04.-05.05.: Fruchtsaft und Cocktails

Die letzten beiden kompletten Tage hier in Myanmar gehen relativ faulenzend an uns vorbei. Die Kraft ist aus und die ewige Hitze von 40°C oder mehr macht uns beiden tatsächlich sehr zu schaffen. Es bleibt viel Zeit zum Resümieren und um nachzudenken.

Am Ende einer kurzen Shoppingtour am Morgen wollten wir uns noch einen Fruchtshake holen. Das Lokal sah sehr vielversprechend aus. Es gab eine große Liste inkl. Bilder zur Auswahl (Erdbeere, Papaya, Mango, Limette, Wassermelone, Honigmelone, Apfel, Zitrone, Honigzitrone, Orange…). Aus Erfahrung wussten wir, dass die manchmal nicht alles vorrätig haben, deswegen haben wir nachgefragt:

„Yes, yes, everything!“, war die Antwort.
Also habe ich Honigmelone bestellt und Anne einen Erdbeer-Shake.
„Hoke, hoke (ja, ja)!“
Der Kellner geht weg.
Der Kellner kommt wieder.
„Ähm… Honeymelon… No! Papaya … no!“
Ok, dann nehme ich Mango, Anne Wassermelone.
Der Kellner dreht sich kurz zweifelnd um, geht aber nicht weg.
„Mango… no! Watermelon …no“.
OK, was habt ihr denn dann?
„Orange!“.
Gut, dann Orange. Zwei mal bitte.

Ein ausgedehnter Mittagschlaf und die ersten Postkarten können geschrieben werden. Und es bleibt auch Zeit für den Blog. So viel Spaß das Schreiben auch macht, es ist doch immer erheblich viel Zeit, die die ganze Prozedur frisst. Ich beschreibe 3 Tage in 4 Seiten und Anne liest das ganze Korrektur. Eine wahnsinnig dankbare Aufgabe für mich, da ich und die Rechtschreibung noch nie so richtig Freunde geworden sind. Aus Spaß könnten wir ja mal einen Text unkorrigiert lassen, aber da hat keiner Freude dran, glaube ich. Anne liest sich also durch mein Gedankengewusel und wählt Bilder aus, bearbeitet diese, stellt die ins Netz und schwupps ist wieder ein Tag vergangen und wir beide wissen nicht, was genau eigentlich passiert ist oder wie wir den Tag verbracht haben.

Abends wollen wir Cocktails trinken und finden ein relativ westlich orientiertes Etablissement mit wunderschöner Holzdekoration. Es gibt Rosensirup mit Creme de Cassis, Lychee mit Zitronengras, Caipirinha mit Passionsfrucht und irgendwas mit aufgewickelter Gurke und Blume im Glas. Ein Cocktail hieß „A reason to lie“, aber ich weiß leider nicht mehr, was da drin war. Hat auf jeden Fall tüchtig tüddelig gemacht.
Irgendwann gegen 19.00 Uhr ist der Strom ausgefallen, dann gab‘s nur noch Kerzenlicht.
Sehr romantisch.
Aber leider auch keine Klimaanlage oder Ventilatoren mehr.
Sehr unromantisch.
Um 20.30 Uhr sind wir beide völlig verschwitzt und am Ende unserer Kräfte nach Hause gegangen und haben uns schlafen gelegt. Schluss mit Romantik. So einen schweißtreibenden Abend hatte ich zuletzt in der Sporthalle.

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03.05.: Shwe Dagon Pagode

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Woooow…. Was für ein riesen Ding. Diese Pagode ist ein riesiges Areal, an deren 4 Windrichtungseingängen jeweils zwei 8m hohe Bewachungseingangslöwentiere stehen. Für Locals ist der Eintritt frei, für Touristen kostet es 5,80 €. Das finde ich eigentlich ganz gut. Die Buddhisten hier aus dem Land können umsonst in das wohl größte Heiligtum des Landes pilgern und Besucher und Angucker (wie wir) unterstützen die Instandhaltung. Nachdem wir unseren Kulturbeitrag gezahlt hatten, ging es mit Rolltreppen (jawohl, Rolltreppen) zur höchstgelegenen Pagodenterrasse. Hier kann man leider nicht ohne Sonnenbrille rumlaufen, da man aufgrund der ganzen Goldreflektion selbst morgens um 9.00 zu schnell erleuchtet wird und das will ja nun auch keiner. Jedenfalls noch nicht mit 30.


Die Shwe Dagon Pagode besteht aus mehreren hundert Stupas und Buddha-Figuren oder Buddha-Abbildungen. In der Mitte steht die monströse Hauptstupa, das Herzstück der Pagode.  Ca. 4 Tonnen Gold schmücken dieses 100m hohe Gebilde. An der Spitze in dem mehrstöckigem Umbrella sind mehrere zehntausend gespendete Finger- oder Ohrringe, Handreifen, Ketten. Alle aus Gold und/oder mit wertvollen Steinen besetzt. Darüber ist ein „kleines“ Wetterfähnchen (130 cm lang, 76 cm hoch und 419 kg schwer). Ebenfalls über und über mit Glitzerdingern besetzt.  Darüber, auf dem Foto kaum noch erkennbar, ist eine kleine Kugel (56 cm hoch, 27cm im Durchmesser, mit mehr als 4300 Diamanten besetzt und insgesamt 1800 Karat schwer). Wiederum darüber ist der Apex-Diamant im Wert von 76 Karat. Liebe Ehering-mit-Diamant-Trager: Ist das viel? Ich glaube ja, aber ich habe keine Ahnung. Allein das Ding von der Spitze runter zu holen würde unser Reisebudget sprengen, glaube ich.

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Diese Pagode wurde – einer wahren Geschichte nach – auf 8 Haaren von Gautama Buddha erbaut. Anne meinte, dafür hätte man auch ein kleineres Tempelchen bauen können und sich nicht so zu verausgaben müssen. Diese Pagode steht dort angeblich schon seit 588 vor Christus und wurde seitdem immer in Stand gehalten und weiter ausgebaut, erhöht, verschönert, vergoldet und erweitert. Mehrere Könige haben noch weitere Reliquien von den erleuchteten Inkarnationen von Buddhisatwa zusammengetragen und so sind dort nun Beweise der vier bisherigen Buddhas vereint.

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Zu sehen gab‘s dort außerdem noch einen Comic-Bild-Pfad zum Thema Entstehung und Werdegang des Buddhismus. Den haben wir gespannt gelesen und ich musste dabei feststellen, dass sich dort doch so einiges mit dem Christentum deckt.

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Meine Gedanken:
Buddhisatwa ist der Ober-super-Gott-Buddha, der in seinen 10.000 Himmeln mit den Brahmanen und Engeln wohnt. Die beschließen, dass er mal wieder eine Inkarnation auf die Erde schicken soll, also befruchtet er kurzerhand als kleiner weißer Elefant getarnt eine Königin, die ihm sich selbst als Sohn gebirt. Erstmal hat das Baby Superkräfte, kann gleich nach der Geburt laufen und fliegen und alle sind beeindruckt. Dann wächst er als normaler Mensch auf und macht die Erkenntniss, wie das Leben funktioniert. Alter, Armut, Tod und Krankheit werden thematisiert. Daraufhin verlässt er sein bisheriges Leben und wird Mönch. Er versucht verschiedenste Meditationsarten, um den  Superstatus zu erlangen. Gelingt ihm auch. Er wird eleuchtet. Danach kommt eine unglaublich lange Zeit, in der er bei verschiedensten Menschen Buddhismusaquise betreibt. Irgendwie zweifeln ständig Leute an ihm und am Ende finden sie ihn auch super und verehren ihn. Zwischendurch wird er von einem bösen Engel in Versuchung geführt, kann diesen aber besiegen.
Der Gautama Buddha hat übrigens Superkräfte. Er kann über Wasser laufen, Feuer entzünden und es wieder löschen, fliegen und das Animalische zähmen (verkörpert durch den König der Nagaschlangen aus dem Hinduismus).
Am Ende hat er das Leben wegmeditiert und ist quasi unsterblich geworden.
All das meine ich auch in der Bibel mal irgendwo gelesen oder gehört zu haben. Diese göttliche Befruchtung. Erkenntnisse über das Leben. Sieg über das Dämonische, Teuflische. Über Wasser laufen. Anhängeraquise durch Wundertaten. Die Schlange als bekämpfenswertes aber dann doch als lebensakzeptierendes Symbol.

  • Irgendwer hat behauptet, dass Gautama Buddha (*etwa 550 v. Chr.) gesagt hat, dass ca. 500 Jahre nach ihm ein neuer Buddha kommen wird. http://www.theologe.de/christus_und_buddha.htm
  • Was ist in den Jahren zwischen der Bar Mitswa und Bergpredigt mit Jesus passiert? Wohin ist er untergetaucht?
  • Was ist in diesen 40 Jahren passiert, als Jesus in der Wüste war und gegen das Böse gewonnen hat?
  • Irgendwer hat behauptet, dass Jesus beim ersten buddhisten Konzil 80 n. Chr. anwesend war. Nach seinem Tod/Auferstehung?

Zufall oder nicht?

Beim Buddhismus geht um die innere Zufriedenheit, die man über Meditation erreicht. Und um gutes Karma, was man dadurch erreicht, dass man Gutes tut, sich gegenseitig hilft und andere Lebewesen respektiert. Alles, damit man irgendwann den ewigen Reinkarnationskreislauf unterbrechen kann, zumindest aber als Mensch wiedergeboren zu werden.
Im Christentum ist Jesus für uns gestorben, um den Menschen eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Er ist dadurch in einem jeden von uns und bildet die Brücke zu Gott, der damit auch in uns allen ist. Dann diese Nächstenliebe.

Der größte Unterschied, so hat uns mal ein gläubiger Buddhist erzählt, ist, dass es im Buddhismus wohl keine Vergebung der Sünden gäbe. Jeder ist hier für sich selbst verantwortlich. Aber hier ein kleines Zitat aus dem Buch „Tage in Burma“ von George Orwell („Burmese Days“, erschienen 1935 in London):

<<Nach buddhistischem Glauben würden diejenigen, die im Leben Böses getan haben, als Ratte, Frosch oder sonst ein niederes Tier wieder verkörpert. U Po Kyin war ein guter Buddhist und gedachte sich gegen diese Gefahren abzusichern.Er würde seine letzten Jahre auf gute Werke verwenden, die ihm eine Menge Karma einbringen würden und sein ganzes übriges Leben aufwogen. Diese Werke würden wahrscheinlich aus Errichtung von Pagoden bestehen. Vier Pagoden, fünf, sechs, sieben – die Priester würden ihm sagen, wie viele, […]. Und er würde als Mensch wieder auf die Erde kommen, […]>>

Wie war das noch mit dem Ablasshandel der christlichen Kirche?

Mag sein, dass ich eine Menge übersehen habe.
Mag sein, dass es ganz gravierende Unterschiede gibt.
Mag sein, dass ich den Buddhismus und das Christentum auch missinterpretiere.
Aber so, wie ich bis jetzt beides verstanden habe, gibt es doch erhebliche Parallelen.
Spannend und schön zu sehen, dass die ganze Welt irgendwie zusammen hängt und dass alles einfach nur Menschen sind. Menschen, die sich vielleicht gegenseitig inspirieren, ihre Lebens-, Daseins- und Weltvorstellung zu verbildlichen und Unerklärbares begreifbarer zu machen.

Den ganzen Tag über war es angenehm menschenleer, so dass wir viel Zeit und Raum hatten uns alles in Ruhe anzusehen. Viele der Besucher/Buddhisten verbringen scheinbar den ganzen Tag, mindestens jedoch einen längeren Zeitraum auf einer solchen anbetungswürdigen Stätte. Überall essende und schlafende Menschen. Für alle hier scheinbar ein Ort des Wohlfühlens und des Seins. Weniger aber ein Ort des intensiven Betens.
Wie schön. Wir haben uns kurzerhand dazugelegt und auch einen Mittagsschlaf gemacht.

 

Kurz vor Sonnenuntergang wurde es dann doch sehr touristenvoll auf der Pagode, sodass wir wieder auf unsere Terrasse geflüchtet sind, um uns die Pagode aus der Ferne noch mal anzusehen.

 

02.05.: Ein kurzer Spaziergang am Fluss

Heute haben wir uns Großartiges überlegt. Wir haben uns einen Plan gemacht mit 10.000 Sachen, die man hier in Yangon noch machen könnte. Aber erstmal frühstücken und dann gucken wir weiter. Nach dem Frühstück haben wir unsere dreckigen Klamotten zur Laundry gegeben. Die arme fingernägellackierte, Goldkettchen tragende Frau an der Rezeption musste sich dann zählend durch unsere Dreckwäsche wühlen.
Entschuldigung. Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht so viele dreckige Sachen abgegeben. Oder sie vorher einmal gewaschen.
Danach ging es zu einem kleinen Spaziergang an den Fluss. Der Yangon River fließt hier durch und da gibt es diese „Strand Road“, da wollten wir mal gucken.  Schönheit und Ästhetik konnten wir dort leider nicht finden, dafür jedoch Authentizität. Und das war wiederum schön. Für mich zumindest. Plastikführende, schwarztrübe Abwässer, die sich mit dem schlammigbraunen Fluss vermischen. Hafenarbeiter, die Reissäcke tragend eine Schiffsladung löschen. Alle 10m eine kleine Garküche, wo andere Arbeiter freundlich grüßend Pause machen. Der Boden rot vom Betelrotz.

Ein kleiner Exkurs: Die Betelnuss wird hier zur Berauschung gekaut. Sie ist eine Droge, die wohl ähnlich stark wie Nikotin in den Zigaretten wirken soll. Neben der leichten Berauschung bekommen die Betelkauer knallrote Zähne, die mit der Zeit leider immer fauliger werden. Eine weitere Nebenwirkung ist eine übermäßige Speichelproduktion, weswegen viele der Menschen hier den Speichel aus dem Rachen hörbar laut hochproduzieren und dann mit einem gewaltigen *FLATSCH* einen roten Betel-See auf den Boden rotzen. Davon färbt sich der Boden hier überall rot. In vielen Gegenden ist das Betel-Ausspucken inzwischen aus ästhetischen Gründen verboten und man erkennt den finanziellen Stand eines Bezirkes an der (Nicht-)Färbung des Bodens.

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Dort im Hafen war es auf jeden Fall deutlich rot. Die Hafenarbeiter spucken aus, grinsen uns mit ihren roten Zähnen an und winken. Wir winken zurück und lächeln auch. „Mingalabar! (Hallo)“ rufen wir. Sie freuen sich, wir freuen uns auch.

Zurück im Hotel (es ist inzwischen 11.30) machen wir erstmal eine Pause von der Anstrengung des Tages.

Abgang Anne und Jonas. Ende des ersten Aktes.

*Pause*

Zweiter Akt. Anne und Jonas betreten die Bühne.

Und nach der Pause machen wir noch eine Pause.

Und dann ist schon Abendbrotzeit. Da wir heute noch kaum was geschafft haben, wollen wir zum Abendessen auf eine Rooftop-Terrasse essen gehen. Also wird alles Mögliche durchforstet. TripAdvisor, Google, Blogs, Reiseführer… Aber nirgendwo finden wir das perfekte Restaurant. Also schlurfen wir lustlos und hungrig das eine Stockwerk nach oben in unser Hotelrestaurant und stellen fest, dass wir dort
erstens: völlig alleine sind und uns
zweitens: gleich 3 Kellner bedienen und
drittens: der Ausblick mit Blick auf die Shwe Dagon Pagode total der Oberknaller ist und
viertens: das Essen superlecker ist.

Das Bier auch. Wir torkeln ins Bett.

Ach ja.

Heute ist Montag. Montag ist tanzen. Immer.

Immerhin das haben wir noch geschafft. Und diesmal haben wir sogar zwei Videos gemacht, weil wir tagsüber unsere Kräfte so gut eingeteilt haben.

Nummer 1: Man beachte die goldstrahlende Schwedagon-Pagode im Hintergrund.

 

Nummer 2: Die Idee zu diesem Hintergrund hatte der Kellner, der uns beim ersten Video gefilmt hatte. Man sieht typische burmesische Marionetten und Musikinstrumente. Und Geschirr und Fried egg-Behälter vom Frühstücksbuffet. Auch das sehr authentisch 🙂

 

01.05.: Neue Kleider, neues Essen

Wir haben uns ein neues Zimmer genommen und zwar was für eins. Im 8. Stock mit Fahrstuhl und Frühstücksbuffet im 9. Stock über den Dächern der Stadt. Hui, das ist schön. So lässt sich die letzte Etappe in Myanmar tatsächlich sehr gut aushalten.

Im Reiseführer war eine Tour durch die Altstadt beschrieben, die wir ablaufen wollten. Vorbei an alten, wunderschönen Kolonialbauten mit und ohne Jugendstilelementen, die während der britischen Besatzungszeit eingereist sind, konnten wir uns einen kleinen Einblick in die Stadtgeschichte verschaffen. Ich habe meinen Longyi (Wickelrock) getragen. Amüsanterweise wurden wir in einem eher modern-westlichen Doughnut-Café angestarrt, weil dort alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen natürlich Hosen, Hosenanzüge, Hemden etc. getragen haben. Nix mehr mit Tradition. Das Schöne war, dass kaum weiße Touristen (wie wir) zu sehen waren. Vielleicht, weil es zu früh war oder vielleicht, weil es keine ausgeschriebene Höchstattraktion der Stadt war. Dadurch, dass wir relativ alleine unterwegs waren, hatten wir natürlich auch sehr viel Zeit, um uns die verschiedenen Bauwerke in Ruhe anzugucken.


Ein kleines Highlight auf dem Weg war die katholische Kirche, wo kitschige Pop-Gospel-Songs gesungen wurden. Kitschig zwar, aber trotzdem verbindend und mitreißend. Spannend und schön zu sehen, dass dieser Glaube so weit weg von zu Hause trotzdem auch noch so stark gefeiert wird.

In dem Restaurant neben unserem Hotel gibt es einfaches, aber sättigendes Mittagessen. Und ein Schild:

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Direkt neben dem von uns bewohnten Chinatown befindet sich Little India. In Yangon war Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Hälfte der Einwohner indisch, weil sie teilweise von der britischen Armee oder teilweise als billige Arbeitskräfte in diesem Land hängen geblieben sind. Dies führt zu einer wertvollen kulinarischen Variation, welche wir dankbar annahmen. Zum dem burmesischen Essen muss man sagen, dass es wohl mit reichlich Liebe und Hingabe gekocht wird, aber halt einfach nicht schmeckt. Zumindest uns nicht. Oftmals gibt es in den Restaurants erst gar keine Karte. Es gibt immer fried rice, fried noodles oder noodlesoup. Jeweils schon mit mit Knoblauch, Zwiebel, Chilli, Kohl und Blumenkohl verfeinert. Dazu kann man dann wählen: Chicken, Pork, Prawn, Squid.
Das gibts dann morgens, mittags und abends. Ich mag‘s.
Das schmeckt wirklich lecker;
beim ersten Mal.
Beim zweiten Mal dann auch.
Beim dritten Mal versucht man das Fleisch zu variieren und
beim vierten Mal wird‘s dann n bisschen öde.
Vor allem, weil die Menschen hier mit sehr viel Öl und mit Fischsoße statt Salz kochen.
Zusammengefasst: Fettig. Scharf. Eintöniger, monotoner Geschmack. Eher fade.  Hoher Wiedererkennungswert.
Auf jeden Fall haben wir heute köstlich indisch gegessen. Aber mit Besteck!

28.04. – 30.04.: Die 45°C-Wende in Bagan

Von Mandalay nach Bagan

Die Fahrt von Mandalay nach Bagan war schauklig und ruckelig. Aber ansonsten unspektakulär. Wir sind von dem unebenen Highway (zwischen Mandalay und Yangon) irgendwann auf eine Nebenstrecke Richtung Bagan abgebogen. Das weiße Mittfünfziger-Pärchen vor uns hat minutenlange Abschnitte der langweiligen, öden Straße gefilmt. Mehrfach. Da möchte ich nicht Kind sein, das sich diese 3-4-Minutenfilme angucken muss. Man hat wirklich nichts gesehen. Die Landschaft wurde immer eintöniger, die Straße immer schlechter. Immer mehr Palmen und Einöde neben der Straße. Ab und zu mal vereinzelt ein Häuschen oder eine Bananenblätter-Bambus-Hütte. Wer hier wohl wohnen mag. An der Straße war wirklich nichts. Keine sichtbare Viehzucht, keine erkennbare Landwirtschaft. Wobei die Palm snchon so angelegt worden sind, dass sich eine Felderstruktur erahnen ließ. Da aber momentan Trockenzeit ist, stellt sich uns die Frage, ob die Felder nur einmal im Jahr (in der Regenzeit) bewirtschaftet werden?!

Willkommen in Bagan

Angekommen in Bagan, schlug uns der heiße Wind entgegen. 15.00 Uhr = 45°C. Als wenn man sein Gesicht in den gerade aufwärmenden Backofen hält. Nur halt die ganze Zeit. Erschöpft von der Fahrt sind wir in ein sehr touristenorientiertes, junges Restaurant (Weatherspoon) eingekehrt und danach ins Bett gefallen.

Bagan ist ein Tempelfeld von 42 Wüsten-km², das wollten wir am nächsten Tag per Fahrrad erkunden. Es gab dort zwar auch E-Bikes (E-Motorroller) zu mieten, aber da auffallend viele Touristen (geschätzt jeder dritte) eine frische Verletzung oder alte Narben an Ellbogen oder Knie hat, wollten wir dann doch lieber auf dieses Fortbewegungsmittel verzichten.
Also Fahrrad. Ab 11.00 Uhr wird es so unerträglich heiß, dass muskuläres Fortkommen unmöglich erscheint. Deshalb sind wir um 5.30 aufgestanden und in aller Frühe losgeradelt. Durch trockene Steppenlandschaft, vorbei an verschiedensten heiligen oder meditativen Orten. Alle aus roten Ziegelsteinen erbaut. Teilweise begehbar, teilweise mehrstöckig, teilweise mit mehreren Stupas drumherum. An jeder größeren Sehenswürdigkeit hießen uns die üblichen verdächtigen Ramsch-Andenken-Aufdränger willkommen. Sehr freundlich führten sie uns herum und beschrieben uns ungefragt in brüchigem Englisch irgendwelche Sehenswürdigkeiten an dem jeweiligen Tempel. Anschließend ging es dann zu der Hauptattraktion: ihrem eigenen Verkaufsstand.

Erkenntnis des Tages:
Stupa = vergoldeter, glockenförmiger Bau, der meistens um eine Reliquie (z.B. ein Haar Buddhas) errichtet wurde
Pagode = die Stupa und das Drumherum
Tempel = begehbares Meditationszentrum, verschiedene Hallen
Kloster = Wohnort für Mönche

Tempelfeld Bagan

Jeder größere Herrscher oder deren Frauen oder Nachkommen, jeder Minister, jeder Feldherr, jeder wohlhabende Kaufmann oder jeder, der es sich halt leisten konnte, hat mehrere Stupas/Pagoden gebaut. Je mehr, desto mehr Karma. Dabei ging es wohl zum einen darum, seine Gläubigkeit zu demonstrieren, zum anderen aber wohl auch darum, sein Karma so weit aufzubessern, dass man in dem nächsten Leben zumindest als Mensch wiedergeboren wird.

In und um dieses Tempelfeld herum gab es wohl mal eine riesige Stadt, deren Holzwohnhäuser in mehreren Bränden zerstört worden sind. Auch Holz- und Stuckverzierungen an den Stupas sind größtenteils verschwunden. Selbst von den Wandmalereien im Inneren ist nur noch ein Bruchteil zu erahnen. Seit einigen Jahrzehnten beteiligen sich alle Menschen, die es sich irgendwie leisten können, an der Restaurierung und dem Wiederaufbau der vielen alten Pagoden. Dabei wird relativ wenig Wert auf originalgetreue Restaurierung gelegt, was dazu führt, dass sich alte Architektur mit neuen Glaubensbekundungen des Buddhismus vermischen. Ein interessantes Nebeneinander von Alt und Neu, was sich hier keineswegs gegenseitig ausschließt.

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Bagan besticht vor allem durch die enorme Vielzahl (rund 3400 Ziegelsteinanlagen) und die riesige Fläche (42 km²), über die sich diese roten Gebilde erstrecken. Und durch die Hitze.
Wie hat sich damals vor fast 900 Jahren über mehr als 300 Jahre eine solche Hochkultur etablieren und halten können?
Wie haben die Menschen damals Ernährung, Be- und Entwässerung organisiert?
Und warum das alles in einer solch trockenen und unwirtlichen Gegend?

Abends zum Sonnenuntergang haben wir uns nochmal rausgewagt. Selbst jetzt war es immer noch so warm, als würde einem die Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht pusten – aber nicht die gekühlte, sondern die, die auf der andere Seite rauskommt. Also ab auf ein Tempelfeld, schnell essen und ins Bett. In dieser Hitze lässt es sich nicht aushalten, deswegen wollten wir am Folgetag direkt nach Yangon weiterreisen.

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Um Bagan, eines der Haupttouristenziele für die meisten Reisenden, aber nicht gar so stiefmütterlich zu behandeln, haben wir immerhin noch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen mitgenommen. Eine gute Entscheidung. Wir sind um 4:30 aufgestanden und haben auf einer Pagode sitzend einen wunderschönen Sonnenaufgang über dieser skelettartigen Bagan-Stadt genossen. Um uns herum mehrere Fotoapparate. Die Menschen dahinter haben auf ihren Handys gespielt und Facebook gecheckt, bis die Sonne sich über den Horizont schob. Dann ein Langzeitbelichtungsbild und der ganze Zauber ist dokumentiert und festgehalten für die Ewigkeit. Damit man sich zu Hause daran erinnert, wie schön man es doch hatte.

 

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Von Bagan nach Yangon

Um 6.00 gab‘s Frühstück, um 8.00 Uhr wurden wir abgeholt und zum Busbahnhof gebracht und dann ging es los – die bisher komfortabelste Fahrt. Der Elitebus (der Name ist Programm) war angenehm klimatisiert auf ca 26°C. Trotzdem Decken. Saft. Wasser. Gebäck. Jeder Sitz hatte einen Fernseher mit mehreren, sogar englischsprachigen Filmen. Begeistert haben wir uns auf dieser 10-stündigen Fahrt angefangen, einen Film anzusehen. Leider ist dieser immer wieder abgestürzt oder der Ton war um ein paar Sekunden verschoben. So wurde aus einem 120- Minuten Film ein 5-stündiges, multiemotionales Gedulds-Entertainmentabenteuer mit Leonardo DiCaprio.

Willkommen in Yangon

Am Busbahnhof in Yangon wurden wir von Taxifahrern umgarnt wie von Mücken im schwedischen Smaland. Wir wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir nicht vielleicht ein Taxi wollten. Dabei war es dem zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Taxifrager egal, dass wir den ersten und alle anderen danach abgelehnt, zurückgewiesen oder ignoriert hatten. Am Schluss haben wir dann einfach die Geschichte erfunden, dass wir mit einer organisierten Tour fahren. Das hat ungefähr so geholfen wie Mückenspray: Es kamen immer mal wieder welche an und haben gefragt, sind dann aber schnell wieder verschwunden.

In Yangon sind Motorräder, Motorroller und Tuktuks verboten. Das heißt, alles ist voller Autos. Das ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem wird uns eigentlich schon an den motorisierten Zweiradverkehr gewöhnt hatten. Dafür macht man hier offensichtlich alle Wege mit einem Taxi. Die kosten verhältnismäßig wenig. So haben wir beispielsweise für die 50-minütige Tour vom Busbahnhof zu unserem Hostel umgerechnet etwa  nur 5 Euro bezahlt.

Abends hat sich die Stadt leider erstmal von ihrer schlechteren Seite präsentiert. Es gab in der näheren Umgebung des Hotels leider nur ein Restaurant (ansonsten verdächtig aussehendes Streetfood). In diesem Restaurant roch es nach Rauch und Abwasser. Das Essen war zwar sehr lecker, aber bei dem Geruch leider nur noch halb so schmackhaft. Im Hostelzimmer roch es leider nach dem anderen Extrem: nämlich nach Chlor und Chemikalien die ganze Nacht hindurch.
Morgen werden wir uns ein neues Zimmer nehmen.