21.06.: Fahrt mit Itthi nach Bangkok

Wir standen morgens relativ entspannt auf. Itthi war noch entspannter als wir. Schließlich wollte er „nur“ 3 Wochen mit dem Fahrrad durch Japan fahren und zwischendurch bei Couchsurfern schlafen. Klar. Ich wäre da auch nicht aufgeregt.

Frühstück bekamen wir diesmal bei Itthis Mutter, die direkt nebenan wohnt. Sie hatte Fisch, Tom Yum-Suppe und Omelett gekauft. Sie kann zwar nicht so viel Englisch, war dafür aber umso motivierter, mit uns zu kommunizieren. Meistens war ihr einmonatiger Enkel, Itthis Neffe, eine willkommene Komunikationsbrücke. Nach dem Frühstück packten wir die Sachen ins Auto und kamen fast wie geplant los (naja, statt 10 Uhr war es inzwischen 10.30 geworden).
Laut Googlemaps sind es nach Bangkok 450 km. Mit dem Bus dauert die Strecke ca. 6 Stunden. Da wir Itthis Auto benutzen, sollte die Fahrt erheblich schneller gehen. Wir fuhren los. Nach wenigen Metern kam der erste Anruf der Mutter – erster Halt am Straßenrand, um mit ihr zu telefonieren.

Bühnenreif: Die Mutter

Auftritt: Itthi, Anne und Jonas im Auto

Wir fahren los. Das Telefon klingelt. Die Mutter. Ob er etwas vergessen hätte? „Nein, habe ich nicht!“

Das Telefon klingelt wieder. Die Mutter. Ob er etwas anderes vergessen hätte? „Nein, immer noch nicht!“

Wir machen blöde Kommentare zu der Überbemutterung unserer Mütter.

Das Telefon klingelt. Die Mutter. Er hätte die Kreditkarte vergessen.

Es wird still im Auto.

Wir drehen um.

Der Chor: Ein Glück, dass man Mütter hat, die an alles denken.

Abgang: Itthi, Anne, Jonas

Wir drehten also um, holten die Kreditkarte ab und Itthi verabschiedete sich zum zweiten Mal von seiner Mutter. Wieder ging es los. Diesmal aber wirklich. Falsch gedacht. Noch immer in der Stadt, hielten wir schon wieder an. Das neue Ziel: ein Fahrradladen. Itthi sprang raus, kaufte irgendein Ersatzteil, und wieder ging es los. Geht es jetzt wirklich nach Bangkok? Wieder war die Antwort nein. Immerhin kamen wir bis kurz vor der Stadt. Dann hielt Itthi an, um zu tanken. Als wir wieder einstiegen, fragten wir uns, ob wir jemals mehr als zehn Minuten durchfahren würden. Aber dann ging es endlich richtig los. Ab auf den Highway, auch wenn man hier so fährt, dass einen die Polizei dafür in Deutschland anhalten würde – weil man zu langsam ist. Aber egal, Hauptsache vorwärts kommen.

Während der Fahrt haben wir uns über dies und das unterhalten. Wir sind durch die Themen gesprungen, dass uns ganz schwindelig geworden ist. Es ging über familienkulturelle Unterschiede zwischen West und Thai. Akzeptanz von Homosexualität in unseren Gesellschaften. Lifestyle.

Mit zwei weiteren Pausen – eine zum Snacks einkaufen und eine zum Mittagessen – sind wir nach 6 Stunden bei Itthis Tante angekommen. Zum Glück wohnt sie vor Bangkok und wir mussten uns nicht durch etliche Vororte und Staus hindurchquälen.

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Seine Tante hatte uns Abendessen vorbereitet und irgendwie sind alle davon ausgegangen, dass wir – genau wie Itthi – dort schlafen würden. Alle außer uns. Mit so viel Gastfreundschaft hatten wir nicht gerechnet. Wir hatten uns schon ein Hotel in unmittelbarer Flughafennähe mit Shuttleservice gebucht.

Und jetzt kommt Itthi: nach der kleinen Enttäuschung, dass wir nicht dort schlafen würden, die er sich kaum hat anmerken lassen, hat er uns einfach kurzerhand zum Hotel gefahren. Wir hätten uns auch ein Taxi genommen, aber er ließ sich gar nicht daovn abbringen und hat uns die 45 Minuten zum Hotel gefahren.

Es war inzwischen 21.30 Uhr, als wir ins Hotel kamen. Jetzt schnell schlafen, morgen müssen wir um 4.30 wieder aufstehen.

16.06.: Trampversuch nach Khon Kaen

Da stehen wir nun abenteuerlustig in dieser wildfremden Stadt. Der Fahrplan ist klar. Wir haben in der letzten Zeit auf sehr großem Fuß gelebt und wollen nun den Gürtel wieder etwas enger schnallen. Also haben wir uns schon um einen Couchsurfer in Khon Kaen organisiert und wollen aus lauter Pfennigfuchserei, bzw. Centwolferei dorthin trampen.
Es sind 220 km und unser Host hat auch erst am Abend Zeit. Demzufolge haben wir den ganzen Tag, um dort anzukommen.
Also stelle ich mich todesmutig an die Straße. Hier im Linksverkehr muss ich mich erstmal daran gewöhnen, dass erstens die Autos aus der anderen Richtung kommen und man zweitens den anderen Daumen zum Trampen braucht. Ungewohnt, aber machbar. Oder nimmt man hier gar nicht den Daumen? Naja, erstmal anfangen. Nach gefühlten 30 Sekunden hielt schon das erste Auto an. Ein Tuktuk, um‘s genau zu nehmen. Also wieder abwimmeln. Nach 30 weiteren Sekunden kam ein größeres Tuktuk, ein Sawnthang. Das wollte uns umsonst zum Busbahnhof fahren. Dabei wollten wir ja gar nicht zum Bahnhof, sondern nach Khon Kaen. Also wieder weggeschickt. Daumen raus.

Diese ganze Szenerie wiederholte sich mehrfach. Irgendwann wurde es unglaublich heiß und obwohl wir im Schatten unter einer Brücke standen, machte mir die Sonne doch sehr zu schaffen. Nach gefühlten Stunden und dem zehnten Sawnthang beschlossen wir, dann doch zum Busbahnhof und von dort mit dem Bus weiter zu fahren.
Tatsächlich standen wir dort nur 15 Minuten.

21.4.: Anisakan Waterfalls

Unser letzter Tag in den Bergen hat dem ohnehin schon schönen Aufenthalt noch die Krone aufgesetzt. Wir haben uns morgens Fahrräder ausgeliehen und sind 8km Richtung der Anisakan Wasserfälle gefahren. „Immer geradeaus“, war die (fast) ausreichende Wegbeschreibung des indischstämmigen Fahrradverleihers. Dass es aber nur bergab – und zwar kontinuierlich steil bergab – gehen würde, sagte er nicht. Auf ca. 7 der 8km musste man eigentlich dauerhaft bremsen, weil es einfach nur runter ging, und das ohne Gnade. Jonas hat es gefallen. Mir nicht. Dazu die überholenden und hupenden Mopeds und Autos von hinten, von rechts, von vorn. Naja, immerhin war die entgegen gesetzte Fahrbahn offiziell auf einem anderen Fahrstreifen und die Fahrer verhielten sich wirklich rücksichtsvoll. Wirklich schlimm war also allein der Gedanke an den Rückweg. „Dafür sollte man etwas mehr Zeit einplanen“, hatte im Reiseführer gestanden. Eine gnadenlose Untertreibung. Nach nur 5 Minuten hätte ich mir den Rückweg nicht ohne Schieben vorstellen können. Aber gut, erstmal hinfahren und dann sehen wir weiter.

Die Fahrräder ließen wir irgendwann stehen und liefen zu Fuß nochmal ca. eine halbe Stunde nach unten. Auch hier war wieder die Vorstellung, das alles wieder hoch zu müssen, schlimmer als die Hitze und die knallende Sonne. Kurzzeitig hatten wir Sorge, dass es auf Grund der dauerhaften Trockenheit eventuell gar kein Wasser mehr im Wasserfall geben würde. Doch irgendwann hörten wir, dass das, was wir für Bambusrascheln gehalten hatten, Wasser war. Wir kamen unserem Ziel also immer näher. Und dann lagen sie vor uns: 5 Wasserbecken mit türkisblauem Wasser, die aus einem gigantisch langen Wasserfall gespeist wurden. Die Abkühlung war perfekt, zum einen wegen des wunderschönen Panoramas, zum anderen, weil es das erste Mal war, dass wir in diesem Urlaub schwimmen konnten. Eine bessere Belohnung für den schweißtreibenden Weg hätte es kaum geben können. Und bis wir entdeckten, dass es ganz oben noch ein viel größeres Becken gab, vor dem einige einheimische Touristen posierten, konnten wir uns der Illusion hingeben, ganz allein unter den Wasserfällen zu baden.

Doch auch der schönste Badespaß war irgendwann zu Ende. So schnell es ging, liefen wir auf den Weg zurück, um möglichst viel der Frische mit nach oben zu nehmen. Inzwischen war es extrem heiß geworden. Alle paar Minuten mussten wir im Schatten Pause machen, schafften den Aufstieg aber doch recht zügig. Trotzdem entschieden wir beim Mittagessen, dass wir uns nicht auch noch mit der Fahrradfahrt quälen müssten. Ein Blumentransporter, der neben unserem Restaurant tausende von Chrysanthemen abgeladen hatte, wurde kurzerhand angetrampt und brachte uns bequem und unverschwitzt innerhalb weniger Minuten zurück nach Pyin Oo Lwin. Zum Erstaunen des Fahrradhändlers kamen wir also völlig unverschwitzt und entspannt lächelnd wieder zurück in seinen Laden gefahren. Wenn der wüsste…

Pyin-Trampen