(PH) Tipps von Lorenzo

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Herrjeh… Das war ein ganz schön Ru(h)mreicher Abend

Wir haben Lorenzo damals beim Couchsurfen in Moalboal getroffen. Er hatte sich so ein wunderschönes Haus gemietet, dass wir eigentlich selber gar nicht wieder weg wollten. Aber an dem einen, letzten Morgen, als wir aufgestanden sind, verkündete er uns, dass er selber weiterreisen werde.

Hier ist unser Blogeintrag zu ihm

Wir sind dann gemeinsam aufgebrochen. Zum Glück gibt es Internet, so dass wir den Kontakt halten konnten.

Hier sind Lorenzos „Tipps“ für die Philippinen

 

Hello you both!

Nice blog, Isla gigantes! The picture where you are dancing, the beach on the back look great. And nice picture of the sea oursins !

Who knows, maybe we will meet in Germany some day, I am in Dakar now, Senegal, after spending few days in Kuala Lumpur, Paris, madrid and Casablanca…

I am afraid the answers to your questions might not be what you expect

lol.

 

Ok, Lorenzo, which song or which band from the philippeans do you like the most? 

I never heard filipino music.
And I never met people listening to filipino music. They were listening only american music.

 

What is your favourite book from an author from the philippeans?

I never saw a book in filipinas and i never saw someone reading unless messages on their smartphones

 

Which movie from the philippeans is your favourite?

I saw 2 or 3 filipino movies, I found them very bloody and full of drama, far to be good. Far to be recomented

 

What is your favourite dish?

I think it is rum!

Meals not drinks!

Aahhh… It is definately Lechon baboy

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Do you have a sentence with which we could surprise the locals?

Surprise or better convince to make it as cheap as possible:

walla cuarta sencillo ra

It means: I have no money, just coins

 

Why should we travel to the philippeans?

Best place I saw in Phils was El Nido, nice beach, nice blue-green water. I think the philippeans are a good place where to scuba dive and snorkel.

I think you know much better philippines than me now!

03.07. – 06.07.: Lorenzo in Moalboal

Wir haben Lorenzo kennen gelernt.

Lorenzo.
Ein Mann, der seit jeher schon auf dem Weg lebt. Seine Eltern sind damals mit ihm immer weiter gezogen, er hat eine Frau kennengelernt, geschwängert und ist rausgeschmissen worden, danach musste er als Bettler auf der Straße leben. Lorenzo ist 52 Jahre alt und ist seit 25 Jahren unterwegs. In dieser Zeit ist er schon in 50 Ländern gewesen und hat in vielen auch gewohnt. Sein Ziel ist es, in allen Ländern der Welt einmal Klavier gespielt zu haben. Lange Zeit hat er als Jazzmusiker gearbeitet und damit sein Geld verdient, jetzt arbeitet er als Übersetzer für ein Internetportal und ist damit ortsunabhängig. Lorenzo ist seit 8 Monaten in den Philippinen und ist eigentlich gerade am Überlegen, dass er weiter möchte. Er hat lange in einem Guesthouse gewohnt, sich dann aber seit 4 Monaten ein Haus gemietet.

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Und genau in dieses Haus hat er uns eingeladen. Ein wahnsinnig großes Haus mit einem wahnsinnig großen Garten mit einem wahnsinnig krassen Ausblick direkt über eine Seegraswiese, auf der jeden Morgen ca. 10 Schildkröten zum Frühstücken vorbeikommen. Es ist absolut still. Außer abends, wenn die Fischer nach Hause kommen und die frischesten Fische an die Hausfrau bringen, aber ansonsten: Nix.
Naja, bis auf seine Vorliebe, sehr laut Musik zu hören, aber zum Glück arbeitet er am liebsten nachts bis 6.00 Uhr morgens und schläft dann bis 14.00 Uhr.

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Wir haben die Zeit dort genutzt, um viel zu schnorcheln. Mit nur wenigen Schwimmzügen tut sich eine neue Welt unter einem auf: Korallen, Anemonen, und dazwischen Fische in verschiedensten Farben und Formen. Man dümpelt da so staunend herum und plötzlich hört alles auf – zumindest der Boden. Die Korallenwand fällt ganz plötzlich ganz steil ab und man sieht nur noch blau. Ein sehr tiefes, dunkles Blau. Vor diesem blauen Hintergrund leuchten die Fischschwärme noch mehr. Wunderschön.
Am Morgen bei Flut muss man nur ins Wasser stolpern und die Stelle mit dem saftigsten Seegras suchen – und schon hat man mit etwas Glück eine der Schildkröten unter sich, einige auf Armlänge Entfernung. Manche haben einen 1,50m langen Panzer – ganz schön beachtlich. Genüsslich knuspern sie am Seegras und lassen sich kaum stören. Wenn es ihnen zu langweilig wird, ziehen sie entspant weiter. Ganz bedächtig bewegen sie ihre Beine – es sieht aus, als würden sie durchs Wasser fliegen.

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Der grandiose Ausblick vom Balkon

Ich war einmal tauchen und konnte die für die Gegend berühmten Riffwände betrachten. Die Tauchmaster waren diesmal leider noch sehr jung und enerfahren und haben dementsprechend die meiste Zeit damit verbracht, selber zu tauchen, anstatt uns etwas zu zeigen. Das war eine andere Erfahrung als in Siquijor mit Ramon. Aber auch sehr spannend. Beim ersten Tauchgang hatten wir eine starke Strömung, sodass wir uns unter Wasser austarieren konnten und dann 30min auf 17m an dieser wunderschönen Korallenlandschaft vorbeigetrieben sind, ohne auch nur einen Flossenschlag zu tun. Beim zweiten Tauchgang musste ich durch ein Missverständnis mit der Tauchmasterin leider nach 40min wieder auftauchen. Zu sehen gab’s nichts besonderes. Viele bunte Fische, Korallen, Schnecken, Krabben. Das Übliche halt.

Am 04. war Montag. Montag ist Tanzen. Immer.
Lorenzo ist Jazzmusiker, der nichts aufhebt. Glücklicherweise gibt es doch dieses eine Video irgendwo in den Untiefen von Youtube, welches er uns nach langem Bedrängen gezeigt hat. Was liegt hier näher, als dazu zu tanzen?!

 

 

Während der Zeit bei Lorenzo haben wir versucht, ihn mit Essen zu versorgen – quasi als Gegenleistung dafür, dass er uns bei sich wohnen lässt. Dafür sind wir abends direkt zu den nach Hause kommenden Fischern an den Strand gegangen und haben denen den frischesten Thunfish unseres Lebens abgekauft. Schnell ausgenommen, in den Ofen und dann mit Prinzessböhnchen und Reis genossen. Was für ein Fest. An dem Abend haben wir Lorenzo auf 2 große Bier eingeladen und er uns dafür auf eine Flasche Rum, die wir auch ganz brav ausgetrunken haben. Anne hat sich höflich zurückgehalten, also MUSSTE ich wohl mit Lorenzo trinken. Um 0.00 bin ich lieber schnell ins Bett gegangen, in der Hoffnung, dass kein Kater kommt.
Kam doch einer, aber das hat überhaupt nichts gemacht. Wir haben einfach den ganzen Tag auf der Terrasse gehangen und aufs Meer gestarrt und mit Plänen geworfen.

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Superfresh White Tuna

Am Abend hatte Lorenzo Freunde aus der Gegend eingeladen, also gab‘s selbst gemachte Pizza und Thunfischsashimi. Natürlich wieder superfrisch direkt aus dem Meer. Der Thunfisch, nicht die Pizza. Lorenzo hat wieder eine Flasche Rum auf den Markt geschmissen. Die hat er dann aber mit seinem Kumpel Raul ausgetrunken. Die Stimmung war ausgelassen. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht. Dabei hatte noch nicht mal jemand Geburtstag. Aber laut Lorenzo kann man alles feiern, so zum Beispiel, dass gleich die Pizza fertig ist, dass man Gäste hat usw.: „Oh, the pizza is ready. Let’s celebrate!“ – Schwupps, wieder sind die Gläser voll.
Lorenzo hat uns ganz fleißig seine Lebensgeschichte präsentiert und kam immer wieder auf komische Ideen. Zum Beispiel hat er auf einmal spontan seine 80-jährige Mutter anrufen wollen (und es auch versucht), um ihr zu sagen, dass die seiner Tochter und seiner Exfrau nichts vererben soll. Lieber solle sie es verschenken. Sehr spontan, lustiger Typ. Irgendwann gegen 23.00 Uhr sind Raul und seine Frau los und hatten sich zum Abendessen für den nächsten Tag angekündigt. Schön war’s gewesen, alle fühlten sich sichtlich wohl.

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Wir haben auch ein paar Seeigel gesammelt, Jannette hat uns bei der Zubereitung geholfen. Wir haben sie roh gegessen.

Am nächsten Morgen kam die Schattenseite der Feierei: In der Nacht hatte jemand das Handy von unserem Gastgeber geklaut, und zwar aus seinem Wohnzimmer. Ob das tatsächlich so passiert ist, wissen wir nicht, es war auf jeden Fall weg. Lorenzos Entschluss stand fest: Er wird das Land verlassen. Morgen!

Raul und Jannett waren beim Abendessen genau so bestürzt und überrascht wie wir, konnten ihn aber auch nicht von seiner Meinung abbringen.

Also los! Und genau so wurde es auch gemacht. Die Vermieterin des Hauses hatte eine Monatsmiete im Voraus und die Kaution. Raul und seine Frau sollten sich um die Wertsachen im Haus kümmern, ansonsten hat er alles zurückgelassen. Sein Handgepäck für das Flugzeug war schnell gepackt. 2 kurze Hosen, 3 Tshirts, Laptop.

Essensreste teilweise noch auf dem Tisch.
Teller standen unabgewaschen herum.
Der Kühlschrank voller Sachen.
Die Betten nicht gemacht.
Der Müll nicht geleert.
Das Haus dreckig.
Unfertig.

Wir haben das Haus gemeinsam verlassen. Anne und ich waren so bedrückt, dass uns beinahe die Augen in den Tränen standen. Aber auch wir wollten weiter. Er wollte nach Cebu, dann spontan einen Flug nach Manila kaufen und von dort weiter nach Malaysia. Aber ob er den Plan genau so durchzieht, weiß er wahrscheinlich selber auch noch nicht. Vielleicht sitzt er inzwischen irgendwo in Sibirien. Wir sind jedenfalls um 5.00 morgens aufgetanden, wurden freundlicherweise von Raul und Jannette an die Straße gefahren und haben dort gemeinsam auf den Bus gewartet. Während der Busfahrt wurde wenig gesprochen. Eigentlich gar nicht. In Naga City sind Anne und ich ausgestiegen, um nach Toledo zur Fähre zu fahren.

Thank you. Good bye.
Ein Handschlag.
Weg.

Lorenzo.
Ein Mann, der nicht zurück blickt, sondern sich immer wieder neue Leben aufbaut.
Alles Gute, wo auch immer du steckst.

03.07.: Walhaie in Oslob

Wir haben die Nacht per Homestay bei einer sehr netten Familie verbracht. Alles war mit wunderschönen Holzmöbeln bestückt und das Wohnzimmer voller alter Familienfotos. Aufstehen sollten wir verdammt früh -um 5.30 Uhr, um es genau zu nehmen. Warum so früh, haben wir uns gefragt. Keine Ahnung. Weil man das hier so macht, hat uns die nette Gastmutter ins Gesicht gegrinst. Aufgewacht sind wir allerdings noch früher, nämlich leider schon um 4 Uhr, weil der Bratengeruch von Schweinefett in unsere Nasen geweht ist. Lange konnten wir das nicht in unsere Träume einbauen; irgendwann wurde der Geruch einfach zu penetrant und das Kichern der Nachbarn ebenfalls. Es war noch stockduster, aber die Hähne haben sich wohl von dem lustigen Treiben anstecken lassen und fingen ebenfalls um 4 Uhr an, heiser zu krähen wie eine verrostete Gießkanne. Also stolperten auch wir in den Tag und kurz nach Sonnenaufgang zu den Walhaien.

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Stromausfall am Abend vor dem Event

Tatsächlich wurden uns die Augen geöffnet, als wir dann um 6.15 Uhr bei dieser Massenabfertigung standen. Eine super durchstrukturierte Massentourismusstelle hat uns empfangen. Man musste, wie hier wohl überall üblich, an mehreren Stationen vorbei.
Station 1: Name eintragen und einen Zettel bekommen
Station 2: Vortrag zum Verhalten mit und bei den Walhaien
Station 3: Zettel vorzeigen, bezahlen, neuen Zettel kriegen
Station 4: Zettel wieder abgeben und eine Nummer gesagt bekommen. Und dann auf den Aufruf dieser Nummer warten.

Wir hatten Boot Nummer „74“. Die fangen hier um 6.00 Uhr an und jedes Boot hat 30 Minuten Zeit mit den Walhaien. Es ist 7.00 Uhr. Wir hatten die Nummer 74. 74! Wie schaffen die das? Nach 45 Minuten warten wurden wir dann endlich aufgerufen. Die Bilder, die man vom Strand aus sehen konnte, erinnerten an aktuelle Nachrichtenthemen und Bilder. Das Wasser voll mit Booten. Das Wasser voll mit Menschen. Das Wasser voll mit Schwimmwesten.

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7.30 Uhr. Jeder bekommt Schnorchelwerk und Schwimmweste und dann geht’s aufs Boot. Die Walhaie werden hier an die Küste gefüttert, sodass wir keine 2 Minuten fahren müssen, um mitten im Getümmel zu sein. Vor uns Boote, hinter uns Boote, überall Boote. Wir gehen auch ins Wasser. Ich kann gerade noch die Taucherbrille aufsetzen, als hinter mir ein Walhai auftaucht. Bzw. sein Maul sich aus dem Wasser schiebt. Wenn man die Arme ganz ausbreitet, dann geht das Maul von einer Fingerspitze bis zur anderen. Und dieses riesen Tier kommt nun direkt auf mich zu. Direkt. Doch zum Glück werde ich von einem anderen Walhai abgelenkt, der gerade unter mir durchschwimmt. Aber es dauert halt, bis 9 Meter unter einem durchgeschwommen sind. 9 Meter – das sind 4 1/2 x Zollstock.

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Überall Walhaie. Insgesammt schwimmen vielleicht 4 oder 5 Tiere um uns herum. Bei manchen hängen lustige Pilotfische in Maulnähe und versuchen, möglichst viel von dem Krill abzustauben, den die Tierwärter unaufhaltsam ins Wasser schmeißen. Unter uns war 15 m Sicht auf den Meeresgrund und natürlich allerhand Begleitgetier, das ebenfalls Krill abstauben wollte. 1m große Barsche, ein riesen Schwarm silberner Fische mit extrem großen Mund usw.

Die meisten der Bootguides haben GoProCams, welche sich die Touristen geliehen haben, und fotografieren eben diese Touristen vor den Walhaien.
Es gab eine Situation,  bei der aus versehen 3 Menschen an 3 Punkten eines imaginären Vierecks schwammen. An der vierten Ecke kam auf einmal ein Walhai angeschwommen, mitten zwischen diese Menschen. Man konnte ihm quasi ansehen, dass er sich völlig überrumpelt fühlte und eigentlich gerne dort weg wollte. Aber nach vorne ging nicht, da war so ein großes Menschenwesen. Nach links und rechts offentlichtlich auch nicht, nach oben ging nicht und nach unten wollte er irgendwie auch nicht. Also hat er sich gaaaanz langsam nach links gewendet, wahrscheinlich, weil er dort den schnellsten Schwimmer vermutet hat. Richtig so, alle haben ihm natürlich Platz gemacht, aber es hat halt 2-3 Sekunden gedauert.
Oft konnte man auch koreanische oder japanische Touristen beobachten, die ganz aufgeregt versuchten, einen Walhai ins Visier ihrer Kamera zu bekommen. Während sie sich richtig für das Foto positionierten, bemerkten sie aber gar nicht, dass hinter ihnen gerade ein riesiges anderes Exemplar auf sie zuschwamm. Der Hinweis darauf löste einen sehr lustigen Schreck-Moment in ihren Augen aus.
Noch besser war jedoch ein anderer Typ, der runtergetaucht war. Als er nach oben schoss, prallte er mit seinem Kopf direkt gegen die Brustflosse eines Walhais. Nicht nur, dass er sich gehörig erschrak, dass ihm da auf einmal was im Weg war – es muss auch unglaublich hart gewesen sein.

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Nach 30 Minuten war das Spektakel vorbei und wir sind wieder an Land gefahren worden. Noch voller Adrenalin sind wir zurück zu unserem Homestay und haben dort Frühstück bekommen. Es war 9.30 Uhr und wir haben heute gefühlt schon genug für einen Tag erlebt. Aber es war ja erst 9.30 Uhr. Eigentlich Zeit, einen Tag zu beginnen. Also sind wir an die Straße gegangen, haben einen Bus angehalten und sind nach Moalboal gefahren. Dort sollten wir unseren Couchsurfer Lorenzo treffen.