Moritz‘ Tour durch Bangkok

Über die Pfadfinderei haben wir irgendwann einmal Moritz kennen gelernt. Moritz ist zwar deutsch, war aber auch mal temporärer Wahlthai.
Er hat uns eine wundervolle Tour zusammengestellt, die wir damals leider nicht machen konnten, weil uns der Jetlag im Rücken saß bzw. die Zeit gefehlt hat. Aber man kann, wenn man diese Tour liest, viele kleine, nützliche Details über die Stadt erfahren. Und am allerbesten folgt ihr natürlich selbst Moritz‘ Tipps.

Mit seiner Erlaubnis dürfen wir seine Tour hier veröffentlichen. Im Gegenzug freut er sich immer über Grüße und Erfahrungsberichte. Ihr könnt diese hier als Kommentare hinterlassen oder uns eine E-Mail schreiben, die wir ihm gerne weiterleiten.

—————————————————-

Mail von Moritz:

Hi ihr beiden,

ich hatte euch ja Bangkok so angepriesen und euch eine Beschreibung einer Stadt-Tour versprochen.
Ich habe anderthalb Jahre in Bangkok gearbeitet und erstens selber die Stadt erkundet und zweitens für viele Freunde eine Tour zusammengestellt, die wir mehrfach abgelaufen sind. Ich bin mir sicher, dass ihr mit dieser Tour viel Spaß haben werdet.
Sie wird etwa einen ganzen Tag dauern.
Auf dem Weg werdet ihr alle Verkehrsmittel benutzen, die ein Bangkoker regelmäßig nutzt. Tuktuks ausgenommen, die nutzen nur Touris, die sich abzocken lassen wollen 😉
Anmerkung „Tanzend durch die Welt“: Tuktuks in Bangkok sind nicht so romantisch, wie sie mal waren. Um sowas zu erleben, muss man weit aus der Stadt rausfahren. Die Tuktuks sind inzwischen tatsächlich eine Touristenattraktion geworden. Man fährt mit etwa 50 km/h (falls es der Verkehr zulässt) durch die Stadt und zahlt horrende Preise. Lustig ist es trotzdem irgendwie und macht auch Spaß. Viele Tuktuks haben inzwischen Musikanlagen und Innenbeleuchtung und sind somit kleine Partygefährte, wenn man nachts mit ihnen um die Häuser zieht.

Bangkok ist groß und es liegen viele Sehenswürdigkeiten auf dem Weg.
Ihr solltet unbedingt früh morgens starten, zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr, damit die Märkte und Locations, die ich euch beschreibe, am schönsten sind.

Die Tour geht los:

Anmerkung von „Tanzend durch die Welt“:
Hier ist noch ein Link zu Googlemaps: Tour von Moritz

Der Startpunkt ist an der Sky Train Station „Asok“. Dort werdet ihr am Ende auch wieder ankommen.

Von dort aus geht es direkt nach Norden die Soi Sukhumvit 21/Asoke Montiri Road hoch bis zum Khlong (dt: Kanal). Nutzt hierfür die Motoradtaxis, die direkt an der Kreuzung Sukhumvit/Ratchadaphiskek sind. Kosten: ca 50 Baht. Verhandelt mit den Thais!
Die Strecke ist etwa anderthalb Kilometer. Achtung, Linksverkehr!

Wenn ihr auf der anderen Seite der Brücke, die über den Khlong führt, angekommen seid,  geht ihr zur Bootshaltestelle „Asoke“.

Wartet bis ein Boot kommt (von links!), ihr müsst Richtung Wat Saket „Golden Mount“ fahren.
Dafür müsst ihr einmal umsteigen. Ihr steigt aus wenn ALLE aussteigen und wechselt in das nächste Boot. In der Regel liegt es bereits dort und die Hälfte der Leute steigt direkt dort ein. Einfach noch mal fragen, die Thais sind sehr hilfsbereit. Kosten: ca. 30 Baht (nicht verhandelbar).

Ihr fahrt bis zur Endhaltestelle „Phanfa Bridge“.
Wenn ihr dort aussteigt, seht ihr auf der gegenüberliegenden Seiten den Wat Saket „Golden Mount“. Es ist ein berühmter Tempel den ihr euch unbedingt ansehen solltet. Die Sonne ist seit etwa einer Stunde aufgegangen und ihr habt von dort einen tollen Blick über die Stadt.

Nach dem „Golden Mount“ lauft ihr Richtung „Democracy Monument“ und fragt euch von dort aus Richtung Touri-Meile durch: die Khao-San-Road.
Anmerkung von Tanzend durch die Welt:
Hier sollte man übrigens nur übernachten, wenn man von Bangkok nichts mitbekommen und lauter vollgedröhnte, besoffene junge Touristen aus der ganzen Welt treffen möchte, die sich nicht benehmen können. Kann lustig sein. Für uns aber damals nicht erstrebenswert.

Lauft bis ans Ende der Khao San.
Haltet euch rechts und gleich die erste wieder links (das ist die Verlängerung der Khao San, heißt aber anders).
Dort hinein und weiter gerade aus.
Nach der ersten Linksbiegung sofort rechts abbiegen.
Bis ans Ende weiter laufen, dann seid ihr aus der Fußgängerzone raus und wieder an einer normalen Straße angelangt.
Überquert die Straße und haltet euch rechts. Ihr müsst zum „Phra Athit“ Pier. Fragt die Locals.

Wenn ihr dort angekommen seid, habt ihr die Schlagader Bangkoks erreicht, den Fluss „Chaophraya“.

Vom „Phra Athit“ (N13) fahrt ihr flussabwärts zum Tempel der Morgenröte „Wat Arun“, auch sehenswert. Dafür müsst ihr an der Haltestelle „Tha Thien“ (N8) aussteigen und die Fähre auf die andere Seite nehmen.

Nachdem ihr den Tempel der Morgenröte angesehen habt, fahrt wieder mit der Fähre zu „Tha Thien“ (N8) zurück. Auf dieser Seite gibt es auch mehrere Märkte, die ihr euch anschauen könnt. Da sind kaum Touristen, dafür Großmarkt à la Asia. Fahrt dann weiter flussabwärts bis zu „Saphorn Taksin“ (N0).

Von hier geht es dann weiter mit dem Sky Train von „Saphan Taksin“.

Ihr fahrt bis zur Sky Train Station „Si Lom“ und könnt zum Lumphini Park laufen. Am besten geht ihr einmal kreuz und quer durch. Es ist sehr erholsam. Wenn ihr wieder zum Parkeingang zu dem King Rama Monument gelaufen seid,  fahrt ihr von der MRT Station „Si Lom“ weiter bis „Sukhumvit“. Hier müsst ihr aussteigen und guckt dann auf die Sky Train Station „Asok“. Ihr seid, wie anfangs beschrieben wieder am Ausgangspunkt zurück.
Anmerkung von Tanzend durch die Welt:
Nahe der Sukhumvit Road gibt es das Hotel „Suk11“ . Hier haben wir die letzten Nächte vor unserem Rückflug geschlafen und können das sehr empfehlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und es gibt dort sehr einfaches, aber leckeres Frühstück.

 

Das war jetzt die reine Beschreibung der Tour, entlang der Strecke gibt es tausend Sachen zu entdecken, Märkte, Essen, Leute…
Haltet einfach die Augen offen, das ist immer spannend.

Wie gesagt: Man sollte wirklich früh morgens an der Haltestelle „Asok“ starten, damit es von der Timeline hinhaut. Viele Sachen sind zu späteren Zeiten nicht mehr so attraktiv.

So, liebes „Tanzend durch die Welt-Duo“, ich hoffe ihr habt viel Spaß dabei und freue mich darauf, von euch zu hören!

Bis die Tage!

Moritz

—————————————————-

 

Wie gesagt, falls es etwas gibt, was wir Moritz weiterleiten sollen, schreibt uns gerne eine Mail oder einen Kommentar.

22.– 24.06.: Couchsurfen in Cebu

Am ersten Abend passiert nicht mehr viel. Wir unterhalten uns und fallen dann müde und erschöpft ins Bett.

Am Donnerstag, dem 23.06., führen uns Kevin und sein Freund Alvin durch die Stadt. Cebu, die Stadt, in der Magellan damals angekommen ist, ein Christenkreuz hingestellt und beschlossen hat, dass alle christlich werden. Er hat einfach angefangen, alle zu taufen und jetzt sind tatsächlich alle Christen.

DSC04650.JPG

Die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist wohl die Kirche „El Niño de San Augustin“. Sie ist tatsächlich sehr schön eingerichtet. Es gibt dort allerhand Figuren von Heiligen, denen man an die Glasscheibe fassen kann, hinter der  sie eingeschlossen sind. Weiterhin gibt es dort einen Innenhof, der mit seinem Plätscherbrunnen und speienden Engelsbüsten zum Ruhen und wahrscheinlich auch zum Beten einladen soll.

DSC04662

Man kann dort bei Straßenhändlerfrauen Kerzen und ein Gebet kaufen. Während die Frauen auf dem linken Bein stehen und mit dem rechten Bein einen Schritt vor und zurück wippen, reden die irgendein Kauderwelsch. Wahrscheinlich Philippinisch. Die Kerzen, die man dann bekommt, kann man vor das Magellankreuz legen und dort liegen lassen. Was mit den Kerzen genau passiert, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen.

DSC04652.JPG

Auch einen Souvenirshop mit fluoreszierenden Leuchtkreuzen gibt es, wie man sie eigentlich nur aus dem Gruselmerchandise kennt und liegenden Jesusfiguren. Moment, liegende Jesusse? Eigentlich liegt doch der Buddha. Naja, hier haben die Jesus auf das Holz gemalt und das sieht auch sehr gut aus.

Ansonsten halten wir uns den ganzen Tag in verschiedenen Malls auf, die recht amerikanisch wirken. Während wir da so an den Ladenzeilen vorbeischlendern, entdecken wir überall bekannte Logos von internationalen Firmen und Marken. Der ganze Komplex ist angenehm gekühlt und fühlt sich an wie norddeutscher Frühsommer.  Endlich sind wir mal angemessen gekleidet und schwitzen nicht. Wie kommt es denn, dass ein Land mit so geringem Arbeitslohn sich gleich mehrere Malls leisten kann? Wer geht denn hier alles einkaufen und wie viele Menschen müssen hier in Armut leben, damit sich die anderen so etwas leisten können?
Auf der Dachterrasse gibt es einen Spielplatz für Kinder. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber statt Rutschen und Schaukeln gibt es hier Wasserparty pur. Leider war der Wasserpark nur für Kinder zugelassen.

20160623_175912

Am letzten Tag in Cebu dürfen wir die Mutter von Kevin kennen lernen. Sie hatte vor 7 Jahren einen Schlaganfall und wohnt seitdem bei ihm oder seinem Bruder. Leider ist sie an einen Rollstuhl gebunden und muss gefüttert werden. Nachdem ich kurz mit ihr gesprochen hatte und sogar ein paar Schritte mit ihr gelaufen bin, konnte ich den beiden hoffentlich ein paar gute Tipps für die Zukunft mit auf den Weg geben. Sie hat meiner Meinung nach sehr gutes Potential, wieder besser laufen zu können, könnte man sie hier bloß in einer Reha anmelden. Leider ist die Wohnung von Kevin und Alvin nur 3x5m groß, so dass die Mutter auf einer Matratze auf dem Boden schlafen muss und außer dem Fernseher nur wenig Abwechslung bekommt.

20160624_131442
Darf ich vorstellen: Stefanie Grace

Am 24.06. fuhren wir zum Hafen, um nach Bohol überzusetzen. Am Hafen kauften wir uns ein Ticket, bei dem wir allerhand lustige Angaben machen mussten. Name, Abfahrtsdatum, Abfahrtsuhrzeit, Alter, Unterkunft am Zielort.

Also habe ich eingetragen: Jonas Brüwer, 24.06., 11.30 Uhr, 30 Jahre, Stefanie Grace (unser Resort auf der Insel). Bekommen habe ich zwei Karten. Eine für Jonas Bruver und eine für Stefanie Grace. Wo ich die nun herkriegen sollte wusste ich auf die Schnelle nicht, stattdessen hab ich einfach Anne mitgenommen. Das war auch sehr schön.

 

21.05.: Stadtrundführung in Phnom Penh

Wat Phnom

Wir sind nach dem Wäschewaschen  ganz entspannt mit Tini durch die Stadt spaziert. Natürlich ohne Sonnencreme, denn heute war es endlich mal nicht so heiß, dass man so etwas bräuchte. Schließlich hat die Regenzeit angefangen und außerdem weht hier ein laues Lüftchen. Wir haben uns den Wat Phnom angeschaut, ein künstlicher Hügel, der vor ziemlich langer Zeit errichtet worden ist und auf dem der namensgebende Wat (Tempel) für diese Stadt steht. Neben einer sehenswerten buddhistischen Bildergalerie, die darauf schließen lässt, dass es hier in Kambodscha einen stärkeren Hinduismuseinfluss gab und gibt, waren dort auch einige Statuen.

20160521_125702.jpg

Wie auf den Fotos vielleicht zu erahnen ist, stecken die Menschen hier ziemlich viele Geldscheine an diese Statuen, wobei für mich der Vergleich mit einem Stiptease-Lokal nahe liegt. Aber das dürfen wir keinem verraten, sonst würden wir den Göttern, Heiligen und/oder Königen nicht gerecht.

Am Nachmittag gab es einen Fruchtsaft. Dieses von uns viel geliebte Erfrischungsgetränk, welches in Vietnam mit Zucker und vor allem sehr leckerer gesüßter Kondensmilch zubereitet gehört, wird hier tatsächlich ohne Zucker zubereitet. Schmeckt anders, ein bisschen fad. Halt eben natürlich. Gut.

Wir zahlten mit Dollars und Riel

Eine neue Erkenntnis war, dass man hier in Kambodscha scheinbar nicht nur in der Landeswährung Riel bezahlen kann, sondern auch in Dollar. Dass das hier in Südostasien ein übliches Notzahlungsmittel sei, wussten wir schon. Dass aber alle Preise direkt in US Dollar angegeben werden, war mir neu. Ehrlich gesagt erlebe ich die Leute hier teilweise hilflos bis verzweifelt, wenn man in Riel bezahlen will. Dann wird ein Taschenrechner rausgeholt und manche haben das Wechselgeld nicht mal parat. Aber das ist nicht so schlimm, dann wird einfach in Dollar rausgegeben.

Folktanz auf Khmer

Abends haben wir uns eine Folkloretanzvorstellung angesehen. Beim kurzen Anblick auf die Instrumente im Orchester habe ich mich mental auf eine ähnlich ungewohnte Geräuschkulisse wie im Marionettentheater in Mandalay vorbereitet, wurde aber zum Glück enttäuscht. Durch den rhythmischen Trommelschlag wurde die für mich immer noch sehr wilde Musik in halbwegs systematisierbare Taktsequenzen gegliedert und damit gut hörbar. Wie jedoch dieser kehlig-leiernde Gesang, Tänzer und Musiker aufeinander gehört haben, ist mir leider nicht ersichtlich geworden. Die männlichen und weiblichen Tänzer haben eine sehr abwechslungsreiche und durchkostümierte Show dargeboten, bei der die unterschiedlichen Tanzstile und traditionellen Tänze aus verschiedenen Ecken des Landes, aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Volksgruppen aus Kambodscha gezeigt wurden.

DSC04007
Da war dieser Göttertanz mit Glitzergold und Krone auf dem Kopf, bei dem sich die Tänzerinnen langsam, ballettartig mit maximaler Körperspannung über die Bühne bewegt haben. Wenn sie die Handflächen aneinander gelegt haben, konnten sie die Finger (an der Fingerspitze gemessen) mehr als eine Geodreiecklänge auseinanderbiegen. Das muss man mal ausprobieren. Ich schaffe 5 cm.
Dann war da dieser Fischertanz, bei dem alte Fischerwerkzeuge als Tanzmedium integriert wurden. DSC04011
Dann war da dieser Tanz mit wunderschönen Pfauenkostümen. Ähnlich wie bei „König der Löwen“ verschmolzen hier Tänzer und Kostüm zum Tier.
Dann war da dieser Kampftanz, bei dem die Männer speerdrohend und gebärdend um einen Büffelkopf herumgetanzt sind, während die Frauen hüftschwenkend im  Hintergrund sehr gut aussahen.
Dann war da diese von Clownerie durchzogene Liebesgeschichte, bei der die männlichen Tänzer die Augenbrauen in der Mitte nach oben geschminkt hatten. Das sah an sich schon relativ lustig aus, aber als die dann auch noch so fein grimassiert haben, musste ich doch hin uns wieder kichern.
Insgesamt eine empfehlenswerte Performance, bei der man eine gute Übersicht über die hiesige Tanztradition bekommt.

Abends gab es auf Wunsch von uns gefüllte Pfannkuchen. Und zwar mit in Kokosmilch geschmorten Nadelpilzen und Blauschimmelkäse.  Ich dreh durch. Das ist vielleicht lecker.

Das mit dem ohne Sonnencreme rausgehen war übrigens eine Schnapsidee. Wir haben uns alle drei gehörig verbrannt.

 

03.05.: Shwe Dagon Pagode

DSC03660

Woooow…. Was für ein riesen Ding. Diese Pagode ist ein riesiges Areal, an deren 4 Windrichtungseingängen jeweils zwei 8m hohe Bewachungseingangslöwentiere stehen. Für Locals ist der Eintritt frei, für Touristen kostet es 5,80 €. Das finde ich eigentlich ganz gut. Die Buddhisten hier aus dem Land können umsonst in das wohl größte Heiligtum des Landes pilgern und Besucher und Angucker (wie wir) unterstützen die Instandhaltung. Nachdem wir unseren Kulturbeitrag gezahlt hatten, ging es mit Rolltreppen (jawohl, Rolltreppen) zur höchstgelegenen Pagodenterrasse. Hier kann man leider nicht ohne Sonnenbrille rumlaufen, da man aufgrund der ganzen Goldreflektion selbst morgens um 9.00 zu schnell erleuchtet wird und das will ja nun auch keiner. Jedenfalls noch nicht mit 30.


Die Shwe Dagon Pagode besteht aus mehreren hundert Stupas und Buddha-Figuren oder Buddha-Abbildungen. In der Mitte steht die monströse Hauptstupa, das Herzstück der Pagode.  Ca. 4 Tonnen Gold schmücken dieses 100m hohe Gebilde. An der Spitze in dem mehrstöckigem Umbrella sind mehrere zehntausend gespendete Finger- oder Ohrringe, Handreifen, Ketten. Alle aus Gold und/oder mit wertvollen Steinen besetzt. Darüber ist ein „kleines“ Wetterfähnchen (130 cm lang, 76 cm hoch und 419 kg schwer). Ebenfalls über und über mit Glitzerdingern besetzt.  Darüber, auf dem Foto kaum noch erkennbar, ist eine kleine Kugel (56 cm hoch, 27cm im Durchmesser, mit mehr als 4300 Diamanten besetzt und insgesamt 1800 Karat schwer). Wiederum darüber ist der Apex-Diamant im Wert von 76 Karat. Liebe Ehering-mit-Diamant-Trager: Ist das viel? Ich glaube ja, aber ich habe keine Ahnung. Allein das Ding von der Spitze runter zu holen würde unser Reisebudget sprengen, glaube ich.

DSC03649
Diese Pagode wurde – einer wahren Geschichte nach – auf 8 Haaren von Gautama Buddha erbaut. Anne meinte, dafür hätte man auch ein kleineres Tempelchen bauen können und sich nicht so zu verausgaben müssen. Diese Pagode steht dort angeblich schon seit 588 vor Christus und wurde seitdem immer in Stand gehalten und weiter ausgebaut, erhöht, verschönert, vergoldet und erweitert. Mehrere Könige haben noch weitere Reliquien von den erleuchteten Inkarnationen von Buddhisatwa zusammengetragen und so sind dort nun Beweise der vier bisherigen Buddhas vereint.

DSC03643
Zu sehen gab‘s dort außerdem noch einen Comic-Bild-Pfad zum Thema Entstehung und Werdegang des Buddhismus. Den haben wir gespannt gelesen und ich musste dabei feststellen, dass sich dort doch so einiges mit dem Christentum deckt.

DSC03645

Meine Gedanken:
Buddhisatwa ist der Ober-super-Gott-Buddha, der in seinen 10.000 Himmeln mit den Brahmanen und Engeln wohnt. Die beschließen, dass er mal wieder eine Inkarnation auf die Erde schicken soll, also befruchtet er kurzerhand als kleiner weißer Elefant getarnt eine Königin, die ihm sich selbst als Sohn gebirt. Erstmal hat das Baby Superkräfte, kann gleich nach der Geburt laufen und fliegen und alle sind beeindruckt. Dann wächst er als normaler Mensch auf und macht die Erkenntniss, wie das Leben funktioniert. Alter, Armut, Tod und Krankheit werden thematisiert. Daraufhin verlässt er sein bisheriges Leben und wird Mönch. Er versucht verschiedenste Meditationsarten, um den  Superstatus zu erlangen. Gelingt ihm auch. Er wird eleuchtet. Danach kommt eine unglaublich lange Zeit, in der er bei verschiedensten Menschen Buddhismusaquise betreibt. Irgendwie zweifeln ständig Leute an ihm und am Ende finden sie ihn auch super und verehren ihn. Zwischendurch wird er von einem bösen Engel in Versuchung geführt, kann diesen aber besiegen.
Der Gautama Buddha hat übrigens Superkräfte. Er kann über Wasser laufen, Feuer entzünden und es wieder löschen, fliegen und das Animalische zähmen (verkörpert durch den König der Nagaschlangen aus dem Hinduismus).
Am Ende hat er das Leben wegmeditiert und ist quasi unsterblich geworden.
All das meine ich auch in der Bibel mal irgendwo gelesen oder gehört zu haben. Diese göttliche Befruchtung. Erkenntnisse über das Leben. Sieg über das Dämonische, Teuflische. Über Wasser laufen. Anhängeraquise durch Wundertaten. Die Schlange als bekämpfenswertes aber dann doch als lebensakzeptierendes Symbol.

  • Irgendwer hat behauptet, dass Gautama Buddha (*etwa 550 v. Chr.) gesagt hat, dass ca. 500 Jahre nach ihm ein neuer Buddha kommen wird. http://www.theologe.de/christus_und_buddha.htm
  • Was ist in den Jahren zwischen der Bar Mitswa und Bergpredigt mit Jesus passiert? Wohin ist er untergetaucht?
  • Was ist in diesen 40 Jahren passiert, als Jesus in der Wüste war und gegen das Böse gewonnen hat?
  • Irgendwer hat behauptet, dass Jesus beim ersten buddhisten Konzil 80 n. Chr. anwesend war. Nach seinem Tod/Auferstehung?

Zufall oder nicht?

Beim Buddhismus geht um die innere Zufriedenheit, die man über Meditation erreicht. Und um gutes Karma, was man dadurch erreicht, dass man Gutes tut, sich gegenseitig hilft und andere Lebewesen respektiert. Alles, damit man irgendwann den ewigen Reinkarnationskreislauf unterbrechen kann, zumindest aber als Mensch wiedergeboren zu werden.
Im Christentum ist Jesus für uns gestorben, um den Menschen eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Er ist dadurch in einem jeden von uns und bildet die Brücke zu Gott, der damit auch in uns allen ist. Dann diese Nächstenliebe.

Der größte Unterschied, so hat uns mal ein gläubiger Buddhist erzählt, ist, dass es im Buddhismus wohl keine Vergebung der Sünden gäbe. Jeder ist hier für sich selbst verantwortlich. Aber hier ein kleines Zitat aus dem Buch „Tage in Burma“ von George Orwell („Burmese Days“, erschienen 1935 in London):

<<Nach buddhistischem Glauben würden diejenigen, die im Leben Böses getan haben, als Ratte, Frosch oder sonst ein niederes Tier wieder verkörpert. U Po Kyin war ein guter Buddhist und gedachte sich gegen diese Gefahren abzusichern.Er würde seine letzten Jahre auf gute Werke verwenden, die ihm eine Menge Karma einbringen würden und sein ganzes übriges Leben aufwogen. Diese Werke würden wahrscheinlich aus Errichtung von Pagoden bestehen. Vier Pagoden, fünf, sechs, sieben – die Priester würden ihm sagen, wie viele, […]. Und er würde als Mensch wieder auf die Erde kommen, […]>>

Wie war das noch mit dem Ablasshandel der christlichen Kirche?

Mag sein, dass ich eine Menge übersehen habe.
Mag sein, dass es ganz gravierende Unterschiede gibt.
Mag sein, dass ich den Buddhismus und das Christentum auch missinterpretiere.
Aber so, wie ich bis jetzt beides verstanden habe, gibt es doch erhebliche Parallelen.
Spannend und schön zu sehen, dass die ganze Welt irgendwie zusammen hängt und dass alles einfach nur Menschen sind. Menschen, die sich vielleicht gegenseitig inspirieren, ihre Lebens-, Daseins- und Weltvorstellung zu verbildlichen und Unerklärbares begreifbarer zu machen.

Den ganzen Tag über war es angenehm menschenleer, so dass wir viel Zeit und Raum hatten uns alles in Ruhe anzusehen. Viele der Besucher/Buddhisten verbringen scheinbar den ganzen Tag, mindestens jedoch einen längeren Zeitraum auf einer solchen anbetungswürdigen Stätte. Überall essende und schlafende Menschen. Für alle hier scheinbar ein Ort des Wohlfühlens und des Seins. Weniger aber ein Ort des intensiven Betens.
Wie schön. Wir haben uns kurzerhand dazugelegt und auch einen Mittagsschlaf gemacht.

 

Kurz vor Sonnenuntergang wurde es dann doch sehr touristenvoll auf der Pagode, sodass wir wieder auf unsere Terrasse geflüchtet sind, um uns die Pagode aus der Ferne noch mal anzusehen.

 

28.04. – 30.04.: Die 45°C-Wende in Bagan

Von Mandalay nach Bagan

Die Fahrt von Mandalay nach Bagan war schauklig und ruckelig. Aber ansonsten unspektakulär. Wir sind von dem unebenen Highway (zwischen Mandalay und Yangon) irgendwann auf eine Nebenstrecke Richtung Bagan abgebogen. Das weiße Mittfünfziger-Pärchen vor uns hat minutenlange Abschnitte der langweiligen, öden Straße gefilmt. Mehrfach. Da möchte ich nicht Kind sein, das sich diese 3-4-Minutenfilme angucken muss. Man hat wirklich nichts gesehen. Die Landschaft wurde immer eintöniger, die Straße immer schlechter. Immer mehr Palmen und Einöde neben der Straße. Ab und zu mal vereinzelt ein Häuschen oder eine Bananenblätter-Bambus-Hütte. Wer hier wohl wohnen mag. An der Straße war wirklich nichts. Keine sichtbare Viehzucht, keine erkennbare Landwirtschaft. Wobei die Palm snchon so angelegt worden sind, dass sich eine Felderstruktur erahnen ließ. Da aber momentan Trockenzeit ist, stellt sich uns die Frage, ob die Felder nur einmal im Jahr (in der Regenzeit) bewirtschaftet werden?!

Willkommen in Bagan

Angekommen in Bagan, schlug uns der heiße Wind entgegen. 15.00 Uhr = 45°C. Als wenn man sein Gesicht in den gerade aufwärmenden Backofen hält. Nur halt die ganze Zeit. Erschöpft von der Fahrt sind wir in ein sehr touristenorientiertes, junges Restaurant (Weatherspoon) eingekehrt und danach ins Bett gefallen.

Bagan ist ein Tempelfeld von 42 Wüsten-km², das wollten wir am nächsten Tag per Fahrrad erkunden. Es gab dort zwar auch E-Bikes (E-Motorroller) zu mieten, aber da auffallend viele Touristen (geschätzt jeder dritte) eine frische Verletzung oder alte Narben an Ellbogen oder Knie hat, wollten wir dann doch lieber auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten.
Also Fahrrad. Ab 11.00 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass muskuläres Fortkommen unmöglich erscheint. Deshalb sind wir um 5.30 aufgestanden und in aller Frühe losgeradelt. Durch trockene Steppenlandschaft, vorbei an verschiedensten heiligen oder meditativen Orten. Alle aus roten Ziegelsteinen erbaut. Teilweise begehbar, teilweise mehrstöckig, teilweise mit mehreren Stupas drumherum. An jeder größeren Sehenswürdigkeit hießen uns die üblichen verdächtigen Ramsch-Andenken-Aufdränger willkommen. Sehr freundlich führten sie uns herum und beschrieben uns ungefragt in brüchigem Englisch irgendwelche Sehenswürdigkeiten an dem jeweiligen Tempel. Anschließend ging es dann zu der Hauptattraktion: ihrem eigenen Verkaufsstand.

Erkenntnis des Tages:
Stupa = vergoldeter, glockenförmiger Bau, der meistens um eine Reliquie (z.B. ein Haar Buddhas) errichtet wurde
Pagode = die Stupa und das Drumherum
Tempel = begehbares Meditationszentrum, verschiedene Hallen
Kloster = Wohnort für Mönche

Tempelfeld Bagan

Jeder größere Herrscher oder deren Frauen oder Nachkommen, jeder Minister, jeder Feldherr, jeder wohlhabende Kaufmann oder jeder, der es sich halt leisten konnte, hat mehrere Stupas/Pagoden gebaut. Je mehr, desto mehr Karma. Dabei ging es wohl zum einen darum, seine Gläubigkeit zu demonstrieren, zum anderen aber wohl auch darum, sein Karma so weit aufzubessern, dass man in dem nächsten Leben zumindest als Mensch wiedergeboren wird.

In und um dieses Tempelfeld herum gab es wohl mal eine riesige Stadt, deren Holzwohnhäuser in mehreren Bränden zerstört worden sind. Auch Holz- und Stuckverzierungen an den Stupas sind größtenteils verschwunden. Selbst von den Wandmalereien im Inneren ist nur noch ein Bruchteil zu erahnen. Seit einigen Jahrzehnten beteiligen sich alle Menschen, die es sich irgendwie leisten können, an der Restaurierung und dem Wiederaufbau der vielen alten Pagoden. Dabei wird relativ wenig Wert auf originalgetreue Restaurierung gelegt, was dazu führt, dass sich alte Architektur mit neuen Glaubensbekundungen des Buddhismus vermischen. Ein interessantes Nebeneinander von Alt und Neu, was sich hier keineswegs gegenseitig ausschließt.

DSC03569
Bagan besticht vor allem durch die enorme Vielzahl (rund 3400 Ziegelsteinanlagen) und die riesige Fläche (42 km²), über die sich diese roten Gebilde erstrecken. Und durch die Hitze.
Wie hat sich damals vor fast 900 Jahren über mehr als 300 Jahre eine solche Hochkultur etablieren und halten können?
Wie haben die Menschen damals Ernährung, Be- und Entwässerung organisiert?
Und warum das alles in einer solch trockenen und unwirtlichen Gegend?

Abends zum Sonnenuntergang haben wir uns nochmal rausgewagt. Selbst jetzt war es immer noch so warm, als würde einem die Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht pusten – aber nicht die gekühlte, sondern die, die auf der andere Seite rauskommt. Also ab auf ein Tempelfeld, schnell essen und ins Bett. In dieser Hitze lässt es sich nicht aushalten, deswegen wollten wir am Folgetag direkt nach Yangon weiterreisen.

DSC03566
Um Bagan, eines der Haupttouristenziele für die meisten Reisenden, aber nicht gar so stiefmütterlich zu behandeln, haben wir immerhin noch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mitgenommen. Eine gute Entscheidung. Wir sind um 4:30 aufgestanden und haben auf einer Pagode sitzend einen wunderschönen Sonnenaufgang über dieser skelettartigen Bagan-Stadt genossen. Um uns herum mehrere Fotoapparate. Die Menschen dahinter haben auf ihren Handys gespielt und Facebook gecheckt, bis die Sonne sich über den Horizont schob. Dann ein Langzeitbelichtungsbild und der ganze Zauber ist dokumentiert und festgehalten für die Ewigkeit. Damit man sich zu Hause daran erinnert, wie schön man es doch hatte.

 

DSC03598

 

Von Bagan nach Yangon

Um 6.00 gab‘s Frühstück, um 8.00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Busbahnhof gebracht und dann ging es los – die bisher komfortabelste Fahrt. Der Elitebus (der Name ist Programm) war angenehm klimatisiert auf ca 26°C. Trotzdem Decken. Saft. Wasser. Gebäck. Jeder Sitz hatte einen Fernseher mit mehreren, sogar englischsprachigen Filmen. Begeistert haben wir uns auf dieser 10-stündigen Fahrt angefangen, einen Film anzusehen. Leider ist dieser immer wieder abgestürzt oder der Ton war um ein paar Sekunden verschoben. So wurde aus einem 120- Minuten Film ein 5-stündiges, multiemotionales Gedulds-Entertainmentabenteuer mit Leonardo DiCaprio.

Willkommen in Yangon

Am Busbahnhof in Yangon wurden wir von Taxifahrern umgarnt wie von Mücken im schwedischen Smaland. Wir wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht vielleicht ein Taxi wollten. Dabei war es dem zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Taxifrager egal, dass wir den ersten und alle anderen danach abgelehnt, zurückgewiesen oder ignoriert hatten. Am Schluss haben wir dann einfach die Geschichte erfunden, dass wir mit einer organisierten Tour fahren. Das hat ungefähr so geholfen wie Mückenspray: Es kamen immer mal wieder welche an und haben gefragt, sind dann aber schnell wieder verschwunden.

In Yangon sind Motorräder, Motorroller und Tuktuks verboten. Das heißt, alles ist voller Autos. Das ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem wird uns eigentlich schon an den motorisierten Zweiradverkehr gewöhnt hatten. Dafür macht man hier offensichtlich alle Wege mit einem Taxi. Die kosten verhältnismäßig wenig. So haben wir beispielsweise für die 50-minütige Tour vom Busbahnhof zu unserem Hostel umgerechnet etwa  nur 5 Euro bezahlt.

Abends hat sich die Stadt leider erstmal von ihrer schlechteren Seite präsentiert. Es gab in der näheren Umgebung des Hotels leider nur ein Restaurant (ansonsten verdächtig aussehendes Streetfood). In diesem Restaurant roch es nach Rauch und Abwasser. Das Essen war zwar sehr lecker, aber bei dem Geruch leider nur noch halb so schmackhaft. Im Hostelzimmer roch es leider nach dem anderen Extrem: nämlich nach Chlor und Chemikalien die ganze Nacht hindurch.
Morgen werden wir uns ein neues Zimmer nehmen.

27.04.: endlich Urlaub

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Entspannung. Nach zu vielen Stunden in der Sonne und den zwei Pool-Enttäuschungen wollten wir vor allem eines: schwimmen und uns abkühlen.

Davor trafen wir uns aber noch mit Ye. Er zeigte uns das größte Buch der Welt: 729 Marmortafeln, in die die buddhistische Lehre eingemeißelt ist, eingebettet in je eine weiße Stupa. Direkt gegenüber gibt es sozusagen das Nachwort: 1774 Marmorblöcke mit Kommentaren zum Buch. Lesen wird das wohl keiner ernsthaft, aber es geht hier wohl vor allem darum, einen Rekord aufzustellen.

 

Zum Mittagessen durften wir uns etwas wünschen. Die Wahl fiel sehr schnell auf: Hauptsache westlich. Nach drei Wochen fried rice war unser Heißhunger nach etwas „Normalem“, am besten Unfrittiertem, irgendetwas mit viel Geschmack, enorm groß. Ye brachte uns in ein schickes, westliches Restaurant. Schon beim Eintreten konnte man erahnen, in welcher Preisklasse sich das Essen bewegen würde. Denn in Asien gilt: je schicker das Lokal, desto kühler der Raum. Die Temperaturen waren frostig – ein starker Kontrast einerseits zu den 42°C Außentemperatur und andererseits zu den burmesischen Essenspreisen, die wir von vorher gewohnt waren. Wir bestellten uns Spaghetti bolognese und Pizza – zugegeben, viel gesünder als das burmesische, frittierte Einerlei war das auch nicht, aber es war eine Wohltat für Gaumen und Seele.

Und dann kam der Höhepunkt des Tages: ein Pool im Schatten von Bäumen, ruhig gelegen in einem kleinen Hinterhof. Perfekt – genau das hätten wir gestern gebraucht und auch haben können, wenn wir unserem Taxifahrer vertraut hätten. Umso größer war die Freude, die Mittagshitze im kühlen Nass zu verbringen. Danach gab’s noch einen Eiskaffee im Nylon Ice Cream – der perfekte Urlaubstag. Und Ye, der Schlingel, hat uns beim Schlafen fotografiert.

20160427_144219

Zum Abschluss unserer Zeit in Mandalay sahen wir uns das berühmte Marionettentheater an. Alle Handwerkskünste, die wir zuvor in den verschiedenen Werkstätten bestaunt hatten, fanden hier in den Puppen ihre Verbindung: kunstvolle Holzschnitzereien mit fein gewebten und bestickten Stoffen.

DSC03515
Wettstreit Mensch gegen Puppe

23.04.: Es ist alles Gold, was glänzt

Mandalay begrüßt uns am zweiten Tag mit 40°C schon am Vormittag. Laufen scheint unmöglich. Von zwei Österreichern, die wir unterwegs getroffen hatten, haben wir die Telefonnummer von Mr. Thi Ha bekommen, einem Taxi-Tourguide. Im klimatisierten Auto zu den Sehenswürdigkeiten gefahren zu werden, scheint uns eine gute Alternative. Doch selbst die kleinen Zwischenstopps sind schweißtreibend und kräftezehrender als gedacht.

Als Zentrum des Kunsthandwerks hat Mandalay einiges zu bieten: Goldwerkstätten, Silberschmieden, Holzschnitzkünstler, Marionettenbauer u.v.m.
Gold

Als erstes führt uns Mr. Thi Ha in eine Blattgoldschmiede. Winzige Goldklümpchen werden hier in Bambuspapier gewickelt und dann in einer arbeits- und kraftintensiven Prozedur mehrere Stunden mit dem Hammer geschlagen, bis sie immer dünner werden und irgendwann als hauchfeine BlattgoldBlättchen verpackt werden können. Diese werden nicht nur innerhalb von Myanmar verwendet, sondern bis nach Thailand, Laos und Cambodia verschickt, um von den Gläubigen an die Buddhastatuen geklebt zu werden.

DSC03379
Blattgoldherstellung: hinten Steine und Hammer, vorn eine Eier-/Wasseruhr und auf dem Tisch Bambuspapiere, zwischen die das Goldblättchen zum Behauen gelegt wird


Jade

Der zweite Halt ist der Jademarkt der Stadt. Eine ganz besondere Stimmung herrscht hier. Ausschließlich Männer laufen, in Longjis (den langen Wickelröcken) und feinen Hemden,  geschäftig umher und inspizieren mit speziellen Lampen und prüfenden Blicken die winzigen Jadesteinchen, die an etlichen Tischen angeboten werden. Nie hätte ich gedacht, dass Jade so wertvoll sein kann. Ein einziger Stein in der größe eines Daumennagels kostet ab 500 Dollar. Je weiter man ins Innere des Marktes vordringt, desto dunkler wird die Farbe der Steine und desto höher ihr Wert. In einigen Läden können dann fertige Schmuckstücke zu horrenden Preisen gekauft werden: mehrere tausend Dollar muss man für Ohrringe und Ketten blechen. Obwohl ein durchschnittlicher Jadehändler wohl ca. 25.000 Dollar Umsatz pro Tag mache, werden wohl nur die wenigsten reich damit. Dazu bräuchte man das Glück, an einen ganz besonders schön gefärbten und marmorierten Stein zu geraten.
Unglaublich, was für Werte hier in den Begen Myanmars liegen. Und traurig, zu wissen, dass der Großteil der Jadesteine direkt nach dem Abbau über die chinesische Grenze geschmuggelt wird und dem eigenen Land somit keinerlei Nutzen bringt.
Die Frauen sitzen hinter den Tresen mit den Endprodukten und versuchen diese in mehr oder weniger großen Mengen unter das Volk zu bringen.

Teakholz

Unser dritter Halt führt uns zu einer kleinen, aber reich mit Holzschnitzereien verzierten Pagode.

DSC03400

 

 

Gold

Zu guter Letzt schauen wir uns an, wo all die BlattgoldBlättchen landen. Nämlich am wertvollsten Buddha der Welt. Er wurde in den letzten Jahren so über und über mit Blattgold beklebt, dass seine ursprüngliche Form schon gar nicht mehr richtig zu erkennen ist. Unser Reiseführer vergleicht ihn mit einem Michelin-Männchen in Gold. Angeblich fallen jährlich mehrere Kilo Goldstaub einfach so von ihm ab, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Und nicht nur sein Körper glänzt, sondern er hat eine filigran verzierte Krone auf, die aus unendlich vielen Rubinen, Jade und anderen Edelsteinen besteht. Angeblich ist der Buddha mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

DSC03426
Michelin-Männchen auf Burmesisch
DSC03417
Gläubige kleben Gold an den Buddha

Unglaublich, wieviel Wert allein in dieser einen Pagode schlummert. Und wie viel Geld auf den Straßen nötig wäre, um sich eine ordentliche Müllabfuhr, vernünftige Elektroleitungen, konstantes Internet und dergleichen leisten zu können. Aber was das angeht, passiert gerade viel im Land und die Leute blicken erwartungsvoll zur neuen Regierung – es wird sich zeigen, ob zu Recht.

Im März 2016 wurde die jahrelange Militärregierung durch eine demokratisch gewählte ersetzt. Laut Mr. Thi Ha hat sich in diesem einen Monat schon merklich etwas in dem Land getan. Beispielweise konnte er uns die 3 neuen Ampeln in Pyin Oo Lwin genau aufzählen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es überhaupt zum ersten Mal Ampeln in Pyin Oo Lwin gibt.