24.-25.05.: Sihanoukville und Otres Beach

Regen, Regen, Regen

Jetzt ist sie also da, die Regenzeit, und wir sind mittendrin. Je weiter unser Minivan sich nach Süden, Richtung Meer, vorarbeitet, desto grauer wird es am Himmel. Die flache Landschaft weicht dicht bewaldeten Bergketten, die jedoch kurz darauf schon wieder in den Wolken verschwinden. Kurz vor Sihakoukville, unserem Reiseziel, beginnt es zu regnen. Und dann zu plätschern. Und dann zu schütten. Der nette Mann neben uns will, genau wie wir, in Sihanoukville ein Boot auf die Insel nehmen. Doch angeblich sei es heute so stürmisch, dass gar keine Boote fahren würden. Seine Familie habe ihn gerade angerufen und ihn vor einem Unwetter gewarnt. Jonas und ich bleiben optimistisch und wollen in Sihanoukville trotzdem direkt zum Ticketschalter der Fähren fahren und uns nach Booten erkundigen.

No boat today

Als wir in der Stadt ankommen, strömt der rote Schlamm in kleinen Bächen den Straßenrand hinunter. Auf dem Asphalt bleiben massenweise Plastiktüten und Müll zurück. So stürmisch wie es noch immer ist, wird es bestimmt wirklich kein Boot geben. Und damit sollten wir Recht behalten. „Too much rain. No boat. Rainy season.“ Ja, aber dass es so stark regnet, ist doch nicht normal, oder? Irgendwann muss es doch wieder aufhören. “Maybe one week. Maybe on Saturday is better.“ Also suchen wir uns eines der nahegelegenen Hostels, die alle gleich aussehen, was aber auch egal ist, da wie ja sowieso nur kurz hier bleiben wollen.

Tuktukfahrt zum „Die Auswanderer“-Set

Am nächsten Morgen sieht es leider nicht viel besser aus. Grau in Grau empfängt uns die Stadt und nach weiteren Recherchen geben wir es auf, demnächst auf die Insel zu kommen. Also zuckeln wir in einem Tuktuk die Sandstraße an den Otres Beach hinunter. Hier wollen wir bleiben, bis irgendwann wieder Boote fahren. Nach all dem Regen und Sturm sieht der Strand seltsam einsam und verlassen aus; viele der Hütten stehen zersaust und leer da. Im E. G. Hostel mieten wir uns in ein Blätterhüttchen ein und verbringen den Tag mit Strandspaziergängen, Wellenhüpfen und ausgiebig viel Zeit zum Lesen. Irgendwann lugt sogar mal die Sonne hinter den Wolken hervor und beschert uns am Ende sogar noch einen silbrigen Sonnenuntergang.

Wo wir hier eigentlich gelandet sind, wird uns erst gen Abend klar. Auf einmal tauchen zwei weiße halbstarke Kinder auf und benehmen sich so, als ob sie was zu sagen hätten. Den ganzen Tag über war nämlich außer drei kambodschanischen Angestellten niemand im Hotel gewesen. Und diese drei chillten auch eher als dass sie arbeiteten, obwohl es viel zu tun gegeben hätte. Die Rezeption und Bar waren meistens unbesetzt und wenn man etwas brauchte, fand man den einen meistens auf dem Sofa liegend mit Ohrstöpseln im Ohr. Nun sind da also diese zwei Teenager und befehlen dem einen Angestellten gestenreich, den Sand, den der Regen vorher weggespült hatte, wieder auf das Gelände zu schaufeln. Scheinbar hat er keinen Bock dazu, sie diskutieren, telefonieren und irgendwann legt der Junge selbst Hand an, obwohl er den Sand eher bittet, nach oben zu gehen, als tatsächlich zu schaufeln. Irgendwie seltsam, dieser Laden. Wir stellen wilde Theorien auf, wer hier wohl der Boss sein mag.
Etwas später tauchen dann doch ein paar Erwachsene auf. Deutsche, wie unüberhörbar ist: „You look mal. This is in the dschungel, aber outside.“ Sie scheinen ein entspanntes Stranddasein zu führen, quatschen mit den Gästen, während sie sich einen Drink nach dem nächsten reinknallen und über die Party des letzten Tages sprechen.
Wie die zwei Männer mit den zwei Kindern zusammenhängen, ist uns immer noch nicht ganz klar, und was die junge kambodschanische Angestellte damit zu tun hat, auch nicht. Aber die Szenerie lässt einen sofort an die Serie „Die Auswanderer“ aus dem Fernseher denken. Wir überlegen, mal im Internet nach einer Folge von Kambodscha zu suchen, geben dann aber auf und genehmigen uns auch einen Cocktail in diesem „Lebervernichtungslager“, bevor wir uns in unsere Hütte zurückziehen, ohne dass sie uns als ihre Landsleute enttarnen konnten.