20.07.: Manila: Altstadt und Oceanarium

Radius ausdehnen

Am zweiten Tag in  Manila fanden wir, es wurde Zeit, unseren Radius von Hostel – Seven Eleven – Essenssuche – Hostel etwas auszudehnen. Beim Frühstücken im Wanderer’s Guesthouse hatten wir Regina kennengelernt. Sie war kurz nach dem Abi aufgebrochen, um in Neuseeland und Australien zu leben und zu reisen und machte nun auf ihrem Rückweg einen Abstecher auf die Philippinen. In Manila hatte sie nur einen Tag eingeplant und wollte also heute die Stadt erkunden. Nur machten ihr Horrorgeschichten, die ihr da auf der Terrasse präsentiert wurden, etwas zu schaffen: „Allein in Manila? Was, überhaupt alleine unterwegs, als 18-Jährige?“ Was habe sie denn vor? Alleine die Stadt ansehen – auf keinen Fall! Das einzig Vernünftige wäre, den Tag im Hostel zu verbringen und zu schlafen. Maximal, aber wirklich nur, wenn sie sehr abenteuerlustig wäre, könne sie doch unten auf der Straße etwas zu essen suchen. Aber allein  in den Park laufen – auf keinen Fall!

Uns waren auch schon irgendwelche Geschichten erzählt wurden, dass Manila die unsicherste Stadt in Asien sei, die Gefahr auszurauben extrem hoch, voller Bettler und Drogenabhängiger und dass man bestimmte Stadtviertel unbedingt meiden solle.
„But anyways, just have an extra look“, hatte Christophers Mutter uns in Batangas trotzdem als Rat mitgegeben. Wie es sich da mit den ganzen Warnungen als Alleinreisende anfühlt, konnte ich mir gut vorstellen.

Ein paar Tipps

Solche Horrorgeschichten sollte man sich auf jeden Fall anhören und auch wahrnehmen. Passieren kann immer und überall etwas; in Saigon, in Manila, in Barcelona oder in Hamburg. In einigen Ländern ist es vermeintlich sicherer, in anderen unsicherer. Während der ganzen Zeit auf den Philippinen ist uns jedoch nichts dergleichen passiert und wir haben auch kaum etwas davon mitbekommen. Trotzdem gilt:

  • Wenn man einen größeren Geldbetrag mit sich führt, lohnt es sich, den an mehreren Orten zu verteilen (Rucksack, Bauchtasche, Deckelklappe, Portemonnaie).
  • Auf wertvollen oder wertvoll scheinenden Schmuck sollte man verzichten, der wird einem im schlimmsten Fall vom Körper gerissen.
  • Falls man ein Smartphone besitzt und mit auf Reisen nimmt, dies gerne in etwas ruhigeren Ecken (z.B. an eine Hauswand gelehnt) oder in Gebäuden benutzen; da ist die Gefahr, dass sie von Mofafahrern aus der Hand gerissen werden, geringer.
  • Selbstbewusst, aufrecht und mit offenem Blick durch die Stadt gehen. Lächeln, wann immer möglich. Das ist gut für das Selbstbefinden und für die anderen. Und im Idealfall bekommt man ein Lächeln zurück, oder auch zwei.
  • Wenn man sich unsicher durch eine Stadt bewegt, sieht es so aus, als ob man versucht, etwas zu verbergen, und das macht potentielle Taschendiebe aufmerksam.
  • Eine Bauchtasche und zuknöpfbare, tiefe Hosentaschen lohnen sich. Wenn wir uns mal unsicher gefühlt haben, weil doch eines der Bettelkinder uns zu lange begleitet hat, haben wir einfach die Hand in die Hosentasche gesteckt, wo das Handy ist und ein wenig Zug auf die Hose ausgeübt, damit man das Portemonnaie in der Gesäßtasche deutlich spürt. Dadurch wussten wir, dass unser Hab und Gut an der richtigen Stelle ist und konnten ungezwungen zurück lächeln.

Tatsächlich ist in Manila scheinbar die Hälfte der männlichen Bevölkerung ein Wachmann. An jedem besseren Restaurant, an jedem Hostel, an jedem Hotel, an jeder Bank steht ein Wachmann, der einem aus lauter Langeweile die Tür aufhält und einen freundlich begrüßt. Damit kommt er weniger seiner Wachmanntätigkeit nach, sondern viel mehr der eines Portiers.  Wenn man sich also als Traveller durch die großen Städte dieses Landes bewegt, kann man sicher sein, dass an jedem Punkt der Reise (schlafen, essen, Sightseeing) eher ein Wachmann als ein Bettler steht.

Altstadt erkunden

Wie auch immer, wir machten uns trotz der abschreckenden, aber gut gemeinten Ratschläge mit Regina auf den Weg in Richtung Altstadt. Zu dritt ist man weniger allein.
Der Baywalk an der Bucht entlang war tatsächlich nicht ganz so schön anzusehen: einige ziemlich kaputte Existenzen (zahnlose Männer, die auf Pappen liegend um Geld baten, Frauen, die hüfthoch im Wasser standen und im darin herumtreibenden Müll nach etwas Brauchbarem suchten) und viele schmutzige Kinder mit zerrissenen Klamotten, ebenfalls auf der Suche nach Geld.
Unsicher haben wir uns aber trotzdem in keinem Moment gefühlt.
Angefasst hat uns keiner. Die Erwachsenen sind meistens einfach an dem Ort geblieben, wo sie vorher auch waren. Die Kinder tun einem nichts. Meistens begleiten sie einen für mehrere Meter und versuchen das traurigste Gesicht der Welt aufzusetzen. Für uns war das fast schon ein bisschen unwirklich und wir mussten häufig lachen. Bei den Kindern, die einen begleiten, hatten wir schon etwas Sorge um unsere Tascheninhalte, aber wenn man den Kindern nicht mit Ignoranz und Ablehnung begegnet, sondern sie direkt anschaut (und somit ganz genau weiß, wo ihre Hände gerade sind) und ihnen lächelnd und bestimmt zuspricht, dass sie nicht so traurig sein sollen (Sprache ist hierbei egal, es zählt die ruhige Stimme), geben sie meistens irgendwann auf und laufen zum nächsten „Kunden“.


Die Altstadt hatte sogar viel mehr Charme als ich erwartet hätte. In einigen Gebäudekomplexen aus dicken Steinmauern kann man sich wie im mittelalterlichen Spanien fühlen. Da liegt in jedem Hof ein alter, tiefer Brunnen und die Innenhöfe sind mit Topfpflanzen verschönert, die vor den weiß gekalkten Mauern strahlen.

Das Silahis Center – (Homepage)

Das ist tatsächlicher der Traum eines jeden Andenkenshopshoppers. Was auf den ersten Eindruck wie Gerümpel aussieht, entpuppt sich auf den zweiten als liebevoll dekorierte Ladenauslage. An jeder Ecke und jedem Winkel, an der Decke und sonst überall auch hängen und stehen große und kleine Sachen, die man sich an die Wand hängen, hinstellen, etwas reinlegen etc. kann. Der Laden ist voll nach unserem Geschmack, deswegen haben wir hier ein paar Bilder.

Oceanarium ansehen

Zum Abschluss unserer Stadttour gingen wir ins Oceanarium. Das kann man sich wie eine Mischung aus Aquarium und Zoo vorstellen. Leider wird artgerechte Tierhaltung hier nicht gerade groß geschrieben und es kam mir eher wie eine große Touristenabzocke vor, wo man ein paar Seelöwen vorführt und die Besucher in eine Antarktiswelt führt. Das eigentliche Aquarium allerdings war wirklich schön. Alle Tiere, die wir in den letzten Wochen beim Schnorcheln und Tauchen gesehen hatten, konnten wir nun nochmal in Ruhe und von Nahem bestaunen.

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Höhepunkt des Oceanarium war ein großer Wassertunnel, durch den man läuft und dabei von Rochen, Haien und bunten Fischen umschwommen wird. Für uns sah das nach dem perfekten Hintergrund für unser vorletztes Tanzvideo aus. Montag wäre tanzen gewesen. Wir tanzen stattdessen heute, hier unter Wasser.

10.07.: Am Strand von Tigbauan

Mit April am Strand

Der Nachmittag ist hier in Asien meine Lieblingstageszeit. Die Sonne brennt nicht mehr so, aber sie ist immer noch so wohlig warm wie an einem der heißeren Sommertage in Deutschland. Beste Zeit, rauszugehen, zumal jetzt alles in den schönsten Farben leuchtet.
Wir schnappten uns mal wieder Pedicabs und ließen uns zum Strand fahren. Was für ein Unterschied zu den ganzen Stränden, an denen wir bisher auf unserer Reise gefaulenzt hatten! Erstmal war der Sand schwarzbraun, was dem Ganzen eine besondere Stimmung verlieh. Und zweitens gab es weit und breit nichts. Nichts, was nicht dahin gehört. Keine Souvenirstände, keine Hotels, keine Sonnenbrillenverkäufer. Ganz normales Leben. Ein paar Muscheln, ein paar Strandhunde und ein paar Einheimische, die Volleyball spielten oder irgendwas grillten.


Wir genossen die Nachmittagsstimmung, ließen Steine hüpfen, sammelten Muscheln und kehrten in ein entspanntes kleines Beach Resort ein, in dem man auf Bambusplattformen unter den Baumkronen aufs Meer gucken kann. Obwohl noch nicht Montag war, tanzten wir; es ging einfach nicht anders bei dieser Kulisse und diesem warmen Licht an diesem perfekten Nachmittag.

 
Zur Abkühlung gab es Halo-Halo. Auf Vietnamesisch wäre das Süße Suppe und auf Deutsch vielleicht „Verrücktes Durcheinander und Miteinander von Zutaten, die wir niemals zusammen essen würden.“ In unserem Fall enthielt der Eisbecher Folgendes (von unten nach oben gestapelt): braune Bohnen, Sirup, Mangostückchen, grasgrüne Jellyquader, Mais, gecrashtes Eis, Kondensmilch und zur Krönung des Ganzen ein Stück Caramel-Flan. Wo soll man da anfangen? Am besten denkt man gar nicht drüber nach, wie man süß und herzhaft trennen könnte, es gelingt sowieso nicht. Im Mund vermischt sich alles zu einem echten Halo-Halo. Auf Tagalog heißt das nämlich einfach nur so viel wie „Mix.“

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It’s Showtime!

Plötzlich hatte April große Lust auf Schweinefleisch. Wohl nicht ungewöhnlich für eine Filippina. Und zwar hatte sie Lust auf gegrilltes Schweinefleisch. Das wiederum ist alles andere als schwierig aufzutreiben. Seit Tagen essen wir Fleisch in jeglicher Form, warum also nicht auch jetzt? Man soll sich ja seinen Gastgebern ein bisschen anpassen.
Wir gingen in ein fast ausgestorbenes Resort, mieteten den Karaokeraum und schmetterten ein paar Evergreens in die Abendluft, wenn wir nicht gerade an den köstlichen Schweinerippchen nagten, die April uns bestellt hatte.

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Gut gefüllt rollten wir nach Hause. Dort kam April nach einer Stunde auf die Idee, dass jetzt Zeit zu kochen sei. Nach nochmals einer Stunde gab es also wieder Abendessen. Wieder Schwein, surprise surprise. Auch das sah sehr gut aus, also fügten wir uns unserem anti-vegetarischen Schicksal noch einmal. Ob wir in diesem Urlaub jemals wieder einfach mal Gemüse würden essen können? Biiitte!

03.07. – 06.07.: Lorenzo in Moalboal

Wir haben Lorenzo kennen gelernt.

Lorenzo.
Ein Mann, der seit jeher schon auf dem Weg lebt. Seine Eltern sind damals mit ihm immer weiter gezogen, er hat eine Frau kennengelernt, geschwängert und ist rausgeschmissen worden, danach musste er als Bettler auf der Straße leben. Lorenzo ist 52 Jahre alt und ist seit 25 Jahren unterwegs. In dieser Zeit ist er schon in 50 Ländern gewesen und hat in vielen auch gewohnt. Sein Ziel ist es, in allen Ländern der Welt einmal Klavier gespielt zu haben. Lange Zeit hat er als Jazzmusiker gearbeitet und damit sein Geld verdient, jetzt arbeitet er als Übersetzer für ein Internetportal und ist damit ortsunabhängig. Lorenzo ist seit 8 Monaten in den Philippinen und ist eigentlich gerade am Überlegen, dass er weiter möchte. Er hat lange in einem Guesthouse gewohnt, sich dann aber seit 4 Monaten ein Haus gemietet.

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Und genau in dieses Haus hat er uns eingeladen. Ein wahnsinnig großes Haus mit einem wahnsinnig großen Garten mit einem wahnsinnig krassen Ausblick direkt über eine Seegraswiese, auf der jeden Morgen ca. 10 Schildkröten zum Frühstücken vorbeikommen. Es ist absolut still. Außer abends, wenn die Fischer nach Hause kommen und die frischesten Fische an die Hausfrau bringen, aber ansonsten: Nix.
Naja, bis auf seine Vorliebe, sehr laut Musik zu hören, aber zum Glück arbeitet er am liebsten nachts bis 6.00 Uhr morgens und schläft dann bis 14.00 Uhr.

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Wir haben die Zeit dort genutzt, um viel zu schnorcheln. Mit nur wenigen Schwimmzügen tut sich eine neue Welt unter einem auf: Korallen, Anemonen, und dazwischen Fische in verschiedensten Farben und Formen. Man dümpelt da so staunend herum und plötzlich hört alles auf – zumindest der Boden. Die Korallenwand fällt ganz plötzlich ganz steil ab und man sieht nur noch blau. Ein sehr tiefes, dunkles Blau. Vor diesem blauen Hintergrund leuchten die Fischschwärme noch mehr. Wunderschön.
Am Morgen bei Flut muss man nur ins Wasser stolpern und die Stelle mit dem saftigsten Seegras suchen – und schon hat man mit etwas Glück eine der Schildkröten unter sich, einige auf Armlänge Entfernung. Manche haben einen 1,50m langen Panzer – ganz schön beachtlich. Genüsslich knuspern sie am Seegras und lassen sich kaum stören. Wenn es ihnen zu langweilig wird, ziehen sie entspant weiter. Ganz bedächtig bewegen sie ihre Beine – es sieht aus, als würden sie durchs Wasser fliegen.

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Der grandiose Ausblick vom Balkon

Ich war einmal tauchen und konnte die für die Gegend berühmten Riffwände betrachten. Die Tauchmaster waren diesmal leider noch sehr jung und enerfahren und haben dementsprechend die meiste Zeit damit verbracht, selber zu tauchen, anstatt uns etwas zu zeigen. Das war eine andere Erfahrung als in Siquijor mit Ramon. Aber auch sehr spannend. Beim ersten Tauchgang hatten wir eine starke Strömung, sodass wir uns unter Wasser austarieren konnten und dann 30min auf 17m an dieser wunderschönen Korallenlandschaft vorbeigetrieben sind, ohne auch nur einen Flossenschlag zu tun. Beim zweiten Tauchgang musste ich durch ein Missverständnis mit der Tauchmasterin leider nach 40min wieder auftauchen. Zu sehen gab’s nichts besonderes. Viele bunte Fische, Korallen, Schnecken, Krabben. Das Übliche halt.

Am 04. war Montag. Montag ist Tanzen. Immer.
Lorenzo ist Jazzmusiker, der nichts aufhebt. Glücklicherweise gibt es doch dieses eine Video irgendwo in den Untiefen von Youtube, welches er uns nach langem Bedrängen gezeigt hat. Was liegt hier näher, als dazu zu tanzen?!

 

 

Während der Zeit bei Lorenzo haben wir versucht, ihn mit Essen zu versorgen – quasi als Gegenleistung dafür, dass er uns bei sich wohnen lässt. Dafür sind wir abends direkt zu den nach Hause kommenden Fischern an den Strand gegangen und haben denen den frischesten Thunfish unseres Lebens abgekauft. Schnell ausgenommen, in den Ofen und dann mit Prinzessböhnchen und Reis genossen. Was für ein Fest. An dem Abend haben wir Lorenzo auf 2 große Bier eingeladen und er uns dafür auf eine Flasche Rum, die wir auch ganz brav ausgetrunken haben. Anne hat sich höflich zurückgehalten, also MUSSTE ich wohl mit Lorenzo trinken. Um 0.00 bin ich lieber schnell ins Bett gegangen, in der Hoffnung, dass kein Kater kommt.
Kam doch einer, aber das hat überhaupt nichts gemacht. Wir haben einfach den ganzen Tag auf der Terrasse gehangen und aufs Meer gestarrt und mit Plänen geworfen.

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Superfresh White Tuna

Am Abend hatte Lorenzo Freunde aus der Gegend eingeladen, also gab‘s selbst gemachte Pizza und Thunfischsashimi. Natürlich wieder superfrisch direkt aus dem Meer. Der Thunfisch, nicht die Pizza. Lorenzo hat wieder eine Flasche Rum auf den Markt geschmissen. Die hat er dann aber mit seinem Kumpel Raul ausgetrunken. Die Stimmung war ausgelassen. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht. Dabei hatte noch nicht mal jemand Geburtstag. Aber laut Lorenzo kann man alles feiern, so zum Beispiel, dass gleich die Pizza fertig ist, dass man Gäste hat usw.: „Oh, the pizza is ready. Let’s celebrate!“ – Schwupps, wieder sind die Gläser voll.
Lorenzo hat uns ganz fleißig seine Lebensgeschichte präsentiert und kam immer wieder auf komische Ideen. Zum Beispiel hat er auf einmal spontan seine 80-jährige Mutter anrufen wollen (und es auch versucht), um ihr zu sagen, dass die seiner Tochter und seiner Exfrau nichts vererben soll. Lieber solle sie es verschenken. Sehr spontan, lustiger Typ. Irgendwann gegen 23.00 Uhr sind Raul und seine Frau los und hatten sich zum Abendessen für den nächsten Tag angekündigt. Schön war’s gewesen, alle fühlten sich sichtlich wohl.

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Wir haben auch ein paar Seeigel gesammelt, Jannette hat uns bei der Zubereitung geholfen. Wir haben sie roh gegessen.

Am nächsten Morgen kam die Schattenseite der Feierei: In der Nacht hatte jemand das Handy von unserem Gastgeber geklaut, und zwar aus seinem Wohnzimmer. Ob das tatsächlich so passiert ist, wissen wir nicht, es war auf jeden Fall weg. Lorenzos Entschluss stand fest: Er wird das Land verlassen. Morgen!

Raul und Jannett waren beim Abendessen genau so bestürzt und überrascht wie wir, konnten ihn aber auch nicht von seiner Meinung abbringen.

Also los! Und genau so wurde es auch gemacht. Die Vermieterin des Hauses hatte eine Monatsmiete im Voraus und die Kaution. Raul und seine Frau sollten sich um die Wertsachen im Haus kümmern, ansonsten hat er alles zurückgelassen. Sein Handgepäck für das Flugzeug war schnell gepackt. 2 kurze Hosen, 3 Tshirts, Laptop.

Essensreste teilweise noch auf dem Tisch.
Teller standen unabgewaschen herum.
Der Kühlschrank voller Sachen.
Die Betten nicht gemacht.
Der Müll nicht geleert.
Das Haus dreckig.
Unfertig.

Wir haben das Haus gemeinsam verlassen. Anne und ich waren so bedrückt, dass uns beinahe die Augen in den Tränen standen. Aber auch wir wollten weiter. Er wollte nach Cebu, dann spontan einen Flug nach Manila kaufen und von dort weiter nach Malaysia. Aber ob er den Plan genau so durchzieht, weiß er wahrscheinlich selber auch noch nicht. Vielleicht sitzt er inzwischen irgendwo in Sibirien. Wir sind jedenfalls um 5.00 morgens aufgetanden, wurden freundlicherweise von Raul und Jannette an die Straße gefahren und haben dort gemeinsam auf den Bus gewartet. Während der Busfahrt wurde wenig gesprochen. Eigentlich gar nicht. In Naga City sind Anne und ich ausgestiegen, um nach Toledo zur Fähre zu fahren.

Thank you. Good bye.
Ein Handschlag.
Weg.

Lorenzo.
Ein Mann, der nicht zurück blickt, sondern sich immer wieder neue Leben aufbaut.
Alles Gute, wo auch immer du steckst.

18. – 20.06.: Loei

Endlich. Die Blogeinträge werden immer seltener und immer mehr Tage werden zusammengefasst. Es passiert schlichtweg einfach auch nicht mehr so viel, bzw. alle Kuriositäten sind schon beschrieben worden. Alle Tuktukfahrten sind abenteuerlich. Alles Essen ist exotisch. Alle Menschen sind einzigartig. Alle Städte neu. Alle Busfahrten individuell. Das Wetter ist immer warm.

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Wir wollten  von Khon Kaen nach Chian Khan fahren. Nach Loei dauern die 200 km angeblich nur 2,5-3 Stunden. Dann sollten wir noch ein kleines Gefährt nehmen und nach angeblich einer Stunde in Chian Khan ankommen. Nachdem wir nach 5,5 Stunden in Loei waren und extreme Kopfschmerzen hatten, weil die Fahrt ruckelig, nicht klimatisiert und somit stickig und heiß war, hatten wir die Schnauze voll. Jetzt noch – wahrscheinlich – 2 Stunden zur Endstadt zu fahren war uns zu viel. Vor allem, da wir uns zwei Tage später schon wieder auf den Rückweg nach Khon Kaen machen wollten. Also sind wir in Loei geblieben und haben uns mit der Stadt angefreundet, obwohl sie laut Reiseführer nicht viel zu bieten hat. Es ist wohl ein veralteter Kurort, der als solcher nicht mehr genutzt wird. Der alte Park mit den Spazierwegen und den entsprechenden Übungsstationen zeugt noch davon.

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Wir haben die Zeit dort genutzt, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen und um unser Standbein in Deutschland etwas zu sortieren. Da wir unseren geplanten Auslandsaufenthalt auf 3 Monate taxiert hatten und jetzt um einen Monat verlängert haben, müssen wir die Zwischenmieter unserer Wohnung arrangieren.

Außerdem stellt sich uns zum ersten Mal die Frage: Was ist eigentlich, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind. Was wollen wir arbeiten? Wie? Wann? Wo?

Anstrengende Fragen sind das und ich glaube, der Weg zur Lösung ist steinig und schwer. Aber ich freue mich schon jetzt auf das Ergebnis, wobei ich noch keine Ahnung habe, wo uns der Wind hintreiben wird.

Abends haben wir uns durch etliche kulinarische Köstlichkeiten vom Nachtmarkt gegessen, ohne auch nur annähernd alles probiert zu haben. Es gibt einfach zu viel und wir sind gar nicht mehr so hungrig. Wahrscheinlich hat das ständige Reis-mit-Soßeessen unseren Hunger nach unten korrigiert.

Nach zwei Nächten in dieser entspannten Stadt haben wir den Rückweg angetreten. Inzwischen wussten wir, dass die Fahrt wahrscheinlich 5 Stunden dauern würde und waren erfreut, als wir nach 4 Stunden 45 Minuten wieder in Khon Kaen ankamen. Wir machten uns auf den Weg zu Itthi, unserem Couchsurfer. Der Gute wollte uns am nächsten Tag mit nach Bangkok nehmen.

Es ist Montag. Montag ist Tanzen. Immer.
Heute sind wir müde. Trotzdem tanzen wir. Kurz. In Itthis Spielewerkstatt.

11.-15.6.: Von Legenden, Artisten und Bambuszügen

Die Stadt des verschwundenen Stocks

Unsere nächste Station war Battambang (bat = verschwinden, dambang = Stock).

Einer Legende nach lebte hier ein Kuhhirte, der einen Zauberstab aus Rosenholz besaß. Mit Hilfe dieses Stabes gelang es ihm, den König zu vertreiben und selbst König zu werden. Eines nachts träumte er, dass der zukünftige Prinz jedoch bald geboren werden würde. Aus Angst um seine Macht ließ er alle schwangeren Frauen des Landes verbrennen. Noch auf dem Scheiterhaufen wurde jedoch ein Kind geboren. Die Soldaten retteten es aus den Flammen und gaben es in ein Kloster. Durch die Verbrennungen konnte es allerdings nur kriechen, nicht laufen.
Etwas später hatte der König erneut einen Traum, in dem der zukünftige Prinz auf einem weißen Pferd in den Palast geritten kommen würde. Nicht nur er, sondern die gesamte Bevölkerung erwartete die Ankunft des neuen Prinzen. Auch der Junge, der aus den Flammen gerettet worden war, machte sich auf den Weg zum Palast, um das Spektakel zu sehen. Unterwegs bat ihn ein Brahmane, sein Pferd für ihn zu halten. Der Junge passte auf das Pferd auf und bemerkte, dass seine Beine plötzlich geheilt waren. Er stieg auf und das Pferd (welches natürlich weiß war), flog mit ihm zum Palast. Dort angekommen, warf der ehemalige Kuhhirte seinen Zauberstab nach dem Jungen, doch der Stab verfehlte ihn und verschwand und mit ihm auch der ehemalige Hirte. Der vom Scheiterhaufen gerettete Junge wurde der neue König und seine Stadt in Bat dambang umbenannt.

Die Stadt der halben Straßen vs. Die Stadt des Bambuszugs

Und hier sind wir jetzt also, in Battambang, der Stadt des verschwundenen Stocks. Man könnte sie auch die Stadt der halben Straßen nennen. Denn wo sonst gibt es Straße 1,5 oder 2,5?

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Man könnte sie auch die Stadt des Bambuszuges nennen. Denn nur hier kamen die Dorfbewohner auf die Idee, die Gleise der staatlichen Eisenbahn einfach zu ihren eigenen Zwecken zu nutzen. Immer, wenn gerade kein Zug fährt, laden sie selbst gebastelte Gefährte aus Metall und Bambus auf die Schienen, schmeißen den Motor an und rattern mit ihrem bamboo train über die holprigen Gleise ins Nachbardorf. Ein Problem gibt es nur, wenn jemand aus der anderen Richtung auf dieselbe Idee kommt. Aber auch das ist kein großes Problem. Es wird einfach schnell geguckt, wer weniger beladen ist. Der hat dann verloren, denn er muss sein Bambusgestell und die zwei Achsen von den Schienen heben, den anderen vorbeilassen und wieder alles montieren, bevor es weitergehen kann. Falls mal ein echter Zug unterwegs ist, könnte das Ganze schon brenzliger werden. Aber angeblich kennen die Leute erstens den Fahrplan und zweitens sind die Züge wohl laut genug, um rechtzeitig den bamboo train von den Schienen zu hieven. Naja, und vor allem fahren wahrscheinlich kaum noch Züge hier. Um es genau zu nehmen, wurde uns gesagt, dass die Schienen inzwischen einzig und allein für den Bambuszug benutzt werden. Und uns kam es vor, als ob das wiederum nur für die Touristen geschieht.

Überhaupt ist dieser ganze bamboo train uns eher wie eine große Abzocke vorgekommen. Statt nämlich mit irgendeiner Dorffamilie auf ihrem Wagen mitzufahren, wurden wir an der „Haltestelle“ von einem uniformierten „Schaffner“ begrüßt. Ein offizieller Schaffner? Das stand nicht in meinem Buch. Auch nicht, dass man eine „Fahrkarte“ lösen muss. Und dass die dann auch noch fünf Dollar pro Person kostet, kam mir ganz schön dreist vor. Alles war genau getaktet, kein bisschen Abenteuer mehr. Ankommen, zahlen, auf den Wagen aufsteigen, der schon bereit steht und sogar mit Kissen gepolstert ist, und los geht’s. Das einzig Abenteuerliche ist die hucklige Fahrt über die ausgeleierten Gleise, bei der das Knattern und Wackeln und Ruckeln so einen ohrenbetäubenden Lärm macht, dass man sich nicht mal unterhalten kann. Die Strecke ist leider nicht sonderlich aufregend. Sehr schnell verlässt man den Wald aus dunklen, grünen Bäumen, Bananenstauden und Bambus und fährt in die sengende Hitze hinein, vorbei an Dornenhecken, ein paar Palmen, ausgetrockneten Feldern und vereinzelten Buckelrindern.

Auf der Hinfahrt hatten wir das Glück (weil abenteuerlich) und Pech (weil extrem heiß), dass uns ein anderer bamboo train entgegen kam. Sehr schnell hatten unser Fahrer und der des anderen Wagens unser Gefährt auseinander montiert und an die Seite gestellt. Der andere Wagen fuhr los, wir blieben stehen. In der Ferne sahen wir einen anderen Zug herantuckeln. Auf ihm saßen natürlich Touristen, so wie auf allen weiteren Zügen, die diesem folgten. Während wir dem ersten Wagen noch freundlich hintergewunken hatten, verfinsterte sich unsere Miene mit jedem davon rollenden Zug, denn es war einfach nur verdammt heiß und die Dornensträucher boten nicht gerade viel Schatten. Unser Fahrer zeigte jedes Mal mit irgendeiner Geste an, wie viele Züge wohl noch kommen würden. Am Ende waren es fünf oder sechs und endlich, endlich half der letzte entgegenkommende Fahrer unserem Fahrer dabei, erst die beiden Achsen auf die Gleise zu heben und dann die schwere Plattform darauf zu legen. Nur noch die Kissen zurecht rücken und weiter ging es. Das Ziel (im Reiseführer beschrieben als: kleines Dorf. Sehenswert ist u.a. die Ziegelfabrik) war ein ziemlicher Reinfall: fünf ärmliche Häuser, eine verlassene Fabrik und ansonsten Leute, die im Schatten auf Kundschaft warten, um ihnen Freundschaftsbänder, Elefantenhosen, Batikhemden oder Kokosnüsse zu verkaufen. Natürlich steckten alle unter einer Decke, denn unser Fahrer war plötzlich weg und wir sahen uns somit gezwungen, im Schatten auf ihn zu warten. Und der einzige Schatten war natürlich ein Batikhemden-Elefantenhosen-Baumwollschal-Stand. Nur schwer konnten wir allem Werben wiederstehen. Nur diese eine Kokosnuss, die sah dann doch zu erfrischend aus. Nach eienr Stunde war unsere bamboo train – Tour dann auch beendet. Fazit: Leider hätten wir uns diese 10$ sparen können.

Die Stadt der Artisten  

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Am Abend hatten wir dafür mehr Glück. Wir hatten uns Tickets für den bekannten Zirkus gekauft. Er ist Teil von einem großen Ausbildungsprogramm für Kinder und Jugendliche aus armen Familien, die in bildender Kunst, Design und Performance-Künsten unterrichtet werden. Das Konzept klang sehr spannend und so ein bisschen Kultur könnte auch nicht schaden, dachten wir. Natürlich ging aber einiges schief, weil wir ja Leute in der Ausbildung sahen und keine professionellen Artisten. Teilweise war die Grenze zwischen bewusster Clownerie inklusive den damit verbundenen tollpatschigen Fehlern und den wirklichen Fehlern daher nicht so klar zu erkennen. Oftmals mussten die Artisten 2-3x zu einer Nummer ansetzen. Spannend war jedoch zu sehen, was für eine Kunst tatsächlich in einem Cirque de soleil oder Russischem/Chinesischem Staatszirkus steckt.  Nur der Jongliererin zuzusehen tat dann doch etwas weh. Dass sie fünf Bälle nicht in der Luft halten konnte, fanden wir noch ok. Als ihr dann auch vier und drei Bälle herunter fielen, dachten wir, dass das vielleicht eine andere Clownnummer werden würde, aber dafür guckte sie zu ernst. Als sie dann auch noch den letzten Ball durch die Manege warf, ohne ihn rechtzeitig aufzufangen, wären wir am liebsten selbst vor Scham in den Rängen versunken. Aber die Vorführung war für uns eine schöne Abwechslung zu allem, was wir bisher auf der Reise gesehen hatten.

Vor dem Zirkuszelt hatten wir auch die Gelegenheit, ein kleines Tänzchen zu wagen. Denn es war Montag. Und wie ihr ja wisst, ….
Hier unser erstes Selfie-Video:

 

 


Neben diesen zwei Höhepunkten machten wir in Battambang nicht viel Aufregendes. Wir ließen einfach die Seele baumeln und schlenderten durch die Straßen 1, 1 ½, 2, 2 ½  und 3 mit ihren hübschen Kolonialstilhäusern, sehr schicken Restaurants, Cafés und Galerien, schauten ein bisschen Fußball und nutzten die Ruhe, um unseren Monat in Kambodscha zu beschließen.


Rückblick auf Kambodscha

In diesen paar Wochen ist uns das Land irgendwie ans Herz gewachsen. Die Landesgeschichte und die Geschichten von Menschen aus dem Land haben uns mehr berührt, als es bei den anderen Ländern der Fall gewesen ist. Vielleicht liegt das daran, dass wir hier direkt zu Beginn diesen tiefen Einblick in die Geschichte des Landes bekommen haben und dann mehrere Wochen Zeit hatten, um mit diversen Büchern und Gesprächen noch tiefer in die Geschichte und das aktuelle politische Geschehen einzutauchen. Vielleicht aber auch daran, dass wir uns im Vorfeld sehr wenig über das Land informiert hatten und uns dadurch komplett gehen lassen konnten.

Auf einem T-Shirt hat Jonas folgenden Spruch gelesen: Kambodscha – Der Phönix von Asien. Kambodscha hat so viel an Krieg, Armut und Ausbeutung erlebt und steht doch immer wieder auf.
Erst die Franzosen in der Kolonialzeit, dann die USA, die auf der Suche nach Vietkong Kambodscha mit Bomben beworfen haben, anschließend der Bürgerkrieg und die Roten Khmer. Und jetzt eine Regierung, die die restlichen Rohstoffe zu Dumpingpreisen ins Ausland verkauft und den Erlös in die eigene Tasche steckt – und das Ganze unter dem Deckmantel einer Demokratie. Die Gegenstimmen zur CCP (Cambodian People’s Party) haben nicht genug Kraft, um gegen das dicht gestrickte Netzwerk des Präsidenten und seiner Mitstreiter vorzugehen; unliebsame Oppositionspolitiker, Bürgerrechtler oder sonstige „Aufmüpfige“ werden ins Gefängnis gebracht, ins Exil gezwungen oder direkt umgebracht, ohne dass die wirklich Schuldigen jemals gefunden und bestraft werden. Und auch der König hat nicht mehr viel zu melden und ist auf Dauerurlaub in China.

Trotz all dieser Missstände strahlen die Menschen hier eine Vergnügtheit und Gelassenheit aus, die kaum mit anderen Ländern zu vergleichen ist. Vielleicht ist es das, was uns so fasziniert hat.

02.05.: Ein kurzer Spaziergang am Fluss

Heute haben wir uns Großartiges überlegt. Wir haben uns einen Plan gemacht mit 10.000 Sachen, die man hier in Yangon noch machen könnte. Aber erstmal frühstücken und dann gucken wir weiter. Nach dem Frühstück haben wir unsere dreckigen Klamotten zur Laundry gegeben. Die arme fingernägellackierte, Goldkettchen tragende Frau an der Rezeption musste sich dann zählend durch unsere Dreckwäsche wühlen.
Entschuldigung. Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht so viele dreckige Sachen abgegeben. Oder sie vorher einmal gewaschen.
Danach ging es zu einem kleinen Spaziergang an den Fluss. Der Yangon River fließt hier durch und da gibt es diese „Strand Road“, da wollten wir mal gucken.  Schönheit und Ästhetik konnten wir dort leider nicht finden, dafür jedoch Authentizität. Und das war wiederum schön. Für mich zumindest. Plastikführende, schwarztrübe Abwässer, die sich mit dem schlammigbraunen Fluss vermischen. Hafenarbeiter, die Reissäcke tragend eine Schiffsladung löschen. Alle 10m eine kleine Garküche, wo andere Arbeiter freundlich grüßend Pause machen. Der Boden rot vom Betelrotz.

Ein kleiner Exkurs: Die Betelnuss wird hier zur Berauschung gekaut. Sie ist eine Droge, die wohl ähnlich stark wie Nikotin in den Zigaretten wirken soll. Neben der leichten Berauschung bekommen die Betelkauer knallrote Zähne, die mit der Zeit leider immer fauliger werden. Eine weitere Nebenwirkung ist eine übermäßige Speichelproduktion, weswegen viele der Menschen hier den Speichel aus dem Rachen hörbar laut hochproduzieren und dann mit einem gewaltigen *FLATSCH* einen roten Betel-See auf den Boden rotzen. Davon färbt sich der Boden hier überall rot. In vielen Gegenden ist das Betel-Ausspucken inzwischen aus ästhetischen Gründen verboten und man erkennt den finanziellen Stand eines Bezirkes an der (Nicht-)Färbung des Bodens.

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Dort im Hafen war es auf jeden Fall deutlich rot. Die Hafenarbeiter spucken aus, grinsen uns mit ihren roten Zähnen an und winken. Wir winken zurück und lächeln auch. „Mingalabar! (Hallo)“ rufen wir. Sie freuen sich, wir freuen uns auch.

Zurück im Hotel (es ist inzwischen 11.30) machen wir erstmal eine Pause von der Anstrengung des Tages.

Abgang Anne und Jonas. Ende des ersten Aktes.

*Pause*

Zweiter Akt. Anne und Jonas betreten die Bühne.

Und nach der Pause machen wir noch eine Pause.

Und dann ist schon Abendbrotzeit. Da wir heute noch kaum was geschafft haben, wollen wir zum Abendessen auf eine Rooftop-Terrasse essen gehen. Also wird alles Mögliche durchforstet. TripAdvisor, Google, Blogs, Reiseführer… Aber nirgendwo finden wir das perfekte Restaurant. Also schlurfen wir lustlos und hungrig das eine Stockwerk nach oben in unser Hotelrestaurant und stellen fest, dass wir dort
erstens: völlig alleine sind und uns
zweitens: gleich 3 Kellner bedienen und
drittens: der Ausblick mit Blick auf die Shwe Dagon Pagode total der Oberknaller ist und
viertens: das Essen superlecker ist.

Das Bier auch. Wir torkeln ins Bett.

Ach ja.

Heute ist Montag. Montag ist tanzen. Immer.

Immerhin das haben wir noch geschafft. Und diesmal haben wir sogar zwei Videos gemacht, weil wir tagsüber unsere Kräfte so gut eingeteilt haben.

Nummer 1: Man beachte die goldstrahlende Schwedagon-Pagode im Hintergrund.

 

Nummer 2: Die Idee zu diesem Hintergrund hatte der Kellner, der uns beim ersten Video gefilmt hatte. Man sieht typische burmesische Marionetten und Musikinstrumente. Und Geschirr und Fried egg-Behälter vom Frühstücksbuffet. Auch das sehr authentisch 🙂