Packliste für Südostasien

Natürlich haben wir uns wie verrückt auf diese Reise vorbereitet. Wir haben Ratgeber in analoger und elektronischer Form gewälzt. Wir haben 100 Leute gefragt. Wir haben am Ende aber vor allem unsere eigene Packliste gemacht.

Hier sind ein paar Dinge, die wir unbedingt gebraucht haben und einige Sachen, die wir unbedingt hätten zuhause lassen sollen.

Neben all dem üblichen Rucksackinterieur haben wir hier unsere Kuriositäten aufgelistet:

Von uns auf jeden Fall benötigt:

Mückennetz  – Überall, wenn man sich unsicher ob der Mückenplagerei fühlt, kann man mit 2 bis 3 Handgriffen das Netz im Raum befestigen. Zusätzlich sollte man an Sicherheitsnadeln und Schnur denken. Meistens finden sich jedoch genügend Befestigungspenökel im Raum.

Taucherbrille/Schnorchel – In vielen Resorts oder Hostels kann man sich so etwas ausleihen. Aber zum einen kostet das Geld und zum anderen haben wir solches Gerät oft bei Couchsurfern benutzen können, die am Strand gewohnt haben.

Universalstecker – hilfreich, wenn möglichst klein.

Longyi/Strandtuch – Tja, für einen Longyi müsste man jetzt nach Myanmar oder Sri Lanka reisen, aber ein Strandtuch ist zum kurztemporären Umwickeln und zum längertemporären Draufliegen ziemlich praktisch.

dünner Schal – Im Flugzeug, im Bus oder ganz selten auch mal abends wird es doch mal frisch, allerdings nur so kühl, dass ein Pullover oder eine Jacke übertrieben scheint. Ein dünner Schal ist da genau das Richtige. Man kann sich hieraus auch sehr gut einen Sonnenschutzturban wickeln. Desweiteren kann man sich mit einem dünnen Tuch die Schultern vor der Sonne schützen.

Enge Unterhosen – Herzlichen Gruß an die Männerwelt. Wenn man sich 24 Stunden in feuchtwarmem Klima bewegt, sind enge Unterhose auf jeden Fall den weiten Boxershorts vorzuziehen.

Feuchte Hygienetücher – Wenn man sich den ganzen Tag in einer staubigen und smoggigen Großstadt bewegt, kann es sehr angenehm sein, wenn man sich bei Café-Pausen den Schweiß und den Staub aus dem Gesicht wischen kann. Sicherlich kein supernotwendiges Accessoire, sondern vielmehr ein kleiner Luxusartikel, damit man in der Hitze noch ein wenig weiter durchhält.

Buchstabensuppe – der salzig wässrige Begleiter bei jedem Durchfall.

Gesundheitstees – Sei es, dass man sich einen Schnupfen eingefangen hat, dass man Bauchschmerzen hat oder dass man sich manchmal auf eine gustatorische Heimreise begeben möchte. Diese kleinen Beutelchen nehmen nicht viel Platz weg und helfen doch ungemein.

USB-auf-Mikro-USB-Stick – Unser kleiner Helfer hat das Übertragen und Speichern von handygemachten Fotos ermöglicht.

Mückenschutz – Wir hatten Nobite dabei. Hierbei sollte man allerdings darauf achten, dass von dem Spray nichts auf die Schleimhäute gelangt. Also am besten vor der Tür einsprühen.

Annes ultimative Klotasche – In vielen Orten in Südostasien gibt es kein Klopapier. Wer keine Lust hat, sich mit der Klodusche abzuspritzen, sollte daher für den Fall der Fälle immer ein Stück eigenes Klopapier bzw. feuchte Intimpflegetücher dabei haben. In einer kleinen handlichen Klotasche kann man je nach Bedarf Folgendes verstauen: Klopapier, Hygienetücher, ein Stückchen Seife (am besten in einer kleinen Dose), einen Tampon, eine Slipeinlage, Intimpflegetücher, feuchte Tücher fürs Gesicht, evtl. einen kleinen Kamm, evtl. ein Haargummi, eine Kopfschmerztablette usw.

 

Zum Couchsurfen:

Postkarten/Reisevisitenkarten – Wir haben manchmal einen kleinen Dankeschöngruß in der Wohnung versteckt. Dort haben wir zusätzlich unsere Blogadresse und/oder einen Facebookkontakt draufgeschrieben.

Spaghetti/Instanttomatensoße – Wenn man etwas mitbringen möchte, aber keine Zeit zum Einkaufen findet, kann man sich so etwas bereit halten und seine Gastgeber mit etwas Selbstgekochtem verwöhnen. Natürlich nur, wenn man noch Platz im Rucksack hat.

Seidenschlafsack – Nicht jeder Gastgeber kann ein frischbezogenes Bett anbieten. Ein eigener Schlafsack macht jeden Reisenden zum pflegeleichten, unkomplizierten Gast.

Freundschaftsbänder – oder Souvenirs von unterwegs sind nette Mitbringsel oder kleine Dankeschöns. Wir hatten immer einen Schwung davon in der Hosentasche und haben die jetzt auf der ganzen Welt verteilt.

 

Auf jeden Fall nicht:

Socken – Wir haben insgesamt 6 Paar Socken zuviel mitgenommen. Wir hatten nämlich insgesamt 9 Paar Socken mit. Ehrlich gesagt haben wir in 4 Monaten Asien überhaupt nie Socken getragen. Man braucht ein Paar Socken, um von der Haustür zum Flughafen zu kommen und dann erst wieder auf dem Rückweg.
Anne hatte noch ein Paar Wollsocken dabei, welche sich auf längeren, klimatisierten Fahrten bewährt haben.

Schuhe – Geschlossene Schuhe haben wir benötigt, um von der Haustür zum Flughafen zu kommen. Ansonsten nie. Falls man in den Dschungel geht, machen geschlossene Schuhe Sinn. In den Städten, am Strand oder sonst überall ist man mit Flipflops sehr gut beraten;
und die kann man sich sehr günstig an jeder Ecke kaufen.

Wandersandalen – haben wir überhaupt nie gebraucht. Alle Wege, auch die Wandertouren, sind weitestgehend Flipflop-fähig. Wenn man doch eine mehrtägige Dschungel-Trekkingtour plant, sind knöchelhohe Wanderschuhe mit A-Profil angebracht.

Reisezahnbürste – Diese zusammensteckbare oder zusammenklappbare Variation einer Zahnsäuberungsmaschine ist sehr teuer und spart letztendlich nur einen miniminimini Platz ein. Zahnbürsten gibt es überall in den Supermärkten zu kaufen.

Glänzender Schmuck – In vielen Ländern wird vor Straßendieben gewarnt, die einem die Glitzerdinger direkt aus den Ohren reißen. Ungeachtet dessen, ob sie damit verletzen oder nicht. Dezenter Schmuck oder gar keiner ist hier angebracht.

Schminkzeug – verwischt nur beim Schwitzen. Gerade beim Langzeitreisen macht wohl jeder irgendwann die Entdeckung, dass man sich seit 3 Wochen nicht mehr im Spiegel betrachtet hat. Schminken wird zur Nebensache.

16.06.: Trampversuch nach Khon Kaen

Da stehen wir nun abenteuerlustig in dieser wildfremden Stadt. Der Fahrplan ist klar. Wir haben in der letzten Zeit auf sehr großem Fuß gelebt und wollen nun den Gürtel wieder etwas enger schnallen. Also haben wir uns schon um einen Couchsurfer in Khon Kaen organisiert und wollen aus lauter Pfennigfuchserei, bzw. Centwolferei dorthin trampen.
Es sind 220 km und unser Host hat auch erst am Abend Zeit. Demzufolge haben wir den ganzen Tag, um dort anzukommen.
Also stelle ich mich todesmutig an die Straße. Hier im Linksverkehr muss ich mich erstmal daran gewöhnen, dass erstens die Autos aus der anderen Richtung kommen und man zweitens den anderen Daumen zum Trampen braucht. Ungewohnt, aber machbar. Oder nimmt man hier gar nicht den Daumen? Naja, erstmal anfangen. Nach gefühlten 30 Sekunden hielt schon das erste Auto an. Ein Tuktuk, um‘s genau zu nehmen. Also wieder abwimmeln. Nach 30 weiteren Sekunden kam ein größeres Tuktuk, ein Sawnthang. Das wollte uns umsonst zum Busbahnhof fahren. Dabei wollten wir ja gar nicht zum Bahnhof, sondern nach Khon Kaen. Also wieder weggeschickt. Daumen raus.

Diese ganze Szenerie wiederholte sich mehrfach. Irgendwann wurde es unglaublich heiß und obwohl wir im Schatten unter einer Brücke standen, machte mir die Sonne doch sehr zu schaffen. Nach gefühlten Stunden und dem zehnten Sawnthang beschlossen wir, dann doch zum Busbahnhof und von dort mit dem Bus weiter zu fahren.
Tatsächlich standen wir dort nur 15 Minuten.

11.-15.6.: Von Legenden, Artisten und Bambuszügen

Die Stadt des verschwundenen Stocks

Unsere nächste Station war Battambang (bat = verschwinden, dambang = Stock).

Einer Legende nach lebte hier ein Kuhhirte, der einen Zauberstab aus Rosenholz besaß. Mit Hilfe dieses Stabes gelang es ihm, den König zu vertreiben und selbst König zu werden. Eines nachts träumte er, dass der zukünftige Prinz jedoch bald geboren werden würde. Aus Angst um seine Macht ließ er alle schwangeren Frauen des Landes verbrennen. Noch auf dem Scheiterhaufen wurde jedoch ein Kind geboren. Die Soldaten retteten es aus den Flammen und gaben es in ein Kloster. Durch die Verbrennungen konnte es allerdings nur kriechen, nicht laufen.
Etwas später hatte der König erneut einen Traum, in dem der zukünftige Prinz auf einem weißen Pferd in den Palast geritten kommen würde. Nicht nur er, sondern die gesamte Bevölkerung erwartete die Ankunft des neuen Prinzen. Auch der Junge, der aus den Flammen gerettet worden war, machte sich auf den Weg zum Palast, um das Spektakel zu sehen. Unterwegs bat ihn ein Brahmane, sein Pferd für ihn zu halten. Der Junge passte auf das Pferd auf und bemerkte, dass seine Beine plötzlich geheilt waren. Er stieg auf und das Pferd (welches natürlich weiß war), flog mit ihm zum Palast. Dort angekommen, warf der ehemalige Kuhhirte seinen Zauberstab nach dem Jungen, doch der Stab verfehlte ihn und verschwand und mit ihm auch der ehemalige Hirte. Der vom Scheiterhaufen gerettete Junge wurde der neue König und seine Stadt in Bat dambang umbenannt.

Die Stadt der halben Straßen vs. Die Stadt des Bambuszugs

Und hier sind wir jetzt also, in Battambang, der Stadt des verschwundenen Stocks. Man könnte sie auch die Stadt der halben Straßen nennen. Denn wo sonst gibt es Straße 1,5 oder 2,5?

DSC04560

 

Man könnte sie auch die Stadt des Bambuszuges nennen. Denn nur hier kamen die Dorfbewohner auf die Idee, die Gleise der staatlichen Eisenbahn einfach zu ihren eigenen Zwecken zu nutzen. Immer, wenn gerade kein Zug fährt, laden sie selbst gebastelte Gefährte aus Metall und Bambus auf die Schienen, schmeißen den Motor an und rattern mit ihrem bamboo train über die holprigen Gleise ins Nachbardorf. Ein Problem gibt es nur, wenn jemand aus der anderen Richtung auf dieselbe Idee kommt. Aber auch das ist kein großes Problem. Es wird einfach schnell geguckt, wer weniger beladen ist. Der hat dann verloren, denn er muss sein Bambusgestell und die zwei Achsen von den Schienen heben, den anderen vorbeilassen und wieder alles montieren, bevor es weitergehen kann. Falls mal ein echter Zug unterwegs ist, könnte das Ganze schon brenzliger werden. Aber angeblich kennen die Leute erstens den Fahrplan und zweitens sind die Züge wohl laut genug, um rechtzeitig den bamboo train von den Schienen zu hieven. Naja, und vor allem fahren wahrscheinlich kaum noch Züge hier. Um es genau zu nehmen, wurde uns gesagt, dass die Schienen inzwischen einzig und allein für den Bambuszug benutzt werden. Und uns kam es vor, als ob das wiederum nur für die Touristen geschieht.

Überhaupt ist dieser ganze bamboo train uns eher wie eine große Abzocke vorgekommen. Statt nämlich mit irgendeiner Dorffamilie auf ihrem Wagen mitzufahren, wurden wir an der „Haltestelle“ von einem uniformierten „Schaffner“ begrüßt. Ein offizieller Schaffner? Das stand nicht in meinem Buch. Auch nicht, dass man eine „Fahrkarte“ lösen muss. Und dass die dann auch noch fünf Dollar pro Person kostet, kam mir ganz schön dreist vor. Alles war genau getaktet, kein bisschen Abenteuer mehr. Ankommen, zahlen, auf den Wagen aufsteigen, der schon bereit steht und sogar mit Kissen gepolstert ist, und los geht’s. Das einzig Abenteuerliche ist die hucklige Fahrt über die ausgeleierten Gleise, bei der das Knattern und Wackeln und Ruckeln so einen ohrenbetäubenden Lärm macht, dass man sich nicht mal unterhalten kann. Die Strecke ist leider nicht sonderlich aufregend. Sehr schnell verlässt man den Wald aus dunklen, grünen Bäumen, Bananenstauden und Bambus und fährt in die sengende Hitze hinein, vorbei an Dornenhecken, ein paar Palmen, ausgetrockneten Feldern und vereinzelten Buckelrindern.

Auf der Hinfahrt hatten wir das Glück (weil abenteuerlich) und Pech (weil extrem heiß), dass uns ein anderer bamboo train entgegen kam. Sehr schnell hatten unser Fahrer und der des anderen Wagens unser Gefährt auseinander montiert und an die Seite gestellt. Der andere Wagen fuhr los, wir blieben stehen. In der Ferne sahen wir einen anderen Zug herantuckeln. Auf ihm saßen natürlich Touristen, so wie auf allen weiteren Zügen, die diesem folgten. Während wir dem ersten Wagen noch freundlich hintergewunken hatten, verfinsterte sich unsere Miene mit jedem davon rollenden Zug, denn es war einfach nur verdammt heiß und die Dornensträucher boten nicht gerade viel Schatten. Unser Fahrer zeigte jedes Mal mit irgendeiner Geste an, wie viele Züge wohl noch kommen würden. Am Ende waren es fünf oder sechs und endlich, endlich half der letzte entgegenkommende Fahrer unserem Fahrer dabei, erst die beiden Achsen auf die Gleise zu heben und dann die schwere Plattform darauf zu legen. Nur noch die Kissen zurecht rücken und weiter ging es. Das Ziel (im Reiseführer beschrieben als: kleines Dorf. Sehenswert ist u.a. die Ziegelfabrik) war ein ziemlicher Reinfall: fünf ärmliche Häuser, eine verlassene Fabrik und ansonsten Leute, die im Schatten auf Kundschaft warten, um ihnen Freundschaftsbänder, Elefantenhosen, Batikhemden oder Kokosnüsse zu verkaufen. Natürlich steckten alle unter einer Decke, denn unser Fahrer war plötzlich weg und wir sahen uns somit gezwungen, im Schatten auf ihn zu warten. Und der einzige Schatten war natürlich ein Batikhemden-Elefantenhosen-Baumwollschal-Stand. Nur schwer konnten wir allem Werben wiederstehen. Nur diese eine Kokosnuss, die sah dann doch zu erfrischend aus. Nach eienr Stunde war unsere bamboo train – Tour dann auch beendet. Fazit: Leider hätten wir uns diese 10$ sparen können.

Die Stadt der Artisten  

20160613_194842

Am Abend hatten wir dafür mehr Glück. Wir hatten uns Tickets für den bekannten Zirkus gekauft. Er ist Teil von einem großen Ausbildungsprogramm für Kinder und Jugendliche aus armen Familien, die in bildender Kunst, Design und Performance-Künsten unterrichtet werden. Das Konzept klang sehr spannend und so ein bisschen Kultur könnte auch nicht schaden, dachten wir. Natürlich ging aber einiges schief, weil wir ja Leute in der Ausbildung sahen und keine professionellen Artisten. Teilweise war die Grenze zwischen bewusster Clownerie inklusive den damit verbundenen tollpatschigen Fehlern und den wirklichen Fehlern daher nicht so klar zu erkennen. Oftmals mussten die Artisten 2-3x zu einer Nummer ansetzen. Spannend war jedoch zu sehen, was für eine Kunst tatsächlich in einem Cirque de soleil oder Russischem/Chinesischem Staatszirkus steckt.  Nur der Jongliererin zuzusehen tat dann doch etwas weh. Dass sie fünf Bälle nicht in der Luft halten konnte, fanden wir noch ok. Als ihr dann auch vier und drei Bälle herunter fielen, dachten wir, dass das vielleicht eine andere Clownnummer werden würde, aber dafür guckte sie zu ernst. Als sie dann auch noch den letzten Ball durch die Manege warf, ohne ihn rechtzeitig aufzufangen, wären wir am liebsten selbst vor Scham in den Rängen versunken. Aber die Vorführung war für uns eine schöne Abwechslung zu allem, was wir bisher auf der Reise gesehen hatten.

Vor dem Zirkuszelt hatten wir auch die Gelegenheit, ein kleines Tänzchen zu wagen. Denn es war Montag. Und wie ihr ja wisst, ….
Hier unser erstes Selfie-Video:

 

 


Neben diesen zwei Höhepunkten machten wir in Battambang nicht viel Aufregendes. Wir ließen einfach die Seele baumeln und schlenderten durch die Straßen 1, 1 ½, 2, 2 ½  und 3 mit ihren hübschen Kolonialstilhäusern, sehr schicken Restaurants, Cafés und Galerien, schauten ein bisschen Fußball und nutzten die Ruhe, um unseren Monat in Kambodscha zu beschließen.


Rückblick auf Kambodscha

In diesen paar Wochen ist uns das Land irgendwie ans Herz gewachsen. Die Landesgeschichte und die Geschichten von Menschen aus dem Land haben uns mehr berührt, als es bei den anderen Ländern der Fall gewesen ist. Vielleicht liegt das daran, dass wir hier direkt zu Beginn diesen tiefen Einblick in die Geschichte des Landes bekommen haben und dann mehrere Wochen Zeit hatten, um mit diversen Büchern und Gesprächen noch tiefer in die Geschichte und das aktuelle politische Geschehen einzutauchen. Vielleicht aber auch daran, dass wir uns im Vorfeld sehr wenig über das Land informiert hatten und uns dadurch komplett gehen lassen konnten.

Auf einem T-Shirt hat Jonas folgenden Spruch gelesen: Kambodscha – Der Phönix von Asien. Kambodscha hat so viel an Krieg, Armut und Ausbeutung erlebt und steht doch immer wieder auf.
Erst die Franzosen in der Kolonialzeit, dann die USA, die auf der Suche nach Vietkong Kambodscha mit Bomben beworfen haben, anschließend der Bürgerkrieg und die Roten Khmer. Und jetzt eine Regierung, die die restlichen Rohstoffe zu Dumpingpreisen ins Ausland verkauft und den Erlös in die eigene Tasche steckt – und das Ganze unter dem Deckmantel einer Demokratie. Die Gegenstimmen zur CCP (Cambodian People’s Party) haben nicht genug Kraft, um gegen das dicht gestrickte Netzwerk des Präsidenten und seiner Mitstreiter vorzugehen; unliebsame Oppositionspolitiker, Bürgerrechtler oder sonstige „Aufmüpfige“ werden ins Gefängnis gebracht, ins Exil gezwungen oder direkt umgebracht, ohne dass die wirklich Schuldigen jemals gefunden und bestraft werden. Und auch der König hat nicht mehr viel zu melden und ist auf Dauerurlaub in China.

Trotz all dieser Missstände strahlen die Menschen hier eine Vergnügtheit und Gelassenheit aus, die kaum mit anderen Ländern zu vergleichen ist. Vielleicht ist es das, was uns so fasziniert hat.

09.05.: Reise in die Geisterstadt

Heute steht die zweite Reise in die Vergangenheit bevor. Und zwar eine Reise im doppelten Sinne: zeitlich und räumlich. Denn die VGU (Vietnamese German University), zu der wir fahren, liegt nicht mal mehr in Saigon, sondern in einer ganz anderen Provinz. Man steigt am Schildkrötenteich in einen der zwei uni-eigenen Busse und schaukelt sich anderthalb Stunden durch die Vororte aus der Stadt raus bis man irgendwann in der Pampa landet, die man wiederum eine Weile durchquert, bis irgendwann am Horizont ein paar einzelne Hochhausriesen auftauchen. Und dort steht er, der niegelnagelneue und super ausgestattete Campus der VGU. Die Stadt, die dort in the middle of nowhere aus dem Boden gestampft wurde, heißt Bình Dương Thành phố mới – wörtlich übersetzt Bình Dương, neue Stadt. Einer meiner Kollegen veränderte aber damals einfach eine der „Dekorationen“ um die Buchstaben herum und schon wurde aus der neuen Stadt eine Geisterstadt. Damals traf dieses Wortspiel durchaus den Kern, denn in den neugebauten Häusern- und Geschäftszeilen gab es lange Zeit nichts – keine Läden, wenig Menschen. Ich war gespannt, was sich in den zwei Jahren geändert haben würde.

Auf dem Campus angekommen, werden wir gleich von Henning und Jörg empfangen, die uns zum Mittag in die Kantine mitnehmen. Hier ist alles wie damals. Sogar die Smoothie-Frauen sind noch dieselben und sowohl Muter als auch Tochter flippen förmlich aus, als sie mich wiedersehen. Damals waren wir ziemlich dicke, weil Franca und ich dort jeden Tag mindestens zweimal Saft oder Kaffee gekauft haben und immer Zeit für ein kleines Schwätzchen oder Späßchen mit der Oma und ihrer Tochter hatten. Der Lieblingswitz der Oma: „Same same“ sagen und auf Franca und mich zeigen, obwohl wir nun wirklich nicht gleich aussehen. Aber laut der Oma tun es unsere Zähne und Nasen doch. Mit Jonas verstehen sie sich auch sofort super und auch ohne ein Wort Vietnamesisch wird viel gelacht.

Danach müssen alle arbeiten gehen. Außer wir. Mir wird bewusst, was für einen Luxus wir hier gerade leben. Während die anderen also unterrichten, vertreiben wir uns die Zeit im tiefgekühlten Lehrerzimmer und warten auf die Pausen, um mit den Deutschlehrern zu reden. Inzwischen ist das Kollegium beachtlich gewachsen und einige Leute, die ich noch als Studenten kennen gelernt habe, sind inzwischen Lehrer geworden. Nachdem wir vier Stunden nichts tuend gesehen haben, wie die Leute aus dem Unterricht in die Pause gehen und wieder zurück, bekomme ich doch fast ein bisschen Lust, mitzugehen und wieder mal was kurz zu unterrichten. Aber nur fast.

Und dann ist der lange Unterrichtstag vorbei und der beste Teil des Tages steht an: die Rückfahrt. Die Busfahrten zur VGU waren damals legendär. Anderthalb Stunden Fahrtzeit können langweilig oder stressig sein, in diesem Fall war es der unterhaltsamste Arbeitsweg, den ich je davor und danach gehabt habe. Zeitweise saßen wir damals zu zehnt im hinteren Busabteil und lachten anderthalb Stunden ohne Pause. Egal, wie früh am Morgen oder wie anstrengend der Tag gewesen war, nach diesen Busfahrten war alles wieder gut.
Seit ich weg bin, seien die Busfahrten effizienter geworden, sagt Jörg. Was heißt: sie arbeiten nur noch und erzählt und gelacht wird kaum mehr. Heute ändert sich das noch einmal. Zwar sind wir nur zu viert, doch die anderthalb Stunden vergehen wieder wie im Fluge.

Und ja: Heute ist zwar Montag. Montag ist zwar Tanzen. Eigentlich immer.
Aber nach einem langen Tag an der Uni überkommt mich doch ein wenig die bekannte Arbeitsmüdigkeit. Also ist ausnahmsweise mal Dienstag tanzen.

30.03. / 31.03.: Auf los geht’s los oder Zimmer# 3003

Heute Abflug. Aber erst um 16.30 und das auch noch 4 Haltestellen von der Haustür entfernt. Also konnten Anne und ich noch ganz entspannt die Wohnung fertig machen, aufräumen, 2 Maschinen Wäsche waschen und aufhängen und dann auch noch eine kleine große Runde durch den Stadtpark spazieren, die letzten Essensreste aus dem Kühlschrank verbrauchen, abwaschen und ab durch die Haustür – dünn bekleidet – denn zur Bahn ist es ja nicht so weit.

Der Flug über Dubai war sehr entspannt. Dadurch, dass wir mit der Zeit geflogen sind, sind wir nach 14 Stunden Reise in Bangkok um 13.30 gelandet. Wenn man das jetzt ausrechnet, sind wir 14 Stunden geflogen, aber irgendwie 20 Stunden gealtert. Da fühlt man sich doch gleich viel … älter… nein… jünger… nein…. ach, egal

In Bangkok haben wir recht verschlafen, aber vollkommen tiefenentspannt unser Gepäck zurück bekommen und sind mit einem ehrlichen Taxifahrer zu unserem Hostel gefahren. Heute ist zwar theoretsich der 31.03., es fühlt sich aber noch an, wie der 30.03.. Und da wir das Zimmer 3003 bekommen haben, passt das ja ganz hervorragend.

Hier scheint genauso doll die Sonne, wie zuhause in Hamburg, aber dafür ist es drei mal so warm. Ich schwitze wie verrückt und hab schon überllegt, ob ich direkt mit NaCl-Infusion spazieren gehen soll. Kein wunder, dass hier alle Durchfall kriegen, bei dem Wasser, was man über den Tag trinken muss.

Ich liege im Bett, schwitze, die Klimaanlage und der Raumluftbeweger veranstalten ein Dröhnkonzert und ich „freue“ mich auf die erste Nacht.