißen Ochsen vor einen Karren, zwei Männer fuhren mit ihren Booten raus, um Netze einzuholen und vor dem Abendhimmel hoben sich weiße und goldene Stupas aus dem Grün der Bäume ab, perfekt im Kontrast zum dunklen Braunrot der Kleidung der Mönche, die zu Hauf über die Brücke schlenderten.