16.06.: Trampversuch nach Khon Kaen

Da stehen wir nun abenteuerlustig in dieser wildfremden Stadt. Der Fahrplan ist klar. Wir haben in der letzten Zeit auf sehr großem Fuß gelebt und wollen nun den Gürtel wieder etwas enger schnallen. Also haben wir uns schon um einen Couchsurfer in Khon Kaen organisiert und wollen aus lauter Pfennigfuchserei, bzw. Centwolferei dorthin trampen.
Es sind 220 km und unser Host hat auch erst am Abend Zeit. Demzufolge haben wir den ganzen Tag, um dort anzukommen.
Also stelle ich mich todesmutig an die Straße. Hier im Linksverkehr muss ich mich erstmal daran gewöhnen, dass erstens die Autos aus der anderen Richtung kommen und man zweitens den anderen Daumen zum Trampen braucht. Ungewohnt, aber machbar. Oder nimmt man hier gar nicht den Daumen? Naja, erstmal anfangen. Nach gefühlten 30 Sekunden hielt schon das erste Auto an. Ein Tuktuk, um‘s genau zu nehmen. Also wieder abwimmeln. Nach 30 weiteren Sekunden kam ein größeres Tuktuk, ein Sawnthang. Das wollte uns umsonst zum Busbahnhof fahren. Dabei wollten wir ja gar nicht zum Bahnhof, sondern nach Khon Kaen. Also wieder weggeschickt. Daumen raus.

Diese ganze Szenerie wiederholte sich mehrfach. Irgendwann wurde es unglaublich heiß und obwohl wir im Schatten unter einer Brücke standen, machte mir die Sonne doch sehr zu schaffen. Nach gefühlten Stunden und dem zehnten Sawnthang beschlossen wir, dann doch zum Busbahnhof und von dort mit dem Bus weiter zu fahren.
Tatsächlich standen wir dort nur 15 Minuten.

09.05.: Reise in die Geisterstadt

Heute steht die zweite Reise in die Vergangenheit bevor. Und zwar eine Reise im doppelten Sinne: zeitlich und räumlich. Denn die VGU (Vietnamese German University), zu der wir fahren, liegt nicht mal mehr in Saigon, sondern in einer ganz anderen Provinz. Man steigt am Schildkrötenteich in einen der zwei uni-eigenen Busse und schaukelt sich anderthalb Stunden durch die Vororte aus der Stadt raus bis man irgendwann in der Pampa landet, die man wiederum eine Weile durchquert, bis irgendwann am Horizont ein paar einzelne Hochhausriesen auftauchen. Und dort steht er, der niegelnagelneue und super ausgestattete Campus der VGU. Die Stadt, die dort in the middle of nowhere aus dem Boden gestampft wurde, heißt Bình Dương Thành phố mới – wörtlich übersetzt Bình Dương, neue Stadt. Einer meiner Kollegen veränderte aber damals einfach eine der „Dekorationen“ um die Buchstaben herum und schon wurde aus der neuen Stadt eine Geisterstadt. Damals traf dieses Wortspiel durchaus den Kern, denn in den neugebauten Häusern- und Geschäftszeilen gab es lange Zeit nichts – keine Läden, wenig Menschen. Ich war gespannt, was sich in den zwei Jahren geändert haben würde.

Auf dem Campus angekommen, werden wir gleich von Henning und Jörg empfangen, die uns zum Mittag in die Kantine mitnehmen. Hier ist alles wie damals. Sogar die Smoothie-Frauen sind noch dieselben und sowohl Muter als auch Tochter flippen förmlich aus, als sie mich wiedersehen. Damals waren wir ziemlich dicke, weil Franca und ich dort jeden Tag mindestens zweimal Saft oder Kaffee gekauft haben und immer Zeit für ein kleines Schwätzchen oder Späßchen mit der Oma und ihrer Tochter hatten. Der Lieblingswitz der Oma: „Same same“ sagen und auf Franca und mich zeigen, obwohl wir nun wirklich nicht gleich aussehen. Aber laut der Oma tun es unsere Zähne und Nasen doch. Mit Jonas verstehen sie sich auch sofort super und auch ohne ein Wort Vietnamesisch wird viel gelacht.

Danach müssen alle arbeiten gehen. Außer wir. Mir wird bewusst, was für einen Luxus wir hier gerade leben. Während die anderen also unterrichten, vertreiben wir uns die Zeit im tiefgekühlten Lehrerzimmer und warten auf die Pausen, um mit den Deutschlehrern zu reden. Inzwischen ist das Kollegium beachtlich gewachsen und einige Leute, die ich noch als Studenten kennen gelernt habe, sind inzwischen Lehrer geworden. Nachdem wir vier Stunden nichts tuend gesehen haben, wie die Leute aus dem Unterricht in die Pause gehen und wieder zurück, bekomme ich doch fast ein bisschen Lust, mitzugehen und wieder mal was kurz zu unterrichten. Aber nur fast.

Und dann ist der lange Unterrichtstag vorbei und der beste Teil des Tages steht an: die Rückfahrt. Die Busfahrten zur VGU waren damals legendär. Anderthalb Stunden Fahrtzeit können langweilig oder stressig sein, in diesem Fall war es der unterhaltsamste Arbeitsweg, den ich je davor und danach gehabt habe. Zeitweise saßen wir damals zu zehnt im hinteren Busabteil und lachten anderthalb Stunden ohne Pause. Egal, wie früh am Morgen oder wie anstrengend der Tag gewesen war, nach diesen Busfahrten war alles wieder gut.
Seit ich weg bin, seien die Busfahrten effizienter geworden, sagt Jörg. Was heißt: sie arbeiten nur noch und erzählt und gelacht wird kaum mehr. Heute ändert sich das noch einmal. Zwar sind wir nur zu viert, doch die anderthalb Stunden vergehen wieder wie im Fluge.

Und ja: Heute ist zwar Montag. Montag ist zwar Tanzen. Eigentlich immer.
Aber nach einem langen Tag an der Uni überkommt mich doch ein wenig die bekannte Arbeitsmüdigkeit. Also ist ausnahmsweise mal Dienstag tanzen.

24.04.: Unwetterabenteuer

Heute lag Jonas flach. Meine Stadterkundung beschränkte sich also auf Wasser-, Reis- und Medikamentenkauf in Laufweite des Hotels. Da es mal wieder höllisch heiß war (schon am Vormittag 40°C – unglaublich!), war ich aber ohnehin nach jeder kleinen Tour schon wieder klimaanlagebedürftig.

Die paar Blocks nach links und rechts, die ich zurück legte, reichten aber auch, um einen kleinen Einblick in die Stadt und ihre Menschen zu bekommen. Ich war ja sehr langsam unterwegs und vor allem allein – zum ersten Mal seit drei Wochen. Dementsprechend oft wurde ich von allen möglichen Leuten angesprochen. Ich fand das ziemlich schön, weil es mich sehr an meine Reise vor 2 Jahren erinnerte, als ich nach ein paar Tagen an einem Ort auch immer schon diverse Mopedfahrer, Kellner, Verkäufer und Nachbarn zu meinem neuen Bekanntenkreis zählen konnte, die mich jedes Mal freudig begrüßten, wenn ich wieder vorbeikam. Hier waren wir ja bis jetzt immer zu zweit unterwegs gewesen und irgendwie stehe ich da als Frau eher im Hintergrund. Die meisten Leute auf der Straße begrüßen Jonas, finden seine neue Frisur oder seinen Bart toll, klatschen ihm in die Hände und dergleichen, aber mir werfen sie meistens nur einen kurzen Blick zu.

Heute war es zum ersten Mal anders. Ich wurde von diversen Mopedfahrern angesprochen, unterhielt mich ein bisschen mit einer Wasserverkäuferin, hatte einige Konversationen mit dem Angestellten in unserem Hotel und wurde von den Jungs der Eisdiele überredet, mir dort später ein Eis zu kaufen. Nylon Ice Cream ist übrigens Gold wert: die bekannteste Eisdiele der Stadt, direkt vor unserem Hotel. Es gibt dort Shakes, Desserts, Joghurt und sogar Pudding. Sehr gut, um sich von der Hitze zu erholen und sich mal etwas Gutes zu gönnen.

Wie auch schon vor zwei Jahren, so habe ich auch heute erfahren dürfen, wie fürsorglich und hilfsbereit die Leute sind, v.a. wenn man als Frau allein unterwegs ist. Natürlich kommen ab und zu auch ein paar flirtige Sprüche, aber es hält sich doch sehr in Grenzen und wirklich nervig wurde es nicht. Freundliche Blicke und nette Gesten überwiegen auf jeden Fall.

Gegen 18 Uhr brach ich nämlich auf, um mir etwas zum Abendessen zu suchen. Ich hatte mich den ganzen Nachmittag nicht weit vom Hotel wegbewegt, weil ich erstens Jonas nicht allein lassen wollte und zweitens dachte, es würde am Nachmittag wieder gewittern. Kurz vor 6 sah der Himmel aber blau aus und die wenigen Wolken harmlos. Ich ging los. Mein Ziel lag nur 3 Blocks entfernt. Beim ersten Block fielen die ersten dünnen Tropfen. Sie wurden sehr schnell dick und fett. Ein bisschen Regen kann nicht schaden, dachte ich mir und lief langsam weiter. Beim zweiten Block zog sich der Himmel schon merklich zu und es fing an, zu grummeln und zu donnern. Ich lief ein bisschen schneller, verlief mich dummerweise dabei, und irgendwann, als ich kurz vor dem Restaurant war, in das ich wollte, fing es auch noch an zu blitzen und zu hageln.

Hagel hatte ich noch nie in Asien gesehen – die Einheimischen scheinbar auch nicht. Wie Kinder beim ersten Schnee rannten sie mit Schüsseln aus den Häusern, um die Hagelkörner einzusammeln. Manche boten mir ihre eingesammelten Körner an. Was ich damit anfangen sollte, wusste ich nicht, bis ich sah, dass einige Leute sie sich direkt in den Mund schoben. Interessante Form der Abkühlung. Wahrscheinlich waren die Körner vom Aufprall auf den Boden auch nicht viel dreckiger geworden als sie es ohnehin sind, aber darauf hatte ich trotzdem keine Lust. Außerdem war es innerhalb der wenigen Minuten auch schon merklich abgekühlt und ich wollte noch schnell ins Restaurant kommen, bevor das große Gewitter losging. Keine Chance. Auf einmal war das Gewitter direkt über uns: schwarzer Himmel, peitschender Regen, Sturm, Blitze und Donner ganz nah. Ein paar indisch aussehende Frauen zogen mich von der Straße weg unter ihren Unterschlupf. Ich wartete kurz und wollte dann weiter, aber eine von ihnen bestand darauf, mich zu begleiten. Ich überlegte, dass ich das Angebot annehmen und mich doch direkt ins Hotel zurückbringen lassen sollte, denn inzwischen wurden auch die Einheimischen leicht panisch; die Mopeds fuhren schnell und hupend durch den Regen, Schirme und Unterstände flatterten im Wind und alle wuselten aufgeregt herum.

Die Frau nahm ihren Schirm, hakte mich unter und marschierte mit mir durch den Regensturm. Wir kamen nicht weit. Auf einmal hatten sich die harmlosen Hagelkörner nämlich in Tischtennisbälle verwandelt, die Blitze schlugen direkt links und rechts von uns ein und der Sturm war so stark, dass er sogar parkende Mopeds einfach umblies. Wir stellten uns unter. Neben uns ängstliche Leute, die sich hinter Metallwänden verbarrikadiert hatten. Einige Männer boten uns ihren Platz an und hielten, als der Hagel so groß wurde, dass es richtig weh tat, wenn er auf die Arme kam, den Schirm schützend vor uns. Selbst sie zitterten dabei – ob vor Kälte oder Angst, weiß ich nicht. Aber es war wirklich gruselig, v.a. weil kein Ende in Sicht war. Blätter und Äste auf der Straße, umgefallene Mopeds, Teile von Lampen und Fassaden, die lose an den Häuserwänden baumelten, ausgerissene Stromleitungen. Auch meine Begleiterin hatte richtig Angst. Sie krampfte sich in meinen Arm und versuchte, mich zu beruhigen – auf Burmesisch zwar, aber die Botschaft kam an. Irgendwie fühlte ich mich dadurch sehr gut aufgehoben.

Natürlich hörte auch dieses Gewitter zum Glück irgendwann auf. Es stürmte und regnete zwar noch wie verrückt, aber das Schlimmste schien vorbei. Die kleine Pause reichte aus, um zwei englischsprachige Männer ausfindig zu machen, die mein Hotel kannten, mich kurzerhand aufs Moped packten und durch die Wassermassen sicher nach Hause manövrierten. Meine Erleichterung war sehr groß und der Hunger, der mich eigentlich erst aus dem Hotel getrieben hatte, verflogen. Im Zimmer hatten wir unseren privaten Regenschauer erlebt: das Bad stand unter Wasser und auch ins Schlafzimmer hatte es ordentlich reingeregnet.
Lektion des Tages: Nicht dem burmesischen Wetter trauen. Aber vor allem: egal, was ist, es gibt immer jemanden, der einem hilft und der sich irgendwie für einen verantwortlich fühlt. Und das gilt hier wahrscheinlich noch mehr als bei uns.

01.04.: Erste Schritte in Bangkok

Wir haben ausgeschlafen. Und zwar bis um 14.00. Herrlich.

Auf der Suche nach Frühstück sind wir ausversehen in einem indischen Restaurant gelandet. Das war sehr lecker. Aber halt indisch.

Auf der Khao San Road geht es ein bisschen zu wie auf der Reeperbahn in Hamburg, nur halt nicht mit professionellem Gewerbe.  Überall Straßenhändler und viel Gewimmel. Eine Straße, die „man mal gesehen haben muss“. Für mich nicht unbedingt. Es ist alles voller Menschen. Voller Touris. Und die Verkäufer dort sind dann dementsprechend gepolt. Es gibt schlechte und gefakte Ware, deren Startpreis sich weit über dem europäischen Niveau befinden.

Beim Nachmittagskaffee ist uns jedoch die Freundlichkeit in Person begegnet. Anne wollte sehr gerne Sticky rice mit Mango (ein Dessert, sehr zu empfehlen) essen. Das Restaurant bot dies leider nicht mehr an, deswegen ist der Kellner kurzerhand auf die Straße gegangen und hat dort von einem Straßenverkaufswagen das gewünschte Essen besorgt. Witzig.

Ich kann schon ein bisschen  Thai, bzw ich wiederhole einfach dass, was man an jeder Ecke gesagt bekommt:

TukTuk = Möchten Sie gerne Taxi fahren?
Masaaaaschsch = Möchten sie eine Massage haben? / Darf ich Ihnen einen runterholen?
Kap khun kaaaa = Danke Schöööönn.

Nach einer ausgiebigen Sight Seeing Tour mit Bahn, Boot und Fuß sind wir dann abends nach sehr leckerem Abendessen in dem Haupttourigebiet hängen geblieben. Es gibt dort leider keine Bahn- oder Buslinien. Das wussten die Taxifahrer offensichtlich auch und haben uns deswegen einen Spezialpreis angeboten.