16. – 18.06.: Couchsurfen bei Itthi

Couchsurfing der Extraklasse

In Khon Kaen wohnten wir bei Itthi in einer Couchsurfing-Unterkunft der Extra-Klasse. Genau genommen haben wir nicht couch-, sondern bettgesurft – und das in unserem eigenen Zimmer mit eigenem Bad in einem supergroßen, fast unbewohnten Gebäude, was obendrein noch blitzeblank geputzt war. Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht erlebt.
Itthi selbst wohnt und arbeitet mit seiner Familie nebenan und nutzt nur das Erdgeschoss unseres Gebäudes. Hier hat er sich ein kleines Spieleparadies aufgebaut, denn er ist absoluter Game-Freak. Die Regale sind bis obenhin mit Brett- und Kartenspielen gepackt, in den Schränken stehen Mangazeitschriften und Bücher mit Spielanleitungen und auf dem Schreibtisch bastelt er kleine Figuren, die er dann an andere Spiele-Freaks verkauft. Dreimal pro Woche trifft er sich mit seinen Kumpels und dann zocken sie bis in die Nacht.

Gleich nach unserer Ankunft haben wir seine Freunde kennengelernt und sind in einer großen Gruppe Hot Pot essen gegangen. Am nächsten Tag stand der große Spieleabend auf dem Programm – und wir waren natürlich eingeladen.

Gewitter der Extraklasse

Vorher hatten Jonas und ich Zeit, um unsere Weiterreise zu organisieren. Gegen Nachmittag sind wir dann zu einem Spaziergang um den See aufgebrochen und haben dabei einen hübschen Tempel entdeckt, dessen neun Stockwerke pyramidenförmig angeordnet waren. Im fünften angekommen, hatten wir schon eine tolle Sicht auf den See – und auch auf eine gigantische Gewitterfront, die sich immer näher schob.


Wir schafften es noch, die Treppen hinunterzulaufen und waren gerade auf dem Weg ins nächste Café, als der Regen losprasselte. Unterschlupf fanden wir in einem winzigen buddhistischen Schrein. Behütet von einem milde drein blickenden Goldbuddha warteten wir ab, bis es nicht mehr ganz so „watery“ war und wir ins Sluve u Café laufen konnten.


Kulinarische Spezialitäten der Extraklasse

Dort trafen wir Itthi, der uns zum Essen einlud. Es gab Fleisch mit Fleisch und Fleisch – einmal gekocht, einmal gegrillt und einmal roh, alles Spezialitäten aus Insan. Auf dem Rückweg fuhren wir noch beim Nachtmarkt vorbei. Itthi deckte uns mit dem ganzen Süßigkeiten-Sortiment ein, was die Stadt zu bieten hatte. Damit bewaffnet fuhren wir nach Hause – der Spieleabend sollte bald los gehen.

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Spieleabend der Extraklasse

Für uns war es echt interessant, in diese andere Welt von Itthi und seinen Spiele-Kumpels einzutauchen. Da ich davon sehr wenig verstehe, ist es besser, wenn Jonas das beschreibt.

Einschub von Jonas:
Das, was wir hier erlebt haben, ist der Auswuchs aller Nerdigkeit. Ein maximaler Freakabend.
In der ersten Ecke spielte jemand Computer (League of Legends). Vor dem Schreibtisch türmten sich Feinsthaarpinsel und kleine Farbtöpfchen, mit denen Itthi und sein Kumpel gerade kleine 2 cm große Spielfiguren angemalt hatten. (Vielleicht Warhammer, ich kenne mich da aber auch nicht so aus.) Sein Kumpel wollte eine solche maximal bewaffnete, kleine Monsterfigur für seine Hochzeit in der nächsten Woche haben. Er hat irgendwas von Foto gesagt; dass seine Frau davon noch nichts wüsste und dass es ihr wahrscheinlich nicht gefallen würde. Wofür genau er diese Figur brauchte, konnte selbst Itthi uns nicht sagen.
In der zweiten Ecke wurde irgendein Pen and Paper RPG gespielt, bei dem ein Elf, der beim letzten Spieleabend fast gestorben ist, jetzt wieder mitspielen durfte und von seiner Gruppe geheilt werden musste. Alle Jungs stützten sich auf hunderte Seiten starke Regelwerkbücher und saßen vor einem riesen Haufen vielseitiger Würfel (von 4 bis 20 Seiten), während sich der Spielemeister hinter einer Klappkarte versteckte und mit einem Filzstift den weiteren Weg auf die Dungeonkarte malte.
In der dritten Ecke saßen wir. Zusammen mit den wohl mutigsten im ganzen Raum. Der eine, der sich Chips knuspernd in einer Kleinkindersprache mit uns zu unterhalten versuchte. Der andere, der sich hinter seiner Hornbrille verstohlen im  Raum umguckte und jeglichen Blickkontakt vermied. Der nächste, der sich nervös auf seiner Unterlippe kauend hinter seinen Karten versteckt hielt und ein relativ taktisches und aggressives Spiel führte.
Spannend wurde es dann tatsächlich bei dem Spiel „Dixit“, bei dem man mit einem Wort oder einem Satz eine Karte beschreiben muss und die anderen müssen diese erraten. Das scheint ja schon in Deutschland manchmal schwierig, wenn man sich im gleichen Kulturkreis bewegt. Aber hier in Thailand, wo die Jungs kaum bis kein Englisch sprachen, wurde es dann tatsächlich eine große Herausforderung. Eine Regel war: keine Insider und keine Sprachwitze in der eigenen Landessprache. Alle legten ihre Tablets und Smartphones zurecht, haben die im Spielverlauf dann aber nicht einsetzen müssen. Amüsanterweise waren wir alle bis fast zum Schluss auf dem gleichen Punkteniveau. Es klappt also doch. Tatsächlich habe ich bei dem Spiel noch nie so viel gelacht wie bei diesem Mal.

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Couchsurfing der Extraklasse II

Wir kennen es vom Couchsurfen eigentlich so, dass man als Gast vieles gefragt wird, dass man ständig in Gespräche eingebunden wird und dass die Gastgeber sehr bemüht sind, dass es uns gut geht. Itthi hat da ein perfektes Mittelmaß gefunden: Er hat einfach das gemacht, was er immer macht. Keiner aus der riesen Runde hat die Standardfragen gestellt (Wie lange reist ihr schon? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Wie alt seid ihr? Was macht ihr beruflich?…). Alle haben einfach gespielt. Mit uns zusammen. Wir waren einfach dabei. Sehr angenehm.