15.07. – 16.07.: Caticlan, die Transitstadt, die sich nicht lohnt

Wir sind am 15.07. bei Angelyn relativ entspannt irgendwann am Vormittag aufgebrochen, um die letzte Etappe auf Panay zu bestreiten. Wir wussten, dass das Schiff nach Batangas jeden Tag um 8.00 Uhr fahren würde und hatten uns schon darauf eingestellt, dass wir dort in Caticlan eine Nacht schlafen würden, damit wir am nächsten Tag sehr früh aufstehen können, um auf das Schiff zu kommen.

 

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Daran hat sich unser Fahrer garantiert nicht gehalten.

Eine wackelige Minivanfahrt später, bei der Anne fast den Tempolimitangsttot gestorben wäre, sind wir in Caticlan angekommen. Auf den ersten Blick sieht die Stadt aus wie eine Wüstenstadt. Es ist halt eine Transitstadt, die sich um den Fähranleger herum aufgebaut hat. Die meisten Menschen wollen hier auf die Partyinsel Boracay. Wir nicht!
Fastfoodgeschäfte mit billigem, schlechtem Essen säumen die Straßen, die keine Bürgersteige haben. Die Tricycles hupen mit den riesen Reisebussen um die Wette, die sich hier im Sekundentakt durch die Häuserfronten schieben.

In Caticlan angekommen, sind wir quasi direkt zum 2GO-Fähr-Büro gegangen, um ein Ticket für den nächsten Tag zu besorgen. Die Dame dort war zwar sehr nett, hat uns aber gesagt, dass das heutige Schiff aufgrund von Verspätungen vor einer halben Stunde abgefahren wäre. Es ist 13.30 Uhr. Verdammt. Hätten wir bei Angelyn nicht so viel rumgetrödelt, hätten wir das Schiff noch bekommen. Dann wären wir jetzt schon auf dem Weg nach Batangas und würden noch mehr Zeit auf Luzon haben. Zu viel Konjunktiv, haben wir beschlossen. Wir haben uns also ein Zimmer genommen und uns gefreut, dass wir jetzt hier so viel Zeit genießen können. Genießen ist man in dieser abgasversmogten und akustikverschmuzten Stadt zwar nicht ganz richtig, aber es klingt schön, wenn man es schreibt und sicherlich auch, wenn man es liest.

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Vernünftige Restaurants gibt es nicht. Überall nur Fastfood. Und selbst in McDonald’s-ähnlichen Philippinoketten gibt es nur Reis mit Fleisch. Lecker, sagen die einen, aber morgens-mittags-abends Fleischreis oder Reisfleisch ist dann doch irgendwann genug des Guten. Aber wir sind ja zwei mutige Abenteurer, die schon so einiges erprobt sind. Deswegen halten wir uns mit Fastfood über Wasser.

Am 16.07. sollte unsere Fähre statt um 8.00 Uhr um 13.00 Uhr abfahren. Das hatten sie uns schon beim Ticketkauf angekündigt. Für uns kein Problem, damit würden wir jetzt auch noch fertig. Wir haben ja genug Zeit.

Um 11.30 Uhr haben wir uns am Terminal eingefunden und den Ticket-TerminalFee-Stempel-Spießroutenlauf mit Bravour bestanden.
Es wird 12.00 Uhr.
Es wird 13.00 Uhr. Klar, hier auf den Philippinen muss man mit Verspätungen rechnen.
Es wird 14.00 Uhr. Das Schiff ist immer noch nicht in Sicht. Zeit, uns nochmal mit Fastfood zu versorgen. Man kann ja nie wissen, wie lange das noch dauert.
Es wird 14.30 Uhr. Langsam werden wir etwas unruhig, weil wir uns in Batangas mit einem Couchsurfer verabredet haben, der uns am Hafen abholen wollte. Die Faht sollte 10 Stunden dauern und wenn wir jetzt so spät erst loskommen, würden wir mitten in der Nacht erst ankommen.
Es wird 15.00 Uhr. Das Schiff liegt vor Anker. Jetzt wird es hektisch. Schnell aufs Schiff.
15.45 Uhr. Abfahrt.

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Puh, was für ein Tag.

14.07.-15.07.: Nochmal Student sein

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Angelyn in Kalibu ist unsere sechste Couchsurfing-Gastgeberin auf den Philippinen. Wir haben uns vor ihrem College verabredet. Kaputt kommen wir am Nachmittag zum Treffpunkt. Heutige Reiseroute: fast drei Stunden im Boot, eine halbe Stunde im Tricycle, drei wacklige Stunden in einem Bus, zwei waghalsige Stunden in einem Minivan und nochmal diverse Tricyclefahrten. Das ist der Moment, in dem man sich eigentlich nur in ein kühles Zimmer mit Klimaanlage wünscht. Ankommen, einchecken, Zimmer runterkühlen, duschen und ab ins Bett. Nicht gerade der perfekte Tag zum Couchsurfen, denn Abenteuer und neue Eindrücke hatten wir heute schon genug. Aber das kann man halt nie vorher wissen. Also: Letzte Energie zusammennehmen und rein ins Couchsurfabenteuer.

 

Angelyn sitzt sie mit ihren Kommilitonen im Café. Alle sind aufgeregt, uns zu treffen und trauen sich kaum mehr als einmal kurz hallo zu sagen. Sie lachen laut und aufgekratzt und ich komme mir vor wie in einer Horde Teenager. Bald fahren wir zum Glück los, in Richtung unseres Zuhauses für diese eine Nacht. Endlich duschen und zur Ruhe kommen.
Aber nix da: Als wir in Angelyns Haus ankommen, erwarten uns dort nicht nur die zwei aufgedrehten Hundewelpen, sondern auch die zehn Kommilitonen, die vorher im Café abgehangen hatten. Jetzt hängen sie hier ab, verteilt auf Wohnzimmer und Vorraum. Der Fernseher läuft, ohne dass jemand hinsieht. Alle schalten die Köpfe ab und die Technik an. Jeder hängt in irgendeiner Ecke über seinem Smartphone. Unterhalten tut sich niemand, dafür ist die Geräuschkulisse auch zu groß. Nach einer Weile gewöhne ich mich daran, dass niemand versucht, sich krampfhaft mit uns zu unterhalten. Irgendwie ist es auch schön, einfach dabei zu sein und nicht als Ausstellungsobjekt betrachtet zu werden. Die Jungs und Mädels machen das, was sie jeden Nachmittag tun – einfach nur chillen. Angelyn ist mit 28 die Älteste der Gruppe und die einzige mit eigenem Haus – und Wifi. Letzteres ist einer der Gründe, warum sich alle nach dem Unterricht bei ihr treffen. Auch wenn sie das halb als Witz sagen – aber  der Szenerie nach zu urteilen, steckt sehr viel Wahrheit dahinter.

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Dann wird beschlossen, zu trinken. Runde für Runde wandert ein Glas Ananassaft mit Gin von Hand zu Mund zu Hand zu Mund, wird aufgefüllt, geleert, aufgefüllt, geleert. Mit jeder Runde werden die Leute gesprächiger, trauen sich, Englisch zu reden, uns Fragen zu stellen und uns von ihrem Leben zu erzählen. Da ist die 20-Jährige, die ein fünfjähriges Kind zu Hause hat, weil sie mit 15 von einem zugedröhnten Mann geschwängert wurde. Als sie und ihre Eltern bemerkten, dass sie schwanger war, war es zu spät für eine Abtreibung – und Abtreibungen sind wegen des großen Einflusses der katholischen Kirche ohnehin verboten. Von da an wurde sie vor den Nachbarn versteckt gehalten, ging nicht mehr zur Schule und durfte das Haus nur für die Arztbesuche verlassen. Zu groß wäre den Eltern die Schande gewesen, denn sie sind wohl irgendwelche einflussreichen Leute in der Gegend.

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Dann ist da unsere Gastgeberin, fünftes von sechs Kindern, die sich mit dem Verkauf von Lippenstift irgendwie nicht nur das Haus, sondern auch absolut westliche Klamotten und haufenweise Schuhe leisten kann. Von ihrem französischen Verlobten nimmt sie angeblich nichts an, weil es ihr wichtig ist, unabhängig zu sein. Angeblich hat sie auch noch nie die Uni geschwänzt. Um ihre jüngeren Kommilitonen zu erziehen, hat sie Strafen für Schwänzen eingeführt, wie z.B. eine Schachtel Zigaretten an jeden der Freunde. Sie liebt Mode und lässt sich laufend fotografieren. Irgendwann verschwindet sie, um im Wohnzimmer einen ihrer Kumpels beim Catwalklaufen zu unterrichten. Der schmeißt sich in ihre Röcke und stelzt auf ihren Highheels über den Betonfußboden. Seltsame Runde, in der wir da gelandet sind, aber je länger der Abend, desto verbindender der Gin und desto mehr werden wir eins mit den Leuten und ihren Geschichten.

Als die Mückenarmee ausrückt, gehen wir schlafen. Immer wieder werden wir vom Reden und Lachen der letzten Verbliebenen geweckt; inzwischen muss es weit nach 2 Uhr morgens sein. Ich höre notgedrungen den Gesprächsfetzen zu, kann aber nicht mehr einschlafen. Wenn sie das jeden Tag machen, frage ich mich, wie viele Schachteln Zigaretten schon getauscht wurden.

Am Morgen krächzt, gackert und kikerikit es aus allen Richtungen. So, als hätten wir mitten im Hühnerstall geschlafen. Als wir in den Tag starten, kriechen nach und nach Angelnys Freunde aus ihren Nachtlagern. Jegliche Verbindung ist mit dem ausgetrunkenen Gin verschwunden; nicht mal ein guten Morgen ist drin, weil sie so fertig sind. Irgendwann hören wir es aus Angelyns Zimmer husten – aha, so viel zu ihrem festen Willen, nie zu schwänzen. Mit verquollenen Augen betont sie, dass es wirklich das erste Mal ist, dass sie nicht zur Uni geht. Egal, für uns ist es höchste Zeit, aufzubrechen. Raus aus der Bude, rein in den Tag und ab nach Caticlan.

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Überinselt tanzen

Es war zwar irgendwann Montag. Montag ist eigentlich tanzen, aber diesmal nicht.

Am Sonntag gab’s das Tanzvideo im Baum und am Dienstag das Tanzvideo in der Lagune:

 

Die ausführlichen Bilder von dem Inselhopping gibt’s hier

 

Im Reiseführer von Myanmar war die Rede davon, dass man irgendwann „overpagodet“ sei. Wir kommen nun in den zweifelhaften Genuss, das wir überinselt sind.

Immer nur Sandstrände.
Immer nur Sonne.
Immer nur tausend Fische und Korallen unter Wasser.
Immer nur Muscheln am Strand.
Ständig lächelnde Menschen.
Ständig Essenseinladungen.
Ständig Fruchtsäfte.
Ständig an der frischen Luft.
Niemals Strümpfe.
Niemals lange Hosen.
Niemals gemütlich vor dem Ofen sitzen.
Niemals heißer Tee oder Kaffee.

Es reicht. Ich will zurück in deutschen Mischwald, oder zumindest in das verregnete Hamburg, in unsere gewohnte Umgebung.

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Naja, gut, nicht ganz sofort. So ein bis zwei Monate könnte ich es hier wohl noch aushalten.

11.07. – 12.07.: Isla gigantes

Die Gegend hier war überwältigend. Die Eindrücke haben wir diesmal nur in Bildern festgehalten. Für Worte ist uns der Mund vor lauter Staunerei noch nicht wieder zugeklappt. Tippen kann man sowas auch nicht!

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Typisches Bier:

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Auf dieser Insel gibt es Meeresfrüchte satt. Muss man mögen. Wir mögen es:

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Squid adobo mit ausreichend Reis für 3 Euro:

 

Jacobsmuschel: Die ganze Schale (ca 3 Kg) für 3 Euro

 

Aus den Muschelschalen wird dort schöne Dekoration gebastelt:

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Trotzdem liegen am Strand noch so viele schöne Muscheln ungesammelt herum:

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Die Schönsten haben wir gefunden.

 

Wir hatten dabei auch fleißige Helferlein, mit denen wir noch ein bisschen rumgealbert haben:

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Am 12. haben wir dann die vom Gastvater vorgeschlagene Inselhoppingtour gemacht:

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Versteckt und uneinsichtig hinter Felsen findet man die Lagune:

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Unser Tourguide wollte unbedingt ein Foto von uns machen:

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Dort konnte man von Klippen runterspringen. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen:

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Hier ist’s schön.

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Hier auch:

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Eine Trauminsel neben der anderen:

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Inklusive der besten Sonnenuntergänge ever:

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Und dann ging’s auch schon wieder zurück auf’s Schiff. Zurück nach Estancia. Weiter entlang der Insel Panay. Weiter Richtung Manila.

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11.07.: Nachdenkliche Fahrt nach Estancia

Wir starteten bei April direkt von der Haustür aus, liefen ca 5 Minuten und waren dann an der Bushaltestelle. Wobei, Bushaltestelle kann man so nicht sagen. Hier halten die Busse zwar an, sonst zeugt weiter nichts von einer offiziellen Haltestelle. Wir fuhren mit mehreren Jeepneys durch die Stadt bis wir endlich am großen Busterminal ankamen. Alle Menschen hier sind unglaublich hilfsbereit und lenkten uns direkt zur nächsten Stelle. Wir zahlten ehrliche Preise. Kein Aufschlag, weil wir schweres Gepäck hatten, oder weil wir Ausländer sind. Das ist uns sehr sympatisch. Offensichtlich sind die Menschen, je weiter man sich aus einer Touristengegend entfernt, ehrlicher und offener.

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Wir quetschen uns also von einem Jeepney zum nächsten. Supervoll gibt‘s hier nicht. Das heißt nicht, dass die Jeppneys hier leer sind. Im Gegenteil. Wenn ich denke, dass die Busse hier supervoll sind, stimmt´s meistens nicht. Alle rücken ein wenig zusammen und es passen noch mindestens 10 Leute rein. Und wenn es drinnen voll ist, kann man immer noch draußen am Wagen hängen. Und wenn‘s da auch voll ist, ist auf dem Dach noch genügend Platz.

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Es gibt solche Fahrscheine. den oberen Teil haben wir schon entziffern können. 150 Pesos. Beim unteren Teil sind wir uns noch nicht sicher, was das bedeuten soll.

In Tagbak Terminal stiegen wir in einen dieser großen gelben Reisebusse ein, die hier ständig über die Insel gurken und hatten mal wieder Zeit, den Gedanken nachzuhängen. In den letzten Tagen hatten wir uns vermehrt über unsere berufliche Zukunft unterhalten. Wie wollen wir arbeiten? Wo? Was? Wann?

 

These:
Ich will einen Job, der genau zu allen meinen Fähigkeiten passt.
Ich will die richtige Menge an Arbeitszeit mit einer ausreichend guten Bezahlung, die meiner Ausbildung und Abschluss gerecht wird.
Ich will ein regelmäßiges Einkommen.
Ich will Geld sparen, um meine Rente zu sichern.
Ich will genügend Zeit haben, mich um Familie und Freunde zu kümmern.

 

Baum

Überlegung:

Der Baum als Metapher

Mal angenommen:
Der Apfel sei das Endprodukt.
Der Stamm sei die Stabilität.
Die Wurzel sei die Basis.
Das Blatt mit dem Chlorophyl sei der Motor/die Motivation.
Das Wetter und die Tiere seien äußeren Einflüsse.

Botanisch könnte man dieses Konstrukt sicherlich noch weiter spinnen, aber allein diese Beschreibungen reichen uns erstmal aus.

Würde man diesen perfekten Job nun als Apfel (Ertrag) betrachten, haben wir für uns folgende Sätze gefunden.

Wenn man einen Apfelbaum mit reichen Früchten zeichnen sollte, würde keiner von uns anfangen, den Baum bei den Äpfeln zu zeichnen. Sondern zuerst den Stamm, oder die Erde auf der er steht oder vielleicht sogar die Krone, aber niemals den Apfel zuerst und dann drumherum den Baum zeichnen.
Klar, es würde gehen, aber es tut keiner.

Baum 2

Es kommt auch keiner und hängt Äpfel in meinen Garten. Erstmal braucht man einen Baum. Und dann müssen da auch erstmal Früchte wachsen. Und vor allem braucht man erstmal einen Garten.

Ein ganz toller Baum trägt in einem Jahr ganz viele Äpfel und im nächsten Jahr gar keine. Vielleicht reicht ein Baum gar nicht aus. Vielleicht ist ein Baum aber manchmal auch schon zu viel.

Apfel

Irgendwann ist er tot, das heißt, man kann sich in seinem Leben nicht nur auf einen Baum verlassen. Man braucht Vielfalt. Man braucht einen Garten.

Warum nimmt man sich nicht das, was schon da ist? Ich könnte mir ja den Garten von meinem Großvater schnappen. Da ist alles schon perfekt und ich brauche mich nur noch reinzusetzen und muss einfach erhalten und ernten. Das klingt schön. Nur leider ist der Garten nicht da, wo ich ihn gerne hätte. Leider ist der Garten auch nicht so groß, wie ich ihn gerne hätte. Leider ist der Garten auch nicht so bepflanzt, wie ich ihn gerne hätte.

Baum im Garten

Was lohnt sich mehr? Der mühsame Weg, einen eigenen Garten aufzubauen oder der vermeintlich einfachere Weg, einen bestehenden Garten umzuändern und sich den Gegebenheiten anzupassen?

Wenn ich einen Apfel haben möchte, muss ich mich um den Baum kümmern.
Wenn ich einen Baum haben möchte, muss ich mich um einen Garten kümmern.

Vielleicht muss ich auch erstmal einen Weg in meinem Garten legen, das hat mit einem Apfel nicht viel zu tun, ist vielleicht aber trotzdem notwendig, weil ich das so haben möchte. Vielleicht muss ich mich erstmal um den Samen, um den Keimling, um den Setzling, um den jungen Baum kümmern. Aber dann irgendwann kriege ich den Apfel.

Apfel 2

Und dann denke ich mir vielleicht: „‘N Apfelkuchen, das wäre jetzt fein.“ Na toll. Jetzt geht das ganze von vorne los.

 

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Und hiermit – GONGGGG – ist die Diskussionsrunde eröffnet.

09.07.: Neue Insel, neues Glück

Neuer Tag, neue Insel, neues Glück. Unsere Insel Nummer 5 heißt Panay und wird als „großer, leerer Planet“ beschrieben, „um den die Partyinsel Boracay kreist“. Da wir uns um Party absolut nicht scheren, haben wir Boracay schon beim Lesen dieses Satzes aus unserem Plan gestrichen. Nach und über Panay wollen wir aber trotzdem, um bei unserem Inselhopping weiter nach Westen und Norden zu kommen. Unser Ziel ist ja schließlich Manila – und am 22.7. wollen / müssen wir spätestens dort sein, um den Flug nach Bangkok zu nehmen, der uns nach Hause bringen soll.

Auf der Karte sieht es wie ein Katzensprung aus, wenn man von der Insel Negros auf die Nachbarinsel Panay will. In Wirklichkeit hat uns diese Strecke eine lange, aber lohnenswerte Odyssee beschert. Etliche Verkehrsmittel haben wir dabei benutzt, von denen einige das Zeug dazu haben, in unsere Liste der kuriosesten Fahrzeuge auf der Reise aufgenommen zu werden.

Schritt 1: Zu zweit in einem Pedicab zum Hafen fahren

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Ein Pedicab ist ein Fahrrad in Kindergröße, an das ein kleiner Beifahrerwagen geschweißt wurde. Mit Verdeck, kleiner Gepäckablage und sehr, sehr niedriger Sitzbank. Vor Kurzem haben wir dieses Gefährt auf den Straßen von Negros entdeckt und waren neugierig, wie es sich wohl darin so fährt. Ohne zu wissen, wie weit es zum Hafen ist, hat Jonas einen alten Pedicabfahrer von der anderen Straßenseite rangewunken. Glücklich, Kundschaft zu haben, und überglücklich, ausländische Kundschaft zu haben, ist er über die Straße geradelt. Wohin wir wollten, hat er nicht verstanden. Der Wachmann von nebenan konnte mit der Übersetzung helfen, legte aber eine erstaunte bis skeptische Mine auf, als er erst uns und dann unser Gepäck musterte. „Wie wollen diese zwei dicken Weißen denn bitte schön mit ihren Rucksäcken in dieses Pedicab passen? Und wie soll dieser arme alte Mann sie um alles in der Welt bis zum Hafen radeln?“, schien er zu denken. Aber wir waren allen guten Tipps gegenüber immun. Wir wollten nicht auf ein schnelleres Tricycle umsatteln, denn das kannten wir schon – wir wollten jetzt mit so einem Pedicab fahren, und zwar mit diesem! Der Fahrer war genau so stur wie wir, denn er wollte sich sein Morgengeschäft auch nicht von gut gemeinten Ratschlägen versauen lassen. Also winkte er ab, verstaute unser Gepäck auf der Rückbank und wir quetschten uns, so gut es ging, auf die Vorderbank. Und dann radelte er los. Er radelte und strampelte und schwitzte und ich hatte Angst, er würde irgendwann einfach vom Fahrrad kippen, wenn wir nicht endlich bald am Hafen wären. Wieso hatte er bloß zugesagt… Doch wir schafften es – und sogar ganz pünktlich, um in Ruhe unsere Tickets zu kaufen.

Schritt 2: Mit RoRo (Roll on roll off) nach Panay übersetzen

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Die zweite vielleicht etwas seltsame Entscheidung des Tages: Nicht mit dem Fast Craft nach Panay übersetzen, sondern mit der viel langsameren RoRo. Diese braucht fast drei statt der sonstigen anderthalb Stunden. Da sie aber viel ruhiger im Wasser liegen soll und es angeblich noch immer Ausläufer des Taifuns geben sollte, hatte uns unsere Couchsurferin vom Vorabend zu der RoRo-Fähre geraten. Was wir erst später verstanden: Die Roro-Fähre legt nicht direkt in Iloilo an, sondern irgendwo weiter weg. Dass es ein halber Reisetag werden würde, um von unserem Ankunftspunkt bis zu unserem Ziel zu fahren, hätten wir nicht geahnt. Im Nachhinein gesehen war das aber sehr gut so, denn so bekamen wir viele interessante Ecken zu Gesicht und waren wir mittendrin im Geschehen auf Panay.

Schritt 3: Mit dem Tricycle vom Hafen in Dumangas zum Bus Terminal fahren (zu zehnt!)

 

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Anmerkung: Wir alle drei sitzen auf EINEM Motorrad (der Fahrer sitzt auf dem Tank!)! Die sieben anderen Passagiere sitzen hinter unseren Rucksäcken.


Wir legten in Dumangas an, irgendwo in der Pampa an der Ostküste von Panay.  Außer ein paar Verkaufshütten gab es nichts, nicht einmal Jeepneys oder aufdringliche Tricycle-Fahrer. Irgendwas muss hier doch faul sein! Oder wir sind wirklich weit weg von jeglicher (touristischer) Zivilisation. Wir hielten uns an die Einheimischen und beobachteten, wie sie zu sechst oder siebt ein Tricycle charterten. Zur Erinnerung: Tricycles sind Mopeds mit Beiwagen. Normalerweise passen – so sollte man als Europäer denken – zwei Leute dort hinein, nämlich einer auf der Vorder- und einer auf der Rückbank, maximal jedoch vier, wenn man pro Bank zwei Passagiere rechnet. Aber das klingt schon sehr eng. Bald verstanden wir, wie das hier läuft: pro Tricycle zahlt man einen Fixpreis vom Hafen zum Busterminal. Je mehr Leute man auflädt, desto billiger wird es natürlich. Uns wurde ein „Special trip“, ein Tricycle nur für uns beide angeboten – wir lehnten dankend ab und wünschten uns einen normalen Trip. „Sure? Seid ihr sicher?“ – „Ja, ja.“
Also los: das Tricycle, was auf die letzten Mitfahrer wartete, sah schon mächtig voll aus. Zwei Frauen auf der Vorderbank, 2 große Taschen und drei kleine Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren auf ihren Schößen, zwei Leute auf der Rückbank und diverse Gepäckstücke auf dem Dach. Wohin sollten wir? Die Rücksäcke aufs Dach, klar. Und wir? Wir setzten uns dahin, wo noch niemand saß, nämlich hinter den Fahrer, und zwar im Damensattel. Jonas und ich, beide hintereinander hinter einem dritten – das muss man sich mal vorstellen. Seltsamerweise saßen wir echt bequem und hielten das Schaukeln auf dem Feldweg gut aus. Die Sonne brannte uns auf die Knie und die Abenteuerluft wehte uns um die Nase – willkommen in Panay, abseits der Touristenströme!

 

Schritt 4: Im Jeep von einem Terminal zum anderen fahren

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Noch ist es hier leer. Aber zu früh gefreut: Hier werden bald noch ca. 50 weitere Fahrgäste Platz finden.


Aha, das war also das Terminal, denn hier wurden wir ausgekippt. Wir hatten keine Ahnung, wie weit es noch nach Iloilo sein würde, aber irgendwie sah es ziemlich abgelegen aus. Zum Glück waren auch hier die Leute super nett und gut informiert. Keine falschen Informationen; wir wurden von einem zum nächsten gelenkt, bis wir im richtigen Jeepney saßen. Die einzigen Weißen weit und breit und eine absolute Attraktion für alle Mitreisenden und alle, die in der Nähe des Jeeps standen.

Schritt 5: Vom Super Terminal nach Tigbauan fahren

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Nach ca. einer Stunde Fahrtzeit wurden wir wieder ausgekippt. Wie schön, wenn man sich darauf verlassen kann, dass immer einer weiß, wo man hin will und ein Auge darauf hat, dass man richtig aussteigt. Das Super Terminal war riesig. Aber die Arme zeigten wie in einem langen Staffellauf ganz zuverlässig immer weiter, bis wir am richtigen Jeep ankamen. „Tigbauan? There!”, „There!“, „Over there!“, „Here!“ Juhu. Neuer Jeep, neues Glück. Denn dismal durften wir in der Fahrerkabine Platz nehmen. Was anfangs als Privileg erschien, weil wir uns  nicht mit ca. 50 Leuten die Sitzbänke teilen mussten, erwies sich schnell als ziemlich unbequem. Mein Rucksack an den Füßen, Jonas‘ Rucksack auf dem Schoß, tuckelten wir nochmal fast eine Stunde aus Iloilo raus.

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Schritt 6: Ankunft in Tigbauan
Das einzige orange-grüne Haus in Población 4 sollten wir suchen, hatte uns unsere Couchsurferin gesagt. Endlich, da war es! Und da stand sie, April, auch schon und ließ uns rein.
Ihre Mutter hatte ihr Curry und Reis für uns dagelassen und wir konnten uns nach unserer Odyssee erstmal stärken. Zu mehr als ein bisschen quatschen und auf dem Dach ein Bier trinken hatten wir keine Energie mehr. Nur Bier mussten wir noch aus dem Seven Eleven holen. Weil wir so müde von der Reise waren, nahmen wir für die paar Schritte dahin auf Aprils Anraten hin lieber ein Pedicab. Bei dieser Entfernung musste man auch keine Angst haben, den Fahrer bis zum Herzinfarkt zu treiben. Und so kamen wir alle sicher und müde zu Hause an und fielen kurz darauf ins Bett.