22.04. : On the road to Mandalay und die längste Teakholzbrücke der Welt

On The Road to Mandalay

von Jonas

Endlich, ich habe mich jetzt schon eine ganze Woche lang darauf gefreut, diesen Artikel zu schreiben. Bzw. eigentlich nur die Überschrift. Dieses Mandalay, was so vielfach besungen wurde, soll laut Reiseführer von kaum einem der Autoren tatsächlich gesehen worden sein. Aber nachvollziehbar ist, dass man an dem wohlklingenden Namen doch allerhand Poesie erkennen kann. Hier das Original von Frank Sinatra. Später gecovert unter anderem von Robbie Williams.

Des Weiteren wurde uns diese Stadt, vom gleichen Reiseführer, als maximal unattraktiv beschrieben. Dennoch wollten wir hier einmal durch, da es ja schließlich die zweitgrößte Stadt in Myanmar ist. Unattraktiv ist es hier nicht mehr oder weniger, als anderswo in diesem Land. Momentan ist es scheinbar überall heiß und staubig, dazu verkehrslärmlaut und vermüllt. Durch die durchamerikanisierte Straßenordnung und -benennung kommt man hier, selbst als Tourist, sicher zurecht.
Amüsanterweise wusste selbst unser Taxifahrer aus Pyin Oo Lwin, an welcher Straßenkreuzung sich das Nylon Hotel, unsere derzeitige Residenz, befindet:
„Nylon? Ahh! Twentifi… eightytswie… Hokehoke (25/83… jaja)“

Für die Runterfahrt aus Pyin Oo Lwin waren wir übrigens dank der halbwegs sicheren Fahrweise in nur der Hälfte der Zeit wieder in Mandalay als auf der Hinfahrt. Das mag vielleicht daran liegen, dass wir diesmal nicht mit einem Reisebus die Straßen hochgefahren sind, sondern mit einem PKW, oder aber an dieser -halbwegs- sicheren Fahrweise.

Wir sind auf jeden Fall sicher angekommen, man hat uns die Rucksäcke aufs Zimmer getragen und wir haben Kontakt mit dem Couchsurfer Aung Ko Ko aufgenommen, der uns abends an „the entrance of the bridge“ in Amarapura treffen wollte, was ca. 11km südlich von Mandalay. Okay, das klingt gut – aber: am Anfang der Brücke… links oder rechts? Schließlich ist diese Brücke die längste der Welt (zumindest, wenn man nur Teakholzbrücken miteinander vergleicht…), also wäre ein Warten auf der falschen Seite fatal… Naja, erstmal hin.
Getroffen haben wir ihn leider dann doch nicht, aber der Weg hat sich allemal gelohnt.

Amarapura 

Die längste Teakholzbrücke der Welt führt nun also über den zur Zeit größtenteils ausgetrockneten Fluss Ayeyarwady, der durch das Land fließt. Kurz bevor wir losfahren wollten, kam ein riesiger Gewitterschauer, der uns doch ziemlich überraschte. Schließlich ist doch gerade Trockenzeit. Wir sind nach einigem Überlegen und Abwägen trotzdem losgefahren, sind ein bisschen nass geworden. Nicht so schlimm, trocknet ja wieder. Aung Ko Ko ist dann leider nicht gekommen, weil wir uns ein wenig missverstanden haben – oder weil er nicht nass werden wollte. Oder weil er dachte, dass wir nicht nass werden wollen. Oder weil er dachte, dass wir dachten, dass er nicht nass werden will. Nicht immer so einfach mit der interkulturellen Kommunikation.

Nach einer Weile hörte es auf zu regnen. Die Temperaturen waren deutlich gesunken. Man hätte fast frieren können – verrückt, nach einemTag mit 40°C. Die Stupas leuchteten golden vor dem noch grauen Regenhimmel und alles glänzte im Spätnachmittagslicht.


Somit hatten Anne und ich einen wunderschönen Sonnenuntergang auf der längsten Teakholzbrücke der Welt. Das ausgetrocknete Flussbett bot eine eigene Landschaft für sich: Einige Bauern spannten im Abendlicht ihre zwei weißen Ochsen vor einen Karren, zwei Männer fuhren mit ihren Booten raus, um Netze einzuholen und vor dem Abendhimmel hoben sich weiße und goldene Stupas aus dem Grün der Bäume ab, perfekt im Kontrast zum dunklen Braunrot der Kleidung der Mönche, die zu Hauf über die Brücke schlenderten.

 

21.4.: Anisakan Waterfalls

Unser letzter Tag in den Bergen hat dem ohnehin schon schönen Aufenthalt noch die Krone aufgesetzt. Wir haben uns morgens Fahrräder ausgeliehen und sind 8km Richtung der Anisakan Wasserfälle gefahren. „Immer geradeaus“, war die (fast) ausreichende Wegbeschreibung des indischstämmigen Fahrradverleihers. Dass es aber nur bergab – und zwar kontinuierlich steil bergab – gehen würde, sagte er nicht. Auf ca. 7 der 8km musste man eigentlich dauerhaft bremsen, weil es einfach nur runter ging, und das ohne Gnade. Jonas hat es gefallen. Mir nicht. Dazu die überholenden und hupenden Mopeds und Autos von hinten, von rechts, von vorn. Naja, immerhin war die entgegen gesetzte Fahrbahn offiziell auf einem anderen Fahrstreifen und die Fahrer verhielten sich wirklich rücksichtsvoll. Wirklich schlimm war also allein der Gedanke an den Rückweg. „Dafür sollte man etwas mehr Zeit einplanen“, hatte im Reiseführer gestanden. Eine gnadenlose Untertreibung. Nach nur 5 Minuten hätte ich mir den Rückweg nicht ohne Schieben vorstellen können. Aber gut, erstmal hinfahren und dann sehen wir weiter.

Die Fahrräder ließen wir irgendwann stehen und liefen zu Fuß nochmal ca. eine halbe Stunde nach unten. Auch hier war wieder die Vorstellung, das alles wieder hoch zu müssen, schlimmer als die Hitze und die knallende Sonne. Kurzzeitig hatten wir Sorge, dass es auf Grund der dauerhaften Trockenheit eventuell gar kein Wasser mehr im Wasserfall geben würde. Doch irgendwann hörten wir, dass das, was wir für Bambusrascheln gehalten hatten, Wasser war. Wir kamen unserem Ziel also immer näher. Und dann lagen sie vor uns: 5 Wasserbecken mit türkisblauem Wasser, die aus einem gigantisch langen Wasserfall gespeist wurden. Die Abkühlung war perfekt, zum einen wegen des wunderschönen Panoramas, zum anderen, weil es das erste Mal war, dass wir in diesem Urlaub schwimmen konnten. Eine bessere Belohnung für den schweißtreibenden Weg hätte es kaum geben können. Und bis wir entdeckten, dass es ganz oben noch ein viel größeres Becken gab, vor dem einige einheimische Touristen posierten, konnten wir uns der Illusion hingeben, ganz allein unter den Wasserfällen zu baden.

Doch auch der schönste Badespaß war irgendwann zu Ende. So schnell es ging, liefen wir auf den Weg zurück, um möglichst viel der Frische mit nach oben zu nehmen. Inzwischen war es extrem heiß geworden. Alle paar Minuten mussten wir im Schatten Pause machen, schafften den Aufstieg aber doch recht zügig. Trotzdem entschieden wir beim Mittagessen, dass wir uns nicht auch noch mit der Fahrradfahrt quälen müssten. Ein Blumentransporter, der neben unserem Restaurant tausende von Chrysanthemen abgeladen hatte, wurde kurzerhand angetrampt und brachte uns bequem und unverschwitzt innerhalb weniger Minuten zurück nach Pyin Oo Lwin. Zum Erstaunen des Fahrradhändlers kamen wir also völlig unverschwitzt und entspannt lächelnd wieder zurück in seinen Laden gefahren. Wenn der wüsste…

Pyin-Trampen

20.4.: Tanzen im Waisenhaus

Beim morgendlichen Durchstöbern des Reiseführers haben wir einen Eintrag zur St. Matthews Church gefunden. Dort ist nämlich ein Waisenhaus und der Reiseführer beschreibt, dass sich die Kinder und Lehrer dort immer über kleine Geschenke oder eine kurze Unterrichtseinheit freuen würden. Also sind wir kurzerhand dorthin spaziert, haben uns vorgestellt und beschlossen, dass wir da einen Tanzworkshop geben werden. Alle haben sich gefreut, inklusive uns. Wieder zurück im Hostel ist uns dann aufgefallen, dass wir überhaupt keine Ahnung haben, wer da jetzt gleich kommt.
Wie viele Kinder werden kommen?
Wie alt sind die Kinder?
Nur Mädchen oder nur Jungen oder gemischt?
Kennen die überhaupt tanzen mit anfassen?

Wir haben uns auf alles vorbereitet und sind mit Laptop wieder zum Waisenhaus gestiefelt.
Uns haben 14 Kinder zwischen 7 und 12 Jahren erwartet. Einige Lehreinnen waren auch dabei. Was  gleich genau passieren würde, wusste keiner so genau, inklusive uns. Wir haben ca. eine Stunde verschiedene Tänze improvisiert und hatten gehörig Spaß. Ehrlich gesagt wollten wir versuchen, die Choreographien, wie wir aus dem Flolkstanz kennen, mit den Kindern zu tanzen. Da haben die uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil sie zwischendrin einfach neue Regeln erfunden haben und wie wild schreiend und lachend durch die Gegend gelaufen sind und sich beispielsweise neue Partner gesucht haben statt geregelt zum nächsten zu gehen.

Ich habe beim Tanzen noch nie so viel gelacht.

 

20.04.: Verdauungsmissverständnis

Wir gehen ins Restaurant unter dem Hotel. Eigentlich haben wir keinen Hunger, weil uns das fettige Essen der letzten Tage sehr zusetzt. Aber irgendetwas essen müssen wir ja. Deshalb wollen wir uns eigentlich nur eine Kanne heißes Wasser mit aufs Zimmer nehmen und uns dort die paar Scheiben Toast reinzwängen, die zum Frühstück (neben fettigem Spiegelei) angeboten werden.

Um unsere Absicht klarer auszudrücken, habe ich extra zwei Teebeutel mit nach unten genommen. Ich zeige auf die Kanne, zeige auf die Beutel und sage: „Could you give us some hot water, please?“ Um den Grund für unser Anliegen zu illustrieren, streichen Jonas und ich uns synchron über unsere aufgeblähten Bäuche. Der Kellner nickt verständnisvoll und verschwindet diskret in der Küche. Weil er nicht sofort wieder kommt, setzen wir uns doch einen Moment hin, um auf das Wasser zu warten. Dabei entdecken wir ein Bund matschige Bananen, die im Kühlschrank neben einer leicht eingetrockneten, aufgeschnittenen Wassermelone schlummern. Aber Bananen werden ja zum Glück nicht so schnell schlecht und immerhin ist es Obst – genau das, was uns seit zwei Wochen fehlt. Während man sich in Thailand vor Smoothies und Juices kaum retten kann und sich ausschließlich von Obsttellern oder sticky rice mit Mango ernähren könnte, kommt man in Myanmar sehr schwer an Obst. Es gibt zwar einiges auf dem Markt, aber meist haben wir dann weder saubere Hände noch ein Messer dabei, und in kaum einem Café oder Restaurant haben wir bis jetzt Obstsäfte o.ä. gefunden. Der Heißhunger darauf wächst also sehr und diese Bananen sehen, egal wie braun sie sind, gerade sehr verheißungsvoll aus.

Als hätte der Kellner unseren Wunsch erraten, huscht er aus der Küche, geht zum Kühlschrank, greift sich vier der Matschbananen und zwei schrumpelige Mandarinen und verschwindet wieder. „Vielleicht bereitet er uns jetzt ein spezielles Durchfallmenü zu“, überlegen wir und sind ihm für sein Verständnis sehr dankbar. „Darauf sind die doch bestimmt eingestellt, wenn selbst die Einheimischen hier so oft Durchfall bekommen, wie wir einen Schnupfen.“ (Das hatte uns Vera erzählt. Verdauungsprobleme gehören hier zum Alltag dazu; niemand scheint sich Sorgen zu machen, wenn er mal drei Tage auf dem Klo hockt, weil es einfach ständig und jedem passiert.)

Kurz darauf kommt der Kellner mit einem Teller Bananen und Mandarinen zurück. Wir lächeln ihm dankbar zu. Dann bringt er zwei Tassen heißes Wasser. Perfekt. Dass Kaffeepulver daneben liegt, beachten wir nicht und machen uns einen schönen Earl Grey-Tee. Dann kommt der Kellner wieder und bringt für jeden von uns das normale Frühstücksmenü, das wir auch gestern bekommen haben, für jeden zwei Scheiben Toast mit Butter und Marmelade und dazu ein fettiges Spiegelei. „Wohl doch kein Durchfallmenü“, denken wir uns. Der Teller Papaya, der als nächstes serviert wird, bestätigt uns darin, dass hier wohl etwas schief läuft. Und als der Kellner kurz darauf noch einmal zu uns kommt und uns frittierte Gemüsebällchen serviert, wird uns klar, dass es sich wohl um ein Missverständnis handeln muss: Unsere „Wir haben Bauchschmerzen und wollen nur Tee und Toast“- Geste wurde wohl als „Wir haben riesigen Hunger und wollen ein extra Menü haben“ missverstanden. Als er uns wenig später noch einmal Toast mit Mamelade nachreicht und wir es in der Küche verdächtig brutzeln hören, schreiten wir eind und geben ihm – diesmal unmissverständlich – zu verstehen, dass es genug ist. Wir trinken unseren Tee aus und verziehen uns heimlich mit den Bananen auf unser Zimmer.

 

19.04.: Ausritt in den botanischen Garten

Zum Geburtstag hat Anne mir einen Auflug in den botanischen Garten geschenkt. Bzw. ich wusste davon gar nichts, denn es war eine Überraschung. Ich wurde von einer Pferdekutsche abgeholt. Weiß und mit goldenen Verzierungen. Früher war das hier in dieser Kolonialstil durchdrungenen Stadt wohl ein gängiges Transportmittel. Heute dient es, laut Reiseführer, nur noch der Touristenbespaßung. Mir hat es Spaß gemacht. Ich bin ja auch Tourist. Damit ging es dann auf jeden Fall zu dem Garten. Eintritt 2000 Kyat ( 1€ = 1360 Kyat) bzw. für Ausländer 6000 Kyat. Nun gut. Ist ja für eine gute Sache und lohnt sich bestimmt.

 


Gelohnt hat es sich allemal. Eine sehr gut gepflegte Gartenanlage. Alles bewässert und am Blühen. Wunderschön. Vor allem nach so viel Staub, ausgedörrten Feldern und kahlen Bergkuppen war es eine Wohltat, einfach mal wieder Grün zu sehen.

Pyin Oo Lwin-Botanischer Garten
Da das Video von Montag so kurz ausgefallen ist, haben wir euch hier einen weiteren Tanzgruß aufgenommen – diesmal aus dem Bambushain:

 

Anschließend ging‘s weiter zum Feel Cafe. Ein Restaurant und Café für deutlich betuchtere Burmesen. Die Essenspreise, sonst nicht über 3 Euro, ließen sich hier auf jeden Fall mit den westlichen Preisen messen. Aber lecker war‘s, das muss man denen lassen. Für mich gab‘s heute einen grünen Teeshake und für Anne einen Erdbeershake. Auch das ist eine Besonderheit für Pyin Oo Lwin. Denn da es auf 1100m Höhe liegt, wachsen hier nicht nur viele Blumen, sondern auch Erdbeeren. Und die werden als Spezialität in jeglicher Form angeboten, von der Marmelade bis zum Wein. Oder eben als Shake.

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Insgesamt muss man sagen, dass es ziemlich angenehm ist, mal nur 25°C zu haben, da kann mich sich den ganzen Tag über tatsächlich entspannt bewegen, ohne direkt in Schweiß oder Überhitzung zu enden.