07.-09.06.: Den Tempel trotz lauter Steinen sehen

Nach drei Tagen in Siem Reap sieht man den Wald vor lauter Tempeln nicht mehr, bzw. den einzelnen Tempel vor lauter Steinen nicht. Trotzdem war jeder Tempel für sich wunderschön und voller besonderer Details. Um die Eigenheiten der einzelnen Tempel ein bisschen zu beleuchten, kommt hier eine klitzekleine Auswahl an Fotos.

Tag I: Giant Circle

Banteay Sreai

Beng Mealea

Roluos Gruppe

Tag III: Small Circle

Angkor Wat

Ta Prohm

Bayon

 

22.05.: Royal Palace mit ohne Silberpagode

Es geht zum Königshaus. Wenn wir schon mal in einem Königreich sind, dann kann man sich auch gleich sein Wohnhaus angucken. Tatsächlich habe ich mir auch mal überlegt, etwas Ähnliches für mich zu bauen. Ein nettes kleines Empfangszimmerchen mit goldenen Thron und langem roten Teppich, ein bisschen goldene Dachschindeln mal hier und mal da und den Familienschmuck (Zepter und Krone) in einem eigenen kleinen Häuschen auf dem Platz hinter dem Empfangstor, falls mal jemand vorbei kommt. Drumherum ein paar rasierte Bäume… So ließe sich das Leben leben.

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Nebenan, quasi auf dem Nachbargrundstück, hat sich die Königsfamilie seit Generationen begraben lassen. Für die verstorbenen Könige, deren Ehepartner und teilweise auch für Kinder, die nicht König geworden sind, wurden hier Denkmäler und Stupas geschaffen. Ein weiteres Highlight soll laut Reiseführer die Silberpagode sein. Die wurde zwar mit handgeschriebenen Schilder und Pfeilen ins Irgendwo ausgeschildert, gefunden haben wir sie jedoch nicht. Erst bei anschließenden Recherchen haben wir festgestellt, dass es sich bei der Wat Praeh Keo Morokat um eben diese Silberpagode handeln soll. Angeblich, weil der ganze Boden voller silberner Kacheln sei. Das konnten wir jedoch nicht überprüfen, weil alles mit Teppichen ausgelegt war.

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Nach einer kurzen Pause haben wir am Nachmittag noch das Nationalmuseum besucht. Die haben praktischerweise alle Exponate nach Material sortiert. Schade nur, dass sonst kaum was beschrieben ist und dass es kreuz und quer durch die Jahrhunderte sortiert ist. In den Ecken des Rundgangs ist jeweils eine völlig aus dem Zusammenhang gerissene Sonderausstellung. So stehen beispielsweise hinduistische Steinskulpturen neben einem ErsteweltkriegU-Bootdokumentationsfernseher.

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Zu beachten ist hier das charmante Hinweisschild: „No sitting“ 😛

Abends gab es nach einer entspannenden Massage bei einem fast-Gewitter-Himmel-Sonnenuntergang amüsante Cocktailkreationen inklusive Fotosession.

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21.05.: Stadtrundführung in Phnom Penh

Wat Phnom

Wir sind nach dem Wäschewaschen  ganz entspannt mit Tini durch die Stadt spaziert. Natürlich ohne Sonnencreme, denn heute war es endlich mal nicht so heiß, dass man so etwas bräuchte. Schließlich hat die Regenzeit angefangen und außerdem weht hier ein laues Lüftchen. Wir haben uns den Wat Phnom angeschaut, ein künstlicher Hügel, der vor ziemlich langer Zeit errichtet worden ist und auf dem der namensgebende Wat (Tempel) für diese Stadt steht. Neben einer sehenswerten buddhistischen Bildergalerie, die darauf schließen lässt, dass es hier in Kambodscha einen stärkeren Hinduismuseinfluss gab und gibt, waren dort auch einige Statuen.

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Wie auf den Fotos vielleicht zu erahnen ist, stecken die Menschen hier ziemlich viele Geldscheine an diese Statuen, wobei für mich der Vergleich mit einem Stiptease-Lokal nahe liegt. Aber das dürfen wir keinem verraten, sonst würden wir den Göttern, Heiligen und/oder Königen nicht gerecht.

Am Nachmittag gab es einen Fruchtsaft. Dieses von uns viel geliebte Erfrischungsgetränk, welches in Vietnam mit Zucker und vor allem sehr leckerer gesüßter Kondensmilch zubereitet gehört, wird hier tatsächlich ohne Zucker zubereitet. Schmeckt anders, ein bisschen fad. Halt eben natürlich. Gut.

Wir zahlten mit Dollars und Riel

Eine neue Erkenntnis war, dass man hier in Kambodscha scheinbar nicht nur in der Landeswährung Riel bezahlen kann, sondern auch in Dollar. Dass das hier in Südostasien ein übliches Notzahlungsmittel sei, wussten wir schon. Dass aber alle Preise direkt in US Dollar angegeben werden, war mir neu. Ehrlich gesagt erlebe ich die Leute hier teilweise hilflos bis verzweifelt, wenn man in Riel bezahlen will. Dann wird ein Taschenrechner rausgeholt und manche haben das Wechselgeld nicht mal parat. Aber das ist nicht so schlimm, dann wird einfach in Dollar rausgegeben.

Folktanz auf Khmer

Abends haben wir uns eine Folkloretanzvorstellung angesehen. Beim kurzen Anblick auf die Instrumente im Orchester habe ich mich mental auf eine ähnlich ungewohnte Geräuschkulisse wie im Marionettentheater in Mandalay vorbereitet, wurde aber zum Glück enttäuscht. Durch den rhythmischen Trommelschlag wurde die für mich immer noch sehr wilde Musik in halbwegs systematisierbare Taktsequenzen gegliedert und damit gut hörbar. Wie jedoch dieser kehlig-leiernde Gesang, Tänzer und Musiker aufeinander gehört haben, ist mir leider nicht ersichtlich geworden. Die männlichen und weiblichen Tänzer haben eine sehr abwechslungsreiche und durchkostümierte Show dargeboten, bei der die unterschiedlichen Tanzstile und traditionellen Tänze aus verschiedenen Ecken des Landes, aus verschiedenen Epochen und von verschiedenen Volksgruppen aus Kambodscha gezeigt wurden.

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Da war dieser Göttertanz mit Glitzergold und Krone auf dem Kopf, bei dem sich die Tänzerinnen langsam, ballettartig mit maximaler Körperspannung über die Bühne bewegt haben. Wenn sie die Handflächen aneinander gelegt haben, konnten sie die Finger (an der Fingerspitze gemessen) mehr als eine Geodreiecklänge auseinanderbiegen. Das muss man mal ausprobieren. Ich schaffe 5 cm.
Dann war da dieser Fischertanz, bei dem alte Fischerwerkzeuge als Tanzmedium integriert wurden. DSC04011
Dann war da dieser Tanz mit wunderschönen Pfauenkostümen. Ähnlich wie bei „König der Löwen“ verschmolzen hier Tänzer und Kostüm zum Tier.
Dann war da dieser Kampftanz, bei dem die Männer speerdrohend und gebärdend um einen Büffelkopf herumgetanzt sind, während die Frauen hüftschwenkend im  Hintergrund sehr gut aussahen.
Dann war da diese von Clownerie durchzogene Liebesgeschichte, bei der die männlichen Tänzer die Augenbrauen in der Mitte nach oben geschminkt hatten. Das sah an sich schon relativ lustig aus, aber als die dann auch noch so fein grimassiert haben, musste ich doch hin uns wieder kichern.
Insgesamt eine empfehlenswerte Performance, bei der man eine gute Übersicht über die hiesige Tanztradition bekommt.

Abends gab es auf Wunsch von uns gefüllte Pfannkuchen. Und zwar mit in Kokosmilch geschmorten Nadelpilzen und Blauschimmelkäse.  Ich dreh durch. Das ist vielleicht lecker.

Das mit dem ohne Sonnencreme rausgehen war übrigens eine Schnapsidee. Wir haben uns alle drei gehörig verbrannt.

 

12.05.: Mekong Teil 3: Floating market und Räucherpagode

Morgens geht’s zum floating market. Spannend zu sehen, wie die Bauernhändler ihre Waren zu den großen Booten verladen, die wiederum ihre Waren an weitere Kleinhändler verkaufen. Die Kleinhändler bringen ihre Waren dann an Land zu den Lokal-Märkten. Faktisch sind die Jungs und Mädels auf den Schiffen die ganze Zeit am Verladen. Rein-Raus-Raus-Rein.

Jedes Händlerboot hat einen Anzeigestock, was sie alles verkaufen. An jedem Stock wird, bequemer weise, eine der zu verkaufenden Früchte gebunden

 

Anschließend geht’s noch schnell in eine Pagode. Thanh kennt sich wirklich vorzüglich mit den verschiedenen Religionen in Vietnam aus und hat uns über die letzten Tage mehrere kleine Minivorträge gehalten. Genauso kann sie uns diese taoistische Pagode sehr gut erklären. Es ist alles voller Räucherspiralen. Voll. Voll. Voll. Und unter jeder Spirale hängt ein Wunsch, der mit dem Rauch irgendwo hintransportiert wird. Nach etwa 40 Minuten in dieser Räucherpagode wird einem so duselig in der Birne, dass ich gut nachvollziehen kann, dass diese Wünsche tatsächlich wahr werden. Zumindest glaubt man dann bestimmt mehr daran. An den Rest kann ich mich leider aufgrund der Nebelei nicht mehr so gut erinnern.

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03.05.: Shwe Dagon Pagode

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Woooow…. Was für ein riesen Ding. Diese Pagode ist ein riesiges Areal, an deren 4 Windrichtungseingängen jeweils zwei 8m hohe Bewachungseingangslöwentiere stehen. Für Locals ist der Eintritt frei, für Touristen kostet es 5,80 €. Das finde ich eigentlich ganz gut. Die Buddhisten hier aus dem Land können umsonst in das wohl größte Heiligtum des Landes pilgern und Besucher und Angucker (wie wir) unterstützen die Instandhaltung. Nachdem wir unseren Kulturbeitrag gezahlt hatten, ging es mit Rolltreppen (jawohl, Rolltreppen) zur höchstgelegenen Pagodenterrasse. Hier kann man leider nicht ohne Sonnenbrille rumlaufen, da man aufgrund der ganzen Goldreflektion selbst morgens um 9.00 zu schnell erleuchtet wird und das will ja nun auch keiner. Jedenfalls noch nicht mit 30.


Die Shwe Dagon Pagode besteht aus mehreren hundert Stupas und Buddha-Figuren oder Buddha-Abbildungen. In der Mitte steht die monströse Hauptstupa, das Herzstück der Pagode.  Ca. 4 Tonnen Gold schmücken dieses 100m hohe Gebilde. An der Spitze in dem mehrstöckigem Umbrella sind mehrere zehntausend gespendete Finger- oder Ohrringe, Handreifen, Ketten. Alle aus Gold und/oder mit wertvollen Steinen besetzt. Darüber ist ein „kleines“ Wetterfähnchen (130 cm lang, 76 cm hoch und 419 kg schwer). Ebenfalls über und über mit Glitzerdingern besetzt.  Darüber, auf dem Foto kaum noch erkennbar, ist eine kleine Kugel (56 cm hoch, 27cm im Durchmesser, mit mehr als 4300 Diamanten besetzt und insgesamt 1800 Karat schwer). Wiederum darüber ist der Apex-Diamant im Wert von 76 Karat. Liebe Ehering-mit-Diamant-Trager: Ist das viel? Ich glaube ja, aber ich habe keine Ahnung. Allein das Ding von der Spitze runter zu holen würde unser Reisebudget sprengen, glaube ich.

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Diese Pagode wurde – einer wahren Geschichte nach – auf 8 Haaren von Gautama Buddha erbaut. Anne meinte, dafür hätte man auch ein kleineres Tempelchen bauen können und sich nicht so zu verausgaben müssen. Diese Pagode steht dort angeblich schon seit 588 vor Christus und wurde seitdem immer in Stand gehalten und weiter ausgebaut, erhöht, verschönert, vergoldet und erweitert. Mehrere Könige haben noch weitere Reliquien von den erleuchteten Inkarnationen von Buddhisatwa zusammengetragen und so sind dort nun Beweise der vier bisherigen Buddhas vereint.

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Zu sehen gab‘s dort außerdem noch einen Comic-Bild-Pfad zum Thema Entstehung und Werdegang des Buddhismus. Den haben wir gespannt gelesen und ich musste dabei feststellen, dass sich dort doch so einiges mit dem Christentum deckt.

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Meine Gedanken:
Buddhisatwa ist der Ober-super-Gott-Buddha, der in seinen 10.000 Himmeln mit den Brahmanen und Engeln wohnt. Die beschließen, dass er mal wieder eine Inkarnation auf die Erde schicken soll, also befruchtet er kurzerhand als kleiner weißer Elefant getarnt eine Königin, die ihm sich selbst als Sohn gebirt. Erstmal hat das Baby Superkräfte, kann gleich nach der Geburt laufen und fliegen und alle sind beeindruckt. Dann wächst er als normaler Mensch auf und macht die Erkenntniss, wie das Leben funktioniert. Alter, Armut, Tod und Krankheit werden thematisiert. Daraufhin verlässt er sein bisheriges Leben und wird Mönch. Er versucht verschiedenste Meditationsarten, um den  Superstatus zu erlangen. Gelingt ihm auch. Er wird eleuchtet. Danach kommt eine unglaublich lange Zeit, in der er bei verschiedensten Menschen Buddhismusaquise betreibt. Irgendwie zweifeln ständig Leute an ihm und am Ende finden sie ihn auch super und verehren ihn. Zwischendurch wird er von einem bösen Engel in Versuchung geführt, kann diesen aber besiegen.
Der Gautama Buddha hat übrigens Superkräfte. Er kann über Wasser laufen, Feuer entzünden und es wieder löschen, fliegen und das Animalische zähmen (verkörpert durch den König der Nagaschlangen aus dem Hinduismus).
Am Ende hat er das Leben wegmeditiert und ist quasi unsterblich geworden.
All das meine ich auch in der Bibel mal irgendwo gelesen oder gehört zu haben. Diese göttliche Befruchtung. Erkenntnisse über das Leben. Sieg über das Dämonische, Teuflische. Über Wasser laufen. Anhängeraquise durch Wundertaten. Die Schlange als bekämpfenswertes aber dann doch als lebensakzeptierendes Symbol.

  • Irgendwer hat behauptet, dass Gautama Buddha (*etwa 550 v. Chr.) gesagt hat, dass ca. 500 Jahre nach ihm ein neuer Buddha kommen wird. http://www.theologe.de/christus_und_buddha.htm
  • Was ist in den Jahren zwischen der Bar Mitswa und Bergpredigt mit Jesus passiert? Wohin ist er untergetaucht?
  • Was ist in diesen 40 Jahren passiert, als Jesus in der Wüste war und gegen das Böse gewonnen hat?
  • Irgendwer hat behauptet, dass Jesus beim ersten buddhisten Konzil 80 n. Chr. anwesend war. Nach seinem Tod/Auferstehung?

Zufall oder nicht?

Beim Buddhismus geht um die innere Zufriedenheit, die man über Meditation erreicht. Und um gutes Karma, was man dadurch erreicht, dass man Gutes tut, sich gegenseitig hilft und andere Lebewesen respektiert. Alles, damit man irgendwann den ewigen Reinkarnationskreislauf unterbrechen kann, zumindest aber als Mensch wiedergeboren zu werden.
Im Christentum ist Jesus für uns gestorben, um den Menschen eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Er ist dadurch in einem jeden von uns und bildet die Brücke zu Gott, der damit auch in uns allen ist. Dann diese Nächstenliebe.

Der größte Unterschied, so hat uns mal ein gläubiger Buddhist erzählt, ist, dass es im Buddhismus wohl keine Vergebung der Sünden gäbe. Jeder ist hier für sich selbst verantwortlich. Aber hier ein kleines Zitat aus dem Buch „Tage in Burma“ von George Orwell („Burmese Days“, erschienen 1935 in London):

<<Nach buddhistischem Glauben würden diejenigen, die im Leben Böses getan haben, als Ratte, Frosch oder sonst ein niederes Tier wieder verkörpert. U Po Kyin war ein guter Buddhist und gedachte sich gegen diese Gefahren abzusichern.Er würde seine letzten Jahre auf gute Werke verwenden, die ihm eine Menge Karma einbringen würden und sein ganzes übriges Leben aufwogen. Diese Werke würden wahrscheinlich aus Errichtung von Pagoden bestehen. Vier Pagoden, fünf, sechs, sieben – die Priester würden ihm sagen, wie viele, […]. Und er würde als Mensch wieder auf die Erde kommen, […]>>

Wie war das noch mit dem Ablasshandel der christlichen Kirche?

Mag sein, dass ich eine Menge übersehen habe.
Mag sein, dass es ganz gravierende Unterschiede gibt.
Mag sein, dass ich den Buddhismus und das Christentum auch missinterpretiere.
Aber so, wie ich bis jetzt beides verstanden habe, gibt es doch erhebliche Parallelen.
Spannend und schön zu sehen, dass die ganze Welt irgendwie zusammen hängt und dass alles einfach nur Menschen sind. Menschen, die sich vielleicht gegenseitig inspirieren, ihre Lebens-, Daseins- und Weltvorstellung zu verbildlichen und Unerklärbares begreifbarer zu machen.

Den ganzen Tag über war es angenehm menschenleer, so dass wir viel Zeit und Raum hatten uns alles in Ruhe anzusehen. Viele der Besucher/Buddhisten verbringen scheinbar den ganzen Tag, mindestens jedoch einen längeren Zeitraum auf einer solchen anbetungswürdigen Stätte. Überall essende und schlafende Menschen. Für alle hier scheinbar ein Ort des Wohlfühlens und des Seins. Weniger aber ein Ort des intensiven Betens.
Wie schön. Wir haben uns kurzerhand dazugelegt und auch einen Mittagsschlaf gemacht.

 

Kurz vor Sonnenuntergang wurde es dann doch sehr touristenvoll auf der Pagode, sodass wir wieder auf unsere Terrasse geflüchtet sind, um uns die Pagode aus der Ferne noch mal anzusehen.

 

28.04. – 30.04.: Die 45°C-Wende in Bagan

Von Mandalay nach Bagan

Die Fahrt von Mandalay nach Bagan war schauklig und ruckelig. Aber ansonsten unspektakulär. Wir sind von dem unebenen Highway (zwischen Mandalay und Yangon) irgendwann auf eine Nebenstrecke Richtung Bagan abgebogen. Das weiße Mittfünfziger-Pärchen vor uns hat minutenlange Abschnitte der langweiligen, öden Straße gefilmt. Mehrfach. Da möchte ich nicht Kind sein, das sich diese 3-4-Minutenfilme angucken muss. Man hat wirklich nichts gesehen. Die Landschaft wurde immer eintöniger, die Straße immer schlechter. Immer mehr Palmen und Einöde neben der Straße. Ab und zu mal vereinzelt ein Häuschen oder eine Bananenblätter-Bambus-Hütte. Wer hier wohl wohnen mag. An der Straße war wirklich nichts. Keine sichtbare Viehzucht, keine erkennbare Landwirtschaft. Wobei die Palm snchon so angelegt worden sind, dass sich eine Felderstruktur erahnen ließ. Da aber momentan Trockenzeit ist, stellt sich uns die Frage, ob die Felder nur einmal im Jahr (in der Regenzeit) bewirtschaftet werden?!

Willkommen in Bagan

Angekommen in Bagan, schlug uns der heiße Wind entgegen. 15.00 Uhr = 45°C. Als wenn man sein Gesicht in den gerade aufwärmenden Backofen hält. Nur halt die ganze Zeit. Erschöpft von der Fahrt sind wir in ein sehr touristenorientiertes, junges Restaurant (Weatherspoon) eingekehrt und danach ins Bett gefallen.

Bagan ist ein Tempelfeld von 42 Wüsten-km², das wollten wir am nächsten Tag per Fahrrad erkunden. Es gab dort zwar auch E-Bikes (E-Motorroller) zu mieten, aber da auffallend viele Touristen (geschätzt jeder dritte) eine frische Verletzung oder alte Narben an Ellbogen oder Knie hat, wollten wir dann doch lieber auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten.
Also Fahrrad. Ab 11.00 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass muskuläres Fortkommen unmöglich erscheint. Deshalb sind wir um 5.30 aufgestanden und in aller Frühe losgeradelt. Durch trockene Steppenlandschaft, vorbei an verschiedensten heiligen oder meditativen Orten. Alle aus roten Ziegelsteinen erbaut. Teilweise begehbar, teilweise mehrstöckig, teilweise mit mehreren Stupas drumherum. An jeder größeren Sehenswürdigkeit hießen uns die üblichen verdächtigen Ramsch-Andenken-Aufdränger willkommen. Sehr freundlich führten sie uns herum und beschrieben uns ungefragt in brüchigem Englisch irgendwelche Sehenswürdigkeiten an dem jeweiligen Tempel. Anschließend ging es dann zu der Hauptattraktion: ihrem eigenen Verkaufsstand.

Erkenntnis des Tages:
Stupa = vergoldeter, glockenförmiger Bau, der meistens um eine Reliquie (z.B. ein Haar Buddhas) errichtet wurde
Pagode = die Stupa und das Drumherum
Tempel = begehbares Meditationszentrum, verschiedene Hallen
Kloster = Wohnort für Mönche

Tempelfeld Bagan

Jeder größere Herrscher oder deren Frauen oder Nachkommen, jeder Minister, jeder Feldherr, jeder wohlhabende Kaufmann oder jeder, der es sich halt leisten konnte, hat mehrere Stupas/Pagoden gebaut. Je mehr, desto mehr Karma. Dabei ging es wohl zum einen darum, seine Gläubigkeit zu demonstrieren, zum anderen aber wohl auch darum, sein Karma so weit aufzubessern, dass man in dem nächsten Leben zumindest als Mensch wiedergeboren wird.

In und um dieses Tempelfeld herum gab es wohl mal eine riesige Stadt, deren Holzwohnhäuser in mehreren Bränden zerstört worden sind. Auch Holz- und Stuckverzierungen an den Stupas sind größtenteils verschwunden. Selbst von den Wandmalereien im Inneren ist nur noch ein Bruchteil zu erahnen. Seit einigen Jahrzehnten beteiligen sich alle Menschen, die es sich irgendwie leisten können, an der Restaurierung und dem Wiederaufbau der vielen alten Pagoden. Dabei wird relativ wenig Wert auf originalgetreue Restaurierung gelegt, was dazu führt, dass sich alte Architektur mit neuen Glaubensbekundungen des Buddhismus vermischen. Ein interessantes Nebeneinander von Alt und Neu, was sich hier keineswegs gegenseitig ausschließt.

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Bagan besticht vor allem durch die enorme Vielzahl (rund 3400 Ziegelsteinanlagen) und die riesige Fläche (42 km²), über die sich diese roten Gebilde erstrecken. Und durch die Hitze.
Wie hat sich damals vor fast 900 Jahren über mehr als 300 Jahre eine solche Hochkultur etablieren und halten können?
Wie haben die Menschen damals Ernährung, Be- und Entwässerung organisiert?
Und warum das alles in einer solch trockenen und unwirtlichen Gegend?

Abends zum Sonnenuntergang haben wir uns nochmal rausgewagt. Selbst jetzt war es immer noch so warm, als würde einem die Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht pusten – aber nicht die gekühlte, sondern die, die auf der andere Seite rauskommt. Also ab auf ein Tempelfeld, schnell essen und ins Bett. In dieser Hitze lässt es sich nicht aushalten, deswegen wollten wir am Folgetag direkt nach Yangon weiterreisen.

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Um Bagan, eines der Haupttouristenziele für die meisten Reisenden, aber nicht gar so stiefmütterlich zu behandeln, haben wir immerhin noch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mitgenommen. Eine gute Entscheidung. Wir sind um 4:30 aufgestanden und haben auf einer Pagode sitzend einen wunderschönen Sonnenaufgang über dieser skelettartigen Bagan-Stadt genossen. Um uns herum mehrere Fotoapparate. Die Menschen dahinter haben auf ihren Handys gespielt und Facebook gecheckt, bis die Sonne sich über den Horizont schob. Dann ein Langzeitbelichtungsbild und der ganze Zauber ist dokumentiert und festgehalten für die Ewigkeit. Damit man sich zu Hause daran erinnert, wie schön man es doch hatte.

 

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Von Bagan nach Yangon

Um 6.00 gab‘s Frühstück, um 8.00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Busbahnhof gebracht und dann ging es los – die bisher komfortabelste Fahrt. Der Elitebus (der Name ist Programm) war angenehm klimatisiert auf ca 26°C. Trotzdem Decken. Saft. Wasser. Gebäck. Jeder Sitz hatte einen Fernseher mit mehreren, sogar englischsprachigen Filmen. Begeistert haben wir uns auf dieser 10-stündigen Fahrt angefangen, einen Film anzusehen. Leider ist dieser immer wieder abgestürzt oder der Ton war um ein paar Sekunden verschoben. So wurde aus einem 120- Minuten Film ein 5-stündiges, multiemotionales Gedulds-Entertainmentabenteuer mit Leonardo DiCaprio.

Willkommen in Yangon

Am Busbahnhof in Yangon wurden wir von Taxifahrern umgarnt wie von Mücken im schwedischen Smaland. Wir wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht vielleicht ein Taxi wollten. Dabei war es dem zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Taxifrager egal, dass wir den ersten und alle anderen danach abgelehnt, zurückgewiesen oder ignoriert hatten. Am Schluss haben wir dann einfach die Geschichte erfunden, dass wir mit einer organisierten Tour fahren. Das hat ungefähr so geholfen wie Mückenspray: Es kamen immer mal wieder welche an und haben gefragt, sind dann aber schnell wieder verschwunden.

In Yangon sind Motorräder, Motorroller und Tuktuks verboten. Das heißt, alles ist voller Autos. Das ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem wird uns eigentlich schon an den motorisierten Zweiradverkehr gewöhnt hatten. Dafür macht man hier offensichtlich alle Wege mit einem Taxi. Die kosten verhältnismäßig wenig. So haben wir beispielsweise für die 50-minütige Tour vom Busbahnhof zu unserem Hostel umgerechnet etwa  nur 5 Euro bezahlt.

Abends hat sich die Stadt leider erstmal von ihrer schlechteren Seite präsentiert. Es gab in der näheren Umgebung des Hotels leider nur ein Restaurant (ansonsten verdächtig aussehendes Streetfood). In diesem Restaurant roch es nach Rauch und Abwasser. Das Essen war zwar sehr lecker, aber bei dem Geruch leider nur noch halb so schmackhaft. Im Hostelzimmer roch es leider nach dem anderen Extrem: nämlich nach Chlor und Chemikalien die ganze Nacht hindurch.
Morgen werden wir uns ein neues Zimmer nehmen.